Gestern abend war ich mal wieder Blut spenden. (Nicht weil ich ein herzensguter Philantrop bin, das würde mir hier wahrscheinlich sowieso keiner glauben und das wäre auch gelogen). Ich hatte eine (deutsche) Ausgabe von Jane Austens Mansfield Park dabei (siehe unten). Die eigentliche Blutentnahme dauert zwar nur höchstens eine Viertelstunde, aber das Anmeldungsprozedere usw. hält je nach anwesender Spendewilligenanzahl gewisse Wartezeiten bereit, die ich nicht damit vergeuden möchte, Löcher in die Luft zu starren. Das führt dazu, daß ich das Buch überall mithin nehme. Die Blutdruck-/Puls/Körpertemperatur-/Eisenkontrolle machte gestern erfreulicherweise meine Lieblingsschwester (deren Name ich leider immer weider vergesse). Sie sah mein Buch und wir plauderten ein wenig über Jane Austens Oeuvre. Eigentlich sollte man als Mann nicht Jane Austen mögen dürfen, oder? Naja, ich habe mir um meine Virilität (wenn überhaupt vorhanden) in der Öffentlichkeit noch nie ernsthaft Gedanken gemacht. Mansfield Park holt anfangs recht weit aus, um dann erst ab dem zweiten Kapitel auf die Hauptperson (Fanny Price) zu fokussieren. Finde ich. Vor ein paar Wochen habe ich Austens Emma gelesen und war recht erfreut und auf jeden Fall gut unterhalten. Davor nur zwei Bronte-Bücher (Sturmhöhen und Jane Eyre), aber natürlich kenne ich die Sense and Senibility -Verfilmung von etwa 1997 (mit lovely Kate Winslet) und die brillante Pride and Prejudice - Verfilmung von Joe Wright, die letzten Herbst in den deutschen Kinos lief...
Ich bin mir nicht sicher, ob die Jane Austen - Bücher nicht doch nur geschickt gemachte Trivialliteratur ist. Falls ja, wäre das aber auch nicht so schlimm. Lieber gut gemachte Trivialliteratur als Autoren, die mit der Brechstange literarischen Anspruch erzeugen wollen...
Und wenn ich in der Kölner U-Bahn sitze, mit all den Freaks und Junkies und einkaufstaschenschleppenden Türkenmamas, dann bietet mir Jane Austen eine andere, angenehmere Welt.
Schön, wenn man unerwartet auf einen anderen Jane-Austen-Liebhaber trifft. Zum Beispiel beim Blutspenden.
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Thema: Euer Buch - Tagebuch
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24-08-2006 12:32 #1
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Euer Buch - Tagebuch
Liebe Leserinnen und Leser!
Vorbild für diesen Thread soll das DVD-Tagebuch von Jamie im Fim&Fernsehforum sein, das dieser Tage 1 Jahr alt wird.
Hier darf / soll / muß rein, was einem so mit dem Medium Buch passiert ist. Das kann alles mögliche sein, von dem Auffinden eines zerfledderten Bookcrossing-Exemplars, über die Erfahrungen in einem Antiquariat bis zur Autogrammstunde von Dieter Bohlen für sein zweites Buch, aber gerne auch kurze, persönliche Sachen, wie man bestimmte Stellen, die man gerade gelesen hat, empfindet.
Eigentlich ist alles rund ums Buch erlaubt, ausgenommen Buchempfehlungen: Die gehören in den Buchempfehlungsthread und Surtfipps u.ä. Hinweise bitte auf die Pinnwand!Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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24-08-2006 13:07 #2
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Geändert von Thomas Bernhard (24-08-2006 um 13:11 Uhr)
Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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24-08-2006 20:09 #3
"Professor" (750-1499 Beiträge)
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Verehrter Herr Bernhard, Ihre panische Angst, Sie könnten Ihre wertvolle Zeit mit etwas verschwenden, das sich auch nur im Entferntesten als Trivialliteratur (aus Pietätsgründen im Folgenden T. abgekürzt) bezeichnen ließe, in allen Ehren, aber atmen Sie erstmal durch und denken Sie logisch:
(1) Sie hassen T.
(2) Sie mögen Jane Austen (trotz des Gefühls, dies werfe ein zweifelhaftes Licht auf Ihre Virilität)
daraus folgt zweifelsfrei
(3) Jane Austen ist keine T.
Solltest Du vorhaben, Dich weiter mit dem Werk von Jane Austen zu befassen, kann ich Dir Sense and Sensibility und vor allem Pride and Prejudice empfehlen. Fanny in Mansfield Park ist mir persönlich viel zu brav. Emma mochte ich auch sehr gern, die anderen drei haben wenig Spuren in meinem Gedächtnis hinterlassen.
Ob Austen in der deutschen Übersetzung an Qualität einbüsst, kann ich nicht beurteilen, aber trivial fand ich ihre Bücher nie. Ja, die Plots sind relativ einfach gestrickt, ja, die handelnden Figuren bewegen sich in recht festgelegten, engen Bahnen, ja, es werden klare moralische Standpunkte vertreten. Aber die Bücher sind mit einer Liebe zum Detail geschrieben, mit einer feinen Ironie und scharfen Beobachtungsgabe, die den Gedanken an Trivialität eigentlich gar nicht aufkommen lässt. Die Gesellschaftskritik ist Kritik von innen und sie ist sehr vorsichtig, aber sie ist da. Bevor Du mich jetzt auslachst - Jane Austen war sicher keine Tintenfassreformerin oder Füllfederrevolutionärin. Aber sie war eine intelligente, literarisch (wenn womöglich auch nur das) gebildete Frau, die sich schreibend mit der Welt, in der sie lebt, auseinandersetzt.
Gute Bücher gut zu finden, hat nichts mit Männlichkeit oder Weiblichkeit zu tun (obwohl ich zugeben muss, dass ich mir oft schwertue, Hemingway seine Misogynie zu verzeihen und zu schätzen, was da steht...)
War das jetzt eigentlich im Sinne des Threads? Im DVD-Patenthread geht man ja meist sehr wenig auf die anderen Posts ein...Geändert von miss smilla (25-08-2006 um 11:39 Uhr)
Don't cry - work.
Rainald Goetz
Gedanken sind frei. Worte nicht ganz so.
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02-09-2006 17:35 #4
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Sinn des Threads
Hmm, ja, das ist offensichtlich trotz meines Beispieles nicht klar, sonst hätte ich bisher nicht als einziger einen (echten) Beitrag geliefert...
Zitat von miss smilla
Ja, eigentlich ist das nicht unbedingt so gedacht, daß sich eine Diskussion entspannt, sondern es sollte (ähnlich wie beim DVD-Tagebuch) eher mehr oder weniger persönliche Notizen sein, die mit Literatur oder besser gesagt mit der Beschäftigung mit Literatur zu tun haben. Natürlich darf man auch auf seine Vorredner eingehen, warum sollte ich das unterdrücken wollen...(daß das bei DVD-Tagebuch eher selten passiert, finde ich auch ein wenig schade.)
Ich hoffe, ich kann durch weitere Einträge meinerseits den Sinn und die Funktion des Threads noch klarer herausarbeiten...Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
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02-09-2006 18:21 #5
"Professor" (750-1499 Beiträge)
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Könnte auch damit zu tun haben, dass die meisten Leute nicht täglich mitteilenswerte Erlebnisse mit Literatur haben, die nicht durch Empfehlungen oder Verrisse (die hier nicht erwünscht sind) zu kommunizieren sind.
Zitat von Thomas Bernhard
Gut, darauf werde ich dann warten, damit ich nicht nochmal gegen die Threadintention verstoße und versehentlich einen dritten unechten Beitrag liefere.
Zitat von Thomas Bernhard
Don't cry - work.
Rainald Goetz
Gedanken sind frei. Worte nicht ganz so.
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