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  1. #1
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Bitte nicht vom Beckenrand springen

    BITTE NICHT VOM BECKENRAND SPRINGEN

    Tagebuchaufzeichnungen von der Leipziger Buchmesse 2007

    Donnerstag, 22. März
    Kaum war ich am Vorabend angekommen, brach der Winter wieder aus, am Morgen 50 Minuten Laufen an der Weichsel, Oder, oder Elbe? Unten Schneematsch, oben tropfte es von den Bäumen, deshalb am Ende nasse Schuhe und nasse Füße.
    Kurz darauf in der Straßenbahn zum Messegelände; drei Frauen tratschen so laut, daß sie nicht zu überhören sind, gemeinsamer Tenor ihres Gegackers: Letztlich sind alle Männer Deppen.
    Auf dem Messegelände dann Herr Wilhelm Genazino nicht dort, wo er angekündigt war, wo er hätte sein sollen, außerdem ziemlich voll auf diesem Leseforum, Ingo Schulze gesehen, aber der interessiert mich nicht.
    Kurzfristig anderswo hin, nämlich zu einer Lesung von einem gewissen Meike Mewes, ein älterer Herr, der mit monotoner Stimme Monotones aus seinem Roman vorliest. Gehe weiter zur „Leseinsel junger Verlage“, die sich dadurch von den anderen Foren unterscheidet, daß es Sitzquader statt Stühle gibt (wie jugendlich!) und zwei eigenartige Gestänge, die wohl Bäume darstellen sollen. Dort eine gewisse Katja Huber, die recht triviales aus ihrem Buch Reise nach Njetowa vorliest, aber im Rückblick, wenn ich so nachdenke, war es doch nicht so trivial und hat mir eigentlich ganz gut gefallen.
    Schöne Stiefel hat Fräulein Huber an, finde ich.
    Danach liest ein gewisser Gregor Sander, an dem ich mich jetzt, da ich diesen Eintrag in mein iBook ausformuliere und übertrage, schon überhaupt nicht mehr erinnern kann, nur eine handschriftliche Notiz ist übrig geblieben und da steht „unausgesprochen offensichtliches / etwas betulich“, ich kann aber beim besten Willen nicht mehr sagen, was ich damit gemeint habe.
    Zunehmend machen sich Horden von Schulklassen unangenehm bemerkbar, die offenbar von völlig verantwortungslosen Pädagogen wie Vieh zur Buchmesse getrieben wurden, aber dann sich selbst überlassen werden, die entsprechenden Deutschlehrerinnen mit einer Vorliebe für Berthold Brecht haben sich aus dem Staub gemacht; zurück lassen sie völlig gelangweilte Pennäler, die die Gänge verstopfen und sich sowieso für nichts interessieren als für ihre Selbstdarstellung; einige beim Kartenspielen gesehen. Nenne sie wegen ihrer bräsigen Nutzlosigkeit „Schülerpack“.
    Gehe zu einem Gespräch Dieter Moor (NDR, glaube ich) mit der Tannöd-Schenkel auf dem Stand von 3Sat. Die Tannöd-Schenkel, damit meine ich die Autorin von Tannöd, dem Überflieger diesen Jahres und der Titel ist schon klasse, er erinnert ein bisschen an Thomas Bernhard. Naja, offensichtlich eine gestandene Hausfrau und Mutter, wie man so sagt, diese Andrea Maria Schenkel, die einen erfolgreichen Krimi geschrieben hat. Leider wird nur über das Buch gesprochen und nichts daraus vorgelesen, so daß man sich keinen eigenen Eindruck machen kann. Da der Regisseur per Handzeichen Herrn Moor die verbliebene Minuten anzeigt, kann man genau ablesen, wie lange es noch dauert. Tannöd.
    Ich will nicht überheblich sein, aber sie sehen schon goldig aus, die drei „jungen Autoren“, die in Halle vier vor einem mäßig besetzten Auditorium sitzen (ein Teil wird immerhin von verirrten Schülerpack aufgefüllt) , aber immerhin, sie sitzen dort und sind sicher nicht schlechter als Desiree Nick (Eva go home) oder Gunther Emmerlich (Ich wollte mich mal ausreden lassen). Sie heißen Laura Naumann, Maria Kosche und Ludwig Plath und lesen manieriert-anstrengendes vor, Abiturienten-Phantasien, leider asexuelle, pubertär-naive Charaktere treten auf, die tatsächlich ausdrücklich „die Welt verändern wollen“ und dies uns unbedingt mitteilen müssen. Leider erzählen sie, die jungen Autoren, keine Geschichte, sie erzählen überhaupt nicht. Wer gehässig sein will, könnte eine gewisse Selbsverliebtheit bei den dreien in die eigenen Texte erkennen. Aus dem Publikum fragt einer, was denn die literarischen Vorbilder wären. Dann kommt viel Geeier, nur Maria Kosche nennt wie aus der Pistole geschossen zwei Dramatiker, deren Namen mir nichts sagen, aber sie sagt es so voller Überzeugung, daß es die beiden wirklich zu geben scheint, Respekt, denke ich, damit hätte ich nicht gerechnet. Einer der beiden anderen sagt tatsächlich „Eigentlich schreibe ich fast nur Lyrik“, ist das nicht rührend, ich bin verliebt...
    Nehme mir ein bisschen Zeit für Ständegucken, am Wochenende wird es wieder unerträglich voll werden und dann ist kein entspanntes Schlendern mehr möglich. Lästiges Schülerpack überall, die Mützen vom Rentner-Sender ZDF aufhaben.
    Dann ins CongressCenter, da ist es sowieso immer ruhiger und der Cappuccino besser, in den Hallen gibt es bloß Kaffee, der einem Löcher in die Magenwände ätzt. In der Mitte des CongressCenters gibt es einen Ziertümpel, an dem auf jeder Seite in Großbuchstaben BITTE NICHT VOM BECKENRAND SPRINGEN steht.
    Podiumsdiskussion „Was ist deutsch an der deutschen Literatur“; nicht übermäßig informativ, aber es wird entspannt geplaudert. Aus den großen Fenstern, die bis zu Boden reichen, kann man über eine verschneite Wiese blicken, auf der Schülerpack in übermütigen Bewegungen zum nahegelegenen McDonalds tollt. Es wird pünktlich Schluß gemacht und so komme ich rechtzeitig zur Lesung mit Sandra Hüller. Sandra Hüller!
    Das Problem ist manchmal, daß, wenn man zeitig erscheint, um einen guten Platz zu bekommen, man die Lesung ertragen muß, die davor dort stattfindet und in diesem Fall ist es eine pummelige, blonde Trulla, die uns ihren ebenso überflüssigen wie doofen Ratgeber Das Uschi-Prinzip ans Herz legen will, meins erreicht sie jedenfalls nicht, so was würde ich nicht mal wie der Kneifzange anfassen, wie man so schön sagt.
    Dann ist endlich Sandra Hüller da, es ist eine Schande, daß nur eine Handvoll Leute gekommen sind, keine Ahnung, zu welchen TV-Schlampen sie stattdessen pilgerten, ich will es eigentlich auch gar nicht wissen. Sie liest aus irgendeinem Kinderbuch vor, glaube ich mich zu erinnern, es ist mir auch völlig gleichgültig, was sie liest. Sandra Hüller! Sie ist tatsächlich von so einnehmender Ausdrucksstärke, die sie schon in Requiem hatte. Meine miserablen Digicamknipsibilder können das kaum, wahrscheinlich nicht im geringsten wiedergeben, ich bitte um Verständnis. Sandra Hüller.
    Dann zu der Vorstellung einer Lyrik-Anthologie mit dem artifiziellen Titel herz. rhythmus. störungen. Naja, Lyrik-Anthologien, das ist wie in einen einsamen Wald hineinrufen, an einem klaren Wintermorgen, auf einem Spaziergang ohne Hund und Begleitung, sonntags um halb neun, bei dem es nicht einmal so wieder hinausschallt, wie man hineinruft. Wegen der lasziv-erotischen Vortragsweise einer der anwesenden Dichterinnen wird es dann doch ganz unterhaltsam. Außerdem lesenderweise anwesend ist Julia Trompeter, die jedem halbwegs regelmäßigen Besucher des Literaturabends im „Café Dudel“ (Köln, Eifelwall) bekannt ist, als dichtende Musizistin, die ihre Verse gerne mit Musikdarbietungen auflockert, deren Instumentenbeherrschung sie erst Tage zuvor erlernt hat, naja, soweit man in der kurzen Zeit halt kommt. In Leipzig jedoch ohne Musik, dafür den Aachener Weiher in Köln als „Drecksloch“ verunglimpft, zu Recht, wie ich finde, Zitatfortsetzung: „zu dem man aber hingeht und sich ans Ufer setzt, wenn es warm ist, denn es gibt nichts anderes“.
    Dann ist es halb sechs und ich will noch in die Moritzbastei, aber auf dem Weg dahin bekomme ich so nasse Füße, daß ich keine Lust mehr habe und auf die Stadt fluche, die offenbar jeglichen Räumdienst aus dem Haushaltsplan gestrichen hat.

    Freitag, 23.März
    Als erstes zu einer koreanischen Lesung, bei den Koreanern / Japanern / Chinesen herrscht immer eine gewisse komplementative Wirkung. Im hektischen Durcheinander des Messehallenbetriebs sind sie, die Protagonisten und die gelesenen Inhalte wie Oasen der Ruhe, unbeeindruckt davon, mit welch blasierten Großspurigkeit sich anderenorts selbst beweihräuchert und gefeiert wird. Dabei geht es dort nicht einmal irgendwie „spiritualistisch“ zu, von esoterischen Ying und Yang - Gefasel keine Spur, angenehmerweise fehlt auch die dazugehörige Klientel von Hausfrauen und Pädagoginnen, die, jenseits der Fünfzig, frisch geschieden (der Mann war so klug, eine jüngere Geliebte vorzutäuschen) sich nun „selbst verwirklichen“ wollen. Nein, der Inhalt von Jooyoungs Kims Sardellen sind dann auch tatsächlich Sardellen und die für koreanische Verhältnisse fast exzentrische wirkende Moderatorin hat eine Tüte getrockneter Sardellen von zu Hause mitgebracht, zeigt diese vor und erzählt in der für Fernostler typische Weise, bei denen sie die deutschen Worte geduldig Silbe für Silbe ausspricht, als gäbe ein in ihrer Muttersprache keine mehrsilbigen Wörter, von der allegorischen Absicht des Romans.
    Dann zeitig in die Glashalle, denn Wilhelm Genazino ist für ein Gespräch auf das „Blaue Sofa“ eingeladen. Da ist immer viel los, weniger der Autoren wegen, sondern wegen der zentralen
    Position in der Glashalle, direkt hinter dem Haupteingang, wo fast alle vorbei müssen, vorbei wollen, die normalen Messebesucher als auch das bräsige Schülerpack.
    Nun stehe ich da so in den Zuschauerrängen des „Blauen Sofa“ und lausche desinteressiert dem Vorredner, irgendein ziemlich konservativer israelischer Autor, es geht natürlich um Nahostpolitik; als er endlich fertig ist, wird es plötzlich voll, noch voller als bisher. Ich bin erfreut, daß ein so fähiger Autor wie Wilhelm Genazino inzwischen großes Interesse weckt. Nun füllt sich auch noch der Raum zwischen Bühne und Sitzplätzen und die neue Mannschaft betritt das Podium. Doch was sehe ich? Jedenfalls keinen Wilhelm Genazino, sondern TV-Hackfresse Amelie Fried, leck mich am Arsch, denke ich mir, ich bin sicher nicht wegen Amelie Fried dorthin gekommen und gehe sofort ostentativ weg, aber ich fürchte, die Ostentativheit meines Weggehens war nur mir selbst bewußt und ist keinem sonst aufgefallen. Jedenfalls bekomme ich auch heute kein Widmung in meine Ausgabe der Liebesblödigkeit.
    Gehe wieder zur „Leseinsel junger Verlage“, dort lesen junge Menschen aus dem deutschen Literarturinstitut Leipzig (DLL) aus selbstgebastelten Texten. Ich war inzwischen nun schon öfters auf Lesungen von DLL-Studenten und inzwischen bin ich mir sicher, ist es klar zu erkennen, daß die Verwendung von Humor dort offensichtlich streng verboten ist. Wenn die jungen Menschen am DLL Humor haben oder jemals hatten, so ist es ihnen ausgetrieben worden oder zumindest läßt sich mit Sicherheit sagen, daß Autoren mit Humor nicht zur Tippgemeinschaft, so der Titel der jährlich präsentierten Anthologie, zugelassen werden. Nein, es ist vielmehr so, daß wieder einmal mit melancholisch belegter Stimme vorgelesen wird, alle wollen besonders reif und erwachsen schreiben und meinen, ihre Texte müssen so klingen wie ein Film von Aki Kaurismäki und seufzen die letzten Wörter der Sätze fast und machen dann bedeutungsschwere Atempausen.
    Dann nehme ich mir wieder Zeit für Ständeschau, die Hallen, die ich mir gestern nicht halbwegs systematisch angesehen habe. Hossa, Svetlana Geier ist aber schon alt! Tüchtig, tüchtig!
    Wie aus dem Off höre ich aus der Arena der Leipziger Volkszeitung eine bekannte Stimme und denke mir, die Stimme kenne ich doch irgendwo her, vielleicht vom letzen Treffen der SS-Kameradschaft , denn es ist die Stimme von Günther Grass, geht mir auf. In Sechser-/ Siebenerreihen stehen sie bis weit auf den Gang raus, der sowieso von Schülerpack verstopft ist, sie, die Günther-Grass-Jünger, die ihm an den Lippen hängen und alles, was er sagt, eifrig beklatschen. Und „Der Teufel isch e Eichhörnle“, wie man bei mir zu Hause so schön sagt und so kommt es, daß Herr Grass mir eine Viertelstunde später in einem der Gänge plötzlich entgegenkommt und ich ihn zu spät erkenne und nicht mehr in einen anderen Gang abtauchen kann. Aber ich muß zugeben, seine Entourage ist kleiner als ich dachte.
    Beim Gemeinschaftsstand der Schweizer Verlage gibt es eine Lesung von Navid Kermanis Kurzmitteilung vom Autor selbst, ich weiß nicht mehr, warum ich mich gerade für diese Lesung entschieden habe, vielleicht weil man, weil ich bei den Schweizern eine gewisse angenehme Gemütlichkeit erwarte. Es, das Buch, scheint zwar ein paar kleine Schwächen zu haben, gefällt mir dennoch so gut, daß ich sogar ein Exemplar kaufe und signieren lasse. Dann gehe ich noch zu der Lesung der Berliner Autorenwerkstatt, aber merke schnell, daß meine Aufnahmefähigkeit für den Moment erschöpft ist und verlasse beim nächsten Wechsel die Lesung; ziehe mich in die angenehme Anonymität eines McDonalds zurück und sortiere meine Gedanken. Ja, genau derselbe McDonalds, denn ich gestern durch das Fenster des CongressCenters sah, er steht dort neben dem Messegelände einsam „auf der grünen Wiese“ wie man so schön sagt.
    Abends in die „NaTo“, in eine recht große Hinterzimmerbühne eines linksalternativen Lokals, jedenfalls würde man es in Baden-Württemberg so bezeichnen... Heute abend habe ich nasse Füße wegen des Dauerregens und am Anfang kein Sitzplatz, aber nach der ersten Autorin dann doch, und dann gefällt mir die „nordische Literaturnacht“ ganz gut, die Inhalte sind unterhaltsam und interessant, die Moderatoren und die Schriftsteller aufgeräumt, eine Stimmung aus einer Mischung von Unterhaltung und Spannung, eine angenehme Stimmung, wie ich sie nur von skandinavischen Lesungen kenne, wo man merkt, daß bei den Skandinaviern die Bücher zur Standard-Ausstattung ihrer Wohnung gehören, zum Alltag, besonders bei den Isländern. Die Skandinavier, die wesentlich unverkrampfter mit Literatur umgehen können, finde ich, was uns Deutschen ja leider völlig unmöglich ist, denn wir haben Günther Grass, Martin Walser und Peter Handke (jaja, ich weiß, das der Handke Österreicher ist!).
    Am besten hat mir gefallen die Finnin Leena Krohn, besser gesagt ihr Buch Stechapfel.

    Samstag, 24.März
    Dritter Tag. Eigentlich habe ich schon genug gesehen und gehört, aber wenn ich jetzt schon nach Hause fahren würde, bekäme ich keine „Sparpreis50“ von der Bahn, weil man dafür einen Samstag/Sonntag-Übergang braucht.
    Heute Karnevalstag auf dem Messegelände, wie es scheint. Die Kostüme, die fast ausschließlich von Jugendlichen getragen werden, sind an Albernheit kaum noch zu übertreffen. Es mag Samstags etwas weniger Schülerpack anwesend sein, dafür ist es um so auffälliger gekleidet. Gehe zu einer Podiumsdiskussion. Bin sogar der erste und beginne ein Buch zu lesen, um die Zeit zu überbrücken. Nach einer guten halben Stunde sehe ich auf und bemerke, daß immer noch niemand da ist, die Diskussion schon lange hätte anfangen müssen und offenbar abgesagt wurde. Merke daran, daß ich keine rechte Lust mehr am Messegelände habe und schließe mit mir selbst den Kompromiss, daß ich noch zwei Veranstaltungen besuche, dann aber zeitig gehe. Draußen ist nun plötzlich der Sommer ausgebrochen, morgens beim Laufen schon zu warm angezogen gewesen. Aufbruch zum 3sat-Stand, Ex-Karlsruherin Silke Scheuermann stellt ihr neues Buch vor, irgendwas mit Hunden und Monden im Titel. Liebe Frau Scheuermann, wenn man sich mit der Verwendung mit Make-Up nicht so gut auskennt, sollte man es lieber sein lassen! Das Überraschende aber ist, daß Wilhelm Genazino an der Theke von 3sat sitzt und dort Bücher signiert. So komme ich doch noch zu einem Original-Autorenschriftzug in der Liebesblödigkeit.
    Messeglände-abschließend gehe ich wieder zu den Koreanern. Es sind sogar zwei hintereinander; weibliche Autoren, also Autorinnen, scheint es keine zu geben, ich kann mich auch an keine frühere koreanische Lesung mit weiblichen Schriftstellerinnen erinnern. Um so mehr fällt mir die Übersetzerin auf, die die Kommentare und Antworten der beiden übersetzt. Jaja, sie ist jung und hat auch eine gewissen weiblichen Charme (meine Knipsi-Bilder können auch dies nicht wiedergeben!), das will ich gar nicht verneinen, aber es ist vor allem niedlich anzusehen, wie sie sich weit zu den altersweisen Autoren hinüberlehnt und voller verbissener Konzentration Notizen macht, während diese sprechen...
    Mache eine sehr ausgedehnte Nachmittagspause und gehe abends ins Institut Francais de Leipzig, um dort eine (zweisprachige) Lesung zu hören. Der Autor heißt Michel Besnier und stellt zwei bemerkenswerte Bücher vor, wie ich finde. „Bemerkenswert“ ist ein in diesem Zusammenhang völlig ausgelutschtes und auch nichtsagendes Adjektiv, aber mir fällt kein besseres ein, ich will damit sagen, daß ich inhaltlich wie handwerklich beide Bücher (Une maison n‘est rien und La Vie de ma femme) sehr ansprechend finde. Une maison n‘est rien mehr melancholisch, La Vie de ma femme mehr herzerwärmend. Glas Wein gab‘s umsonst.

    Damit ist die Buchmesse 2007 für mich beendet. Den Sonntag schenke ich mir. Menschmassenschiebereien sind mir zuwider. Absolute Super-Highlights habe ich keine erlebt, dafür aber auch keine totalen Reinfälle. Das war nun mein vierter oder fünfter Buchmessen-Besuch (Frankfurt miteingerechnet, die kleine „Karlsruher Bücherschau“ und die „lit.cologne“ nicht) und langsam verliere ich etwas den Respekt vor dem Literaturbetrieb und das ist gut so.

    Sonntag, 25. März
    Rückfahrt in den goldenen Westen. Trotz Sommerzeitumstellung morgens rechtzeitig am Bahnhof gewesen. Ich beginne in mein iBook zu tippen: „Bitte nicht vom Beckenrand springen - Tagebuchaufzeichnungen von der Leipziger Buchmesse...“
    Geändert von Thomas Bernhard (03-04-2007 um 12:49 Uhr) Grund: Vergeblich versucht, den Text mit Bildern zu kombinieren...
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
    Dem Narren ein Denkmal.
    Dem Reimliebhaber ein Gedicht.

  2. #2
    jodoca ist offline Moderator
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    warum immer auf dem dll rumgehackt wird und nie, nie, nie auf hildesheim, ist mir schlicht ein rätsel. aber vond er anderen seite ... ein bißchen dll-haue gehört in jeden ordentlichen buchmesseartikel, von daher ... und die tippgemeinschaftstexte kenne ich noch nicht, von daher kann ich auch nix weiter dazu sagen ... von daher ... danke für den artikel, er hat mir gezeigt, dass ich dieses jahr nix verpasst habe. der donnerstag war widerlich vom wetter her, tut mir leid, dass du das verkehrsbetriebechaos auch mitbekommen hast. ich war an dem abend auch unterwegs, musste mir unterwgs trockene socken kaufen ...


    die liebesblödigkeit war ein wunderbares buch, habe gerade drei genazinos zuhauserumfliegen, war ein schneller griff ins bücherregal, habe die titel nicht mehr im kopf, aber das neueste ist dabei, freue mich schon und die auf die 40 rosen auch (endlich), vorher habe ich aber leider massig zu tun.

    so, keine zeit, stress

    julia
    Ein Gedicht, was es sonst auch immer noch sein mag, ist zuerst ein Text.

  3. #3
    kümelchen1991 Gast

    Achtung also wirklich!

    Ich habe gerade ihr "Tagebuch" gelesen, in dem ich auch vorkomme. Bei dem "ich" handelt es sich hier um Maria Kosche, einer der "leider asexuelle[n], pubertär-naive[n] Charaktere". Ich wollte mich mal beschweren, dass das ziemlich vernichtend ist, was Sie da schreiben und Sie vielleicht mal darüber nachdenken sollten, was Sie da verzapfen!
    Maria Kosche

  4. #4
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Hallo Maria!

    Da dies hier ein Studenten-Forum ist, wird meistens geduzt. Aber ich respektiere durchaus auch andere Anredeformen:

    Sehr geehrtes Fräulein Kosche,

    tja, was soll ich sagen? Wenn man sich in die Öffentlichkeit begibt, wird man manchmal zum Objekt einer Berichterstattung; diese muß nicht unbedingt objektiv sein und kann durchaus glossenhaften Charakter haben. Interessanterweise ist hier quasi eine Autorin selbst zu einer Protagonistin einer Art Erlebnisliteratur geworden. Denn einen kleinen literarischen Anspruch hat Bitte nicht vom Beckenrand springen schon, insofern habe ich durchaus sorgfältig nachgedacht über das, was ich da "verzapfe", zumal ich es einige Tage später auf einer kleinen Lesung, und zwar auf dem Literaturabend im Café "Dudel" in Köln, zum Besten gab. ("Vernichtend" empfinde ich als großes Kompliment!) Den Vorwurf, ich würde behaupten, sie seien asexuell, muß ich aber weit von mir weisen! Woher sollte ich denn das wissen....?
    Vielmehr bezeichnete ich die vorgelesenen Texte als "asexuelle Abiturientenphantasien", aber die waren ja fiktiv, somit kann und darf sich gar niemand beleidigt fühlen, oder?
    Vor zwei Jahren habe ich auf einer Veranstaltung von "Leipzig liest" selbst während der Buchmesse gelesen (und lese hin und wieder auf anderen Veranstaltungen). Ich bin also durchaus bereit, mich selbst einer solchen Kriitk wie Bitte nicht vom Beckenrand springen auszusetzen...
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
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    Dem Reimliebhaber ein Gedicht.

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