Viele fordern jetzt schärfere Waffengesetze und ein Verbot von so genannten „Killerspielen“. Was halten Sie davon? Helfen solche Maßnahmen oder liegen die eigentlichen Probleme nicht ganz woanders?
Unterberg: Die Gesetze sind eigentlich schon da. Noch mehr Verbote würden, denke ich, auch keine Amoktat verhindern. Wir müssen alle verantwortungsvoller mit Dingen umgehen, die Schaden ausrichten können. Zumal die Gesetze wie zum Beispiel das Jugendschutzgesetz oder das Waffengesetz uns schon vorschreiben, wie gewisse Grenzen aussehen sollen.
Adler: Die eigentlichen Probleme liegen ganz woanders. Wir haben die Jahrzehnte von 1980 – 1990 und 1990 – 2000 untersucht. Nach 1990 standen Waffen auf dem Schwarzmarkt in nahezu beliebiger Menge zur Verfügung. Tatsache ist, dass die Amokläufe danach seltener wurden. Aber die, die gelaufen wurden, wurden häufiger mit Schusswaffen durchgeführt. Tatsächlich waren sie dann auch etwas gefährlicher. Das Problem liegt also ganz woanders.
Kann eine solche Tat verhindert werden? Wenn ja, welche Präventionsmaßnahmen können getroffen werden?
Unterberg: Wir können vorbeugen vor solchen Taten. Ganz allgemein muss mehr getan werden im Bereich des sozialen Lernens und der Gewaltprävention, sodass das Schulklima und das Schulleben eine positive Auswirkung auf die Schüler hat. Zudem müssen wir mit offenen Augen unser Umfeld wahrnehmen, und wenn wir feststellen, dass es jemandem nicht gut geht, dann dürfen wir das nicht ignorieren, sondern geeignete Hilfe holen. Schüler sollten sich dann an Lehrer wenden, und Eltern sollten Hilfe von außen holen; der Kontakt zu Pädagogen, Psychologen oder anderen Beratungsstellen soll nicht gescheut werden. Es sollte nicht passieren, dass jemand einen Amoklauf vorhersagt, und keiner reagiert darauf. Dies muss uns als Gesellschaft bewusst werden.