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  1. #1
    leseratte Gast

    „Such deine Lieder“ in Sebastian Lühns neuem Erzählband „Alles ist leise“

    Jede Lebensgeschichte findet ihre Lieder. Umgekehrt lässt sich Sebastian Lühn von Musik zu Geschichten inspirieren: Eine Erzählung zu jedem Song.
    Lühns Protagonisten sind weder Helden noch Verlierer, sondern unauffällige Menschen, die nicht vermögen die Welt zu verbessern oder allenfalls die eigene. Sie beschäftigt die Suche nach dem Weg und den richtigen Begleitern. Doch ihre subjektive Sicht verschiebt die Tatsachen und fördert zwischenmenschliche Konflikte. Der Autor schildert diese nicht in großen und nicht in kleinen, sondern in leisen Momenten – und das in feinen Nuancen mit sorgsam auserwählten Worten, fernab von Kitsch und Banalität.
    Lühns Schreibstil erinnert an Judith Hermanns empfindsam-melancholisches Timbre. Empfehlenswert.

  2. #2
    Avatar von S. Anders
    S. Anders ist offline "Habilitand" (500-749 Beiträge)
    Registriert seit
    29.01.2003
    Beiträge
    499
    Hallo leseratte,

    ich habe Deine Kurzrezension aus den "Buchempfehlungen" ausgliedern müssen, weil sie sich in ihrer Knappheit nicht auf das Schema der anderen Rezensionen vor Ort "aufpumpen" ließ, und Sinn des o.g. Threads ist eben die Einheitlichkeit des Layouts.
    Gruß, Sam
    s. anders ist stolzer moderator des bücherforums
    und wird eingekleidet von seiner mama

    als orion "zett" green und timotheus roth
    kämpft er tapfer in den logorrhien wars

  3. #3
    Jannna Gast
    Ein echt schönes Buch, das in sieben sehr atmosphärischen Erzählungen ein Portrait der jungen Generation zeichnet, das sich von den üblichen „popliterarischen“ Büchern zum Thema Erwachsenwerden abhebt: durch Ehrlichkeit, durch Nüchternheit. Lühns Figuren müssen keine Drogenexzesse oder Sexabenteuer durchleben, sie sind schrecklich normal und dabei verstrickt in die schrecklich normalen Sorgen und Nöte, die die wahren Tragödien des Alltags ausmachen: verletzte und verletzende Liebe, zerbrechende Freundschaften, fragwürdige Begegnungen. Sie alle sind auf der Suche nach, ja nach was? Nach sich, nach dem Glück, nach dem Ziel, nach irgendeiner Geborgenheit. Meistens werden sie enttäuscht. Sebastian Lühn klagt nicht an, er erklärt nicht, er gibt keine Verbesserungsvorschläge. Er beschreibt lediglich. Er beschreibt die Gegenwart und den schwierigen Stand der jungen Generation in ihr.
    Seine Sprache ist melancholisch-poetisch, aber auch ironisch-distanziert. Man glaubt den Figuren und man glaubt den Geschichten, weil sie so wahrhaftig sind und man als Leser Teil von ihnen wird.

  4. #4
    Un-registriert Gast
    das buch wird auch auf unicum.de besprochen:

    Buchtipp: Sebastian Lühn, Alles ist leise

    Leise bahnen sie sich an – die kleinen und großen Alltagskatastrophen, die Sebastian Lühn in seinen Geschichten beschreibt. Freundschaften zerbrechen, Liebende gehen auseinander und alle Charaktere sind umgeben von einer irgendwie kuscheligen Melancholie, die sie sogar vor allzu tiefen Verletzungen zu schützen scheint. Teilweise liest sich das wie in Prosaform gebrachte Lyrik von „Silbermond“, „Juli“ & Co. – es war ‚ne geile Zeit, doch es ist vorbei … Dazu passt, dass jedem Kapitel ein Songzitat einer der zahlreichen deutschsprachigen Pop-Heroen voran gestellt ist. Nimmt man die als Soundtrack-Empfehlung, hat man genau die richtige Lektüre für einen kuscheligen Winternachmittag auf dem Sofa

    Sebastian Lühn: Alles ist leise. Lagrev 2005, 10,90 Euro.

  5. #5
    leseratte Gast
    Ja, obwohl ich den Vergleich mit Silbermond und Juli ungerechtfertigt und abwertend finde. Als so genannte deutsche Pop-Heroen werden Zitate von Wir sind Helden, Blumfeld, Paula und, okay, Annett Louisan als Inspiration herangezogen, ansonsten Natalie Merchant, Bob Dylan und Joni Mitchell. Das sind doch andere Kaliber als Silbermond und Co.

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