ist erst mal keine Schande. Es zeigt ja u.A., dass Ihr immer brav und artig wart, das geschrieben und gesagt habt, was Eure Lehrer hören bzw. lesen wollten, und im Übrigen immer fleißig gelernt habt. Auch könnt Ihr nicht aus großer Höhe direkt auf den Kopf gefallen sein; bei jenen, bei denen das der Fall war, besteht der Hauptschulabschluss nämlich aus Dreien und Vieren. (und werden HonK genannt)
Mit anderen Worten: Ihr startet unter den denkbar besten Voraussetzungen. Höchstwahrscheinlich würdet Ihr es in jedem Metier zu etwas bringen. Dass Ihr nun so gar keinen Plan habt, was Ihr in den kommenden 5-6 Jahren studieren sollt, um damit wiederrum in den darauf folgenden 40 Jahren zumindest Euren eigenen Lebensunterhalt (den Eurer Familen, und mit den Steuern und Abgaben den von 2 weiteren Menschen) zu bestreiten, kann Euch keiner zum Vorwurf machen; wem alle Wege offen stehen, hat eben die Qual der Wahl.
Das Problem ist also, dass Ihr jetzt, heute mit Eurem bescheidenen Wissen, mit Eurem begrenzten Erfahrungshorizont eine Entscheidung treffen müsst, die sich in den folgenden 4 Jahrzehnten nicht für für Euch persönlich als tragfähig erweisen muss, sondern ganz allgemein in der globalisierten Welt, wo die meisten im Wettbewerb mit Akademikern aus Indien und China bzw. Arbeitern aus Kambodia oder Zimbabwe stehen.
Wenn Ihr Euch nur mal vorstellt, dass von Eurer Erwerbsarbeit 1 Ehepartner, 2 Kinder und 2- 3 Rentner am Kacken gehalten werden sollen, verbieten sich jede Form der brotlosen Kunst sowie alle Orchideenfächer ganz von alleine. Auch Lehrer leben ausschließlich von den Steuermitteln derer, die was Anständiges gelernt haben und damit ordentlich zum Bruttosozialprodukt beitragen. Das tun in 'Schland von den Akademikern im Prinzip aber nur Naturwissenschaftler, Techniker, Informatiker und Kaufleute. (und mit gewissen Abstrichen ein paar Juristen) Humanmediziner leben von den zwangsweise eingetriebenen Sozialbeiträgen, und außerdem gibt es davon schon genug. Die allermeisten Geistes,- Kultur,- und Sozialwissenschaftler, die nicht als Lehrer enden, bleiben an den Unis, und verursachen so eine Art akademischen Kurzschluss, der letztendlich wieder von Steuermitteln finanziert und am Leben erhalten werden muss.
Also, wenn Ihr schon keinen Plan habt, was Ihr mit Eurem zweifellos vorhandenen Talenten und Fähigkeiten anstellen sollt, und keine Karriere als Kriminelle anstrebt, was angesichts Eurer ebenso zweifellos vorhandenen Intelligenz eine echte Möglichkeit wäre, (zur Polizei gehen nämlich nur die Deppen) dann bezieht das Geld, dass Ihr Verdienen könntet in Eure Entscheidungen mit ein; vielleicht sogar mit einem größerem Gewicht als Eurer LK- Wahl. (denn die hat mit dem wirklichen Leben echt nix zu tun)
P.S.: Ein Bisschen staatliche Rente hätte ich auch ganz gern; ab 1.4.2037.
+ Antworten
Ergebnis 6 bis 10 von 13
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10-08-2012 13:31 #6
"Student" (20-79 Beiträge)
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- 21
Ich finde es ist grundsätzlich Schwachsinn zu denken: nur weil man ein 1,0 Abi hat muss man Medizin oder Psychologie oder weiß Gott was machen. Die Abi-Note legt doch keine Interessen fest. Die Tatsache 1,0 zu haben öffnet euch einfach nur sämtliche Türen, da man sich mit so einem Abidurchschnitt nicht um den NC Gedanken machen muss.
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10-08-2012 23:35 #7
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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- 5.335
Ein Einser- Abi
Tja, Proton müsste man sein; man würde die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf, und hätte eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit.
(Silvia Arroyo Camejo)
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13-08-2012 14:08 #8
Ach naja was sagt so ein 1,0 auch aus, dass ein lehrer ihm Subjektiv gute Note gegeben hat, sry aber ich halt von dem 1,0 nicht viel. Als Arbeitgeber würde ich auch immer eher die etwas schlechteren also so 1,3/ 1,5 oder ähnliches einstellen als die 1,0. Also für mich kein wunder...
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26-08-2012 12:34 #9
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
- Registriert seit
- 27.05.2012
- Beiträge
- 3
Danke
Nachdem ich nach fast drei Monaten wieder einmal in dieses Forum und diesen Thread geschaut hatte, war ich ganz überrascht, doch noch ein paar Antworten und Beiträge vorzufinden. Daher danke ich zunächst einmal all' denjenigen, die sich konstruktiv zu diesem Thema geäußert haben (danke vor allem an Purgatory - manchmal helfen solch' schlichte Denkanstöße wirklich enorm weiter - und natürlich auch an susgumb und Astir01).
Zu ToTo_To kann ich nur sagen: Aus deinem Text spricht purer Neid und da Neid die schönste Form der Bewunderung ist, danke ich auch dir.
Weder scheinst du jemanden mit einem 1,0-Abitur persönlich zu kennen noch selbst einen vergleichbaren Abschluss wie "die etwas schlechteren also so 1,3/1,5 oder ähnliches" erreicht zu haben, sonst würdest du einen solchen Unsinn wie "Subjektiv gute Note" nicht von dir geben. Für ein 1,0-Abitur bedarf es - neben sehr guter Leistungen in der Kursstufe - vor allen Dingen eines sehr guten Abiturs, und dieses wird in dem Bundesland, in dem ich mein Abi gemacht habe, zusätzlich noch von zwei weiteren Lehrern korrigiert, die weder die SchülerInnen noch die vom eigenen Lehrer gegebene Note kennen.
Eine 1,0 weist - ebenso wie eine 1,3 oder 1,5 - in den meisten Fällen auf eine hohe Leistungsbereitschaft, viel Fleiß und zweifellos auch auf nicht zu wenig vorhandene Intelligenz und ein breites Interessengebiet hin. Was einen 1,3- oder 1,5-Kandidat für einen Arbeitgeber attraktiver macht, ist und bleibt mir schleierhaft, obwohl sich dieses Vorurteil nach wie vor hartnäckig hält. So viel erst einmal dazu.
Zu Purgatory: Eine wissenschaftliche Karriere reizt mich in der Tat sehr, jedoch "traue" ich es mich vermutlich einfach nicht, ein reines Latein- (oder Englisch- oder Deutsch-)Studium aufzunehmen, ohne die Absicherung, die mir ein Lehramtsstudium bietet, falls sich im Studium meine Leistungen verschlechtern sollten und es mit der Promotion doch nichts werden sollte. Ich hoffe deshalb, dass ich mir mit einem Lehramtsstudium eine wissenschaftliche Laufbahn nicht schon von vornherein "verbaute", sollte ich mich dafür entscheiden.
Danke trotzdem für deinen tollen Beitrag; ich werde darüber noch einmal ausführlich nachdenken, du hast mir sehr geholfen.
Zu Astir01: Danke auch für deine ausführlichen Überlegungen. Drei Dinge wollte ich bei dir noch anmerken:
1. Diejenigen, "die was Anständiges gelernt haben", konnten das aber auch nur, weil es LehrerInnnen gab, die ihnen dafür die notwendigen Grundkenntnisse vermittelt haben. Dieser Beruf hat also die gleiche Daseinsberechtigung wie die "anständigen" Berufe und auch wie die Berufe derjenigen, die eine "brotlose Kunst" studiert haben. Denn wohin kämen wir, wenn wir die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften fortan aus unserem Leben streichen würden? - Ich kann nur für mich sprechen, aber in einem Land, das nur aus Technikern, Ingenieuren und Co. besteht, wollte ich nicht leben.
2. Eine große Familie (im Sinne von: mit Kindern) plane ich schon einmal nicht, also darf ich mich wohl auch den "brotlosen Künsten" - natürlich immer mit wachsamem Auge - nähern.
3. Meine LK-Wahl hat sehr wohl etwas mit meinem zukünftigen, "wirklichen" Leben zu tun, nämlich insofern, als dass ich mir mein Leben ohne (alte) Sprachen nicht vorstellen kann. Dafür nehme ich es dann auch in Kauf, dass ich und mein beruflicher Werdegang nicht dem globalisierten Zeitgeist entsprechen - und damit auch leider weniger zu deiner Rente beitragen werden.
Es ist schließlich mein Leben, von dem ich nur eines habe, und wenn mir eine meinem Intellekt angepasste Beschäftigung wichtiger ist als das große Geld, so muss ich mit den entsprechenden Konsequenzen für mich und den "Rest der Welt" klarkommen.
Für alle, die es vielleicht noch interessiert: Ich mache nun tatsächlich ein FSJ an einer Schule und lerne nebenher im Fernkurs Altgriechisch, im Hinblick auf ein zukünftiges Latein-Studium.
Nochmals danke für alle Beiträge hier. Ich werde sie in Zukunft bestimmt noch einmal zu Rate ziehen.Geändert von Lisa_Angela (26-08-2012 um 12:40 Uhr)
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30-08-2012 11:52 #10
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
- Registriert seit
- 28.08.2012
- Beiträge
- 4
Ach Kinder, ich sags immer wieder, denn perfekten Studiengang gibt es einfach nicht. Es gibt immer Teile die nicht interessieren, und man wird immer das Gefühl haben vielleicht wäre etwas anderes besser gewesen. Entscheidet euch für einen Studiengang und steht dann auch zu eurer Entscheidung. In der Regel wählt ihr diesen ja nicht einfach aus einer Laune heraus. Macht eure Auswahl dabei auch nicht von den späteren Arbeitsplatzchancen abhängig oder von "mit-meinen-Noten-muss-ich-Arzt-werden". Damit werdet ihr nicht glücklich.
Wer studiert verschenkt sein Potenzial nicht, egal was man studiert. Ein Lehramtsstudium ist nicht einfacher, im Gegenteil, die Arbeit mit Schülern ist ein enorme Herausforderung, für die euch auch kein 1,0 Abi qualifiziert.
Was euch auch jeder Student sagen wird: Schule und Abi haben relativ wenig mit Uni zu tun. Auch eine gute Abinote heißt noch lange nicht das sich dieser Trend auch in der Uni fortsetzen wird. Das ist ebenfalls unabhängig vom studierten Fach.
Findet ein Fach für das ihr euch interessiert, dann studiert es sich auch leicht, und die Noten kommen von ganz allein. Einen Beruf findet so gut wie jeder Akademiker.
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