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Rudis Resterampe

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1968 ist das Jahr, an dem sich noch immer die Geister scheiden. Für die einen bedeutet es Aufbruch und Emanzipation, für die anderen Werteverfall und Geburtsstunde des RAF-Terrors. Was haben die 68er erreicht, und was ist vom Mythos um diese Generation übrig geblieben?

Demonstrationen gegen die Bildungsmisere waren in den fünfziger und sechziger Jahren an der Tagesordnung, sie waren so etwas wie der Normalfall studentischen Protests. Die  Klage über offenkundige Missstände, gepaart mit dem Appell an die Regierenden, sie doch gnädigst zu beseitigen, hatte Ventilcharakter. Niemand wurde angegriffen, die Formen blieben gewahrt und die Verkehrsstörungen auf ein in der parlamentarischen Demokratie vorgesehenes Maß reduziert. Die Proteste, die in der Regel in Deklarationen und Petitionen einmündeten, waren fast ohne Ausnahme folgenlos. Geändert hat sich das bekanntlich erst mit der Revolte von 1968, mit politischen Formen, die weder als Einhaltung demokratischer Regeln noch als begrenzte Regelverletzung im Sinne einer Bürgerrechtsbewegung zu begreifen waren.

„Für Konservative und Marktradikale ist 1968 im Grunde an allem schuld“

An dieser Bewegung, die ihren Ursprungsort an den Universitäten hatte, scheiden sich noch immer die Geister. Der bereits vor Jahren ausgebrochene Kulturkampf um den Stellenwert des emblematisch gewordenen Jahres 1968 hält unvermindert an. Alle Prognosen, dass sich diese Streitigkeiten erschöpfen und damit endgültig Vergangenheit geworden sein könnten, haben sich bislang als gegenstandslos erwiesen. Die Irritationswirkung, die von der damaligen Bewegung ausging, wirkt – wie dies gegenwärtig der Streit um Götz Alys Vergleich zwischen der 33er- und der 68er-Bewegung zeigt – auf merkwürdige Weise – teils verstörend, teils befremdend, zum Teil aber auch beunruhigend – noch immer fort. Was die Bedeutung der 68er-Bewegung für die Geschichte der alten und die Gegenwart der neuen Bundesrepublik anbetrifft, empfiehlt es sich, zwischen drei verschiedenen Dimensionen zu unterscheiden – einer Chiffre, einem Mythos und einer Zäsur.


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