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Ergebnis 1 bis 3 von 3
  1. #1
    Avatar von S. Anders
    S. Anders ist offline "Habilitand" (500-749 Beiträge)
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    29.01.2003
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    499

    Frage Seltsame Frage, übertrieben lang eingeleitet

    Mein Gedächtnis ist nicht das Beste; wenn ich unbedingt etwas für den nächsten Tag behalten muss (einen Geburtstag, ein Versprechen, einen Einkauf, einen kopernikanischen Weltuntergang usw.) schreibe ich mir bunte Zettelchen, aus Angst, alles könnte im Schlaf verloren gehen. Noch schlimmer: Meine Küche(nmitbenutzungseinrichtung) liegt ein Stockwerk über mir; zu weit, wie sich neulich herausstellte, als ich schwungvoll ebd. eintrat, mich alle um den Küchentisch zum Kartenspiel Versammelten anblickten und -- ich keine Ahnung mehr hatte, was ich dort eigentlich wollte (Grund: Das Bild um einen Tisch gruppierter Spieler hat mich an irgendein expressionistisches Gemälde erinnert - dem Stil nach vermutlich Dix - von dem, wie ich mich zu erinnern glaubte, auch eine Persiflage mit Hundevisagen existiert. Gerade so sahen meine Leutchen aus. Diese Assoziation wischte alle Vprsätze hinfort.) Das Grinsen half mir nicht über die Peinlichkeit des temporären Gedächtnisverlustes hinweg.

    Worum es mir geht:

    Bei Lektüren habe ich dieses Problem nicht. Ich kann ohne Probleme ein beiseite gelegtes Buch nach anderthalb Jahren wieder aufnehmen & noch bis ins Detail wissen, wo ich den Handlungsfaden unterbrach, was vorher passiert war etc.

    Ein größeres Mysterium: Ein Lesezeichen markiert für gewöhnlich zwei Seiten, auf welchen theoretisch jeder Absatz als Halte- und Weiterlesepunkt in Frage käme; trotzdem weiß das Auge jedes Mal genau (und ohne weitere Prüfung), wo es vorher haltgemacht hat und jetzt weiterlesen muss. Gedächtnis- oder bloß Gewohnheitssache?

    Mindestens ebenso bizarr: Ich stelle letzte Zeit mehrfach fest, dass ich auf dem Rückweg zu meinem parkend (nicht bloß "haltend") abgestellten Auto (fast) immer jene Melodie im Sinn habe (bisweilen laut vor mich hinpfeife), die mein Radiodeck kurz vor Abstellen des Motors verlassen hat. Das kann - um einen extremen Fall zu schildern - vier Tage her sein & mit intensivem Musikzwischenkonsum anderswo (Wohnung, Freunde, Konzert) einhergegangen sein!

    Geht nur mir das so?

    Gruß,
    Freaky Sam
    Geändert von S. Anders (13-02-2004 um 14:05 Uhr)
    Gruß, Sam
    s. anders ist stolzer moderator des bücherforums
    und wird eingekleidet von seiner mama

    als orion "zett" green und timotheus roth
    kämpft er tapfer in den logorrhien wars

  2. #2
    Avatar von unicum.golem
    unicum.golem ist offline "Student" (20-79 Beiträge)
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    03.02.2004
    Beiträge
    62
    Was sind Bücher?
    Was ist Musik?

    Was ist ein .... GEDÄCHTNIS?

    ich möchte einer werden wie einst ein anderer gewesen ist
    ich will morgen und abend und gestern und morgen
    ich will träume
    ich will erinnerungen

    ich will softeis und rollschuhe und -
    otto dix: die skatspieler!
    Geändert von unicum.golem (14-02-2004 um 00:57 Uhr)
    Seit Mittwoch, dem 03. MÄRZ 2004, formen mich, den unicum.golem (Dossier)

  3. #3
    Avatar von Woof
    Woof ist offline "Habilitand" (500-749 Beiträge)
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    532

    Re: Seltsame Frage, übertrieben lang eingeleitet

    Original geschrieben von S. Anders
    Mein Gedächtnis ist nicht das Beste; wenn ich unbedingt etwas für den nächsten Tag behalten muss (einen Geburtstag, ein Versprechen, einen Einkauf, einen kopernikanischen Weltuntergang usw.) schreibe ich mir bunte Zettelchen, aus Angst, alles könnte im Schlaf verloren gehen. Noch schlimmer: Meine Küche(nmitbenutzungseinrichtung) liegt ein Stockwerk über mir; zu weit, wie sich neulich herausstellte, als ich schwungvoll ebd. eintrat, mich alle um den Küchentisch zum Kartenspiel Versammelten anblickten und -- ich keine Ahnung mehr hatte, was ich dort eigentlich wollte (Grund: Das Bild um einen Tisch gruppierter Spieler hat mich an irgendein expressionistisches Gemälde erinnert - dem Stil nach vermutlich Dix - von dem, wie ich mich zu erinnern glaubte, auch eine Persiflage mit Hundevisagen existiert. Gerade so sahen meine Leutchen aus. Diese Assoziation wischte alle Vprsätze hinfort.) Das Grinsen half mir nicht über die Peinlichkeit des temporären Gedächtnisverlustes hinweg.

    Worum es mir geht:

    Bei Lektüren habe ich dieses Problem nicht. Ich kann ohne Probleme ein beiseite gelegtes Buch nach anderthalb Jahren wieder aufnehmen & noch bis ins Detail wissen, wo ich den Handlungsfaden unterbrach, was vorher passiert war etc.

    Ein größeres Mysterium: Ein Lesezeichen markiert für gewöhnlich zwei Seiten, auf welchen theoretisch jeder Absatz als Halte- und Weiterlesepunkt in Frage käme; trotzdem weiß das Auge jedes Mal genau (und ohne weitere Prüfung), wo es vorher haltgemacht hat und jetzt weiterlesen muss. Gedächtnis- oder bloß Gewohnheitssache?

    Mindestens ebenso bizarr: Ich stelle letzte Zeit mehrfach fest, dass ich auf dem Rückweg zu meinem parkend (nicht bloß "haltend") abgestellten Auto (fast) immer jene Melodie im Sinn habe (bisweilen laut vor mich hinpfeife), die mein Radiodeck kurz vor Abstellen des Motors verlassen hat. Das kann - um einen extremen Fall zu schildern - vier Tage her sein & mit intensivem Musikzwischenkonsum anderswo (Wohnung, Freunde, Konzert) einhergegangen sein!

    Geht nur mir das so?

    Gruß,
    Freaky Sam

    Naja das mit der Einkaufsliste ist völlig normal und liegt daran, dass sich Einkaufslisten häufig ändern, Du sie in der Regel nicht besonders häufig anschaust und der Inhalt der Einkausliste in der Regel sinnlos ist. Was das angeht, geht es mir genauso wie Dir.

    Dass Du den Raum verlässt um etwas zu holen und weißt es dann nicht mehr ist auch völlig normal. Die Speicherzeit im Kurzzeitgedächtnis ist eben nur sehr kurz, und die einzige Möglichkeit, das Ganze im KZG zu erhalten wäre, es ständig zu wiederholen (wie man das bei Telefonnummern ja häufig macht, wenn man nichts zu Schreiben parat hat). Sobald den Informationen im KZG die Aufmerksamkeit entzogen wird (wie in Deinem Fall durch die Interferenz Deines Vorwissens, dem Dix-Bild), ist die Information eben weg.

    Bei Geburtstagen geht es mir auch ähnlich, ist eben schwierig, sich so was zu merken, wenn da jedes Mal ein Jahr dazwischen liegt . Bei mir ist es so, dass ich die Geburtstage weiß, wenn mich jemand danach fragt - ich denke nur im Laufe des Jahres nicht mehr daran.

    Bei Namen geht es mir nicht so, aber das hat mit meinen persönlichen Erfahrungen zu tun. Wie schon irgendwann mal im Kuschelforum berichtet hat sich in meiner Jugend kaum jemand die Mühe gemacht, meinen Namen richtig auszusprechen, weswegen ich diesbezüglich mittlerweile sehr... na, nennen wir es sensibel bin. Das heißt, ich achte besonders darauf, mir die Namen anderer Leute zu merken und sie richtig wiederzugeben. Was mir allerdings ab und an passiert, sind Interferenzen. Kommt schon mal vor, dass ich einen Namen mit einem ähnlichen verwechsle (z.B. Christina statt Martina) oder einem gesicht einen falschen Namen zuordne, der in Wirklichkeit zur besten Freundin der Person gehört (aber da die immer im Doppelpack auftreten, sind die in meinem Gedächtnis irgendwie verknüpft ).

    Leider geht es mir bei Büchern auch nicht so - ich kann mich kaum mehr an den Inhalt der ganzen Bücher erinnern, die ich in der Schule gelesen habe. Das hängt wahrscheinlich mit der Motivation zusammen... wenn Dir etwas Spass macht, behältst Du's eben länger. Die ganzen Lektüren in der Schule haben mir keinen Spass bereitet

    Und das mit dem Auto hängt wie Ella bereits in ihrem mittlerweile gelöschten Beitrag ausgeführt hat wahrscheinlich damit zusammen, dass Du unbewusst die Melodie aus dem Radio mit dem Standort Deines Autos verknüpft. Dieses Verknüpfen von Dingen, die auf den ersten Blick gar nicht zusammen passen, ist eine recht effektive Gedächtnisstrategie, um sinnarme Inhalte zu lernen. Kann man auch bewusst ganz gut einsetzen, die Loci-Strategie funktioniert ja im Prinzip so.
    Geändert von Woof (14-02-2004 um 11:49 Uhr)
    Der Wolf ist ein großer Übeltäter, doch er lehrt die Hirten, auf der Hut zu sein.
    Chinesisches Sprichwort

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