Das ist ein sehr schönes Thema!
Vorsicht mit den Begriffen wie "Wirklichkeit", "Kultur" oder "lebbar machen" (wobei letzterer in einer wissenschaftlichen Arbeit wahrscheinlich nichts zu suchen hat). Diese Begriffe mußt Du erst im Sinne deiner Arbeit definieren.
Für die Grundlage Deiner Arbeit ist Schopenhauers "Die Welt als Wille und Vorstellung" sicher unerläßlich; erst wenn du einen Überblick über die philosophische Dimension deiner Aufgabenstellung hast, könntest Du konkret ein literarisches Werk dahingehend untersuchen.
Spontan fällt mir Paul Auster ein, der oft Meta-Ebenen von einem Schreibenden in seinem Werken verschachtelt und sich eben genau damit auseinander setzt, daß Wirklichkeit vom subjektiven Standpunkt abhängt. Nun ist Auster kein deutschsprachtiger Autor und noch nicht einmal tot, daher wird es schwer sein, Deinen Professor dafür einzunehmen. Aber es wäre halt nicht soooo schwer.
Lass' Dir bloß nicht den ollen Kafka aufschwatzen!
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21-01-2009 09:42 #1
Konstruktion von Wirklichkeit
Hallo, ich habe mal wieder ein Problem und ich hoffe, dass ihr mir vielleicht wieder helfen könnt.
Es steht nun endlich meine Studienabschlussarbeit an und ich habe mir das schöne Thema "Konstruktion von Wirklichkeit durch Sprache und Schreiben" überlegt.
Dabei gehe ich von der Überlegung aus, dass es keine objektive Realität gibt, sondern nur eine subjektiv wahrgenommene, die außerdem von unserer Interpretation abhängt. Diese Interpretation ist auch wichtig, da sie die komplexe Wirklichkeit, die nicht im Ganzen zu fassen ist, simplifiziert und damit lebbar macht. Muster, die uns dabei helfen, das Leben zu simplfizieren, wären Kultur, Religion, aber auch Literatur. Sprache generell dürfte das sein, was die Wirklichkeit überhaupt strukturiert. Nun stelle ich mir vor, dass ich gerne ein Werk interpretieren würde, das selbst einen Schreibenden in den Vordergrund stellt, der auf diese Weise sich selbst, sein Leben, sein Schreiben internalisiert, konstruiert und verändert.
Alles verstanden? Bei mir happert's einfach generell an der Auswahl des literarischen Werkes (es könnten ja auch mehrere sein). Die Tipps von meinem Prof waren (noch) nicht hilfreich. Ich hoffe mal auf euer Literaturwissen und dass euch spontan etwas einfällt, das in diese Richtung passt. Vielleicht fallen euch auch noch andere schöne Bücher zum Thema ein oder ihr steigt einfach in die Diskussion ein.
Danke!"Wir hatten zwei Beutel Gras, 75 Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und n ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher, einen Liter Tequila, ne Flasche Rum, ne Kiste Bier, nen halben Liter Äther und zwei Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unsere Tour brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, ne ernsthafte Drogensammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden..."
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21-01-2009 12:03 #2
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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21-01-2009 16:49 #3
Ja, danke, deswegen mach ich es

Ja, das ist klar. Ich wollte das nur schnell abreißen, damit klar ist, worum es geht. Das wird sicherlich auch der größere und schwerere Brocken. Deswegen bin ich mir nicht sicher, ob wohl noch Platz für mehr als ein literarisches Werk sein wird.
Netter Tipp. Ich habe natürlich schon an einige Philosophen gedacht. Wichtig wären z.B. Sartre (bzw. Existentialismus), Nietzsche (Sprachkritik) oder Leibniz. Ich denke, bei der Philosophie wird es an Auswahl nicht mangeln. Aber ich werde wohl nicht drumherum kommen, mir das literarische Werk auszusuchen, bevor ich richtig einsteigen kann. Es ist eben doof: Jetzt muss alles abgeklärt werden und im nächsten Semester fang ich erst an. Und dieses muss ich ja auch noch ordentlich rumbringen mit einigen Prüfungen. Und es sollten vielleicht nicht mehr als 100 Seiten werden.
Hmm ja, ich weiß nicht, ob es wichtig ist, ob der Autor tot ist oder deutschsprachig. Allerdings wäre mir deutschsprachig lieber. Aber ich werde das in die noch zu erweiternde Liste der Auswahl aufnehmen.
Es wundert mich, dass mein Prof mir den nicht als Tipp genannt hat. War aber tatsächlich nicht so."Wir hatten zwei Beutel Gras, 75 Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und n ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher, einen Liter Tequila, ne Flasche Rum, ne Kiste Bier, nen halben Liter Äther und zwei Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unsere Tour brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, ne ernsthafte Drogensammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden..."
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21-01-2009 17:06 #4
Ausgezeichnet, sowas würde mich auch sehr interessieren.
Leider hab ich dazu keinerlei produktiven Beitrag, da ich in der Literatur nicht so bewandert bin.
Dafür hab ich eine nutzlose Kritik deiner Themen-Beschreibung :
Wenn es keine objektive Realität gibt, was ist dann mit der komplexen Wirklichkeit gemeint, die simplifiziert wird ?
(Das ist hier tatsächlich nicht eindeutig)
Du willst speziell auf literarisches Schaffen als Selbsterschaffung hinaus ?
Da fällt mir eigentlich praktisch ganz klassisch das Tagebuch ein.
Literatur in Tagebuchform gibt es ja unglaublich viel, oder ?
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21-01-2009 17:23 #5
Ich gehe davon aus, dass die Wirklichkeit, wie wir sie erleben und in der wir leben, nicht objektiv ist, sondern ein Produkt unserer Wahrnehmung und Interpretation. Wir können also die objektive Welt nicht erleben, da wir, in dem Moment, in dem wir sie erleben, schon wieder interpretieren oder subjektiv wahrnehmen. Es gibt sie vielleicht diese Wirklichkeit, diese objektive, aber sie kann dann nicht erlebt werden. Trotz allem müssen der Input, die Erfahrung der Welt erst mal interpretiert und simplifiziert werden. Es gibt ja unglaublich viel Input der verschiedensten Art. Wir erlernen ja aber von kleinauf, wie wir damit umgehen müssen und ordnen diesen Input sofort in unser Weltbild ein. Dieses Weltbild könnte natürlich beliebig geändert werden, wenn es nur Produkt unserer Interpretation ist. Im Prinzip muss man sich also vorstellen, dass wir zunächst nur auf den Input reagieren, also auf die komplexe Welt, die wir irgendwann gar nicht mehr als komplex erleben. Wir leben ja schon irgendwie in einer komplexen, multiplen Welt, die eben nur nicht objektiv erfahrbar ist.
Interessant ist dabei, wenn wir nicht mehr reagieren, sondern agieren und bewusst formen. Das wäre also das Schreiben als Selbstkonstruktion.
Hmm, es ist schon ein schwieriges Thema und ich bin noch nicht richtig drin. Aber wir können gerne weiter darüber diskutieren, das fände ich schon gut.
An das Tagebuch habe ich auch schon gedacht. Mein Prof hatte mir z.B. die Autobiografie (von Autoren natürlich) vorgeschlagen. Mal schaun.Geändert von Seemops (21-01-2009 um 17:26 Uhr)
"Wir hatten zwei Beutel Gras, 75 Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und n ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher, einen Liter Tequila, ne Flasche Rum, ne Kiste Bier, nen halben Liter Äther und zwei Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unsere Tour brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, ne ernsthafte Drogensammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden..."
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