Thomas Bernhard,
das Lob bzgl. der übersichtlichen Strukturierung schmeichelt mir, Deine Vermutung, ich beschränkte mich darauf, ausschließlich Empfehlungen für "nicht ganz anspruchsvolle Leser" auszusprechen (/-schreiben) auch, den King-, Follet- und Garder-Lesern jedoch weniger, weswegen ich mich gegen solch zweischneidiges Lob verwehren möchte. Jeder nach seiner Facon. "Anspruch" ist das, was der Leser an das vor ihm liegende Buch stellt, nicht umgekehrt.
Meine Vorliebe für Literatur allgemein gipfelte kürzlich tatsächlich in einer Anschaffung im "Phantastischen" Spektrum dieses sehr weiten Streufelds; Jorge Luis Borges [Hrsg.] - Meisterwerke der phantastischen Weltliteratur (15 Bd.). Der Herausgebername gibt ein Versprechen ab, welches jeder einzelne Band einlöst; in jedem Wortsinne "phantastische" Weltliteratur - teils bekannt (Poe, Melville, Saki, Kipling), teils beinahe vergessen (Alarcón, Beckford, Chesterton) - die es aufzuarbeiten gilt.
Werde bald den "Bücher"-Faden wieder aufnehmen. Berste schier vor Ideen. Allein die Zeit, die Zeit...
Samuel
Thema: Buchempfehlungen
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Ergebnis 26 bis 30 von 30
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23-01-2004 10:08 #26
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Die Auswahl
Samuel Anders,
ersteinmal Lob für deine Buchempfehlungen: Sie sind übersichtlich strukturiert, numeriert und vor allem sind sie (so hoffe ich) endlich mal etwas für den nicht ganz anspruchslosen Leser. Ich kann diese ewigen Ken Follet / Stephen King / Garder - Lobhudeleien nicht mehr ertragen. Austers New-York-Trilogie als Buchempfehlung kann ich mich anschließen, von den meisten anderen Sachen und von vielen anderen Autoren habe ich noch nie gehört, das macht die Liste umso interessanter - besonders 2,3 und 9. Insgesamt scheinst du ja eine Vorliebe für phantastische Literartur zu haben - ein Bereich, mit dem ich bisher eher selten in Berühung kam. Mit Virgina Woolf war ich allerdings überfordert und habe es abbrechen müssen (nicht "Die Wellen", sondern das mit dem Frauennamen... komme gerade nicht drauf!).
Wann kann man wieder etwas von dir im Prosa-Forum-lesen?Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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23-01-2004 14:12 #27S. Anders Gast
Der Einwahl
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27-01-2004 15:20 #28
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Mit Borges ist das offenbar so eine Sache: Entweder man vergöttert ihn oder mag ihn überhaupt nicht. Ich gehöre zu der zweiten Gruppe und möchte die anderen Leser doch vor Borges warnen: Er ist konfus, verworren und vor allem kann er nicht erzählen. Aber vielleicht ist er ja ein guter Herausgeber.
Auch muß ich mein Lob über Samuel Anders Buchliste schmälern, da bei der Recherche doch einige "Probleme" aufgetaucht sind:
Lewis Caroll: Gesamtwerk. Gesamtwerk ist gut, dabei gibt es doch außer dem Alice-Buch doch kaum noch mehr.
Johann G.Schnabel: Die Insel Felsenburg. Im Verlag Lothar Borowsky gibt es das Werk in zwei Bänden, aber das ist dermaßen ungeschickt publiziert, daß (zumindest ich, der nur den zweiten Teil in Händen halten konnte) man nicht erkennen kann, ob man dann auch den ersten Band lesen muß, oder ob man auch mit Band zwei anfangen kann usw. usf.
Verwirrend ist auch die Empfehlung: "Andreas Thalmayr - Das Wasserzeichen der Poesie", weil es da auch die Erzählung "Andreas Thameyers letzter Brief"(Arthur Schnitzler) gibt. Unglücklicher Zufall?Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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27-01-2004 17:11 #29S. Anders Gast
Nachschlag
Lächelnlich, Thomas. Es versetzt meinem Herzen einen tiefen Stich, dass meine kleine Liste solche Ärgernisse für Dich bereithielt. Vier "übersichtliche" Präzisierungen:
1.
Die Kompetenz Borges' als Erzähler vermag ich (wie sicherlich auch Du) nicht abschließend zu beurteilen, mir ist bisher lediglich eine Unzahl von seinen Vorworten untergekommen, die mal dieses Werk einführten, jenes andere thematisch in einen größeren Weltzusammenhang setzten...
Er ist - der Gegenbeweis bleibt anzutreten - der wohl größte Leser dieses Erdballs (s. z.B. u.). Ein Prädikat, das ihm eine außerordentliche gesamtheitliche Übersicht bescheinigt; er hat wirklich fast alles gelesen. Nach Erblinden sogar die Schlagzahl noch erhöht und freie Mitarbeiter regelmäßig vorlesen lassen. Sein Gedächtnis & sein aktiver Zugriff auf Werke jedes Winkels der globalen Literaturgeschichte ist enorm. Er ist/war (gest. 1986) ein Enzyklopädist der Erzählliteratur, der jedem Buch eine Chance zu geben bereit war, ein monströser Geist und beeindruckender Gesprächspartner.
Das macht (und machte) ihn einzigartig. Verzeih, T.B., wenn ich Deiner abschließenden Beurteilung seines schriftstellerischen Könnens misstraue, da doch jedes Zitat die unterstellte Kon- und Diffusion widerlegt; Borges:
"Ich bin aufs Schreiben und auf die Kritik verfallen und muß gestehen (meiner Mängel bewußt und diese bedauernd), daß ich mit sehr erinnernder Wonne wiederlese und daß neue Lektüren mich nicht begeistern. Ich neige längst dazu, ihre Neuheit zu bestreiten, sie in Schulen, Einflüsse, Mischungen zu übersetzen. Ich vermute, wenn sie ehrlich wären, würden alle Kritiker auf der Welt (und sogar einige in Buenos Aires) das gleiche sagen. Es ist ganz natürlich: Die Intelligenz ist sparsam und ordnend, und ein Wunder erscheint ihr als schlechte Gewohnheit. Dies einzuräumen heißt bereits, sich zu disqualifizieren."
woanders:
"Eine zarte und sichere Unsterblichkeit (zuweilen errungen von Menschen, die gewöhnlich sind, aber ehrliche Hingabe und langwierige Inbrunst besitzen) ist die des Dichters, dessen Name mit einem Platz auf der Welt verbunden ist. So die Unsterblichkeit von Burns, die auf Schottlands Äckern und gemächlichen Flüssen und Hügelzügen, liegt; oder die unseres Carriege, die am verschämten, verstohlenen, fast verschütteten südlichen Stadtrand von Palermo überdauert, wo extravagante archäologische Mühsal das leere Grundstück rekonstruieren kann, dessen gegenwärtige Ruine das Haus ist, und den Schnapsladen, der Warenhaus wurde. Es kommt auch vor, daß jemand in ewigen Dingen unsterblich wird. Der Mond, der Frühling, die Nachtigallen verkünden Heinrich Heines Glorie, das Meer, das grauen Himmel erduldet, die von Swinburne, die langen Bahnsteige und Landungsbrücken die von Walt Whitman. Aber die besten Unsterblichkeiten - die zur Domäne der Leidenschaft gehören - sind noch unbesetzt. Es gibt keinen Dichter, der die totale Stimme des Liebens, des Hassens, des Todes oder der Verzweiflung wäre. Das heißt, die großen Verse der Menschheit sind noch nicht geschrieben. Es ist dies eine Unvollkommenheit, die unsere Hoffnung aufmuntern sollte."
2.
Tatsächlich gibt es zwei eigenständige "Alice-Bücher", Thomas. "Alice hinter den Spiegeln" (auch: Alice im Spiegelland) steht ihrer Vorgängerin in nichts nach; ich persönlich finde sie, im Gegenteil, noch amüsanter, aber da scheiden sich die Geister (&, da sei versichert, nicht eben die kleinsten). Die ikonographische Ausbeutung dieser Werke (Disney & Co. KG) vermochte ihren nach wie vor frischen Charme nicht zu verwässern.
Desweiteren finden sich in "Das literarische Gesamtwerk" Carrolls (Zweitausendeins, 1998): Sylvie & Bruno, Der Wesper mit der Perücke, Phantasmagorie und andere Gedichte, Die Jagd nach dem Schnai, Drei Sonnenuntergänge, Der Pfarrhausschirm, Mischmasch, Nützliche und lehrreiche Gedichte, Das Pfarrhausmagazin.
Kleinlich-despektierliche Auslassungen über die Bezeichnung "Gesamtwerk" verbietet eigentlich schon eine Seitenzahl von über 1200. Manch einer bringt's auf weniger.
3.
Es ist ratsam, sich die "Insel Felsenburg" in der Ausgabe der Haidnischen Altertümer antiquarisch und dreibändig anzuschaffen (einseitiger Silberschnitt; Marmorpapiereinband; zweifarbige Faksimile-Einlagen). Dieses Buch muss zelebriert werden, um richtig vollzügig genießbar zu sein (wie so vieles, was Arno Schmidt in den Himmel lobte). Besonders die Sprache - sofern unmodernisîrt - ist überaus delikat!
Über andere Ausgaben - wie zB. die im Handel problemlos erhältliche Reclam-Ausgabe - kann ich leider keine Auskunft geben. (s. u.)
4.
Hinter dem Herausgeber Andreas Thalmayr - soviel sei, weil es nie ein Geheimnis war, verraten - steckt natürlich Hans-Magnus Enzensberger; "unglücklich" würde ich diesen "Zufall" daher nicht nennen. Seltsame Qualitätskriterien scheinen in Deinem Kopfe zu walten, T.B.! Ich ziehe die Stirn kraus und wundere mich etwas.
Ich hoffe, Dir und (vielleicht auch) anderen damit geholfen zu haben.
Bei Interesse an einer Felsenburg-Insel im angesprochenen Format könnte ich mich danach ja - auf eine PN hin - mal umtun für Dich.
Gruß,
SamGeändert von S. Anders (27-01-2004 um 17:15 Uhr)
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30-01-2004 17:21 #30
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Hallo Samuel Anders,
vielen Dank für die präzisierenden Ergänzungen und die Borges-Zitate. Ersteres bedeutet ja, wenn ich es richtig verstehe, daß Borges sich ja nicht selbst ausnimmt von denen, die keine "Wunder" (=was literarisch wirklich neuartiges) mehr erwarten und auch keine wollen und sich damit "disqualifizieren". Da ist er zwar etwas arg hart gegen sich selbst, aber von mir aus.... wahrscheinlich hat er recht: etwas wirklich neues wird es nicht mehr geben und etwas anderes zu glauben, ist zwar amselig, aber befreit einem auch von einem störenden Idealismus.
Einge der Carroll-Titel konnte ich auf die schnelle nicht recherchieren, daher meine Annahme, das Gesamtwerk sei nicht allzu groß. Ich muß wohl öfter in den Kindler schauen.
Sooooo bibliophil bin ich allerdings nicht, daß ich für drei Bücher 150 Europa ausgebe, auch wenn sie noch so viel Silberschnitt-Schnickschnack haben - was letztendlich zählt, ist immer noch der Inhalt. Da warte ich doch lieber und schreibe eine Vormerkung.
Daß Arno Schmidt dieses Werk lobte, hättest du mir nicht erzählen dürfen! Mit Schrecken erinnere ich mich an die Lektüre der dämlichen "Gelehrtenrepublik" zurück! Welch überflüssiges Buch! Welch Zeitverschwendung!
Mit in ihrer Sprache modernisierten Bücher habe ich aber gute Erfahrungne gemacht, z.B. die neuere Übersetzung von "Schuld und Sühne" ("Verbrechen und Strafe") von dieser Svetlana Sowieso.
Gruß,
ThomThomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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