Diesmal sind es viele original deutschsprachige Sachen, dies ist unsere (Sprach-)Kultur, warum sollen wir ständig Ken Follet oder ähnlich belangloses Zeug im Original lesen wollen, Englisch wird schon so oft genug gesprochen.
Gockeln verboten, nachdenken erlaubt, ebenso das klassische Stöbern in Bibliotheken; eine PN mit den Rateversuchen an mich; wer den Autor errät, bekommt einen Punkt, für den korrekten Titel gibt es gar zwei. Ruhm und Ehre winken und das Recht, das nächste Romananfängeraterätsel zu stellen...


Nach alter Tradition was Leichtes zum Einstieg (auch wenn man es nicht gelesen hat, ist es zu erkennen) :
1.
„Von der Offziersunterkunft im Hotel „Majestic“! zur „Bar Royal“ führt die Straße dicht am Strand entlang, eine einzige langgestreckte Kurve von fünf Kilometern Länge. Der Mond ist noch nicht heraus. Trotzdem ist die Straße als fahles Band zu erkennen.
Der Kommandant hat das Gaspedal durchgedrückt, als sei er auf der Nachtrennbahn. Aber plötzlich muß´er vom Gas weg auf die Bremse. Die Reifen quietschen. Bremsen, nachlassen, scharf nachbremsen. Der Alte macht es gut und bringt den schweren Wagen, ohne das er schleudert, vor einem wild fuchtelnden Kerl zum Stehen.“

Eigentlich berühmt, aber eher schwer zu erkennen, obwohl der Titel mehr oder weniger schon in diesen ersten Zeilen steht. Bei jungen Frauen ganz unbekannt.
2.
Der Kilimanscharo ist ein schneebedeckter Berg von sechstausend Meter Höhe und gilt als der höchste Berg Afrikas. Der westliche Gipfel heißt bei den Massai <Nga-ja Ngai>, das Haus Gottes. Dicht unter dem westlichen Gipfel liegt das ausgedörrte und gefrorene Gerippe eines Leoparden. Niemand weiß, was der Leopard in jener Höhe suchte.


3.
„Ich zögere, diesem fremden Gefühl, dessen sanfter Schmerz mich bedrückt, seinen schönen und ernsten Namen zu geben: Traurigkeit. Es ist ein so ausschließliches, so egoistisches Gefühl, das man achtet. Ich kannte es nicht; ich hatte Kummer empfunden, Bedauern und manchmal Reue. Jetzt hüllt mich etwas ein wie Seide, weich und ermattend, und trennt mich von den anderen.“

Facile!
4.
„Die seltsamen Ereignisse, denen diese Chronik gewidmet ist, haben sich 194.. in Oran abgespielt. Man war allgemein der Ansicht, sie gehörten ihres etwas ungewöhnlichen Charakters wegen nicht dorthin. Auf den ersten Blick ist Oran nämlich eine ganz gewöhnliche Stadt, nichts mehr und nichts weniger als eine französische Präfektur an der algerischen Küste.“

5.
„Es zieht mich stets dorthin zurück, wo ich einmal gelebt habe, zu den Häusern, der Gegend. Da ist zum Beispiel eines jener handtuchschmalen Backsteinhäuser, ehemals Besitz vornehmer Bürgerfamilien, in den East Seventies, wo ich Anfang des
Krieges mein erste New Yorker Wohnung hatte. Nur ein Zimmer war dies, vollgestellt mit Bodengrümpel: einem Sofa und Sesseln mit kratzigen Plüsch in jenem gewissen Rot gepolstert, das einem an heiße Tage in Zügrn denken läßt. Die Wände waren verputzt udn von einer Farbe wie ausgespiener Tabaksaft. Überall - selbst im Badezimmer - gab es Drucke römischer Ruinen voll altersbrauner Stockflecke. das einzige Fenster ging auf die Feuertreppe hinaus. Dennoch hoben scih meine Lebensgeister, sobald ich nur den Schlüssel zu dieser Wohnung in meiner Tasche spürte. Ungeachtet aller Trübseligkeit war es jedoch ein Heim, das mir gehörte, das erste, und meine Bücher waren da und Becher voll Bleistifte zum Anspitzen - alles, was ich meinem Gefühl nach brauc hte, um zu dem Schriftsteller zu werden, der ich sein wollte.“
Wer‘s bis jetzt immer noch nicht erkannt hat, darf / muß weiterlesen:
„Niemals ist mir in jenen Tagen der Gedanke gekommen, über Holly Golightly zu schreiben, und wahrscheinlich heute ebensowenig, wäre da nicht ein Gespräch mit Joe Bell, das sämtliche Erinnerungen an sie wiederaufleben ließ.“


Ohne Hilfestellung...!
6.
„Während alle auf den Schauspieler warteten, der ihnen versprochen hatte, nach der Aufführung der Wildente gegen halbzwölf zu ihrem Essen in die Gentzgasse zu kommen, beobachtete ich die Eheleute Auersberger genau von jenem Ohrensessel aus, in welchem ich in den frühen Fünfzigerjahren beinahe täglich gesessen war und dachte, daß es ein gravierender Fehler gewesen ist, die Einladung der Auersberger anzunehmen.“


Von einem Österreicher, aber nicht von Thomas Bernhard dies:
7.
Spät abends. An der Augartenbrücke.
SOLDAT kommt pfeifend, will nach Hause.
DIRNE Komm, mein schöner Engel.
SOLDAT wendet sich um und geht weiter.
DIRNE Willst du nicht mit mir kommen?
SOLDAT Ah, ich bin der schöne Engel?
DIRNE Freilich, wer denn? Geh, komm zu mir. Ich wohn‘ gleich in der Näh‘.
SOLDAT Ich hab‘ keine Zeit. Ich muß in die Kasern‘!
DIRNE In der Kasern‘ kommst immer noch zurecht. Bei mir is besser.
SOLDAT ihr nahe Das ist schon möglich.

Erkennt bestimmt keiner, ich mag‘s nicht einmal:
8.
„Da dachte ich schlicht und streng anzufangen so: sie rief ihn an, innezuhalten mit einem Satzzeichen, und dann wie selbstverständlich hinzuzufügen: über die Grenze, damit du überrascht wirst und glaubst zu verstehen. Kleinmütig (nicht gern zeige ich Unsicherheit schon anfangs) kann ich nicht anders als ergänzen daß es im Deutschland der fünziger Jahre eine Staatsgrenze gab; du siehst wie unbequem dieser zweite Satz steht neben dem ersten.“

Keine Belletristik, ein populäres Sachbuch:
9.
„<Die Welt ist meine Vorstellung> - dies ist eine Wahrheit, welche in Beziehung auf jedes lebende und erkennende Wesen gilt; wiewohl der Mensch allein sie in das reflektierte, abstrakte Bewußtsein bringen kann; und er tut dies wirklich; so ist die philosophische Besonnenheit bei ihm eingetreten.“


Und zum Schluß wieder gern genommene Schullektüre:
10.
„Und wenn Daniel sich gestellt hätte? Und wenn die ganze Stadt, unsere Stadt ihn mit allen Stimmen darin bestärkt hätte, sich um ihretwillen nicht zu stellen? Wäre seine Geschichte dann vielleicht zuende gegangen? Hätte sie aufgehört, wenn Daniel weder gewählt noch geirrt hätte? Aber warum zwingt er uns, seine Geschichte immer neu und immer anders zu erzählen -ohne Aussicht, sie entscheiden zu können mit Hilfe von Genauigkeit? Und was sollte, was kann noch entscheiden werde?
Es hilft nichts: immer führt da die helle sandfarbene Straße am Fjord entlang, staubgepuderte Telegraphendrähte summen über die Klippen, zerschneiden das Ufer in dünne Scheiben; ein steinübersäter Hang fällt zur Straße ab; über dem Boden liegt ein bitterer Geruch von zähem Gewächs. Die Luft ist windlos. Und immer und jedesmal liegen drei Männer flach auf dem Hang mit ihren Waffen, und ein anderer kauert auf dem Felsvorsprung, vom dem aus er die gezackten, scharfkantigen Wände des Tunnels erkennen kann.“