Wer könnte besser von den Problemen eines Erstsemesters berichten, als die Abiturienten der letzten Jahrgänge? Immer mehr Schulen bauen daher Alumni-Netzwerke auf. Die Datenbanken voller Kontakte und Lebensläufe helfen Schülern bei der Studien- und Berufswahl .
Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien treffen sich am Tübinger Wildermuth-Gymnasium die Ehemaligen. Nicht, um in der Vergangenheit zu kramen und auf alte Zeiten anzustoßen, sondern um Oberstufenschülern bei der Planung ihrer Zukunft zu helfen. Sie informieren über interessante Studiengänge, die Mietpreise in den Unistädten, die Qualität des Mensa-Essens oder die Güte der Fachschaftsbetreuung. „Wir fragen die Schüler vorher, welche Fächer sie besonders interessieren“, sagt Astrid-Camilla Feifel-Thomas, die als Lehrerin die Veranstaltung betreut. Passend dazu lädt sie dann die Referenten ein. Inzwischen kann sie aus einem Pool von über 600 Kontakten schöpfen.
Netzwerken liegt im Trend: Während sich bei Stayfriends und StudiVZ alte Schulkameraden finden und bei Xing eifrig Businesskontakte geknüpft werden, entdecken auch immer mehr Schulen, wie nützlich es ist, über das Internet Kontakt zu ehemaligen Abiturienten zu halten. Davon profitieren vor allem die Schüler, die vor der Studien- und Berufswahl stehen. Sie haben mit den Ehemaligen Ansprechpartner, deren eigene Berufsentscheidung noch nicht lange zurückliegt und die authentische Informationen liefern können. „Die Beschreibung eines Studiengangs verrät nicht, wie er von innen aussieht. Wir hingegen können aus Erfahrung berichten“, erklärt Christian Wolf, Sprecher des Vereins „Alumni at School“.
Er selbst nennt sich einen „pathologischen Fall“. Weil er falsche Vorstellungen vom Studium hatte, waren die ersten vier Semester an der Gesamthochschule Wuppertal verschenkt. Bei „Alumni at School“ engagiert sich der 29- Jährige dafür, dass es anderen nicht ebenso ergeht. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Schulen beim Aufbau von Alumni-Plattformen zu unterstützen. 60 Vereinigungen mit rund 15.000 Teilnehmern sind dem Netzwerk inzwischen beigetreten und profitieren von der Verwaltungssoftware und der Beratung, die es kostenlos anbietet. Auch das Wildermuth-Gymnasium gehört dazu.