Feinschliff Hausarbeit
Vor der Abgabe musst du alles genau unter die Lupe nehmen | Foto: Thinkstock/BONNINSTUDIO
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04. Jul 2014

UNICUM Onlineredaktion

Schreibwerkstatt

Teil 6: Der Feinschliff

Der letzte Schliff für die Haus- und Abschlussarbeit

Keine Frage: Wer den Rohtext geschafft hat, hat sich eine kleine Belohnung und vor allem auch ein paar freie Tage zum Durchatmen verdient! Ohnehin ist es besser, erst mit etwas Distanz zum Text mit der Überarbeitung zu starten. Die Überarbeitung braucht Zeit, da auch zwischendrin ein wenig Abstand gut tut.Die Faustformel lautet: Die Überarbeitung dauert genauso lange wie das Schreiben zuvor.

Dass in dem Begriff Überarbeitung das Wort "Arbeit" drin steckt, kommt nicht von ungefähr. Tatsächlich muss man in dieser Phase noch einmal richtig ran. Während Rohtexte, wenn man erst einmal im Schreibfluss ist, leicht von der Hand gehen können, ist hier Kleinarbeit gefragt, um den großen Wurf salonfähig zu machen. Liest man sich seinen Entwurf das erste Mal durch, kann das frustrierend sein. Doch Schreiben heißt eben vor allem überarbeiten. Und es ist doch toll, dass man schon so viel zu Papier gebracht hat.

Überarbeiten ist, wie einen Text zum Frisör schicken

Der Rohtext ist ein Lockenkopf mit vielen Nestern, der jetzt erst einmal liebevoll ausgekämmt und in Frisur gebracht werden muss. Vielleicht muss man sogar noch die Haarlänge kürzen, Zöpfe flechten und hier und da eine Spange ins Haar stecken. Während der Rohtext so genannte "writer-based prose" (das heißt ein "Ich-Text") ist, muss das Geschriebene in der Überarbeitung in "reader-based prose" (in einen "Du-Text") verwandelt werden. Nun gilt es, die Leserinnen und Leser ins Auge zu fassen – hier kommt das spätere Publikum ins Spiel.

Daher muss man sich als erstes klar werden, wer die Zielgruppe des Textes überhaupt ist. Und um welche Textsorte handelt es sich? Welche Funktionen soll diese Textsorte erfüllen? Ein Protokoll beispielsweise hat ganz andere "Gesetze" als eine Hausarbeit. Was braucht ein Leser, um den Text zu verstehen? Bei längeren wissenschaftlichen Texten sind das auf jeden Fall: Eine Einleitung und Einführung in das Thema und die Forschungsfrage, einen Wegweiser durch das, was folgt, und einen roten Faden.

Im Klartext: Die Argumente müssen nachvollziehbar, die Überleitungen zwischen den Kapiteln und den einzelnen Sinneinheiten schlüssig sein. Spätestens an diesem Punkt ist es wichtig, sich externes Textfeedback einzuholen, zum Beispiel in Form eines Peer-Feedbacks. Das können Mitstudierende sein und auch Menschen, die mit dem eigenen Fach oder gar mit dem Uni-Leben nicht viel zu tun haben. Beide Blickwinkel können die Augen für Schwachstellen öffnen. Diejenigen, die Rückmeldungen zum Text geben, sollten Leitfragen an die Hand bekommen. Worauf sollen sie beim Lesen des Textes besonders achten?

Nimm deinen Text genau unter die Lupe!

Im Vorteil ist, wer frühzeitig eine Schreibgruppe gründet oder sich einer solchen anschließt. Das motiviert! Mit Textfeedback im Gepäck geht’s dann in die nächste Runde: Hier besteht schnell die Gefahr, sich zu überfordern. Daher sollte man die Aufgaben in Portionen einteilen. Erst sollte der Text inhaltlich und strukturell, dann sprachlich unter die Lupe genommen werden. Und zwar – nachdem das "Haar" einmal grob durchgekämmt wurde – in kleinen "Haarsträhnen". Dann ziept es auch nicht so sehr, also Kapitel für Kapitel, Unterkapitel für Unterkapitel, Absatz für Absatz. Satzbau und Wortwahl werden erst ganz zum Schluss untersucht.

  • Die Kernfrage lautet: Trägt dieser (Ab-)Satz wirklich zur Beantwortung der Grundfrage des jeweiligen Kapitels bei? Ist alles logisch und nachvollziehbar?

Gerade wenn es um den Sprach-Check geht, hilft es, den Text auszudrucken und auf dem Papier zu überarbeiten. Oder sogar laut zu vorzulesen; da fallen Unstimmigkeiten noch mehr auf. Und nicht vergessen: Immer wieder Pausen einbauen, um nicht zu verkrampfen.

Die Korrekturphase

Nach der Überarbeitung, der Redaktion, folgt die Korrektur – da geht es dann wirklich um Rechtschreibung, Grammatik, Tippfehler und einheitliche Form. In diese Phase sollte auf jeden Fall jemand helfen. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. Irgendwann ist dann auch die letzte Nachtschicht vorbei, dann heißt es: Loslassen! Auch wenn eine innere Stimme immer wieder "Du bist noch nicht fertig" flüstert, sollte man sich vor Endlos-Korrekturschleifen hüten. Niemand ist perfekt!

 

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