Roter Faden Schreiben
Finde den roten Faden deiner Arbeit! | Foto: Thinkstock/umbertoleporini

Schreibwerkstatt

04.07.2014

Schreiben ohne Hemmungen

Schreibwerkstatt Teil 1: Schreiben ohne Hemmungen

Egal, ob Protokolle, Thesenpapiere oder Hausarbeiten – manchmal hakt es, wenn man vor dem Rechner sitzt. Schreibpädagogin Andrea Behnke zeigt, wie "Schreiben im Studium" ... mehr »

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04. Jul 2014

UNICUM Onlineredaktion

Schreibwerkstatt

Teil 4: Die Struktur der Uni-Arbeit

Vom Knäuel im Kopf zum roten Faden

Wenn die Forschungsfrage – also die zentrale Frage, die in der schriftlichen Arbeit beantwortet werden soll – das Reiseziel ist, so ist die Gliederung die Reiseroute. Und eine solche Route ist nicht nur für die Betreuer der Arbeit da, damit klar ist, was der Studierende plant, sondern auch für die Schreiber selbst. Denn: Wer genau weiß, wie er fahren muss, kommt schneller und gelassener ans Ziel. Es lohnt sich also, ein wenig Zeit in ein gutes Inhaltsverzeichnis zu investieren – das erleichtert das spätere Schreiben ungemein.

Damit nicht schon jetzt die berühmte "Schere im Kopf" zuschnappt, eines vorweg: Die erste Gliederung muss nicht die letzte sein! Zunächst geht es vielmehr um eine vorläufige Struktur, die in erster Linie eine Unterstützung für den Studierenden sein soll. Später wird sie immer wieder überarbeitet; es ist wichtig, offen für neue Ideen und Impulse zu bleiben.

In einem ersten Schritt gilt es, die Forschungsfrage in sinnvolle Teilfragen aufzusplitten. Jeder einzelne Unterpunkt dient demnach dem zentralen Thema. Eine Gliederung sollte nicht mit zu vielen Punkten überfrachtet und strubbelig gemacht werden, sondern, im Gegenteil, Strubbeliges glätten. Das Gute: Wer sich bereits mit der Forschungsfrage beschäftigt hat, ist schon im Thema und hat viel Vorarbeit geleistet.

Mit Clustering entsteht ein Netz von Ideen

Eine gute Methode, zu Unterfragen zu kommen, ist das so genannte Clustering. Dabei nimmt man sich ein großes Blatt Papier im Querformat und schreibt den Kernbegriff in die Mitte. Dann lässt man sich einfach treiben, wie es Gabriele L. Rico, die Erfinderin dieser Methode, empfiehlt. Man schreibt die Einfälle wie Sonnenstrahlen rund um den Begriff. Jedes neue Wort (oder auch jeden Satz, jedes Gefühl, jeden Gedanken...) verbindet man mit dem letzten – und zwar so lange, bis einem zu diesem Strang nichts mehr einfällt. Dann wendet man sich wieder dem Kern zu und assoziiert erneut. So entsteht ein Netz von Ideen. Clustern darf nicht zu Stress führen, sobald sich der Kopf zu sehr einschaltet, sollte man aufhören. Das Material, das so durch das Assoziieren entstanden ist, kann man nun nach Schlüsselbegriffen ordnen.

Empfehlenswert ist es, zu jedem Punkt einen kleinen Rohtext von zwei bis drei Sätzen zu schreiben. Denn: So werden Brüche im Ablauf schneller deutlich. Und man taucht schon richtig in die Arbeit ein, lernt dabei Einiges und kommt schon langsam in den Schreibprozess. Anschließend sollte man sich ein paar Gedanken darüber machen, welches Material und welche Methode zu welchem Unterkapitel passt, wie viel Zeit man für jedes Unterkapitel hat und wie lang die Kapitel werden sollen, damit der Gesamtumfang der Arbeit nicht gesprengt wird.

Die Gliederung dient als roter Faden, der die Leser durch die Arbeit führt. In manchen Ratgebern werden Standardgliederungen vorgestellt: zum Beispiel vom Allgemeinen zum Besonderen oder, wenn es sich anbietet, chronologisch. Bestenfalls bekommt die Arbeit aber eine ganz einzigartige innere Logik und so eine eigene Stimme.

Das Knäuel im Kopf des Schreibenden muss jedoch so entwirrt werden, dass ein Außenstehender das, was auf dem Papier landet, verstehen kann. Während Gedanken im Gehirn völlig ungeordnet nebeneinander Platz haben, muss auf dem Papier eine lineare Struktur entstehen. Dass der Faden zwischendurch immer mal wieder ein paar Knoten bekommt, die erst gelöst werden müssen, ist völlig normal. Nur so kann eine kreative Arbeit entstehen.

 

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