Dritter Bildungsweg
Tom (25) studiert über den dritten Bildungsweg, um die Welt entdecken zu können | Foto: Privat
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01. Okt 2015

Christina Rüschhoff

Uni-Orga

Der dritte Bildungsweg: Uni ohne Abi

Das sagen Studierende zu diesem Trend

Ohne Abi: Auf dem dritten Bildungsweg ins Studium

Und jetzt nochmal drei Jahre die Schulbank drücken? Darauf hatte Tom aus Greifswald keine Lust. "Ich wollte endlich arbeiten und Geld verdienen", erinnert sich der 25-Jährige. Mit dem Realschulabschluss in der Tasche bekam er einen Ausbildungsplatz bei einer Bank und ist mit 16 von zuhause ausgezogen, um in sein neues Leben in Hamburg zu starten.

Es passte super: Acht Jahre lang war Tom berufstätig, arbeitete nach der Ausbildung erst in der Bank, dann bei einem Finanzdienstleister und später in einem Start-up für Online-Marketing. Aber soll das jetzt so weitergehen, bis ich 65 bin? Diese Frage musste Tom irgendwann für sich mit "nein" beantworten. Also entschloss er sich für ein Studium der Sozialökonomie an der Uni Hamburg, das dank seiner beruflichen Vorerfahrung auch ohne Abitur möglich war.

"Ich wollte mehr Freizeit und natürlich einen Hochschulabschluss", erklärt Tom seine Beweggründe. Heute kann er in den Semesterferien um die Welt reisen. Klingt locker, ist es aber nicht immer: "Es war ziemlich schwer, sich wieder an das Lernen zu gewöhnen." Trotzdem sei es für ihn der richtige Weg gewesen.

Hochschulabschluss mit 30 = keine Dax-Karriere

Tom ist bei Weitem nicht der Einzige, der mit "Umweg" an die Hochschule kommt: Allein im Zeitraum von 2007 bis 2013 hat sich die Anzahl der Studenten ohne Abitur nahezu verdreifacht. Aktuell gibt es etwa 46.000 Studierende ohne Abi, das sind so viele wie nie zuvor.

Eine erfreuliche Entwicklung, findet auch Uwe Elsholz: "Die stärkere Öffnung der Hochschulen fördert die Durchlässigkeit des Bildungssystems", sagt der Professor für Lebenslanges Lernen an der FernUni Hagen. Während bislang die akademische und die berufliche Bildung stark getrennt waren, können heute auch Kinder aus bildungsfernen Schichten leichter einen Hochschulabschluss erwerben. Damit ist aber nicht jeder unbedingt glücklich. "Unidozenten sind in der Regel wenig offen dafür", hat Dr. Sigrun Nickel festgestellt.

Bei Fachhochschul-Professoren sieht es deutlich besser aus: "Sie haben selber meist schon in der Wirtschaft gearbeitet und ein anderes Verständnis für Leute mit Berufspraxis", so die Leiterin der Hochschulforschung am Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Einen ähnlichen Eindruck hat auch Uwe Elsholz: "Gegner sind insbesondere traditionelle Professoren, die sich nicht auf diese Zielgruppe einstellen wollen und es zum Teil auch nicht können."

Auch aus Karrieregründen rät Prof Elsholz eher zum Abi. Ein Studium bleibe im Anschluss an die Schulzeit immer leichter. Außerdem seien Karriere- und Verdienstaussichten auf dem zweiten oder dritten Bildungsweg insgesamt geringer. Er ist der Überzeugung: "Wer mit Ende 30 seinen Hochschulabschluss macht, wird eben nicht mehr Vorstand eines DAX-Konzerns."


Das sagen Studierende mit Abitur zum dritten Bildungweg

Sophie (23) Studentin Sophie

Kommunikationsdesign in Hamburg // Abinote: 2,8

"Viele Kreative sind nicht gut in der Schule, deswegen finde ich super, wenn das Abi nicht zwingend darüber entscheidet, ob man studieren kann. Denn hier geht es ja darum, ob man Talent hat, und darüber sagt der Abi-Schnitt leider wenig aus."

 


Student JanJan (21)

Geschichte und Kultur des Vorderen Orients in Berlin // Abinote: 3,3

"Ich finde das richtig gut, dass studieren auch ohne Abi möglich ist. Ich wette auch, dass jemand, der seinen Meister hat, viel mehr kann als jemand mit Bachelor. Außerdem hat man so auch nach vielen Jahren Berufserfahrung die Möglichkeit, sich weiterzuqualifizieren und dann einen besser verdienten Job zu machen."


Annemike (25) Studentin Annemike

Master in Strategic Marketing in München // Abinote: keine Angabe

"Beim Abi lernt man Inhalte, die man fürs Studium braucht. Auch die zwei Jahre zusätzlichen Englischunterricht finde ich ziemlich wichtig. Andererseits bin ich gegen NC-Regelungen für beispielsweise Medizin, da sollte man ein größeres Augenmerk auf die persönlichen Fähigkeiten legen. Ansonsten ist es natürlich schön, dass engagierte Auszubildende die Chance bekommen zu studieren."


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