Mehr Mythos als Wahrheit. Manche aus dieser Generation maskieren sich heute noch mit Lederjacke und Pferdeschwänzchen hinter der Halbglatze. Das ist lächerlich. Wenn ich mit "echten" Menschen aus dieser Generation spreche, so hatten sie damals ganz normale, alltägliche Probleme. Dutschke, Ohnesorg, Kommune Soundso, Axel Springer, das fand im Fernsehen und in der Zeitung statt, mit dem richtigen Leben hatte es kaum etwas zu tun...
Thema: 1968
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09-04-2008 12:10 #1
"Student" (20-79 Beiträge)
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1968
1968 ist das Jahr, an dem sich noch immer die Geister scheiden. Für die einen bedeutet es Aufbruch und Emanzipation, für die anderen Werteverfall und Geburtsstunde des RAF-Terrors.
Was haben die 68er erreicht, und was ist vom Mythos um diese Generation übrig geblieben?
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09-04-2008 12:46 #2
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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09-04-2008 17:51 #3
Naja, "erreicht": Ich würde ja stark bezweifeln, dass die 68er nun wirklich die Auslöser großer gesellschaftlicher Umbrüche gewesen sein sollen.
Beispiel "sexuelle Revolution": Nach meinen Informationen kam die Pille Anfang (nicht Ende) der sechziger Jahre auf den Markt. Ihre Verschreibung auch an Unverheiratete wurde ebenfalls deutlich vor 1968 eingeführt. Sollte es also parallel zur 68er-Bewegung eine Änderung der Sexualmoral gegeben haben (wovon auszugehen ist), so ist sie Folge der erweiterten pharmazeutischen Möglichkeiten."Es ist mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben, als gelegentlich ihre Bewunderung."
(Jean-Jacques Rousseau)
"Science flies you to the moon.
Religion flies you into buildings."
(Victor Stenger)
Am Ende wird alles gut.
Und falls nicht, ist es nicht das Ende.
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09-04-2008 19:33 #4
Sicherlich ist dies die wichtigste Entwicklung, die die sexuelle Revolution begünstigte, aber es ist definitiv nicht die einzige. Man kann solche Umbrüche nicht mit einem Ereignis erklären. Es ist ebenso zu kurz gesagt, alles hätte sich nur im besagten Jahre 1968 abgespielt, was viele gemeinhin behaupten (weil sie eben keine Ahnung haben). Das Jahr 1968 ist eben ein Teil einer bereits existierenden Entwicklung.
Ich denke, wie so viele Veränderungen, hat diese uns Gutes und Schlechtes gebracht. Sicherlich schlechtes ist der Wegfall von dem guten Benehmen, das ich sehr vermisse und eben so oft das Missgelingen des täglichen Miteinanders bestimmt. Dies liegt eben an der antiautoritären Erziehung, die sich eben an keine Normen mehr halten wollte. Dies ist prinzipiell total falsch, denn jeder braucht Regeln, sonst gelingt das Miteinander nicht. Der Mensch ist nicht gerade ein Lebewesen, das ohne Regeln miteinander klar kommt. Jeder, der einigermaßen am Leben teilnimmt und die Augen aufmacht, weiß das. Dementsprechend verlangt die Erziehung eines Kindes eben auch, dass man es auf diese Einschränkungen und Regeln erzieht. Man ist eben nicht allein auf der Welt.
Hingegen ist sicherlich der positive Effekt, dass übertriebene Strenge, Züchtigung usw. aus der Kindererziehung (weitesgehend) verschwunden sind und es zumindest ein Bild von der Erziehung gibt, dass diese Maßreglungen nicht mehr vorsieht. Ich bin auch unbedingt dafür, dass man freier im Denken, im Verhalten und in der Sexualität leben darf, aber ich glaube einfach nicht, dass dies wirklich der Fall ist.
Man muss doch schon sagen, dass es immer noch Vorstellungen, Rollenbilder und gesellschaftliche Erwartungen gibt, die einen an ein bestimmtes Lebensbild binden und das wird auch immer so bleiben."Wir hatten zwei Beutel Gras, 75 Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und n ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher, einen Liter Tequila, ne Flasche Rum, ne Kiste Bier, nen halben Liter Äther und zwei Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unsere Tour brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, ne ernsthafte Drogensammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden..."
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16-04-2008 07:35 #5
"Professor" (750-1499 Beiträge)
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[QUOTE=Düsentrieb_610;419187]Naja, "erreicht": Ich würde ja stark bezweifeln, dass die 68er nun wirklich die Auslöser großer gesellschaftlicher Umbrüche gewesen sein sollen.
[QUOTE]
Die 68 er werden heute meist nur mit Krawall und Gewalt in Verbindung gebracht, was zu nichts außer der Verunsicherung des Staates führte. Das ist das, was man halt vom Fernsehen her kennt. Was diese Generation aber wirklich zustande gebracht hat, ist bei weitem nicht so spektakulär und wird heute gerne übersehen, weil sich kein Mensch mehr vorstellen kann, wie das gesellschaftliche Klima in der damaligen Zeit war. Und DAS war es doch (auch und vor allem), wofür bzw. wogegen die jungen Leute auf die Straße gingen. Zum Beispiel wurden damals Vermieter, die Unverheiratete zusammen wohnen ließen, von den Moralaposteln in der Nachbarschaft gnadenlos angezeigt. Welcher Paragraph dafür zuständig war, weiß ich nicht. Diesen Muff (nicht nur unter den Talaren an den Unis) und den damit verbundenen Druck, insbesondere auf junge Menschen, kann man sich vierzig Jahre später einfach nicht mehr vorstellen und glaubt daher, die 68 er nur an Schlagworten messen zu müssen (sexuelle Freizügigkeit, antiautoritäre Erziehung etc.) In der Folge wurden z. B. viele rigide Gesetze abgeschafft. Homosexualität war strafbar!!! Ich glaube bis in die siebziger Jahre! Die Auswüchse der damaligen Zeit sind inzwischen geglättet. Auch ein Herr Fischer schmückt sich heute mit Anzug und Krawatte und lässt bei offiziellen Anlässen die Turnschuhe im Schrank.
Übrig bleibt viel mehr Freiheit für den Einzelnen, auch wenn manche (immer noch) nicht mit dieser Freiheit umgehen können. Aber das ist kein Problem der 68 er, sondern der heutigen Generation.


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