Nun, ich denke, grundsätzlich gibt es für jede Forschung mindestens zwei Ursachen:
a) Neugier und
b) Suche nach wirtschaftlich Verwertbarem.
Das ist im Falle der Raumfahrt sicherlich nicht anders, zumal das Argument "Man soll doch lieber erst die Probleme auf der Erde lösen, anstatt ins All zu fahren" beginnt, schal zu klingen.
Raumforschung ist - wie jegliche Wissenschaft - ein Teil der menschlichen Kultur, und so wenig jemand ernsthaft vorschlägt, sämtliche staatlich geförderten Museen, Theater und Opernhäuser dichtzumachen und das Ersparte den Hungernden in Afrika zukommen zu lassen (nachdem eine Grundversorgung für die arbeitslosen Regisseure, Schauspieler, Bühnenbildner und Platzanweiser eingerichtet ist), so wenig sollte man begehrliche Blicke nach Cap Canaveral oder Baikonur werfen und über etwaige Einsparpotenziale nachsinnen.
Wenigstens in den Natur- und Ingenieurswissenschaften* ist es ja so, dass jede Grundlagenforschung bisher Einzug in die praktische Anwendung gefunden hat. Es ist nicht klar, wieso das im Falle der Raumfahrt nicht auch so sein sollte. Abgesehen von dem entstehenden Wissenszuwachs (man denke allein an das ergiebige Hubble-Teleskop) gibt es im All punktuell nen Haufen Geld zu verdienen: Das fängt beim weiten Feld der Telekommunikationssatelliten an, und hört beim etwaigen Abbau von Bodenschätzenauf dem Mond und im Asteroidengürtel gewiss noch nicht auf.
Spätestens seit den zwischenzeitlichen Sorgen um den Bahnverlauf des Asteroiden Apophis beginnt sich jedoch ein dritter Aspekt dazu zu gesellen. Ähnlich wie im Falle der aktuellen Klimadebatte (und mit Venus und Mars hat man ja exquisite Anschauungsobjekte quasi vor der Haustür) wird langsam begriffen, dass die Umwelt keineswegs so beschaffen ist, dass unsereins auf alle Zeiten völlig sorgenfrei darin wird leben können - auch dann nicht, wenn wir mit unseren Ressourcen hübsch sparsam haushalten und unsere Umgebung nicht mehr als nötig verschmutzen.
Ohne geeignete Schutzmaßnahmen droht Homo Sapiens noch immer die gleiche Gefahr wie zu Zeiten der Neandertaler: Die Ausrottung.
Selbst wenn man die Raumforschung für überflüssig und ihre wirtschaftliche Auswertung für verwerflich hält, kommt man also um die Feststellung nicht herum, dass die Dinosaurier letzten Endes ausgestorben sind, weil sie kein Raumfahrtprogramm hatten.
* Ich weiß nicht, ob das in den anderen Disziplinen auch so ist, aber grundsätzlich spricht nichts dagegen.
Thema: Warum wollen wir ins All?
Ergebnis 1 bis 5 von 25
-
22-08-2007 15:48 #1
Moderator
- Registriert seit
- 31.01.2002
- Beiträge
- 110
Warum wollen wir ins All?
Studenten der Ingenieurwissenschaften, Astrophysik und Technik wollen oft nur eins: in die Raumfahrt. Die Erforschung des Universums war schon immer ein Menschheitstraum. Was reizt euch an dem Gedanken? Warum wollen wir ins All, warum stecken wir unsere Energie in Forschung über Sterne, Raumfahrt und extraterrestrische Lebewesen? Ist es nicht absurd, in die Raumfahrt zu investieren, wenn auf der Erde schon so vieles aus dem Ruder läuft?
Zu den Artikeln:
Houston, wir haben kein Problem mehr: http://www.unicum.de/evo/9751_1
Ausflug im Kotzbomber: http://www.unicum.de/evo/9749_1
Sonne, Mond und Forschung: http://www.unicum.de/evo/9762_1_1
„Das ist kein Urlaub“: http://www.unicum.de/evo/9750_1Geändert von Redaktion (22-08-2007 um 15:52 Uhr)
-
22-08-2007 18:20 #2
Geändert von Düsentrieb_610 (22-08-2007 um 18:28 Uhr)
"Es ist mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben, als gelegentlich ihre Bewunderung."
(Jean-Jacques Rousseau)
"Science flies you to the moon.
Religion flies you into buildings."
(Victor Stenger)
Am Ende wird alles gut.
Und falls nicht, ist es nicht das Ende.
-
22-08-2007 21:04 #3
"Dekan" (1500-2999 Beiträge)
- Registriert seit
- 26.10.2003
- Beiträge
- 1.511
Normalerweise basieren Investitionsentscheidungen auf Kosten - Nutzen-Überlegungen. Bei der Raumfahrt ist nicht immer ganz klar, was für ein Nutzen sich daraus ergeben wird und somit mag es bisweilen unsinnig erscheinen, recht hohe Summen für diesen Forschungszweig aufzuwenden.
In gewisser Weise ist das halt wie Lottospielen: man kann möglicherweise einen hohen Gewinn erzielen, aber eine Garantie dafür gibt es nicht. Trotzdem spielen viele Leute Lotto.
Aha? Warum sind die Dinosaurier denn nun eigentlich ausgestorben?
-
23-08-2007 14:41 #4
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
- Registriert seit
- 18.06.2006
- Beiträge
- 3.691
@juppiduh:
Auch bei vielen anderen Fragen der Grundlagenforschung ist nicht klar, ob und wann man daraus ein wirtschaftlich profitables Ergebnis erhält.
Wenn man die alle in Frage stellen würde, dann könnte man ganze Forschungsgesellschaften, wie etwa Helmholtz und Max-Planck, und zahlreiche Hochschullehrstühle schließen, die staatlich geförderte Grundlagenforschung betreiben.
Das würde zu einem erheblichen Eingriff in die deutsche Forschungs- und Hochschullandschaft führen. Das minimiert zwar vorübergehend die Ausgaben von Bund und Ländern, würde aber Fortschritt, Innovation, Zukunftsfähigkeit erheblich behindern.
Schau mal, beinahe jedes Diplomarbeitsthema ist ein Lotteriespiel. Der ausgebende Hochschullehrer oder Forschungsleiter weiß nicht, ob das gewünschte Ziel sich erreichen lässt? Und der Student hat dann die Aufgabe nicht nur bekanntes aus den Lehrbüchern abzuschreiben, sondern seinen jahrelang gebildeten Grips einzusetzen, um mit neuen, innovativen Ideen einen Zugang zum Ziel zu erarbeiten. Ob, wie gut und auf welchem Weg er das schafft ist nicht vorhersagbar.
Im Berufsalltag gibt es manchmal ein Schema F, nachdem die anstehenden Aufgaben erledigt werden. Wem dem über wird, der hat ja auch noch die Möglichkeit Neuerungen einzuführen, die sich mal als furchtbar praktisch und toll und preiswert erweisen, ein anderes Mal aber auf den Holzweg und zurück zur bestehenden Technik führen.
-
29-08-2007 09:06 #5Nun, sehr wahrscheinlich wurde eine der "Aussterbewellen" durch den Einschlag eines Meteoriten verursacht.Warum sind die Dinosaurier denn nun eigentlich ausgestorben?
Im Grunde ist die Kollision von Himmelskörpern untereinander nichts Außergewöhnliches, und also kann man - z.B. anhand der Kraterdichte- und Größe auf dem Mond - abschätzen, wie groß die mittleren Zeitspannen sind, die zwischen je zwei Einschlägen eines Körpers einer gegebenen Größe (und eines gegebenen Impulses) vergehen. Im Falle des KT-Impakts im Golf von Mexiko vor 65 Millionen Jahren (der Impaktor hatte einen Durchmesser von schätzungsweise 10 Kilometern), der für das damalige Massensterben verantwortlich gemacht wird, ist die Wiederholzeitdauer zwar erst zur Hälfte abgelaufen, aber da es sich um eine statistische Größe handelt, würde ich in jedem Falle zur Wachsamkeit raten, zumal schon deutlich kleinere Impaktoren zu respektablen Ergebnissen führen. Man denke beispielsweise an das Tunguska-Ereignis von 1908.
Da das betroffene Gebiet weitgehend unbewohnt war, lief der Einschlag zwar spektakulär, aber dennoch glimpflich ab. Die freigesetzte Energie entsprach der einer größeren Wasserstoffbombe, hinterließ aber außer kilometerweit umgeknickten Wäldern kaum bleibende Spuren. Je weiter sich Homo Sapiens aber auf der Erde ausbreitet, umso geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein vergleichbarer Einschlag (der Impaktordurchmesser betrug hier nur ca. 100m) auf ebenfalls unbewohntem Terrain abspielt, zumal
a) die meisten Meteoriten ohnehin über den Ozeanen niedergehen und im Falle eines großen Objekts zu massiven Flutwellen führen und
b) jenseits einer Größe von ca. 10 Kilometern der Einschlagsort ohnehin egal ist, weil die Folgen global spürbar sind.
Insofern ist die Erforschung des Weltraums zwar ausreichend, aber nicht vollständig mit dem - zutiefst menschlichen - Forschergeist zu erklären, sondern ebenso mit dem - ebenfalls zutiefst menschlichen - Selbsterhaltungstrieb."Es ist mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben, als gelegentlich ihre Bewunderung."
(Jean-Jacques Rousseau)
"Science flies you to the moon.
Religion flies you into buildings."
(Victor Stenger)
Am Ende wird alles gut.
Und falls nicht, ist es nicht das Ende.
Ähnliche Themen
-
Von der Bühne ins Internet
Von NetshowHost im Forum Off-TopicAntworten: 1Letzter Beitrag: 05-02-2004, 11:32 -
Zweites Mal ins Ausland?
Von im Forum Studium + Arbeit im AuslandAntworten: 1Letzter Beitrag: 11-02-2003, 12:35 -
ins französischsprachige Ausland, aber wie?
Von im Forum Studium + Arbeit im AuslandAntworten: 1Letzter Beitrag: 10-02-2003, 11:06 -
nach dem BA-Studium ins Ausland?
Von Tina Braun im Forum Studium + Arbeit im AuslandAntworten: 1Letzter Beitrag: 10-02-2003, 09:45 -
all die....
Von im Forum Lyrik + ProsaAntworten: 2Letzter Beitrag: 20-06-2002, 16:48


LinkBack URL
About LinkBacks






Lesezeichen