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  1. #1
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Obersturmbannführer Günther Grass bei der Waffen-SS

    Achgott, achgott,

    jetzt war der alte Grass (damals: sehr junge) ein paar Tage anno 1945 bei der Waffen-SS (zur Unterscheidung: Die Waffen-SS ist nicht die SS, die die KZs bewacht hat usw. , sondern stellte Kampftruppen). Na gut, ich glaube nicht, daß da noch jemand schockiert ist, aber die widerliche Journaille stürzt sich auf das Thema wie die Geier aufs Aas. Und Herr Grass bringt sich mal wieder ins Gespräch und verkauft ein paar Bücher mehr...
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
    Dem Narren ein Denkmal.
    Dem Reimliebhaber ein Gedicht.

  2. #2
    Gänseblümle ist offline "Habilitand" (500-749 Beiträge)
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    Dass Grass als Soldat gedient hat, wie andere Junge Männer damals auch, war doch eh bekannt und ist auch logisch zu der Zeit - dass es jetzt die Waffen-SS (Elitetruppe der Kampfeinheiten) war zeigt eben dass es freiwillig war und sogar eine gewisse Motivation dahinter steckte - aber ich nehme ihm das nicht übel.
    Laut seinen eigenen Aussagen bedeutete die Waffen-SS für ihn in erster Linie Abenteuer, Herausforderung...Gründe die man nachvollziehen kann und die wohl auch heute jemanden dazu bewegen könnten zur KFOR oder GSG9 zugehen, wenn er die nötigen Voraussetzungen dazu hat;

    ich denke es war im ein echtes Bedürfnis das öffentlich zu machen und ich finde es gut und stufe das als "Aufarbeitungsschritt" ein -
    dass jetzt mehr PR-Rummel um ihn ist, ist ja klar, ich denke aber nicht dass Grass sich hier nur wichtig machen will (vielleicht ja doch) - so ne Berühmtheit wie der Grass muß irgendwann auch nen lückenlosen korrekten Lebenslauf für die Öffentlichkeit haben, wär eh irgendwann "rausgekommem".
    Geändert von Gänseblümle (14-08-2006 um 08:29 Uhr)

  3. #3
    Astir01 ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Wie überall

    gab es bei der Waffen- SS solche und solche. Die 110% Nazis waren dort ebenso zu finden wie naive Jungs, die den Krieg für ein großes Abenteuer gehalten haben und glaubten, in der SS das Eiserne Kreuz aboniert zu haben. Letzten Endes haben sie alle nur Eisen ins Kreuz bekommen.

    Ich spreche einem 17- Jährigen von damals, der im ganzen Leben nichts anderes als Nazi- Propaganda zu hören bekommen hat, die Weisheit und Kompetenz ab, eine andere, aus heutiger Sicht bessere Entscheidung, getroffen haben zu können.

    Aber so wie viele andere, die bei der SS waren, das Grauen des Krieges erlebt und erlitten haben, sogar an Gräueltaten beteiligt gewesen sein mögen nach dem Kriege irgendwie weiter machen mussten, so hat der junge Günter auch irgendwie weiter gemacht; als Schriftsteller.
    Niemand hätte damals von ihm erwartet, dass er mit seiner Zugehörigkeit zur Waffen- SS hausieren geht, sie bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit erwähnt. Das haben viele andere auch unterlassen, die es nach dem Kriege in beiden Teilen Deutschlands noch zu beruflichem Erfolg und wissenschaftlichen Meriten gebracht haben.

    Aber irgendwann ist es meist dann doch heraus gekommen. Irgendwann hat mal jemand nachgefragt, nachgeforscht was dieser oder jener Professor, Regierungsbeamte, der Vater oder Großvater denn so getrieben hat zwischen 1933 und 1945.
    Und so mussten die meisten sich ihrer Vergangenheit stellen ob sie wollten oder nicht, und manchmal ernste Konsequenzen ziehen. (-> Hans Filbinger http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Filbinger)

    G´schmäckle bekommt die späte "Einsicht" des Günter Grass für mich aber nicht, weil sie so spät kommt, sondern, weil er in den Jahrzehnten zwischen damals und heute fast keine Gelegenheit ausgelassen hat, sich als moralische Instanz Deutschland aufzuspielen.
    Darin kommt er mir vor wie ein Priesterseminarist aus St. Pölten, der später als Gemeindepfarrer wider die Fleischeslust predigt.
    Tja, Proton müsste man sein; man würde die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf, und hätte eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit.
    (Silvia Arroyo Camejo)

  4. #4
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auf die Titelseite des heutigen Feuilleton der FAZ, wo schon sehr ausführlich einiges zusammenrecherchiert ist, z.B. den Namen der SS-Division usw. und es gibt ein Interview mit einem Historiker...
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
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  5. #5
    Avatar von SummaCumLaude
    SummaCumLaude ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
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    Was mich an der ganzen Geschickte stört, ist die späte Offenbarung. Und das ganze moralisierende besserwisserische Getue Grass`selbst in der Vergangenheit, wo zumindest er selbst ja schon seinen Lebenslauf gekannt haben muss (so er ihn nicht krankhaft verdrängt hat und jetzt plötzlich sein Gedächtnis wiedergefunden hat, was ich mal nicht annehme).

    Für mich bedeutet das letzendlich nur, dass Grass keinen Deut besser ist, als all diejenigen, die er in seiner links-ideologischen Kritik immer über einen Kamm schert und aburteilt. Wenn er sich *dazu* das Recht rausnimmt, kann er nicht verlangen, dass ausgerechnet ihm die Unvernunft der Jugend als mildernder Umstand angerechnet wird!

    Ich persönlich komme eher im Umkehrschluss dazu zu sagen, man *kann* die Situation als mildern ansehen. Dann muss man sie allerdings allen Tätern zugestehen. Ohne damit irgendwie die Greueltaten der NS-Diktatur und all ihrer Mitläufer irgendwie relativieren zu wollen, hat dann aber auch niemand mehr das Recht moralisierende Reden zu schwingen. Dass Grass genau das aber immer wieder getan hat, bedeutet für mich, dass er einfach ein arroganter A**** ist, der sich mehr Rechte zugesteht als seinen Mitmenschen. Und damit ist seine ganze Gesellschaftskritik nichts als die Wichtigtuerei eines Egozentrikers, dem es letzten Endes nur darum geht, im Rampenlicht zu stehen. Diese plötzliche Offenbarung als letzter Marketing-Gag kurz vor erscheinen seines neuen Buches passt dazu nur zu gut, und beleuchtet Grass` Sorglosigkeit bei der gerne ausgeteilten Kritik in erschreckender Weise. Dass er damit allen wirklichen Opfern ins Gesicht spuckt, scheint ihm völlig egal zu sein.

    Ergo: Völlig unabhängig von der Qualität seiner literarischen Leistungen (die ich an dieser Stelle in keinster Form - weder positiv noch negativ - bewerten will) hat sich Grass als deutscher 08/15-Michel geoutet, der er nun mal ist. Eine moralische Instanz ist er nicht und war er nie. Wer das aber bisher noch nicht so empfunden hat, kann sich jetzt sehenden Auges davon überzeugen.

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