Bayer - Synonym für deutsche Spitzenforschung und starke Produkte im Bereich Chemie und Pharmazie. Doch nicht nur für Angehörige dieser Berufsgruppen bietet der deutsche Konzern interessante Arbeitsfelder. In der Lounge der BayArena (Stadion von Bayer 04 Leverkusen) trafen wir die beiden Informatiker Katrin Wedekind, 32, und Christian Reinermann, 26, zum Gespräch über ihre Arbeit im Bayer Information-Management.
Frau Wedekind, Sie haben Medizinische Informatik in Heidelberg und Heilbronn studiert. Dann verschlug es Sie in die USA. Wie kam´s dazu?
Wedekind: Nun, nach dem Studium stieg ich zunächst bei AOL-Bertelsmann ein, wo ich unter anderem den Gesundheitschannel betreute. Nach drei Jahren machte man mir ein Angebot, beruflich in die USA zu gehen, das ich nicht abschlagen wollte. Wie das Schicksal so will, lernte ich dort meinen Mann kennen und bekam eine Tochter. Aus familiären Gründen bin ich 2002 mit Kind und Ehemann aber nach Deutschland zurück gekehrt.
Jetzt sind seit gut einem Vierteljahr bei Bayer. Wie sind Sie mit dem Unternehmen in Kontakt gekommen?
Wedekind: Den ersten Kontakt zu Bayer hatte ich über eine Recruiting Messe, auf der ich zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, das übrigens sehr erfolgreich verlief. Nun wird man bei Bayer nicht nur aufgrund eines Gesprächs eingestellt, sondern durchläuft ein ganztägiges Bewerber-Auswahl-Verfahren. Dort werden weniger die fachlichen Kompetenzen überprüft, sondern eher die Softskills, etwa das Kommunikationsverhalten. Ich habe das alles sehr locker gesehen, weil ich eigentlich nicht so dringend einen Job suchte. Entgegen kam mir auch, dass ich in den Präsentationen Englisch sprechen durfte, denn Englisch konnte ich zu dem Zeitpunkt besser als Deutsch. Sie wurden im Bereich Informations-Management E-Business-Consulting eingestellt. Ein weites Feld - was darf man sich genau unter Ihrer Tätigkeit vorstellen?
Wedekind: In einem so großen Konzern wie Bayer besteht erheblicher Koordinationsbedarf zwischen den einzelnen Unternehmensteilen. Vor allem jetzt, da sich bei Bayer vieles in Richtung E-Business und Marketplaces entwickelt. Wenn also eine Bayer-Abteilung ein E-Business aufbauen oder modifizieren möchte, dann übernehmen wir die Beratung und organisieren die Realisierung. Wir fragen zum Beispiel, wie sich der Plan in das Bayer-E-Business-Konzept einfügt. Im Rahmen der Neuorganisation sind wir die erste Anlaufstelle für Kunden der Bayer Business Services, die eine E-Business Anwendung planen. Das wichtigste Arbeitsmittel ist also die Kommunikation. Ohne E-mail geht hier natürlich gar nichts mehr. Das gute alte Telefon oder ein persönliches Gespräch ist jedoch trotzdem manchmal nicht zu ersetzten.
Etwas ähnliches dürfen wir sicher auch von Herr Reinermann annehmen. Als Wirtschaftsinformatiker sind Sie doch sicherlich auch nicht mit klassischer Programmierarbeit beschäftigt...?
Reinermann: Stimmt! Als Wirtschaftsinformatiker bin auch ich eher konzeptionell tätig - ich verbinde sozusagen die Strukturen der Old- mit denen der New-Economy. Das liegt natürlich in meinen Aufgaben begründet: Ich begleite und forciere die Neugestaltung der SAP Systemlandschaft im Zuge der Umstrukturierung des Bayer Konzerns und sorge für einen reibungslosen Ablauf dieser Umstellung. Klar, dass auch bei dieser Arbeit Kommunikation eine große Rolle spielt.
Im Gegensatz zu Frau Wedekind gingen Sie direkt nach dem Studium zu Bayer. Wie kam´s dazu?
Reinermann: Zunächst war mir - schon seit ich im Alter von neun Jahren meinen ersten Atari 800 bekam - immer klar, dass ich einmal Informatik studieren würde. Und Bayer als Arbeitgeber ist für eine solche Spezialisierung sicherlich eine gute Adresse. Kontakt zum Unternehmen gewann ich übrigens übers Internet. Ich bin auf der Bayer-Homepage herumgesurft, habe dort meine Bewerbung hinterlassen und war gut einen Monat später eingestellt. Man sieht: "The new economy works!"
So einfach geht´s also?
Reinermann (lachend): Wenn man gute Noten, ein kurzes Studium und die richtigen Softskills mitbringt - dann sollte es klappen. Vielleicht hat aber auch geholfen, dass ich ans Ende meiner Selbstpräsentation im Bewerber Auswahl Verfahren noch eine Folie mit Bild von Bayer 04 -Leverkusens Fußball Manager Rainer Calmund geheftet hatte, dazu eine Spruchblase mit dem Satz: "Noch Fragen?" Das kam gut an.
Berufseinsteiger klagen oft darüber, dass der Sprung von der Theorie zur Praxis enorm weit sei. Wie haben Sie ihn bewältigt?
Reinermann: Durch "training on the job". Ich wurde sofort in ein Projekt gestellt und musste mich direkt bewähren. Viel Zeit zum Zagen und Nachdenken bleibt da nicht. Um Ihre Frage zu beantworten: Ich glaube, dass ich schnell in die Aufgaben hineingewachsen bin, wobei es hilfreich war, Initiative zu zeigen und Mut zur Eigenverantwortlichkeit aufzubringen.
Als Wirtschaftsinformatiker stehen ihnen viele Türen offen. Warum sind sie zu Bayer gegangen, das doch eher für seine chemischen und pharmazeutischen Produkte bekannt ist - weniger für seine IT-Services?
Reinermann: Weil ich eigentlich schon immer zu einem großen deutschen DAX-Unternehmen wollte. Dort gibt es einfach mehr Möglichkeiten an Jobrotation und Weiterbildung. Schon in meinem Einarbeitungsplan waren etwa die Schulungen und Fortbildungen zur Entwicklung der fachlichen und persönlichen Kompetenzen festgeschrieben. Und was die Größe der IT-Services angeht: Allein im Information Management bei Bayer arbeiten rund 1.500 Leute an den verschiedensten Aufgaben und mit unterschiedlichsten Qualifikationen.
Allerdings kann man sich in einem so großen Konzern wie Bayer auch verloren fühlen, als ein kleines Rad in einer riesigen Maschinerie.
Reinermann: Nein, gar nicht. Ich habe meinen eigenen Mikrokosmos in Form meiner Abteilung mit meinen Paten und Ansprechpartnern, in dem ich mich wohl fühle. Das Bild von dem kleinen Rädchen in dem Riesenunternehmen passt einfach nicht.
Frau Wedekind, gibt es etwas, dass Sie bei Bayer als echte Herausforderung begreifen? Wedekind: Ganz klar, das ist der momentane Umbruchsprozess in diesem Konzern. Ich war in den USA in einem reinen Internet-Unternehmen tätig, wo einiges anders ablief als in einem großen Konzern - schneller vielleicht, etwas weniger bürokratisch. Aber Bayer ist auf einem guten Weg, Old- und New-Economy miteinander zu verbinden, und ich hoffe, dass ich mit meiner Erfahrungen etwas dazu beitragen kann. Zum Glück ist mein Chef in dieser Hinsicht sehr entgegenkommend und hat mir schnell Verantwortung übertragen.
Reinermann: Bei mir ist es ebenso. Ich finde es spannend, eigenverantwortlich an der Neuorganisation mitzuwirken und zu sehen, dass ich etwas bewirke.
"Etwas bewirken zu können" - dazu bedarf es sicherlich eines überdurchschnittlichen Einsatzes. Wie hoch ist Ihre Arbeitsbelastung?
Reinermann: Besonders hektisch wird es natürlich, wenn ein Go-live-Termin ansteht, also wenn wir ein neues System starten und zum alltäglichen Werkzeug machen. Ansonsten variiert die Arbeitsbelastung. Es gibt durchaus auch ruhigere Phasen.
Wedekind: Bei mir ist es ähnlich. Ich arbeite etwa 45 Stunden pro Woche. Die Arbeitsbelastung in den bisherigen drei Monaten variierte. Von Woche zu Woche. Es war ein ständiges Auf und Ab.
Frau Wedekind, bei 45 Stunden in der Woche bleibt nicht viel Zeit für Freizeit und Familie. Ist es für sie als berufstätige Mutter nicht sehr schwer, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen?
Wedekind: Natürlich hört man gerade als Frau hier und da aus dem Bekanntenkreis, man arbeite zu viel und vernachlässige das Kind. Aber vor allem, wenn man in ein Unternehmen neu einsteigt, halte ich es für wichtig, eine Vollzeitstelle anzunehmen. Allerdings denke ich darüber nach, die Stelle nach der Probezeit wenn möglich auf 75 Prozent herunterzufahren. Bis jetzt ist Bayer mir bei der Verbindung von Familie und Beruf insofern entgegen gekommen, dass man mir bei der Suche nach einer Tagesmutter geholfen hat.
Spielten bei Ihrer Rückkehr nach Deutschland die familienfeindlichen Urlaubsregelungen in den USA eine Rolle?
Wedekind: Das war ein entscheidender Grund. In den USA bekommt man nur zwei Wochen Jahresurlaub. Das war für mich und meine Familie einfach zu wenig. Außerdem ist in Deutschland die Einstellung zur Freizeit viel besser. Man macht hier seine Arbeit, macht sie gut und darf dafür auch ohne schlechtes Gewissen seinen Urlaub nehmen.
Stichwort Heimarbeitsplatz. Können sie sich vorstellen, von zu Hause ihrer Tätigkeit nachzugehen?
Wedekind: Könnte ich schon, allerdings käme dann das für uns so wichtige Networking etwas kurz. Wir haben allerdings eine Betriebsvereinbarung, die das regelt. Eine Kollegin ist gerade dabei, sich einen Telearbeitsplatz einzurichten.
Herr Reinermann, ist es für Sie absehbar, irgendwann für Bayer ins Ausland zu gehen?
Reinermann: Die Möglichkeit besteht. Ich könnte als Delegate die Leitung eines IT-Centers im Ausland übernehmen. Wenn man irgendwann eine Führungsposition übernehmen will, sollte man unbedingt im Ausland gearbeitet haben.
Wedekind: Das stimmt. Alle Führungskräfte, die ich bei Bayer kennengelernt habe, waren längere Zeit im Ausland tätig.
Sie sind zwar erst ein gutes Vierteljahr in diesem Unternehmen - aber sicherlich haben Sie berufliche Ziele. Verraten Sie uns, welche das sind?
Reinermann: Naturgemäß betreue ich im Moment kleinere Projekte. Langfristig möchte ich deshalb ein größeres Aufgabenfeld eigenverantwortlich übernehmen. Ich hoffe, ich erhalte die Chance dazu. Denn ich kann mir gut vorstellen, länger bei Bayer zu bleiben: einfach, weil mir die Aufgaben und das Arbeitsumfeld sehr gut gefallen.
Wedekind: Meine Planung ist kurzfristiger und beruflich noch nicht klar definiert. Ich möchte zumindest die nächsten drei Jahre in Deutschland bleiben. Wenn alles so gut läuft wie bisher, dann bleiben wir auch länger, es sei denn mein Mann bekommt Heimweh.