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  1. #1
    Wischka Gast

    Studium nur wegen des Titels?

    "70 Prozent der Akademiker studieren, um einen Titel zu erhalten und nicht, um sich geistig, seelisch und mental weiterzubilden.", sagt der rennommierte Trendforscher Matthias Horx im UNICUM Gespräch. So könne man auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft nicht bestehen. Dort, glaubt Horx, seinen "nur noch Personen gefragt, die Zusammenhänge verstehen, kluge Fragen stellen und den Dingen auf den Grund gehen."

    Der Rat des Forschers: ein geisteswissenschaftliches Studium absolvieren. Philosophie, Soziologie, Psychologie - es gehe "um Weltverständnis". Das ganze Interview mit Matthias Horx könnt ihr hier lesen.

    Wir möchten von Euch wissen, was Ihr von den Thesen von Matthias Horx haltet.

  2. #2
    lausitzer ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
    Registriert seit
    18.06.2006
    Beiträge
    3.691
    Zitat Zitat von Wischka Beitrag anzeigen
    Der Rat des Forschers: ein geisteswissenschaftliches Studium absolvieren. Philosophie, Soziologie, Psychologie - es gehe "um Weltverständnis". Das ganze Interview mit Matthias Horx könnt ihr hier lesen.Wir möchten von Euch wissen, was Ihr von den Thesen von Matthias Horx haltet.
    Hmm. Kann man Weltverständnis nicht auch durch das Studium der Physik erlangen? (Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält?) Oder einer anderen Natur- oder Ingenieurwissenschaft?

    Studiert man nur wegen des Titels (genauer Akademischen Grades. Danke, Juppiduh)? Ist diese Ansicht nicht spätestens seit Umstellung der Abschlüsse veraltet?

    Ist man als Dipl.-Phil. was besseres als ein Dipl.-Phys.? Ist mit der Verleihung des Bachelors oder Masters für alle nicht ohnehin Gleichmacherei und Sozialismus ausgebrochen?
    Geändert von lausitzer (17-11-2008 um 13:18 Uhr)

  3. #3
    juppiduh ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
    Registriert seit
    26.10.2003
    Beiträge
    1.511
    Ehrlich gesagt hatte ich keine Lust das Interview zu lesen. Trotzdem ein paar Anmerkungen:

    Zitat Zitat von Wischka Beitrag anzeigen
    "70 Prozent der Akademiker studieren, um einen Titel zu erhalten ..."
    Man erlangt an der Uni keinen Titel, sondern einen akademischen Grad.

    Zitat Zitat von Wischka Beitrag anzeigen
    ...Dort, glaubt Horx, seinen "nur noch Personen gefragt, die Zusammenhänge verstehen, kluge Fragen stellen und den Dingen auf den Grund gehen."
    Der Rat des Forschers: ein geisteswissenschaftliches Studium absolvieren.
    Der Markt spricht nun mal eine andere Sprache. Gefragt sind momentan eher Naturwissenschaftler und Ingenieuere, für Geisteswissenschaftler war und ist es nicht einfach, eine Stelle zu bekommen und wird es wohl auch in Zukunft nicht sein. Einzig um der eigenen Fortbildung zu studieren ist Luxus, den sich nur wenige leisten können. Insofern ist es doch nur verständlich, wenn Studienanfänger ein Studium beginnen, bei dem die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass man damit hinterher auch seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Das ist vermutlich auch mit "um einen Titel zu erhalten" gemeinten.
    Im Übrigen lernt man auch in Natur- und Ingenieurswissenschaften kluge Fragen zu stellen, sich einen Überblick zu verschaffen und den Dingen auf den Grund zu gehen.

  4. #4
    Avatar von Seemops
    Seemops ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
    Registriert seit
    23.01.2006
    Beiträge
    1.194
    Es ist nicht so, dass man nicht auch eine Art von Weltverständnis in den naturwissenschaftlichen oder technischen Fächern erlangt. Es ist eben nur ein anderes als es in den Geisteswissenschaften vermittelt wird, weil ja das Zentrum ein anderes ist. Meiner Erfahrung nach verfügen aber die wenigsten Menschen über ein Verständnis von der Komplexität der Welt und deren Multiplität. Dass die Welt also immer wieder auf eine andere Weise begriffen werden kann, dass es keine absolute Wahrheit gibt. Meines Erachtens wird dies auch eher in den Geisteswissenschaften vermittelt, nur ist dies keine Garantie dafür, dass dies jeder versteht.

    Die Idee Humboldts von der Bildung ist gerade sowieso nicht "in", leider. Utilarismus und eine am Nützlichen (und damit ist eine eher kapitalistisch geprägte Nützlichkeit gemeint) orientierte Haltung beherrschen zurzeit die deutsche Bildungslandschaft und generell das menschliche Streben. Nur Lernen um des Lernen willens, eben sich mental und geistig bilden, das ist Luxus (und das ja nicht ohne Grund). Das war es zwar früher auch schon, aber man wurde nicht abfällig belächelt, wenn man diesem Ziel nachgegangen ist. Es war sehr positiv, wenn jemand die Möglichkeit dazu hatte (nicht dass ich sagen will, es hätte nicht schon immer Leute gegeben, die es nicht verstehen, wenn etwas nicht pragmatisch oder nützlich genug ist). Orientiert man sich heutzutage aber an anderen Werten und Zielen, als eben an einem primär finanziellen, (z.B. der Wille Menschen zu helfen usw.), dann kann es schon passieren, dass man Abfälligkeiten oder Kopfschütteln erntet. Dabei gibt es immer noch genügend Berufe, die irgendwer machen muss, die aber finanziell nichts einbringen. Generell fehlt es an einer Akzeptanz der Berufe, die nicht genug einbringen. Davon gibt es aber en masse, und die muss ja auch irgendwer machen. Es ist absolut verständlich, wenn man in seine beruflichen Überlegungen auch den finanziellen Aspekt berücksichtigt. Es ist aber nicht verständlich, wenn man nicht akzeptieren kann, dass andere Menschen diesen Aspekt in ihrer Wertehierarchie eher weiter unten ansiedeln und sich daher Berufen widmen, die ihnen anderen, ideelle Werte geben mögen.
    "Wir hatten zwei Beutel Gras, 75 Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und n ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher, einen Liter Tequila, ne Flasche Rum, ne Kiste Bier, nen halben Liter Äther und zwei Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unsere Tour brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, ne ernsthafte Drogensammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden..."

  5. #5
    Typ XXI Gast

    Dummschwätzer

    Zitat Zitat von Matthias Horx
    Es geht letztendlich um eine ganzheitliche Betrachtung und Neubewertung des Phänomens Bildung.
    Bildungspolitiker werden für solche Sätze ausgelacht.´
    Zitat Zitat von Matthias Horx
    Wir orientieren uns noch an den Bildungsidealen des 19. Jahrhunderts. Militärische Prinzipien wie Befehl und Gehorsam standen in unserem Bildungssystem lange im Vordergrund.
    Humboldt lebte im 19. Jahrhundert.
    Befehl und Gehorsam gibt es seit 1945 an keiner Schule in Deutschland mehr.
    Zitat Zitat von Matthias Horx
    Wie erklären Sie sich dann, dass 95 Prozent der 20-jährigen Finnen ein Abitur in der Tasche haben oder eine andere Hochschulberechtigung?
    Wie ich mir das erkläre?
    Die Finnen sind ~ 45% schlauer als die Durchschnittsdeutschen. (und 65% schlauer als die Bayern)
    Zitat Zitat von Matthias Horx
    Hochbildung für prinzipiell alle.
    Aha!
    Dann bevölkern also in wenigen Jahren auch jene die Unis, die
    - ein grottenschlechtes Abi in Sport und Reli haben.
    - einen Realschulabschluss haben.
    - nur einen Hauptschulabschluss haben.
    - nicht mal den geschafft haben, und es sogar als Kleinkriminelle zu nichts bringen.

    Na, zum Glück habe ich schon einen Titel und sogar einen akademischen Grad.
    Zitat Zitat von Matthias Horx
    Ich glaube, nur die Vision einer vielfältigen, individualisierten, lebenslangen, „modulierten“ Bildungsgesellschaft kann uns in der globalen Welt eine Perspektive haben.
    Verklagen sie ihren Gostwriter, Herr Horx.
    Zitat Zitat von Matthias Horx
    „Ja, wer räumt denen in Finnland den Müll weg?“ Dahinter steckt das Bedürfnis, dass es bitteschön einen blöden Bodensatz geben möge, der die Drecksarbeit macht. Da zeigt sich einmal mehr, dass unser Bildungssystem durch die Klassengesellschaft des 19. Jahrhunderts geprägt ist.
    Und wer räumt denn nun in Finnland den Dreck weg?
    Und wer soll das bei uns machen?
    Typisch Soziologe!
    Zitat Zitat von Matthias Horx
    Zudem haben wir noch einen Akademikerbegriff, den ich für völlig überkommen halte. Ganz böse würde ich mal formulieren, dass 70 Prozent der heutigen Akademiker studieren, um einen Titel zu erhalten und nicht um sich geistig, seelisch und mental weiterzubilden.
    Ganz böse würde ich mal formulieren, dass es sich bei Herrn Horx um einen Hoax handelt. Die Johann-Wolfgang-von-Goethe Universität sollte sich was schämen.
    Zitat Zitat von Matthias Horx
    Zukünftig werden auf dem Arbeitsmarkt nur noch Personen gefragt sein, die Zusammenhänge verstehen, die kluge Fragen stellen und den Dingen auf den Grund gehen können, die sich selbst verändern und in kreativen Teams arbeiten können.
    Typischer Satz von jemandem, der den Arbeitsmarkt nur aus der Tagesschau kennt.
    Zitat Zitat von Matthias Horx
    Deshalb würde ich ihnen grundsätzlich zu einem geisteswissenschaftlichen Studium raten, das sie aus Erkenntnisinteresse machen: Philosophie, Soziologie, Psychologie… Es geht um Weltverständnis!
    Obwohl Herr Horx einen Lehrauftrag von der Uni hat, die den Namen "Ferdinand Graf von Zeppelin" führt, hat er wohl noch nicht gemerkt, dass der Maschinen- und Fahrzeugbau das ganze Land am kacken hält.
    Es geht um technisches Verständnis!

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