Uh... ich nicht. Finde ich auch schade, sich derart abzugrenzen. Es gibt auch lebende Autoren, die super Literatur verfasst haben, warum muss der arme Kerl denn unbedingt tot sein?
Und nur weil jemand populär zu seiner Zeit war, sagt das doch auch nix über sein literarisches Können aus (weder in die positive noch in die negative Richtung).
Würde mich aber schon mal interessieren, was genau Du unter "kann keine Goethe lesen" verstehst. Hast Du's probiert, und Du fängst nach ein paar Seiten an zu würgen, oder wie kann man sich das vorstellen? Und warum legst Du Dir so strikte Regulationen selbst auf, die meines Erachtens mit dem literarischen Wert eines Buches absolut gar nichts zu tun haben?
- *neugieriger und recht erstaunter* Woof
P.S: Ach so, meine eigenen Kriterien... ehrlich gesagt habe ich nicht viele, wenn's um's Entscheiden geht, ob ich ein Buch überhaupt lesen soll. Vielfach gebe ich Büchern eine Chance, selbst wenn ich sie anfangs gar nicht mag, und lese sie trotzdem. Mit Hamlet oder Waiting for Godot (na gut, das sind Dramen) z.B. habe ich mir am Anfang wirklich schwer getan, aber mittlerweile liebe ich beide.
Das einzige limitierende Kriterium, das ich zur Zeit habe, ist, dass ich nur englische Bücher lese. Was mit meinem Studium zusammenhängt. Wenn ich schon meine knapp bemessene Zeit einem Buch widme, möchte ich doch was für's Studium daraus gewinnen, sei es ein Zugewinn an Vokabeln oder literarischem Wissen.
P.P.S: Ich würde keinesfalls sagen, dass für mich Stil wichtiger ist als Inhalt. Wenn mir ein Werk inhaltlich nicht gefällt, dann kann es stilistisch noch so gut sein, aber es wird von mir nie die volle Punktzahl bekommen. Umgekehrt genauso, wenn ein Roman einen wirklich nervtötenden Stil hat, komme ich auch nicht damit klar, egal, wie brennend mich der Inhalt interessiert (geht mir momentan mit Doctorow so, *seufz*). Wirklich total erfassen kann mich ein Werk aber nur, wenn beides stimmt. Weswegen ich z.B. Hamlet und Sandra Cisneros' Werke so liebe, da stimmt einfach beides.
Thema: Roman Kriterien
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13-01-2004 19:12 #1
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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Roman Kriterien
Nach welchen Kriterien sucht ihr Romane fuer die Lektuere aus?
Meine sind:
1. Der Autor muss tot sein. (Braucht aber nicht schon lange unter der Erde liegen, kann auch frisch verschieden sein)
2. Der Roman darf zu Lebzeiten des Autors nicht populaer gewesen sein, und wenn doch, dann nur bei einer Randgruppe der Bevoelkerung
3. Der Stil ist wichtiger als die Rahmenhandlung. Von einer Zeile kann man auf das gesamnte Buch schliessen.
4. Ich kann meist nur chronologisch lesen, beginnend im 18. Jh., bis ich das Gefuehl habe das Jahrhundert erschoepft zu haben und zum naechsten vorruecke. Bin jetzt ca. 1930 angekommen. Natuerlich gibt es Ausnahmen, aber ich kann eine Periode nicht in Ruhen lassen, bis ich denke sie "abgegrast" zu haben.
Das mag zwar spleenig sein, aber ich komme nicht dagegen an. Ich kann z. B. keinen Goethe lesen (zu populaer zu seiner Zeit). Wuerde mich interessieren, ob noch jemand ausser mir seltsame Lese-Gewohnheiten hat.Geändert von Jack Slim (13-01-2004 um 19:15 Uhr)
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13-01-2004 20:24 #2
Geändert von Woof (13-01-2004 um 20:50 Uhr)
Der Wolf ist ein großer Übeltäter, doch er lehrt die Hirten, auf der Hut zu sein.
Chinesisches Sprichwort
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14-01-2004 18:36 #3
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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Meine Abgrenzung ist nicht bewusst gewaehlt, sondern hat sich im Laufe der Zeit so ergeben, nenn es eine Neurose, wenn du willst.
Angenommen ich laese in Buch eines noch lebenden Autors und faende es gut, doch ploetzlich wird jenes Buch unglaublich populaer. Das wuerde bei mir den Verdacht ausloesen, dass irgendetwas mit dem Buch nicht stimmen kann. Ich wuerde dann Fehler an ihm entdecken, die mir vorher nicht aufgefallen sind und mich ueber mein vorheriges Urteil aergern. Deshalb vermeide ich es zeitgenoessische Buecher zu lesen.
Ausserdem habe ich da so eine Theorie, nach der wir zwar alle im 21. Jh. leben, aber dem kuenstlerischen Verstaeniss nach um 200 Jahre zurueck sind. Deshalb will ich mich hocharbeiten. Wenn man etwa die Romantiker verteht, versteht man was die Naturalisten wollten, wenn man die Naturalisten versteht, kommt man zu den Symbolisten, von da zu den Surrealisten, Expressionisten, Daddaisten..
Irgendwann versteht man dann wielleicht auch, warum Popliteratur notwendig ist.
So, jetzt habe ich mich aber erschoeft.
Ach ja, und Goehte kann ich einfach nicht lesen, weil ich wie am Anfang beschrieben die ganze Zeit darueber nachdenke, ob ich nicht doch etwas finde was das Buch schlecht macht.
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14-01-2004 19:06 #4
Hmm. Ist es nicht ein bissi arrogant, davon auszugehen, dass wenn mehr Menschen als nur eine Hand voll ein Buch gut finden, dass dann damit was falsch sein muss? Wenn Dir ein Buch gefällt und Du liest es, und plötzlich lesen es tausend andere auch und es hält Einzug in die Bestsellerlisten, dann finde ich es schon etwas herablassend, davon auszugehen, dass so viele Menschen ja nicht richtig liegen können. Aber vielleicht verstehe ich Dich nur falsch.
Und das mit dem künstlerischen Verständnis kapier' ich auch nicht: Was verstehst Du denn unter künstlerischem Verständnis, und befinden wir uns in einer künstlerischen Zeitverschiebung... ?
*zunehmend verblüffter* WoofDer Wolf ist ein großer Übeltäter, doch er lehrt die Hirten, auf der Hut zu sein.
Chinesisches Sprichwort
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14-01-2004 19:21 #5
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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Naja, mit dem kuenstlerischen Verstaendniss ist das so eine Sache. Meiner Erfahrung nach ist es schwer eine Stilrichtung nachzuvollziehen, wenn man nicht die Richtungen kennt gegen die sie sich auflehnt. Viele Leute moegen zum Beispiel ganz Instinktiv natuallistische Kunst, also naturlistisch - realistisch geschriebene Buecher und realistische Kunst. Aber gegen diese Kunst haben sich im 19 Jh. die Symbolisten aufgelehnt, weil sie wissen wollten, was hinter dem Sehen wirklich steckt, was die Traumwelt ist etc. Ich kann also nur verstehen, warum die Symblisten so seltsam geschrieben haben wenn ich weiss was vor ihnen kam. Das beste Beispiel ist DaDaistische Literatur. Das geht ja nur die ganze Zeit " rrrrmpf; hm da da peng, rmmmpf ung ung ung ..." voellig unverstaendlich. Aber wenn weiss gegen was sie sich damit aufgeleht haben, kann man es ein wenig nachvollziehen und sogar schoen finden. Ich denke, erst wenn man auf diesem Wege bei der Gegenwart angelangt ist, kann man wirklich verstehen, warum die Kunst ist, wie sie ist und sie besser nachvollziehen. Allein in diesem Jahrhundert geboren zu sein impft einen ja nicht automatisch mit den Erfahrungen der letzten Generationen, sondern wir sehen und begreifen, wie auch ein Mensch vor 200 Jahren gesehen und versstanden hat.
Und ja, du hast recht, es ist Arrogant dem populaeren Geschmack zu mistrauen, aber wie schon gesagt, es ist ein wenig eine Neurose. Dazu kommt noch das Gluecksgefuel, einen Autor fuer sich entdeckt zu haben, den in seiner Schoenheit nur wenige kennen. Es ist ein bischen ein Jaeger, Sammler Ding
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