Stipendien von Uni und Wirtschaft - ein Modell, das Schule macht
Im Internet musste Boray Torun gar nicht suchen. Sein Stipendium fand der Chemie-Student der Uni Paderborn direkt auf dem Campus. Der Studienfonds OWL fördert den 23-Jährigen seit über einem Jahr mit 500 Euro im Semester. Die Finanzspritze findet Boray in Zeitenvon Studiengebühren klasse, „denn es schwimmt natürlich keiner im Geld“. Dafür fordert der Stipendiengeber weiterhin gute Noten sowie
eine Nutzung des umfangreichen Angebots für die Stipendiaten, das Bewerbungstrainings, Firmenbesuche oder auch Managementkurse umfasst. Koordiniert wird das Ganze von Geschäftsführerin Katja Urhahne, denn der Studienfonds OWL bietet eine einzigartige Konstruktion. Fünf Hochschulen der Region Ostwestfalen-Lippe, darunter die Universitäten Paderborn und Bielefeld, fördern zusammen mit privaten Sponsoren sowie kleinen und großen Unternehmen der Region besonders begabte oder bedürftige Studenten. „Wir vergeben die Stipendien auch, um Anreize zu schaffen, zum Studium nach Ostwestfalen-Lippe zu kommen und auch hier in dieser wirtschaftlich interessanten Region zu bleiben“, weiß Katja Urhahne. „Wir waren für diese Idee direkt Feuer und Flamme“, erinnert sich Personalexpertin Meike Wacker vom Haushaltsgeräte- Hersteller Miele aus Gütersloh. Kontakt zwischen Förderern und Geförderten wird groß geschrieben. „Uns ist es auch ganz wichtig, die Stipendiaten persönlich kennenzulernen“, erklärt Julia Girolstein, Personalmarketing-Referentin von dSpace, einem Anbieter von Entwicklungswerkzeugen für Steuergeräte aus Paderborn. „Gerade wegen der guten Kontakte gehe ich davon aus, dass dieses Stipendium meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt später erhöht“, ist sich Boray Torun sicher.
Begabtenförderungswerke wollen ihren Studentenanteil erhöhen
Keine gewagte These, einige der insgesamt 230 Stipendiaten haben Jobs bei einem der fördernden Unternehmen gefunden. Zudem durchbrach der Studienfonds im Herbst die Fördergeld-Schallmauer von einer Million Euro. Ein Modell, das Schule an den Unis macht und das Katja Urhahne positiv stimmt: „Das Interesse anderer Hochschulen ist schon wirklich groß, ich habe das Gefühl, dass sich da was regt.“ Bewegung, die das deutsche Stipendienwesen dringend braucht. Denn noch immer erhalten laut Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) nur knapp zwei Prozent der Studierenden ein Stipendium. Hier sieht der Generalsekretär der DSW, Achim Meyer auf der Heyde, Handlungsbedarf: „Trotz allen vollmundigen Ankündigungen aus der Wirtschaft gibt es in diesem Bereich noch immer keinen erkennbaren Anstieg.“ Dafür jedoch viele gute Ideen für klamme Studentenbörsen. Ein Beispiel: E-Fellows.net, das seinen über 15.000 Online-Stipendiaten zwar keine Kohle dafür aber Gratis-Recherchen in Facharchiven, kostenlose Zeitungsabos oder Wirtschaftskontakte zur Verfügung stellt. Ein neues Modell bei der Stipendienvergabe verspricht das 1.Demokratische Stipendium von Absolventa e.V., für das man sich aktuell bewerben kann. Hier entscheiden die Studenten im Frühjahr 2009 selbst, wer mit wie viel der Gesamtsumme von 25.000 Euro gefördert werden soll.