Suche

Link-Tipps

A long, long way

UNICUM-Serie "Und es geht doch..." (Teil 16): die Promotion

Intensivbetreuung oder lange Leine?

Promotionsberaterin Helga Knigge-Illner über den Weg zum Titel

Dr. Helga Knigge-Illner arbeitet an der Freien Universität Berlin in der psychologischen Beratung von Studierenden und Doktoranden und ist Autorin des Ratgebers "Der Weg zum Doktortitel. Strategien für die erfolgreiche Promotion" (Campus 2002). Mit Helga Knigge-Illner sprach UNICUM-Mitarbeiter Michael Bröning.

Frau Knigge-Illner, was für Fähigkeiten braucht ein Doktorand?
Wichtig bei der Promotion sind ausgeprägtes fachliches Interesse und Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten. Und dazu sollte ein Doktorand natürlich auch intellektuell fähig sein. Allerdings wird die Bedeutung intellektueller Kreativität bei der Promotion häufig überschätzt. Mindestens ebenso wichtig wie Intelligenz sind Disziplin und Ehrgeiz. Man muss auf jeden Fall viel Arbeitsmotivation mitbringen.

Fortsetzung auf der nächsten Seite...

Rund 20.000 Doktorhüte wandern an deutschen Universitäten jedes Jahr auf die Köpfe frischgebackener Nachwuchswissenschaftler. Und diese Köpfe haben meist allen Grund sich zu freuen: Denn noch immer macht sich das begehrte "Dr." vor dem Namen positiv auf dem Gehaltsscheck bemerkbar. Doch die hohe Zahl der jährlich verliehenen Doktortitel zeigt nur die eine Seite der Medaille: Schätzungen zufolge bricht fast jeder zweite Doktorand die Promotion ohne Abschluss ab. Um die Erfolgschancen zu steigern, sollte sich jeder angehende Doktorand mit einigen grundsätzliche Fragen auseinandersetzen.


Bei wem promovieren?
An deutschen Universitäten besteht kein Rechtsanspruch auf Betreuung einer Doktorarbeit. Im Klartext heißt das: Wer promovieren will, muss einen Professor finden, der zur Betreuung der Dissertation bereit ist. Und das ist oft schwierig. Denn gerade in den Massenfächern übersteigt die Nachfrage das Angebot. Um dennoch einen Doktorvater zu ergattern, muss man vorausplanen: Schon während des Hauptstudiums heißt, es nach einem Prof Ausschau zu halten, mit dem man fachlich und persönlich zurecht kommt. Schon jetzt sollte man gezielt dessen Seminare besuchen und wenn möglich auch bei ihm oder ihr das Examen oder die Magisterarbeit machen. Oft löst sich das Problem dann von ganz allein. Zum Beispiel wenn der Professor nach bestandener Prüfung von selber auf eine Promotion zu sprechen kommt. Wenn nicht, heißt es, selbst die Initiative zu ergreifen. Dass man sich vor einem Gespräch schon über mögliche Themen Gedanken gemacht hat, sollte dabei selbstverständlich sein. Doch wie sieht er aus, der ideale Doktorvater? Hier kommt es ganz darauf an: Wer eine Karriere an der Uni anstrebt, sollte besonders auf das wissenschaftliche Renommee des Doktorvaters achten. Denn wer bei einen Verfechter von Mindermeinungen promoviert, hat es später schwer. Wer dagegen nach der Promotion in die freie Wirtschaft strebt, braucht den wissenschaftlichen Ruf des Betreuers offenbar nicht ganz so auf die Goldwaage zu legen. Denn eine Arbeitgeberbefragung des Doktorandennetzwerks Thesis zeigt, dass künftigen Arbeitgebern eine zügige Promotion, Fremdsprachenkenntnisse und die Mobilität promovierter Bewerber wichtiger sind als der Name des Betreuers. Über was promovieren?
Dass zumindest der Doktorand sein Dissertationsthema nicht gähnend langweilig finden sollte, ist klar. Schließlich wird man mit eben diesem Thema die nächsten Jahren seines Lebens verbinden – und da lohnt sich ein zweiter Blick. Doch Interesse ist nicht alles. Promotionsberaterin Helga Knigge-Illner von der FU Berlin jedenfalls warnt Doktoranden regelmäßig vor zu umfangreichen Themen: "Ganz wichtig ist, dass das Thema in vertretbarer Zeit zu bearbeiten ist".

Als was promovieren?
Jeder Doktorand steht vor der Wahl: feste Stelle an der Uni oder Promotion als Externer? Beide Optionen haben Vor- und Nachteile. Wer sich eine Zukunft als Lehrstuhlinhaber ausmalt, sollte sich auf jeden Fall schon in der Promotionsphase um eine Stelle an der Uni bemühen. Denn nur dort können erste Lehr-Erfahrungen und wichtige persönliche Kontakte gesammelt werden. Doch die Arbeit als interner Doktorand hat auch einen Nachteil: Der Lehralltag an der Uni ist oft so zeitaufwendig, dass für die eigentliche Doktorarbeit kaum noch Energie bleibt. Als "Ideal für Doktoranden" bezeichnen Ratgeber deshalb immer wieder Stipendien. Denn durch die finanzielle Unterstützung können sich die Doktoranden voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren. Auf jeden Fall lohnt es, auch beim künftigen Doktorvater nach Fördermöglichkeiten zu fragen. Infos zur Promotion im Internet:
http://www.thesis.de: Die online Doktorandenplattform. In verschiedenen Regionalgruppen ermöglicht Thesis den Mitgliedern fächerübergreifende Beratung und Unterstützung.

Literaturtip zur Promotion:
Helga Knigge-Illner: Der Weg zum Doktortitel. Strategien für die erfolgreiche Promotion. Campus, 2002. 204 Seiten, 15,90 Euro

Fortsetzung:

Gibt es Absolventen, denen Sie sagen: "Die Promotion ist nichts für Sie?"
Ich würde jedem von der Promotion abraten, der nur auf den Titel aus ist – etwa um seine beruflichen Chancen zu verbessern.

Zum Ablauf der Promotion: Wie findet man den richtigen Doktorvater?
Zunächst sollte man überlegen, bei welchem Professor man schon einmal interessante Seminare besucht hat. Das ist die fachliche Ebene. Auf der kommunikativen Ebene ist wichtig, dass man mit dem künftigen Betreuer auf einer gemeinsamen Ebene diskutieren kann. Außerdem ist ganz entscheidend, ob der Doktorvater der Typ von Betreuer ist, den man braucht. Da muss man sich fragen: Möchte ich ganz intensive Betreuung mit vielen gemeinsamen Treffen oder mach ich meine Arbeit lieber an der langen Leine? Und zu dieser Vorstellung vom Betreuungsverhältnis sollte der Doktorvater passen.

Fortsetzung auf der nächsten Seite...

Fortsetzung: 

Gibt es damit oft Probleme?
Eine der häufigsten Schwierigkeiten, die in meinen Gesprächen mit Doktoranden auftauchen, ist der Aspekt der Zeit. Viele Doktoranden haben das Gefühl, dass ihnen die Zeit davon läuft. Ursache sind da oft übertriebene Erwartungen an die eigene Arbeit. Wenn man die nicht erfüllen kann, führt das natürlich zu Unzufriedenheit und zu dem Gefühl, noch lange nicht fertig zu sein.

Was raten Sie dann in ihren Betreuungsseminaren?
Wir analysieren das Problem und thematisieren die eigenen Ansprüche. Oft führt Angst zu Schreibproblemen. Da erwarten die Doktoranden dann, dass schon die erste Fassung der Arbeit perfekt ist und bauen sich so eine regelrechte Blockade auf.

 
Fortsetzung:

Und das wissenschaftliche Renommee?
Das Renommee des Betreuers sollte man natürlich nicht ganz außer acht lassen. Aber man sollte es auch nicht an die erste Stelle setzen. Auch mit Betreuern ohne großen wissenschaftlichen Namen kann man sehr gut zurechtkommen und im Promotionsprozess von ihrer Erfahrung profitieren.

Worüber denken angehende Doktoranden nicht genug nach?
Viele Doktoranden machen sich nicht ausreichend bewusst, dass eine Promotion ein langwieriges Projekt ist. Das bedeutet, dass man schon im Vorfeld überlegen sollte, "wieviel Lebenszeit will ich investieren?". Denn ganz wichtig ist immer das richtige Zeitmanagement.

Fortsetzung auf der nächsten Seite...


Fortsetzung: 

Apropos Erwartungen – was gibt’s bei der Wahl des Dissertationsthemas zu bedenken?
Ausschlaggebend für das Thema der Dissertation sollte natürlich das eigene Interesse sein. Aber wichtig ist, dass man sich auch über heimliche Ansprüche im Klaren ist. Viele Doktoranden erwarten insgeheim, dass ihre Arbeit die Wissenschaft ungemein weit voran bringen wird... Das sollte man ein bisschen pragmatischer angehen. Denn wichtig ist, dass das Thema machbar ist. Das heißt: Ist es in einem zeitlich vertretbaren Rahmen zu bearbeiten? Um das herauszufinden, rate ich zu Gesprächen mit Experten. Da gilt es auch, sich Rückmeldungen von Professoren einzuholen.

Empfehlen Sie künftigen Doktoranden eine interne Promotion mit einer festen Stelle an der Uni?
Auf jeden Fall ist das wünschenswert! Denn nur so ist man in Projekte eingebunden und profitiert von der ständig stattfindenden fachlichen Kommunikation. Wenn jemand extern promoviert – also ohne feste Stelle – sollte er sich auf jeden Fall in Kolloquien oder etwa bei der Doktorandenplattform Thesis.de um möglichst viel wissenschaftliche Kommunikation bemühen.

Michael Bröning
UNICUM, Mai 2003



Kommentare zu A long, long way
Kommentar verfassen