Ich hab nicht einen blassen Schimmer.
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07-02-2007 22:50 #1
"Professor" (750-1499 Beiträge)
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Romananfänge - des Ratevergnügens dritter Teil
1.
Fabian saß in einem Café namens Spalteholz und las die Schlagzeilen der Abendblätter: Englisches Luftschiff explodiert über Beauvais, Strychnin lagert neben Linsen, Neunjähriges Mädchen aus dem Fenster gesrpungen, Abermals erfolglose Ministerpräsidentenwahl, Der Mord im Lainzer tiergarten, Skandal im Städtischen Beschaffungsamt, Die künstliche Stimme in der Westentasche, Ruhrkohlenabsatz lässt nach, Die Geschenke für Reichsbahndirektor Neumann, Elefanten auf dem Bürgersteig, Nervosität an den Kaffeemärtkten, Skandal um Clara Bow, Bevorstehender Streik von 140000 Metallarbeitern, Verbrecherdrama in Chikago, Verhandlungen in Moskau über das Holzdumping, Starhembergjägerrebellieren. Das tägliche Pensum. Nichts Besonderes.
2.
The women's legs are spread wide open, so I hum. Men grow irritable, but they know it's all for them. They relax. Standing by, unable to do anything but watch, is a trial, but I don't say a word. My nature is a quiet one, anyway. As a child I was considered respectful; as a young woman I was called discreet. Later on I was thought to have the wisdom maturity brings. Nowadays silence is looked on as odd and most of my race has forgotten the beauty of meaning much by saying little. Still, I used to be able to have normal conversations, and when the need arose, I could make a point strong enough to stop a womb – or a knife.
3.
Jetzt ist schon wieder was passiert. Und ausgerechnet im Marianum, wo man glauben möchte, da kommt der brave Bauernbub als Zehnjähriger auf der einen Seite hinein und acht Jahre später als halbfertiger Pfarrer wieder heraus. Kein Wunder, dass so lange niemand Verdacht geschöpft hat. Weil eigentlich unfassbar, dass ausgerechnet in der saubersten Internatsschule von ganz Salzburg so etwas möglich war.
4.
Ernest war gern Analytiker. Tag für Tag ließen ihn seine Patienten in den verborgensten Winkeln ihres Lebens stöbern. Tag für Tag tröstete er sie, teilte ihre Sorgen und linderte ihre Verzweiflung. Wofür er seinerseits bewundert und gehätschelt wurde. Und auch bezahlt, obwohl er auch ohne Honorar als Therapeut gearbeitet hätte, wenn er auf das Geld nicht angewiesen gewesen wäre.
5.
This is the room of the wolfmother wallpaper. The toadstool motel you once thought a mrer folk tale, a corny, obsolete, rural invention.
This is the room where your wisest ancestor was born, be oyou Christian, Arab, or Jew. The linoleum underfoot is sacred linoleum. Please remove your shoes. Quite recently, the linoleum here was restored to its original luster with the aid of a wax made from hornet fat. It scuffs easily. So never mind if there are holes in your socks.
6.
11. September, rue Toullier.
So, also hierhier kommen die Leute, um zu leben, ich würde eher meinen, es stürbe sich hier. Ich bin ausgewesen. Ich habe gesehen: Hospitäler. Ich habe einen Menschen gesehen, welcher schwankte und umsank. Die Leute versammelten sich um ihn, das ersparte mir den Rest. Ich habe eine schwangere Frau gesehen. Sie schob sich schwer an einer hohen, warmen Mauer entlang, nach der sie manchmal tastete, wie um sich zu überzeugen, ob sie noch da sei. Ja, wie war noch da. Dahinter? Ich suchte auf meinem Plan: Maison d'Accouchement. Gut. Man wird sie entbinden – man kann das.
7.
My father and mother should have stayed in New York where they met and married and where I was born. Instead, they returned to Ireland when I was four, my brother, Malachy, three, the twins, Oliver and Eugene, barely one, and my sister, Margaret, dead and gone.
When I look back on my childhood I wonder how I survived at all. It was, of course, a miserable childhood: the happy childhood is hardly worth your while. Worse than the ordinary miserable childhood is the miserable Irish childhood, and worse yet the miserable Irish Catholic childhood.
8.
Ein Zimmer mit halbgeschlossenen Fensterläden, durch die nur ein Lichtbündel dringt.
Ein Strahl fällt auf eine Frauenhand, die mit verkrampften Fingern über eine Pelzdecke fährt. Das Licht lässt einen goldenen Ehering aufglänzen, gleitet den Arm hinauf und beleuchtet Ève Charliers Gesicht. Ihre Augen sind geschlossen, die Nase ist spitz, sie scheint Schmerzen zu haben, sie wirft sich hin und her und stöhnt.
9.
Can I explain why I wanted to jump off the top of a tower-block? Of course I can explain why I wanted to jump off the top of a tower-block. I'm not a bloody idiot. I can explain it because it wasn't inexplicable: it was a logical decision, the product of proper thought. It wasn't even a very serious thought, either. I don't mean it was whimsical – I just menat that it wan't terribly complicated, or agonized. Put it this way: say you were, I don't know, an assistant bank manager, in Guildford. And you'd been thinking about emigrating, and then you were offered the job of managing a bank in Sydney. Well, even though it's a pretty straightforward decision, you'd still have to think for a bit, wouldn't you?
10.
Es friert, außerordentliche 18 Grad Celsius, und es schneit. In der Sprache, die nicht mehr meine ist, heißt der Schnee quanik, er schichtet sich zu Stapeln, fällt in großen, fast schwerelosen Kristallen und bedeckt die Erde mit einer Schicht aus pulverisiertem, weißem Frost.
Man möge mir das viele Englisch verzeihen, ich neige dazu, mir meine deutschen Bücher aus der Bücherei zu holen, und so sammeln sich die (dort schwieriger zu bekommenden) englischen Paperbacks eher in meinen Regalen.Geändert von miss smilla (08-02-2007 um 19:18 Uhr)
Don't cry - work.
Rainald Goetz
Gedanken sind frei. Worte nicht ganz so.
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08-02-2007 07:34 #2
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Wat liest Du blos für´n Zeuch?
Tja, Proton müsste man sein; man würde die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf, und hätte eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit.
(Silvia Arroyo Camejo)
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08-02-2007 08:59 #3
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Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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08-02-2007 11:35 #4
Ich hab genau eins erkannt (Nr. 10) und keins gelesen - zumindest nicht, dass ich mich erinnern könnte.
Klingen aber fast alle nach Büchern, die ich gern gelesen hätte. Vielleicht kannst Du mir Nr. 2, 7 und 9 mal ausleihen?
Without me it's just aweso
Illiud Latine dici non potest.
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08-02-2007 12:28 #5
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Nr.10 glaube ich auch erkannt zu haben. Nr.8 kommt sehr blasiert-gestelzt daher und erfüllt mich daher eher mir Abscheu, sowas würde ich nicht lesen wollen. Hingegen interessant scheint Nr.6 zu sein, auch wenn ich es nicht erkannt habe und mich das fehlende "e" bei "schwangere" etwas irritiert...
Sollte ich nochmals drankommen, müßt ihr mit mindestens einem französischsprachigen Romananfang rechnen!Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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