Ältere Ingenieure: wenig flexibel und zu teuer?
Demgegenüber stehen rund 60 000 arbeitslose Ingenieure, die den Mangel von heute auf morgen beseitigen könnten. Theoretisch. Die meisten Unternehmen scheuen den Aufwand für eine notwendige Nachqualifizierung. Sie erwarten ein passgenaues Profil und aktuelle Fachkenntnisse, außerdem müssen die Neuverpflichtungen hoch flexibel und ausgesprochen mobil sein. Ein Katalog an Anforderungen, den ältere Ingenieure entweder nicht mitbringen – oder den man ihnen gleich gar nicht zutraut.
Hinzu kommt, dass die Älteren in der Regel Anspruch auf ein höheres Gehalt haben. Nach VDI-Angaben verdienen Ingenieure über 50 Jahre im Schnitt zwischen 65 000 und 70 000 Euro, während Hochschulabsolventen im ersten Jahr bei rund 40 000 Euro liegen. Schon heute dominieren in den Unternehmen die Jungen. 77 Prozent der angestellten Ingenieure sind laut Verbandsumfrage unter 50 Jahre alt. Vor allem in den vergangenen Jahren hat sich der Arbeitsmarkt immer stärker gespalten.
Die Indizien sind überdeutlich: Ingenieure gehören zu der derzeit am stärksten gesuchten Profession auf dem deutschen Arbeitsmarkt, und der Bedarf an jungen, frisch diplomierten Ingenieuren scheint riesig groß. „Laut unserer Untersuchung rechnen 57 Prozent der erfolgreichen Unternehmen mit weiter steigendem Ingenieurbedarf“, sagt VDI-Direktor Willi Fuchs. „Wir haben eine Herkules-Aufgabe vor uns, die große Anzahl an qualifizierten Ingenieuren zu beschaffen.“ Die Entwicklung zeige gleichzeitig, welche Chancen sich angehenden Jungingenieuren künftig böten.
Derzeit werden vor allem Maschinenbauer gesucht. Mehr als die Hälfte der 500 vom VDI befragten Personalmanager melden Interesse an Spezialisten aus dieser Fachrichtung, und bei jedem Dritten stehen Elektrotechniker auf der Fahndungsliste. Freie Stellen sind derzeit vor allem in der Konstruktion (34 Prozent der Nennungen) zu besetzen, außerdem in Forschung und Entwicklung, in Marketing und Vertrieb (je 22 Prozent) sowie in Produktion und Fertigung (17 Prozent). Bezogen auf die Tätigkeitsfelder passen Wunsch und Wirklichkeit relativ gut zusammen. Bei den Absolventen stehen Aufgaben in Forschung und Entwicklung (58 Prozent) sowie in der Konstruktion (51 Prozent) hoch im Kurs. Auch Jobs in der technischen Leitung (32 Prozent) und in Produktion und Fertigung (26 Prozent) sind gefragt.