Online-Klausuren IUBH
Keine Chance für Schummler: Sicherheitscheck vor der Online-Klausur | Illu: Max Rogalski

Studium Digital

11.05.2016

Online studieren

Computer statt Campus

Digitales Studium auf dem Vormarsch

Wer heutzutage sein Wissen erweitern will, muss sich nicht mehr in stickige Vorlesungssäle drängen oder an überfüllten Seminaren teilnehmen. Massive Open Online Courses, ... mehr »

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28. Feb 2017

Ann-Christin Kieter

Studium Digital

Klausuren zuhause schreiben: Bald DER Trend an der Uni?

E-Klausuren sind fast schon von gestern

Papier und Stift haben an vielen Hochschulen ausgedient, E-Klausuren sind nichts Neues. Allerdings werden diese an fixen Terminen im Computerraum geschrieben. Fernstudierende der Internationalen Hochschule Bad Honnef · Bonn (IUBH) hingegen bekommen seit Dezember 2016 ein Maximum an Flexibilität geboten. Sie können Prüfungen in den eigenen vier Wänden ablegen.

In den USA sind solche Online-Klausuren schon recht verbreitet, aber: "Was bei uns hinzukommt, ist die Möglichkeit, an 365 Tagen (oder Nächten) im Jahr zu schreiben – das geht sonst nirgendwo auf der Welt", erklärt Projektmanagerin Dr. Carmen Thoma. Und das, obwohl eine reale Person zur digitalen Überwachung zur Verfügung stehen muss, damit nicht nach Lust und Laune gepfuscht werden kann.

Schreibtisch abräumen und los geht's!

BWL-Studentin Sandra Klaußner (26) aus Nürnberg war die Allererste, die das Angebot ausprobiert hat: "Als ich mit den Inhalten für ein Modul durch war, habe ich spontan entschieden, dass ich die Klausur abends schreibe, wenn ich von der Arbeit heimkomme." Auf ihrem Schreibtisch im Schlafzimmer durften nur der Laptop und Drucker stehenbleiben. Überprüft hat das ein sogenannter Proctor, ein Mitarbeiter des amerikanischen Dienstleisters, mit dem die IUBH zusammenarbeitet.

Mit ihm war Sandra die ganze Zeit verbunden, einmal mit dem Rechner- Programm "Bomgar" per Chat und einmal dank App "Megameeting" per Smartphone- Kamera, in die sie zu Beginn ihren Personalausweis halten musste. Danach hat sie ihrem Gegenüber in den USA per Kameraschwenk gezeigt, dass keine Spicker an der Wand hängen, und das Handy dann an eine Wasserflasche gelehnt, um die Kamera auf sich, Maus und Tastatur auszurichten.

Big Brother is watching you – aber nicht auf dem Klo!

Innerhalb von 45 Minuten hat Sandra nun Multiple-Choice- und offene Fragen beantwortet. Damit nicht jeder die gleiche Klausur bekommt, werden die Aufgaben per Zufallsprinzip zusammengestellt, für jeden Kurs stehen jede Menge Fragen zur Auswahl. Dauern Prüfungen länger als 90 Minuten, darf man auch zur Toilette gehen – natürlich ohne sich dabei zu filmen. "Wenn im Bad Spicker sind, dann ist das so, das wäre bei Präsenzklausuren im Studienzentrum auch nicht anders. Man kann eben nie alles ausschließen", gibt Carmen Thoma zu.

Die Aufregung war bei Sandra schnell verflogen: "Meine gewohnte Umgebung hat mir bei meiner Prüfungsangst sehr geholfen." Zudem sei der Proctor sehr nett und hilfsbereit gewesen, wobei er bei inhaltlichen Fragen nicht hätte helfen können, da er schließlich nicht vom Fach ist. Angst, was falsch zu machen, hatte die 26-Jährige nicht; und auch die Leiterin des Projekts versichert: "Wenn der Student mal am Bildschirm vorbeischaut, wird ihm nicht gleich Betrug unterstellt. Bei Auffälligkeiten können wir später entscheiden." Zu dem Zweck werden Videos 30 Tage lang auf einem Server gespeichert, kritische noch länger.

Fremdzugriff auf den Computer

Datenschützern werden jetzt vielleicht die Alarmglocken klingeln. Dabei wurde eine Sache noch gar nicht erwähnt: Proctors haben während der Klausur Zugriff auf die Rechner, um sicherzustellen, dass man nicht zum Beispiel im Internet recherchiert. Doch Carmen Thoma gibt Entwarnung: "Die Studierenden sehen, was der Proctor mit der Maus macht. Er kann also nicht irgendwelche Dateien kopieren oder anschauen. Und alles, was er macht, wird ebenfalls aufgezeichnet."

Online-Klausur ist kein Muss

Wer skeptisch ist, kann weiterhin an einem der 35 IUBH-Standorten schreiben, die Online-Klausuren mit Live-Überwachung sind nur ein ergänzendes Angebot. Eines, das jedoch stetig ausgebaut wird: "Bis Mitte 2017 sollen sie für alle Kurse zur Verfügung stehen", verspricht Carmen Thoma und ist sicher, dass bald auch andere Hochschulen – private mit ähnlichen Modellen – auf diesen Zug aufspringen werden. Da in den Studienzentren jede Klausur nur einmal im Monat samstags geschrieben werden kann, wird Sandra ihr Schlafzimmer wohl bald wieder zum Prüfungsraum machen.

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