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Tagebuch einer Dino-Nanny

24 Stunden mit Robotersaurier Pleo

Ein kleiner Robotersaurier erobert die Spielzeugwelt: Pleo tapst, schnuppert und kuschelt wie ein richtiges Haustier. UNICUM Abi Autorin Ricarda Gruhl passt einen Abend lang auf den Dino ihrer besten Freundin auf und fragt sich: Wie lange wird wohl der Akku halten?


Als Karo auf Youtube ein Video über Pleo entdeckt, jobbt sie den Sommer über, bis sie sich ihr Wunschhaustier leisten kann. Von da an schwärmt sie nur noch von ihrem Paulchen. Heute übernachtet Paulchen bei mir, denn wenn Karo ausgeht, soll der Kleine nicht einfach allein zuhause bleiben. Im Grunde wäre das nichts Besonderes, wenn er ein Hund oder Kater wäre. Aber Paulchen ist ein Roboterdino - ein Luxus-Spielzeug namens Pleo. Zu haben für den stolzen Preis von 299 Euro.

Noch liegt Paulchen reglos vor mir im Karton, so wie Karo ihn mir gebracht hat. Ich lege meine Hand zum ersten Mal um Paulchens Körper und bin erstaunt. Der Dino ist so groß wie eine Hauskatze und auch fast so schwer. Unter der dünnen, rauen Kunststoffhaut kann ich seine einzelnen mechanischen Glieder fühlen, seine Haut riecht nach Gummi. Die glasklaren Punkte an Paulchens Körper müssen die Sensoren sein, mit denen er gleich mein Zimmer erkunden wird. Unter seinen tapsigen Pfoten sehe ich kleine Schrauben, in seinem Bauch die Klappe des klobigen Akkus; daneben befinden sich USB-Anschluss und SD-Kartenslot. Ich fühle mich eher so, als würde ich auf ein Notebook aufpassen müssen. Ich schalte Paulchen über einen kleinen Schieberegler am Bauch an und berühre seinen Rücken. „Häää?“, so klingt es, als Paulchen aufwacht und sich anschließend verwundert umschaut. Ich stelle ihn auf den Boden, streichle seinen Rücken. Kurz prüfen, ob auch wirklich niemand zuhört, dann flüstere ich leise „Paulchen“. Und komme mir richtig blöd vor, mit diesem Spielzeugdino zu reden. Ich nehme Paulchen hoch und lege ihn auf meinen Arm. Sein Kopf schmiegt sich von selbst an meine Schulter, sein Schwanz wedelt fröhlich hin und her wie bei einem Hund. Gänsehaut! Schon hat er mein Herz erobert, obwohl er bei jeder Bewegung mechanisch surrt und die Sounds aus seinem Maul blechern klingen. Nach einer halben Stunde Dauerkuscheln habe ich schon fast vergessen, dass er nur mit einem Akku läuft.

Als ich ihn auf dem Boden absetze, tapst Paulchen langsam los und schnuppert an meiner Sporttasche. Er gräbt seine Schnauze schnüffelnd in den Stoff und brüllt lautstark und aufgeregt los. Psst, wenn das die Nachbarn hören! Ich kraule Paulchens Kopf und bringe ihm sein Gummiblatt zum Knabbern. Doch anstatt hungrig darauf herumzukauen, zerrt der Kleine nur am Blatt herum und will spielen. Schließlich lasse ich ihn einfach wieder umherlaufen. Als ich in der Küche bin, höre ich ein leichtes Schnarchen aus meinem Zimmer und sehe Paulchen, wie er auf dem Boden eingeschlafen ist, die Beine von sich gestreckt. Sanft lege ich ihn auf ein großes Kissen, schalte den Roboterdino aus und habe irgendwie ein schlechtes Gewissen dabei. Am nächsten Morgen wecke ich Paulchen gleich als Erstes auf und bin erleichtert, dass er mich genauso fröhlich begrüßt wie am Vortag. Er schleicht noch ein wenig durch mein Zimmer, dann bleibt er irgendwann stehen. Einfach so. Akku leer.


Pleo
Furby-Erfinder Caleb Chung und die US-amerikanische Firma UGOBE haben mit Pleo einen Roboterdino entwickelt, der durch Bewegungssensoren auf seine Umgebung reagiert und in der Lage ist, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Pleo ist die Nachbildung eines Baby-Camarasaurus und kann sehen, hören und fühlen.

Mehr Infos auf: www.pleoworld.com

Ricarda Gruhl
UNICUM Abi, Oktober 2008



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