Medizinerin Isabella Heuser von der Berliner Charité über Lernstress an den Unis, Aufputschmittel bei Studenten und den permanent steigenden Leistungsdruck.
Professor Heuser, wenn Studenten vor schweren Prüfungen Aufputschmittel schlucken, ist das dann Doping – vergleichbar mit unerlaubten Mitteln bei Sportlern?
Ja, natürlich.
Also sind Dopingkontrollen vor Klausuren nur noch eine Frage der Zeit?
Zum jetzigen Zeitpunkt wäre das absurd. Aber wenn das so weiter geht, wenn immer mehr Studenten Medikamente einnehmen, um länger lernen zu können, wäre das vorstellbar.
Ist der Lernstress im Studium so hoch, dass es ohne Pillen nicht mehr geht?
Der Stress war immer schon hoch, zumindest bei denen, die zur klassischen Zielgruppe des Medikamentenmissbrauchs gehören: Jura- und Medizinstudenten. Bei angehenden Medizinern ist es so, dass es nach der Reformierung des Medizinstudiums im klinischen Abschnitt nur noch eine große Prüfung, das so genannte „Hammer-Examen“ gibt. Die Studenten müssen sehr viel Stoff für diese Prüfung parat haben.
Stoff, der früher in mehreren Staatsexamina abgefragt wurde.
Richtig. Und das macht ein langes und intensives Lernen erforderlich. Da kann ich mir schon vorstellen, dass viele auf die Unterstützung durch Nikotin, Koffein oder Medikamente wie Ritalin oder Modafinil zurückgreifen.