Moin,
Erlaube mir einen Vergleich.
Vielleicht ist Dir der Unterschied zwischen Taktik und Strategie bekannt oder Du kannst ihn Dir klarmachen.
Taktik ist die Kunst der Gefechtsführung und Strategie ist die Kunst der Kriegführung. Auf der taktischen Ebene muss der Soldat die Einsatzgrundsätze vom Nahkampf bis hin zur Bedienung komplexer Waffensysteme im Rahmen des Gefechts der verbundenen Waffen beherrschen. Allgemein geht die taktische Ebene in etwa bis zur Kompanie d.h. vom Gefreiten bis zum Hauptmann.
Jenseits davon kennt das Militär die operative Ebene, wo für die Führung von Verbänden vom Bataillon bis zur Armeegruppe Stabsoffiziere und Generäle zuständig sind, und erst dahinter kommt die strategische Ebene, wo neben den Oberbefehlshabern der Teilstreitkräfte, dem Generalstab und den Spitzen der Politik auch noch Fachleute für die wissenschaftliche, technische, nachrichtendienstliche und wirtschaftliche Kriegführung Entscheidungen treffen müssen, die das ganze kriegführende Volk, jeden einzelnen Menschen im ganzen Land betreffen.
BWL ist die Lehre von der Betriebsführung. Sie lehrt die Grundsätze und Regeln, nach denen von der Kaffeekasse bis hin zur Deutschen Bank mit Geld umzugehen ist.
Erst die Manager der Führungsebenen in größeren Betrieben haben Aufgabenschwerpunkte, die neben dem rein Kaufmännischen liegen, und die man im Rahmen eines BWL- Studiums erwirbt. (Psychologie, Menschenführung, ...) sie stellen also die operative Ebene der Wirtschaft dar. Jenseits dessen kommen dann z.B. bei Aufsichtsräten und Vorständen oder volkswirtschaftlichen Spezialabteilungen großer Firmen Aufgaben und Entscheidungen hinzu, bei denen die wirtschaftlichen Zusammenhänge in einer ganzen Region, einem Land oder gar der gesamten Weltwirtschaft, aber auch Einflüsse der Politik berücksichtigt werden müssen.
Wie die Politik die Wirtschaft beeinflusst und welche Mechanismen landes- oder gar weltweit wirksam sind, das untersucht und lehrt die Volkswirtschaftslehre.
VWL´er beraten Politiker, Banker und überregional engagierte Versicherungen.
Daraus ergibt sich, dass BWL sehr praxisorientiert ist, eine Fülle von Vertiefungsrichtungen und Möglichkeiten, sich zu spezialisieren bietet. Die mathematischen Zusammenhänge, die beherrscht werden müssen, sind im Wesentlichen auf Zins- und Wahrscheinlichkeitsrechnung begrenzt, und am konkreten, anschaulichen Beispiel leicht erlernbar. Grundsätzlich sind die Zusammenhänge zwischen Angebot, Nachfrage und Preis aus der Erfahrung gut genug bekannt, um einigermaßen zutreffende Vorhersagen über ihre kurzfristige Entwicklung abgeben zu können.
Auch die Volkswirtschaftlehre bedient sich der Sprache der Mathematik um zu beschreiben, wie Politik, Technik, Wissenschaft, Klima, sowie politische und militärische Konflikte auf die Wirtschaft auswirken; aber nur, weil sie keine bessere kennen. Tatsächlich sind die entsprechenden Zusammenhänge den Volkswirten keineswegs mit mathematischer Genauigkeit bekannt, worüber die gebrauchten Formeln den Laien gern hinwegtäuschen. Im Grunde ist VWL eine Art Wirtschaftsphilosophie die, der Unmöglichkeit kontrollierte Experimente durchzuführen wegen, auf Beobachtung und Beschreibung begrenzt bleibt. Jedes Mal, wenn sie sich zu Vorhersagen über Entwicklungen von Bedeutung hinreißen läßt, liegt sie schief.
Zum Teufel gejagt hat man sie nur deswegen noch nicht, weil Erklärungen (Kind liegt im Brunnen) bzw. Ratschläge (Deckel) ja von irgendjemandem ausgesprochen werden müssen.
Du merkst schon, dass ich von Volkswirten noch weniger halte als von Betriebswirten. Das liegt daran, dass ich als Inschinör den Kaufleuten die Existenzberechtigung nicht abspreche, um nicht auch noch deren Arbeit mitmachen zu müssen. Meine Schwägerin hingegen, die in Heidelberg VWL studierte, ist eine dumme Nuss.
Thema: bwl vs vwl
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Ergebnis 1 bis 4 von 4
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27-01-2010 04:14 #1
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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bwl vs vwl
Moin
könnte man die Unterschiede zwischen BWL und VWL nennen.
Welches Fach ist eher teoretish?
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27-01-2010 07:27 #2
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Geändert von Astir01 (28-01-2010 um 07:53 Uhr)
Tja, Proton müsste man sein; man würde die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf, und hätte eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit.
(Silvia Arroyo Camejo)
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27-01-2010 08:38 #3
"Habilitand" (500-749 Beiträge)
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Es gibt ja immer mal so trendy Fächer. Ich will sie jetzt nicht alle aufzählen, man sollte auch den Mantel des Schweigens drüber legen.
Aber: Wer studiert heute nicht alles BWL und meinetwegen auch VWL ?
Studiere mal die Stellenanzeigen: Ohne Prädikatsexamen, damit meine ich alles glatt eins, kommst Du bei McKinsey einfach nicht unter.
Und was käme sonst noch in Frage ? Genau, Praktika, die eigentlich ureigenstes Terrain von Geisteswissenschaften sind.
Und wenn ich mir dann noch die Klientel von BWL/Jura-Partys anschaue, insbesondere die für mich interessantere Zielgruppe der Frauen, dann möchte ich Dir, weil ich es nur gut mit Dir meine, einfach nur mal abraten, solch ein Fach in Erwägung zu ziehen.
Wie wär´s mit Medizin oder eine anständige Naturwissenschaft ? Es geht doch um Deine Zukunft, Junge.
-
27-01-2010 14:19 #4
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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