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  1. #1
    Avatar von Salome
    Salome ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    16 minus 6 Romananfänge

    Nochmal darf ich schier nicht gewinnen, eh ich nicht wieder eine Kiste Bücher aus meinem elternheimatlichen Lager mitgebracht haben werde...
    Aber 10 hab ich noch gefunden, und zwar die folgenden (Vorwörter, Copyrightnotizen etc. habe ich wie meistens weggelassen):


    1.

    What about a teakettle? What if the spout opened and closed when the steam came out, so it would become a mouth, and it could whistle pretty melodies, or do Shakespeare, or just crack up with me? I could invent a teakettle that reads in Dad’s voice, so I could fall asleep, or maybe a set of kettles that sings the chorus of “Yellow Submarine”, which is a song by the Beatles, who I love, because entomology is one of my raisons d’être, which is a French expression that I know. Another good thing is that I could train my anus to talk when I farted. If I wanted to be extremely hilarious, I’d train it to say, “Wasn’t me!” every time I made an incredibly bad fart. And if I ever made an incredibly bad fart in the Hall of Mirrors, which is in Versailles, which is outside of Paris, which is in France, obviously, my anus would say, “Ce n’étais pas moi!”


    2.

    Weibliche Trägerin der Handlung in der ersten Abteilung ist eine Frau von achtundvierzig Jahren, Deutsche; sie ist 1,71 groß, wiegt 68,8 kg (in Hauskleidung), liegt also nur etwa 300-400 Gramm unter dem Idealgewicht; sie hat zwischen Dunkelblau und Schwarz changierende Augen, leicht ergrautes, sehr dichtes blondes Haar, das lose herabhängt; glatt, helmartig umgibt es ihren Kopf. Die Frau heißt Leni Pfeiffer, ist eine geborene Gruyten, sie hat zweiunddreißig Jahre lang, mit Unterbrechungen versteht sich, jenem merkwürdigen Prozeß unterlegen, den man den Arbeitsprozeß nennt: fünf Jahre lang als ungelernte Hilfskraft im Büro ihres Vaters, siebenundzwanzig Jahre als ungelernte Gärtnereiarbeiterin. Da sie ein erhebliches immobiles Vermögen, ein solides Mietshaus in der Neustadt, das heute gut und gerne vierhunderttausend Mark wert wäre, unter inflationistischen Umständen leichtfertig weggegeben hat, ist sie ziemlich mittellos, seitdem sie ihre Arbeit unbegründet und ohne krank oder alt genug zu sein, aufgegeben hat. Da sie im Jahre 1941 einmal drei Tage lang mit einem Berufsunteroffizier der Deutschen Wehrmacht verheiratet war, bezieht sie eine Kriegerwitwenrente, deren Aufbesserung durch eine Sozialrente noch aussteht. Man kann wohl sagen, dass es Leni im Augenblick – nicht nur in finanzieller Hinsicht – ziemlich dreckig geht, besonders seitdem ihr geliebter Sohn im Gefängnis sitzt.


    3.

    Recht in der Mitte des großen Staates New York, dort, wo an den Hängen des romantischen Waldgebirges und in den klaren Tiefen der einsamen Seen die zahlreichen Quellenflüsse des mächtigen Susquehanna ihren Ursprung nehmen, liegt der Schauplatz unserer Geschichte. Dieselbe beginnt im Dezember des Jahres 1793, zehn Jahre nach der Beendigung des Krieges, der den Vereinigten Staaten von Nordamerika ihre Unabhängigkeit brachte.
    An einem bitterkalten Tage, kurz vor Sonnenuntergang, fuhr ein schwerfälliger Schlitten auf der schneebedeckten Landstraße dahin, die zu der am Gestade des Otsego-Sees liegenden Ansiedlung Templeton führte. Die kräftigen Pferde waren stellenweise mit dichtem Reif bedeckt, der Atem ging ihnen wie Dampf aus den schnaubenden Nüstern und der Schnee pfiff und knirschte unter ihren Huftritten. Außer dem Kutscher, einem jungen Neger, dessen dunkles Gesicht vor Frost ganz fleckig geworden war, befanden sich noch zwei Personen in dem geräumigen, ganz mit Pelzwerk ausgefüllten Schlitten, ein Mann in der Vollkraft der Jahre, dessen ausdrucksvolle blaue Augen und ansprechende Züge Festigkeit und Tatkraft, aber auch eine große Herzensgüte verrieten, und eine eben erst den Mädchenjahren entwachsene junge Dame von angenehmstem Äußern. Beide, Vater und Tochter, saßen tief in die schützenden Pelze gehüllt und spähten in die winterliche Landschaft hinaus, in der sich bald die Rauchsäulen aus den Schornsteinen der Ansiedlung zeigen mußten.



    4.

    Alice fing an sich zu langweilen; sie saß schon lange bei ihrer Schwester am Ufer und hatte nichts zu thun. Das Buch, das ihre Schwester las, gefiel ihr nicht; denn es waren weder Bilder noch Gespräche darin. „Und was nützen Bücher,“ dachte Alice, „ohne Bilder und Gespräche?“
    Sie überlegte sich eben, (so gut es ging, denn sie war schläfrig und dumm von der Hitze,) ob es der Mühe werth sei aufzustehen und Gänseblümchen zu pflücken, um eine Kette damit zu machen, als plötzlich ein weißes Kaninchen mit rothen Augen dicht an ihr vorbeirannte.
    Dies war grade nicht sehr merkwürdig; Alice fand es auch nicht sehr außerordentlich, daß sie das Kaninchen sagen hörte: „O weh, o weh! Ich werde zu spät kommen!“ (Als sie es später wieder überlegte, fiel ihr ein, daß sie sich darüber hätte wundern sollen; doch zur Zeit kam es ihr Alles ganz natürlich vor.) Aber als das Kaninchen seine Uhr aus der Westentasche zog, nach der Zeit sah und eilig fortlief, sprang Alice auf; denn es war ihr doch noch nie vorgekommen, ein Kaninchen mit einer Westentasche und einer Uhr darin zu sehen. Vor Neugierde brennend, rannte sie ihm nach über den Grasplatz, und kam noch zur rechten Zeit, um es in ein großes Loch unter der Hecke schlüpfen zu sehen.
    Den nächsten Augenblick war sie ihm nach in das Loch hineingesprungen, ohne zu bedenken, wie in aller Welt sie wieder herauskommen könnte.



    5.

    Jonathan Harker’s Journal

    3 May. Bistritz. – Left Munich at 8:35 P.M., on 1st May, arriving at Vienna early next morning; should have arrived at 6:46, but train was an hour late. Buda-Pesth seems a wonderful place, from the glimpse which I got of it from the train and the little I could walk through the streets. I feared to go very far from the station, as we had arrived late and would start as near the correct time as possible.
    The impression I had was that we were leaving the West and entering the East; the most western of splendid bridges over the Danube, which is here of noble width and depth, took us among the traditions of Turkish rule.
    We left in pretty good time, and came after nightfall to Klausenburgh. Here I stopped for the night at the Hotel Royale. I had for dinner, or rather supper, a chicken done up some way with red pepper, which was very good but thirsty. (Mem. get recipe for Mina.) I asked the waiter, and he said it was called “paprika hendl”, and that, as it was a national dish, I should be able to get it anywhere along the Carpathians.



    6.

    ARIEL (Gesang, von Äolsharfen begleitet).
    Wenn der Blüten Frühlingsregen
    Über alle schwebend sinkt,
    Wenn der Felder grüner Segen
    Allen Erdgebornen blinkt,
    Kleiner Elfen Geistergröße
    Eilet, wo sie helfen kann;
    Ob er heilig, ob er böse,
    Jammert sie der Unglücksmann.



    7.

    1926

    An Simone Jolivet (ein echter Brief)

    Ich stelle mich Ihnen vor – Sie werden ahnen, warum. Sie haben mir vorgeworfen, dass ich weder einfach bin noch aufrichtig, und Sie werden sehen, ob das bequem für mich ist.
    Mein Charakter ist im Kern sehr heteroklit.
    Einerseits bin ich äußerst ehrgeizig. Aber in welcher Hinsicht? Ich stelle mir den Ruhm wie einen Ballsaal voller befrackter Herren und dekolletierter Damen vor, die mir zu Ehren ihre Gläser erheben. Das ist sicherlich eine Bilderbuchvorstellung, aber ich habe dieses Bild seit meiner Kindheit in mir. Es lockt mich nicht, doch lockt mich der Ruhm, denn ich möchte weit über den anderen stehen, die ich verachte. Aber vor allem habe ich den Ehrgeiz, schöpferisch zu sein: ich muß gestalten, egal was, nur gestalten; ich habe alles probiert, von philosophischen Systemen (blödsinnigen natürlich, ich war sechzehn) bis zu Symphonien. Mit acht Jahren habe ich meinen ersten Roman geschrieben. Ich kann kein leeres Blatt sehen, ohne dass ich Lust bekomme, etwas draufzuschreiben. Dieses übrigens lächerliche Gefühl der Begeisterung empfinde ich nur bei bestimmten Werken, weil ich mir vorstelle, ich könnte sie nachschaffen, sie selbst schreiben, und so schreibe ich Ihnen heute, weil ich gerade eins gelesen habe und sofort das Bedürfnis hatte, etwas zu gestalten: diesen Brief. Doch mir gefällt nicht, was ich schreibe, ich schreibe nicht in meiner Art, wenn Sie so wollen, ich ändere ständig den Stil und finde mich trotzdem nicht gut. Übrigens mögen mich auch andere deshalb nicht besonders. All das ist sehr banal. Leider kommt hinzu, dass ich im Grunde von Natur aus den Charakter einer kleinen alten Jungfer habe: ich bin – wovon Sie vielleicht keine Ahnung hatten – mit dem Charakter geboren, der zu meinem Aussehen passt: schrecklich sentimental, blödsinnig sentimental, feige und zimperlich. Meine Sentimentalität ging so weit, dass ich über alles mögliche flennte. Bei Theaterstücken, Filmen, Romanen habe ich geheult wie ein Schloßhund. Ich habe ungerechtfertigte und unglaubliche Anwandlungen von Mitleid gehabt, auch Anfälle von Feigheit, von Charakterschwäche, so dass meine Eltern und Freunde mich eine Zeitlang für den letzten Versager hielten.



    8.

    Im September 1828 verließ der größte Mathematiker des Landes zum erstenmal seit Jahren seine Heimatstadt, um am Deutschen Naturforscherkongreß in Berlin teilzunehmen. Selbstverständlich wollte er nicht dorthin. Monatelang hatte er sich geweigert, aber Alexander von Humboldt war hartnäckig geblieben, bis er in einem schwachen Moment und in der Hoffnung, der Tag käme nie, zugesagt hatte.
    Nun also versteckte sich Professor Gauß im Bett. Als Minna ihn aufforderte aufzustehen, die Kutsche warte und der Weg sei weit, klammerte er sich ans Kissen und versuchte seine Frau zum Verschwinden zu bringen, indem er die Augen schloß. Als er sie wieder öffnete und Minna noch immer da war, nannte er sie lästig, beschränkt und das Unglück seiner späten Jahre. Da auch das nicht half, streifte er die Decke ab und setzte die Füße auf den Boden.



    9.

    Wenn die Kinder artig sind
    kommt zu ihnen das Christkind;
    wenn sie ihre Suppe essen
    und das Brot auch nicht vergessen,
    wenn sie, ohne Lärm zu machen,
    still sind bei den Siebensachen,
    beim Spaziergehn auf den Gassen
    von Mama sich führen lassen,
    bringt es ihnen Guts genug
    und ein schönes Bilderbuch.



    10.

    Im August hatte es beinahe vierzehn Tage lang geregnet. Unaufhörlich strömte der Regen aus den niedrighängenden Wolken, die über dem Dorf Sweetriver wie ein riesiger grauer Schwamm lagen, aus dem sich das Wasser offenbar nie vollkommen ausdrücken ließ.
    Der Fluß, der sienen Ursprung in den Mooren und Wäldern des Hochlands hatte, brauste immer gewaltiger durch das Dorf zum Meer hinunter. Die Straßen waren überflutet, die Gärten standen voll Wasser, von den Pflanzen und Bäumen tropfte es unaufhörlich herab. Die umliegenden Felder und Weiden glichen Sümpfen, in denen die Tiere bis zu den Knöcheln versanken. Sogar die Häuser fühlten sich allmählich feucht an.




    Viel Spaß!
    Without me it's just aweso

    Illiud Latine dici non potest.

  2. #2
    Avatar von Zaunwipfel
    Zaunwipfel ist offline Moderator
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    10.09.2004
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    3.485
    Hmmm...
    Noch nie mitgespielt, aber ich versuch das jetzt auch mal, da ich von den Büchern so einige selbst im Schrank habe - glaube ich zumindest...
    PN mit den vermeintlich erkannten Titeln und Autoren an die Threaderstellerin, richtig?

  3. #3
    Avatar von Salome
    Salome ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
    Registriert seit
    16.05.2005
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    3.874
    Zitat Zitat von Zaunwipfel Beitrag anzeigen
    PN mit den vermeintlich erkannten Titeln und Autoren an die Threaderstellerin, richtig?
    Richtig!


    Und wehe es postet einer die Lösungen hier im Thread!
    Without me it's just aweso

    Illiud Latine dici non potest.

  4. #4
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
    Registriert seit
    13.01.2003
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    4.692
    Um bräsige Spielverderber-Beiträge zu vermeiden, empfiehlt sich die Schließung des Threads.

    Ich mache das mal für dich, o Königin von Judäa...
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
    Dem Narren ein Denkmal.
    Dem Reimliebhaber ein Gedicht.

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