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Ergebnis 6 bis 10 von 61
  1. #6
    S. Anders Gast

    Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge [SF]



    (1) Der AUTOR in einem Satz
    • Simmons wurde 1948 in Illinois, USA, geboren, hatte er bisher nur Werke geringeren Umfangs veröffentlicht, so gelang ihm mit Veröffentlichung seines Hyperion-Zyklus' (1989) ein völlig unverhoffter Rundumschlag im Bereich der Science Fiction, der ihn sofort berühmt machte und andere Autoren das Zittern lehrte.

    (2) Der INHALT in einem Satz
    • Auf dem weit von anderen Welten entfernt liegenden Planeten Hyperion wächst sich ein (nur) scheinbarer Aberglaube zu einer ernsthaften Bedrohung der gesamten Menschheit aus: Das "Shrike", der Herr der Schmerzen, ist nicht länger an die "Zeitgräber", die eigentliche (Kult)Stätte seines Wirkens, gebunden.

    (3) Mein FAZIT in einem Satz
    • Ungeheuer originelle Science Fiction.

    (4) "Besprechung"
    • Die Erde ist zerstört, die Menschheit in die Weiten des Raums zerstreut und auf Gedeih und Verderb dem "Core", einer selbständig gewordenen fast universell zu nennenden Maschinenintelligenz ausgeliefert, weil ohne deren "Farcaster-Portale" die gigantischen Räume zwischen den besiedelten Welten nicht ohne immensen Zeitverlust überbrückbar wären. So ist es reichen Netz-Bürgern möglich, ein Haus zu unterhalten, dessen Wohnzimmertür in einen Medienraum im 150. Stockwerk auf Lusus führt, dessen Badezimmertür hingegen auf eine luxuriös ausgestattete Barke auf Hebron oder anderswo. Ein Schritt und man ist dort.

      Der Core ist überdies in der Lage annähernd 100%ig zuverlässige Zukunftsprognosen zu stellen, mit der Einschränkung, dass der dem Roman seinen Titel gebende Planet Hyperion in allen Prognosen einen nicht zu unterschätzenden Unsicherheitsfaktor darstellt; die Vorgänge dort, die Artefakte der Zeitgräber, das Wesen des "Shrike" - alles bleibt obskur, unverständlich und beängstigend fremd. Jeder Seite.

      Als es zum lange erwarteten Krieg zwischen "alter" Menschheit und Oustern (mutierten, neuen Lebensbedingungen angepassten Menschen-Rassen) kommt, wird ein letzter Pilgerzug zu den Zeitgräbern, um deren Bewohner, das Shrike, ein eigenständiger religiöser Kult zelebriert wird, genehmigt. Keiner der Pilger ist sich über die ihm zugedachte Rolle im großen schicksalhaften Showdown zwischen Core, Menschen, Oustern und Shrike im Klaren.

      Dies zu ergründen ist Zweck der Erfahrungsberichte, die jeder der sieben Pilger im ersten Buch, "Hyperion", den anderen liefert, als sie unterwegs sind zum Shrike; jeder der sieben steht in einer ganz eigenen - am Ende vielleicht alles entscheidenden - Beziehung zu dem Planeten und seinem Geheimnis.

      Todsünde für einen Autor, möchte man meinen, den Leser mit (scheinbar) zusammenhanglosen Lebensbeichten zu quälen... weit gefehlt! Simmons gelingt das Kunststück, jeder dieser Episoden einen eigenen fesselnden Anstrich zu verleihen, eine individuelle, die erzählende Figur und ihr Leben charakterisierende Stimme. Jede Geschichte entwickelt auf ganz eigene Weise ihren Sog. Spionage, Liebe, Mord, Sex, Familie, Krieg - alles da. Und wie! Das wird nie langweilig, obwohl, oder gerade weil man andauernd nach alles verbindenden Fäden und Gemeinsamkeiten sucht.

      Diese liefert das zweite (in diesen Sammelband von HEYNE integrierte) Buch "Hyperions Sturz". Der Krieg bricht aus. Die Action greift um sich. Der Erzählton ist plötzlich ein ganz anderer; er springt zwischen den Figuren und Schauplätzen, als gälte es ein unverändert abdrehbares Filmdrehbuch zu entwerfen. Hyperion, die Zeitgräber öffnen sich. Cut. Tau Ceti Center, Regierungssitz der Hegemonie, dramatische Lagebesprechung zwischen Meina Gladstone und ihren Generälen. Cut. Severn, Cybrid des prä-hegemonialen Dichters John Keats, klinkt sich in die Datensphäre des Core ein, um Ummon, eine kryptische Maschinenintelligenz usw. usf.

      Simmons herausragende Stärke, das was ihn vor anderen Autoren der SF auszeichnet, speziell vor grandiosen Ideenkonstrukteuren wie Lem und Asimov, ist seine Visualität. Schon sein erster Satz explodiert nahezu vor visuellen Einfällen:

      "Der Hegemoniekonsul saß auf dem Balkon seines Ebenholzraumschiffs und spielte Rachmaninoffs Prelude in cis-Moll auf einem uralten, aber gut erhaltenen Steinway, während sich große grüne Saurierwesen unten in den Sümpfen drängten und heulten."

      Das Faszinierende:
      Er hält diese Originalität durch bis zum Schluss!

      Auch wenn man vielleicht einmal zu oft von vor Angst/Schreck sich in den Körper flüchtenden Hoden lesen musste - das will ich aber der HEYNE-typischen überhasteten Übersetzung zuschreiben (wie einige Rechtschreibfehler auch) - bleibt dieser Wälzer (1450 Seiten) und seine bunten Charaktere, der desillusionierte Ex-Konsul Hyperions, die kraftgeladene lusische Privatdetektivin Lamia Brawne, der schwindsüchtige Priester Hoyt, der schweinische alte Dichter Martin Silenus, die sympathische Reinkarnation John Keats' u. alle anderen, lange lange lange haften.

      Die Baumschiffe der Tempelritter. Der Traurige König Billy. Der Ouster-Schwarm. Die schwimmenden Inseln Maui-Covenants. Alles ist so plastisch und kräftig koloriert, dass einem die Augen übergehen möchten in dieser Detail-Fülle.

      STEPHEN KING: "Dan Simmons schreibt wie ein Gott. Ich kann kaum sagen, wie sehr ich ihn beneide."


    (Simmons, Dan. Die Hyperion Gesänge [mit einem Vorwort von Alastair Reynolds].
    Heyne, München. 2003. 15 Euro. ISBN 3-453-21528-1)
    Geändert von S. Anders (25-01-2005 um 06:42 Uhr)

  2. #7
    Iron(ic)man ist offline Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    19.06.2002
    Beiträge
    112

    Achtung

    Das mit der Formatierung ist mir jetzt zu aufwendig, aber:


    George Orwell:
    "1984"

    • Überwachung bis man den großen Bruder liebt, man kann nicht entkommen und man kann nicht mehrr unterscheiden was wahr oder falsch ist.

    Aldous Huxley:
    "Brave New World" (Schöne Neue Welt)

    • Man wird als Fötus schon für seine Lebensaufgabe konditioniert und in ein nicht zu veränderndes Kastensystem eingebaut, das nur einem Zweck dient... (hab's noch nicht zu Ende gelesen)
    Geändert von S. Anders (25-01-2005 um 06:43 Uhr) Grund: Layout vorsichtig angepasst, Sam

  3. #8
    wassersucht Gast

    Bill Broady: "Schwimmerin"



    (1) Der AUTOR in einem Satz
    • mir realativ unbekannt

    (2) Der INHALT in einem Satz
    • Aufschwung und Fall einer englischen Schwimmerin

    (3) Mein FAZIT in einem Satz
    • außergewöhnlich, in "du"-Form geschrieben und sehr ansprechend

    (4) "Besprechung"
    • Ein junges Mädchen aus Nord-London liebt Schmetterlinge über alles. Ihre Eltern sind ziemlich eigenartig. Ihre Mutter ist alkohol-abhängig und ihr Vater weiß zwar "alles" ist aber arbeitslos. Sie selbst sieht richtig gut aus und ist Einzelgängerin, sehr verschlossen.

      Sie kommt zum Schwimmen, weil der Schwebezustand im Wasser dem Gefühl des Fliegens ähnelt. Sie ist richtig gut, kommt auf ein Sport-Internat und wird Delphin-/Schmetterlingsschwimmerin. Auch dort ist sie wieder Einzelgängerin, bekommt mehrere Spitznamen, u.a. "Psycho". Sie gewinnt mehrere entscheidene Meisterschaften, z.B. den "Commonwealth". Mit 19 allerdings muss sie feststellen, dass andere jüngere Schwimmerinnen schneller werden als sie. Sie hört mit dem Schwimmen auf und macht aufgrund ihres Aussehens "PR". Das Verhältnis zu ihren Eltern wird immer schlechter.

      Der innere Verfall wird immer größer. Sie träumt noch, aber ihre Träume sind unrealistisch und ihre Wahrnehmung sehr verschwommen.

      Es ist eine interessante Geschichte, gut geschrieben, nicht zu weit ausholend und sehr fesselnd. Unbedingt lesenswert!
    Geändert von S. Anders (25-01-2005 um 06:43 Uhr) Grund: Layout angepasst, Sam

  4. #9
    jochen6s ist offline "Abiturient" (0-19 Beiträge)
    Registriert seit
    07.11.2004
    Beiträge
    6

    Johannes K. Soyener: Der Schatten des Kaisers



    (1) Der AUTOR in einem Satz
    • Johannes K. Soyener ist bekannt für seine historischen Romane aus der europäischen Geschichte. Sein erstes Werk erschien 1994, seither hat er vier Romane und ein Fachbuch geschrieben.

    (2) Der INHALT in einem Satz
    • Der historische Roman beschäftigt sich mir dem Leben des französischen Chriurgen Jean-Dominique Larrey der viele Jahre unter Napoleon diente und ihn auf seinen zahlreichen Feldzügen begleitet hat.

    (3) Mein FAZIT in einem Satz
    • Trotz leichter Schwächen kann ich das Buch als gute Lektüre empfehlen, es wird den einen oder anderen Abend unterhalten können. Ausserdem hat der Autor ausgezeichnet recherchiert.

    (4) "Besprechung"
    • Eine komplette Besprechung habe ich unter http://webcritics.de/criticism/book.php?isbn=3785721757 veröffentlicht:


      Zitat Zitat von jochen6s auf webcritics.de

      Johannes K. Soyener ist bekannt dafür, sich „außergewöhnliche historische Gestalten in dramatischen Epochen der europäischen Geschichte“ als Protagonisten für seine historischen Romane auszusuchen. Für sein aktuelles Werk bleibt er dieser Linie absolut treu:

      In „Der Schatten des Kaisers“ begleiten wir Jean-Dominique Larrey bei seinem Rückblick in die Vergangenheit, von seiner kurz geschilderten Kindheit in den französischen Pyrenäen über seinem Weg nach Paris und der Ausbildung, die er mit brennendem Ehrgeiz und in relativer Armut verfolgt.

      In Paris erlebt er die blutige Französische Revolution und die Erstürmung der Bastille aus nächster Nähe. Sehr früh begegnet Larrey dem jungen Napoléon Bonaparte, der damals noch ein einfacher Offizier ist. Seit dieser ersten schicksalhaften Begegnung begleitet er Napoléon während seiner gesamten Karriere als Feldherr und Staatsmann auf über 20 Feldzügen vom heißen Ägypten bis zum kalten Russland und historischen Gefechten wie der Völkerschlacht bei Leipzig oder Waterloo. Er ist jedoch kein Soldat, Spion oder Berater sondern als Chirurg und gegen Ende auch als Chefchirurg der kaiserlichen Garde tätig. Getrieben von einer Schuld aus jungen Jahren, kämpft seine persönliche Schlacht gegen die schrecklichen Zustände der verletzten Soldaten während und nach der Schlacht und macht dabei auch viele wertvolle Entdeckungen für die Medizin.

      Im Nachhinein betrachtet, hat die Geschichte des Chirurgen Jean-Dominique Larrey viel Spaß gemacht, ich habe das Buch trotz seiner 600 Seiten ganz schön schell verschlungen. Die Geschichte ist spannend, wenn auch etwas vorhersehbarer als in „Der Meister des siebten Siegels“ (eine Besprechung von mir findet sich auch auf webcritics). Zur Spannung trägt auch die gute Erzählweise des Autors bei, gerade bei den detaillierten Beschreibungen der Verletzungen und Behandlungen durch Larray beflügelt er die Phantasie doch sehr stark, was empfindsameren Lesern doch auf das Gemüt schlagen könnte. Einige Bemerkungen bleiben jedoch:

      Der Held war mir am Anfang der Geschichte doch sehr unsympathisch, ich kann jedoch nicht sagen, ob das durch den Autor gewollt war. Dafür, dass er gerade „vom platten Land“ in die Stadt gekommen ist, kommen seine Meinungen schon sehr arrogant daher. Könnte aber auch an der Perspektive des Erzählers liegen und ändert sich auch mit der Entwicklung von Larray.

      Ein Zentrales Motiv, das Schlachtengetümmel und die Versorgung der Versehrten wiederholt sich im Verlauf des Buches erstaunlich oft, da Larray sein halbes Leben auf dem Schachtfeld verbringt. Auch wenn der Autor sehr viel Kreativität an den Tag legt, jedes mal eine neue erstaunliche Verletzung zu erwähnen und das Streben von Larray, den Soldaten zu helfen, schon fast mitreißend ist, wird es manchmal doch etwas eintönig. Die Geschichte bleibt jedoch durch die gut erzählten persönlichen Verstrickungen und Machtkämpfe sehr unterhaltsam, die auch auf den Feldzügen ausgetragen werden.

      Für einen historischen Roman ungemein wichtig ist auch, dass er authentisch und gut recherchiert ist. Hier hat Johannes K. Soyener mal wieder eine Meisterleistung abgeliefert, ein Blick in die ausführliche Literaturliste und in die Danksagungen sollte an dieser Stelle genügen.

      Als Fazit bleibt zu sagen, dass der Roman trotz der vorhandenen, leichten Schwächen immer noch absolut empfehlenswert ist, da er gut recherchiert und spannend erzählt is. Wer also eine gute Lektüre für Winterabende sucht, ist mit diesem Buch sehr gut beraten, durch den gut gestalteten Einband macht es sich auch wunderbar im Bücherregal.
      Viele Grüße
      Jochen
    Geändert von S. Anders (25-01-2005 um 06:44 Uhr) Grund: Habe Dein Thema den "Besprechungen" angegliedert und das Layout angepasst, Sam

  5. #10
    Dandole Gast

    Super Rainer Wekwerth "Traumschlange"



    Hallo, bin neu hier und blicke noch nicht ganz durch. Als Einstieg in dieses Forum möchte ich eine Buchkritik zu Rainer Wekwerths "Traumschlange" schreiben:

    (1) Der AUTOR
    • Rainer Wekwerth

    (2) Der INHALT
    • Phantastischer Thriller, Fischer Verlag. (Inh. s. u.)

    (3) Mein FAZIT in einem Satz
    • Für mich ist "Traumschlange" nicht nur der packendste Roman des Jahres, es war zugleich das spannendste Buch, das ich je gelesen habe.

    (4) "Besprechung"
    • Traumschlange spielt an dem derzeit wohl ungewöhnlichsten und exotischsten Schauplatz der Welt - Haiti. Abby Summers, die Heldin des Buches, will den Leichnam ihrer auf Haiti verstorbenen Schwester zurück nach London holen. Sie erwartet eine Insel voller Karibikromantik findet aber die Hölle auf Erden vor. Die Leiche ihrer Schwester ist verschwunden, Behörden betrügen und belügen sie und da taucht ein fremder Mann auf, der alles zu sein scheint, was sich eine Frau nur wünschen kann. Aber auf Haiti ist nichts so wie es sein sollte und Abby kommt geheimen Voodoopraktiken auf die Spur, die ihre Schwester in eine lebende Untote verwandelt haben. Abby Summers nimmt den Kampf auf und der Horror beginnt.

      Wekwerth zieht alle Register: Voodoo, lebende Untote, Gifte, Mörder und vieles mehr. Für alles entwirft er einen realen Hintergrund, so dass die Handlung glaubwürdig bleibt. Unerklärlichen Phänomenen gibt er eine wissenschaftliche Erklärung und er beweist sogar, dass es auf Haiti tatsächlich "Zombies" gibt, die auf Plantagen als Arbeitssklaven gehalten werden.
    Geändert von S. Anders (25-01-2005 um 06:44 Uhr) Grund: In "Empfehlungen" eingefügt; Layout behutsam angepasst. Willkommen bei uns, Dandole!

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