Equal Pay Day
Gleiche Arbeit, ungleiches Gehalt? Jeder Tag sollte Equal Pay Day sein! | Foto: Thinkstock/lolostock
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17. Mär 2017

Nina Weidlich

Geld & Finanzen

Equal Pay Day: Liebe Studis, was sagt ihr zum Gender Pay Gap?

Warum brauchen wir einen Equal Pay Day?

Beim Gender Pay Gap unterscheiden wir zwischen der unbereinigten und der bereinigten Lücke. Der unbereinigte Lohnunterschied liegt derzeit bei 21 Prozent – das bedeutet: Bekommt ein Mann für eine Arbeitsstunde einen Euro, verdient eine Frau in derselben Zeit nur 79 Cent.

Dieser Unterschied hat vor allem strukturelle Ursachen: Zum einen gibt es immer noch eine Zweiteilung in Frauen- und Männerberufe, wobei die Entlohnung in den klassischen Frauenberufen, etwa in der Pädagogik oder der Pflege, generell geringer ist. Zum anderen arbeiten Frauen viel öfter in Teilzeit als Männer, da sie sich in den meisten Fällen um den Haushalt und die Kinderbetreuung kümmern.

Aussagekräftiger ist die bereinigte "Gehaltslücke": Hier werden die Gehälter von Frauen und Männern in vergleichbaren Positionen und mit ähnlicher Qualifikation gegenübergestellt. Momentan verdient eine Frau sechs Prozent weniger als ihr männlicher Kollege. 

Um auf den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen aufmerksam zu machen, hat das Berufsfrauennetzwerk BPW (Business and Professional Women) im Jahr 2008 den Equal Pay Day ins Leben gerufen. Dafür wird auf Grundlage der unbereinigten Lohnlücke berechnet, wie viele Tage im Jahr Frauen rein theoretisch ohne Bezahlung arbeiten. In diesem Jahr findet der Equal Pay Day am 18. März statt – das bedeutet für die Frauen, dass sie die ersten 77 Tage des Jahres umsonst gearbeitet haben, während die Männer ab dem 1. Januar Gehalt kassierten.


Gender  Pay – what?!

Viele der Studenten, die wir auf dem Bochumer Campus auf das Thema "Gender Pay Gap" angesprochen haben, wussten mit dem Begriff überhaupt nichts anzufangen. Vielleicht ist die Bezeichnung "Gender Pay Gap" auch einfach noch im Sprachgebrauch der Studierenden angekommen. Denn sobald wir den Studis erklärt haben, was es mit damit auf sich hat, hatten plötzlich alle eine Meinung – und zwar eine ziemlich deutliche.

Henrik: "Für mich wäre es okay, für die Gleichberechtigung weniger zu verdienen"

Was denkst du über die Gender Pay Gap?
Student HenrikIch finde es krass, dass es das in Deutschland immer noch gibt. Das hätte ich nicht gedacht, deswegen ist es gut, dass diese Zahlen jetzt rausgekommen sind. Man sollte dringend etwas dagegen tun.

Zum Beispiel?
In erster Linie: Diese Lücke schließen. Wenn die Männer dann weniger verdienen, damit das angeglichen werden kann, dann finde ich das durchaus okay. Für mich wäre es überhaupt kein Problem, weniger zu verdienen, damit Gleichberechtigung besteht. Ich fände es wichtig, dass da was passiert.

Felix: "Frauen sind sogar wichtiger als Männer"

Was denkst du über die Gender Pay Gap?
Studenten Felix und MartinDass Frauen weniger Geld bekommen als Männer finde ich natürlich nicht ok. Warum sollten Frauen weniger bekommen? Für mich gibt es da einfach gar keinen Grund. Gleiche Arbeit, gleicher Lohn. Das ist genau der gleiche Quatsch wie Rassismus – der ist doch auch vollkommen sinnlos. Ich sehe einfach keinen Unterschied, ob eine Frau oder ein Mann einen Job macht.

Und vor dem Hintergrund, dass Frauen wegen der Schwangerschaft ein höheres Ausfallrisiko haben?
Naja, ohne Kinder haben wir auch keine Zukunft. Man könnte ja auch die andere These vertreten und sagen: Frauen sind sogar wichtiger! Aber das ist natürlich auch wieder genauso ein Quatsch. Letztendlich: Gleiche Arbeit, gleiches Geld. Gleichberechtigung – das ist doch normal.

Lotte: "In meinem Studiengang machen nur die Männer Karriere"

Was denkst du über die Gender Pay Gap?
Ich würde sagen, dass das schon an dem Rollenbild von Mann und Frau liegt, weil verschiedene Berufe historisch gewachsen eben Frauen- oder Männerberufe sind. Aber ich finde, dass diese Lohnungleichheit bei gleicher Arbeitsform und gleichemStudentin Lotte Beruf gar nicht geht. Meiner Meinung nach wird das Problem immer noch zu wenig angepackt.

Würdest du die Gender Pay Gap ansprechen oder sogar deswegen den Job wechseln?
Ich würde es auf jeden Fall ansprechen und wenn es nötig ist auch den Job wechseln. Ich studiere Soziale Arbeit – da ist das ein ganz großes Thema. Es studieren ungefähr zehn Männer mit mir, und die wissen alle schon, dass sie mal Karriere machen wollen. Bei den Frauen ist das irgendwie nicht so. Weil Frauen und Männer oft gar nicht auf der gleichen Ebene arbeiten, ist es schwierig, die Gehälter zu vergleichen. Insgesamt würde ich aber sagen, dass wir alle mehr verdienen sollten. Besonders in klassischen Frauenberufen verdient man immer noch viel zu wenig.

Paul: "Frauen müssen für die gleiche Anerkennung mehr leisten"

Wärest du als Mann bereit, auf Lohn zu verzichten, um die Gender Pay Gap zu schließen?
Student PaulIch war noch nie in einem Arbeitsverhältnis, deswegen kann ich das schwer einschätzen. Aber so würde ich sagen: Auf jeden Fall.

In Interviews mit Frauen, die sich in Führungspositionen hochgearbeitet haben, liest man auch oft den Satz: Wenn man als Frau in einer männerdominierten Welt unterwegs ist, muss man nicht nur die gleiche Leistung bringen wie die Männer, sondern am besten eine darüber hinausgehende Leistung. Das finde ich total daneben, aber es ist meiner Meinung nach ein strukturelles Problem.

Julia: "Die Gender Pay Gap ist eine Frechheit"

Was denkst du über die Gender Pay Gap?Studentin Julia
Zunächst muss ich sagen: Das ist echt eine Frechheit! Ich studiere Rechtswissenschaften und möchte natürlich später irgendwann mal eine erfolgreiche Anwältin werden. Ich könnte mich überhaupt nicht damit abfinden, dass jemand in einer Großkanzlei die gleiche Tätigkeit ausübt wie ich und mehr verdient, nur weil er ein Mann ist.

Würdest du die Gender Pay Gap ansprechen oder sogar deswegen den Job wechseln?
Ich denke schon. Natürlich muss man bei so etwas auf die Art und Weise achten, wie man vorgeht. Die wichtigste Frage ist aber: Warum bekomme ich weniger? Man darf auch nicht vergessen, dass eine Frau immer noch andere Aufgaben zu erfüllen hat – im Haushalt oder mit der Kinderbetreuung. Das ist ja ohnehin schon eine Belastung. Dann auch noch weniger verdienen? Nein!

Pascal: "Warum soll ich weniger Geld bekommen, wenn Frauen mehr bekommen könnten?"

Was denkst du über die Gender Pay Gap?
Student PascalIch finde schon, dass Männer und Frauen für die gleiche Arbeit die gleiche Bezahlung bekommen sollten. Ich finde es einfach unfair, wenn eine vierzigjährige Frau die gleiche Arbeit macht wie ein zwanzigjähriger Mann und trotzdem weniger Gehalt bekommt.

Wärest du als Mann bereit, auf Lohn zu verzichten, um die Gender Pay Gap zu schließen?
Ich fände es gerecht, wenn die Frauen auch mehr Geld bekommen. Warum sollte ich denn weniger verdienen, wenn sie doch mehr Gehalt kriegen könnten?


Das sagt die Gender-Expertin

Dr. Katja Sabisch ist Professorin für Gender-Studies an der Ruhr-Uni Bochum. Wir haben sie gefragt, wie Frauen sich im Job gegen die Lohnungleichheit wehren können und ob es Hoffnung gibt, dass die Lücke jemals geschossen wird.

Gleichberechtigung im Schneckentempo

UNICUM: Wie können Frauen sich im Beruf gegen den Lohnunterschied wehren?
Dr. Katja Sabisch: Wenn es sich tatsächlich um die gleiche Tätigkeit handelt, könnte man natürlich arbeitsrechtlich dagegen vorgehen. Die Bundesregierung plant gerade auch eine Gesetzesinitiative, durch die die Gehälter offen gelegt werden sollen – das ist ein erster wichtiger SchrittDr. Katja Sabisch.

Wer ist in der Verantwortung, die Gender Pay Gap zu schließen? 
Alle Akteure sind da eigentlich angesprochen. Wir sollten schon im Kindesalter ansetzen: Es muss eher darum gehen, Individuen zu fördern und nicht darum, bestimmte Geschlechterstereotype zu entwickeln. Durch Initiativen wie den Girls Day oder den Boys Day muss schon bei der Berufwahl versucht werden, den Gender Bias aus den Köpfen zu bekommen. 

Werden die Gehälter jemals gerecht verteilt sein?
Wenn die Entwicklung in diesem Schneckentempo weitergeht, ist das natürlich nicht gerade günstig für Frauen. Gerade, wenn  wir an Probleme wie die Altersarmut denken. Es gibt zwar immer mehr Väter in Elternzeit, aber meistens nur für zwei Monate, weil das als längerer Urlaub genehmigt wird und gesellschaftlich anerkannt ist. Alles, was darüber hinausgeht, wird eher sanktioniert. Ich würde sagen, dass da strukturell jetzt noch nicht unbedingt so viel gewonnen ist, dass es da noch ein bisschen mehr brauchen würde, um diese Lücke zu schließen.

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 18. Mär 2017 um 18:04 Uhr von mitm
"Momentan verdient eine Frau sechs Prozent weniger als ihr männlicher Kollege." Nein, das ist doppelt falsch. 1. Die 6% sind eine Obergrenze, wie das statistische Bundesamt in seinen Publikationen ganz klar ausdrückt. Wenn bessere Daten vorhanden wären, wäre das Gap kleiner, und zwar deutlich kleiner, ca. 2 - 3 %. 2. Das Verfahren zur Berechnung des GPG vergleicht nicht "Kollegen", genauer gesagt bis auf das Geschlecht identische Arbeitsverhältnisse, sondern berechnet Schätzformeln für die Gehälter von Männern und Frauen und vergleicht nur noch die Koeffizienten in diesen Formeln. Damit werden praktisch "unvergleichbare" Arbeitsverhältnisse am Umwegen doch irgendwie verglichen. Als Konsequenz kann man das Ergebnisnicht so verstehen bzw. interpretieren, daß die 6% Differenz zwischen "Kollegen" auftreten, das ist komplett postfaktisch.
Veröffentlicht am 23. Mär 2017 um 11:26 Uhr von nogpgexisting
Der Artikel ist reine Augenwischerei. Die 6% sind nur um die gröbsten Unterschiede bereinigt, wie jedoch schon mitm gesagt hat längst nicht um alle. Ergo kann auch hier nicht die Rede davon sein, dass wirklich für gleich Arbeit weniger gezahlt würde. Die Aussage der Jurastudentin, dass ein Kollege auf gleicher Position im gleichen Unternehmen mehr bekäme weil er ein Mann ist, ist einfach nur falsch. Selbst wenn das hypothetisch so wäre, würde jedes Gericht dies sofort verbieten. Noch mehr stört mich aber der emotionale Ton den der Artikel anschlägt: Stets geht es um "gerechte" Bezahlung. Was soll den gerecht bedeuten? Wäre es gerecht, wenn ein Ingenieur dasselbe verdient wie ein Friseur? Aus meiner Sicht nein. Eine unterschiedliche Bezahlung, die auf sachliche Faktoren zurückgeht (wie es beim sogenannten GPG ja ist), ist zwar ungleich aber damit bestenfalls subjektiv ungerecht. Diese emotionale Aufladung soll m. E. nur von den Sachfakten ablenken.