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Begrüßungskomittee

Professoren verraten ihre Tricks für die ersten Tage an der Uni

Neu an der Uni und absolut keinen Plan? Keine Panik: Selbst die berühmtesten Profs waren selber mal orientierungslose Erstsemester. Darum verraten sie euch ihre ganz persönlichen Tipps für den gelungenen Studienstart.


Wissenschaftlich Arbeiten

1. Zeitregel: Für jede Stunde Vorlesung eine Stunde Nacharbeit.

2. Falls es einen Assistenten gibt, der einem besonders gefällt: sich mit ihm befreunden.

3. Den Literaturhinweisen, die in Vorlesungen oder Proseminaren oder Übungen gegeben werden, in der Bibliothek nachgehen und entscheiden, welche Bücher man sorgfältig lesen will und welche man flüchtig lesen will. Breite Literaturkenntnis muss frühzeitig angelegt sein.

4. Kleine Arbeitsgruppen von drei, vier Studenten zu bilden, um zusammen zu arbeiten und zu diskutieren und gegenseitig die schriftlichen Arbeiten zu kritisieren.

5. Wichtige Bücher abends vor dem Einschlafen lesen. Der Kopf arbeitet nämlich während des Schlafens. Bekannt ist die Regel, dass man ein Buch unter das Kopfkissen legen solle.

6. Öffentliches Reden will gelernt sein. In Übungen nicht stumm dabei sitzen und zuhören, sondern sprechen: Fragen stellen, Überlegungen vortragen

Die emeritierte Publizistik-Professorin Elisabeth Noelle aus Mainz gründete das Institut für Demoskopie Allensbach

Neugierig bleiben

"Mein Tipp: Neugierde! Neugierde auf das gewählte Fach – auf Fragen, die auf Anhieb spannend sind und auf solche, deren Bedeutung man sich erst erschließen muss. Neugierde auch auf Inhalte anderer Fachgebiete, auf Zusammenhänge zwischen den Disziplinen. Neugierde auf Menschen; auf die Kommilitonen wie auf die Lehrkräfte, auf deren Motive, Erfahrungen, Wissen. Neugierde auf die Uni und die Möglichkeiten, sie mit zu gestalten. Neugierde auf Studienbedingungen und –inhalte an anderen Hochschulen im In- und Ausland. Neugierde ist im Wissenschaftsbetrieb eine Leidenschaft und eine Voraussetzung auch für Leistung." Professor Peter Gaehtgens war Professor für Medizin an der Universität zu Köln und ist seit letztem Jahr Präsident der Hochschulrektorenkonferenz

Kontakt zum Prof aufnehmen

"Auch wenn der Beginn meines Studiums an der Ludwig-Maximilans-Universität in München mittlerweile 50 Jahre zurück liegt, erinnere ich mich noch gut der Aufregung, die mich damals ergriffen hatte. Hilfreich waren mir damals einige wenige ältere, schon im Hauptstudium stehende Freunde, die mir sagten, zu wem ich gehen, bei wem ich studieren sollte. Das ist mein Rat an die Erstsemester auch heute: Fragen Sie Ihre Kommilitonen! Sie wissen am besten, bei wem gut lernen kann. Und – lassen Sie sich nicht davon abhalten, zu den Professoren selbst vorzudringen. Diese werden dafür bezahlt, dass Sie Ihnen Ratschläge für Ihr Studium geben und in der langen Sprechstunde sich Ihnen ganz persönlich zuwenden."

Wolfgang Frühwald ist emeritierter Professor für Germanistik und war in den 90er Jahren Präsident der Deutschen-Forschungs-Gesellschaft

Spaßfaktor beachten

"Generalregel: Nur studieren, was Spaß macht. Nie etwas belegen, weil es nach Geld riecht oder in den Medien empfohlen wird. Mehrere Zehntausend Informatik-Anfänger der späten 90er wissen, was ich meine. Nie von Durstrecken, langweiligen Vorlesungen, zeitweiligen Denkblockaden irritieren lassen. Wenn ich nach jeder verpatzen Klausur das Handtuch geworfen hätte, wäre ich heute nicht Professor. Frühzeitig einer Clique von älteren Semestern anschließen. Zur Not auch mal die Uni wechseln." Walther Krämer ist nicht nur Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik in Dortmund, sondern auch berüchtigt für seine scharfzüngigen Kolumnen.

Wissen aufsaugen

"Glückwunsch, sie haben eine gute Wahl getroffen! Die beste Zeit Ihres Lebens kann beginnen Denn nach wie vor ist die Universität die reichste Ansammlung von Wissen und Erfahrung, die konzentrierteste Versammlung kluger Köpfe und die Institution, an der Sie am meisten Zeit für sich haben. Deshalb: Nutzen Sie diese Chancen! Genießen Sie die Universität! Saugen Sie das Wissen und die Erfahrungen auf, um selbst Ihre Zukunft gestalten zu können! Und: Lassen Sie nicht entmutigen durch unvollkommene Organisation, mittelmäßige und frustrierte Hochschullehrer oder dadurch, dass Sie Ihren eigenen Zielen nicht genügen."

Professor Albrecht Beutelspacher lehrt an der Universität Gießen Mathematik und ist Begründer des "Mathematikums", Deutschlands einzigem Mathe-Museum.


UNICUM, April 2004



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