Michel Hoellebecq - Elementarteilchen
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Michel Houellebecq ist ein geistreicher Autor, der mit seinen unterkühlten Romanen und seiner provokativen Ausdrucksweise seine Leser polarisiert.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Das Buch berichtet von zwei ungleichen Brüder, die wegen ihrer verdorbenen Kindheit Zeit ihres Lebens Sonderlinge bleiben.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Als ich das Buch zum ersten Mal las, war ich schockiert und verärgert; erst bei mehrfachem Lesen bekam ich ein Verständnis für die Komplexität und Tiefe des Romans.
(4) "Besprechung"
- Die Eltern von Michel und Bruno sehen in den beiden Kindern nur Hindernisse für ihre egoistischen Ziele. Kurz nach ihrer Geburt werden beide zu einem anderen Großelternteil gegeben, so dass sie erst viele Jahre später von der Existenz des anderen erfahren.
Während Michel in der Schule erfolgreich ist, aber immer still und zurückgezogen bleibt, wird Bruno ab einem Alter von zwölf von seinen Mitschülern mißhandelt. Von seiner Großmutter durchgefüttert, ist er unsportlich und bei den Mädchen unbeliebt.
Im Laufe des Romans spitzen sich die frühen Probleme zu. Michel wird ein autistischer Wissenschaftler, der sein Leben einzig zwischen seinem Labor, dem Minimarkt und seiner Wohnung verlebt. Bruno verdrängt sein unerfülltest Leben durch Sex.
Aber sowohl Michels als auch Brunos Leben nehmen überraschende Wendungen...
Das Buch bespricht mit (zuerst nicht auszumachendem) Mitgefühl die Probleme der Protagonisten (nicht zuletzt trägt das Buch autobiographische Züge); dabei gelingt es ihm, aktuelle gesellschaftliche Phänomene präzise darzustellen. Ein gutes Beispiel ist dafür die Darstellung der gesellschaftlichen Differenzierung nach Geld und Aussehen.
Ich hoffe, ich habe euch neugierig gemacht!
A. Th. Sonnleitner: Die Höhlenkinder
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[Dieser Beitrag vom 15.11.2004 ist Alessandras
Posting in diesem Thread entnommen.]
(1) Der AUTOR in einem Satz
- Sein bürgerlicher Name war Alois Tluchor, er wurde am 25.04.1869 in
Daschitz (Böhmen) geboren, starb am 02. 06. 1939 in Perchtoldsdorf (NÖ) und wirkte - nach schwerer Jugend - sein Leben lang als Lehrer; zuletzt als Bezirksschulrat in Wien.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Die Geschichte zweier Kinder, die nach einer Flucht in ein verlassenes Hochgebirgstal, von der Außenwelt abgeschnitten, um ihr Überleben kämpfen und dabei die Entwicklung der Menschen nachvollziehen.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Interessant und lehrreich.
(4) "Besprechung"
- Verglichen mit dem gängigen Schreibstil moderner Kinder- und Jugendbücher, mutet Sonnleitners Schreibstil wortprächtig und veraltet an, jedoch liest man sich schnell ein und dann wächst Sonnleitners Sprache mit dem Inhalt zusammen. Deshalb sind die Höhlenkinder "zeitlos" zu lesen.
Nach Evas und Peters Flucht in ein Hochgebirgstal in den Dolomiten, suchen sie Unterschlupf in einer Höhle, jagen, sammeln Nahrung und lernen, wie man Feuer und Kleidung macht, und sich vor Raubtieren schützt. Sie lernen, eine Pfahlhütte und später ein Steinhaus zu bauen.
Die Geschichte umweht einen Hauch von Robinson Crusoes Abenteuer mit einem Spritzer "Blaue Lagune".
Leon de Winter: Hoffmans Hunger
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[Alle Beiträge dieses Artikels sind
der ersten Runde des UNICUM-
Buchlesekreises entnommen]
(1) Der AUTOR in einem Satz
- Leon de Winter hat vom Prag des Jahres 1989 vermutlich weniger Ahnung als ich vom Warschau des Jahres 1988[, außerdem läßt er Hoffman] Dinge über die Deutschen sagen bzw. beschreibt sie mit Worten, die vielleicht geeignet sind, den Absatz des Buches in den Niederlanden zu fördern; ich hätte mich jedoch geweigert, dieses Buch ins Deutsche zu übersetzen.
Astir
(2) Der INHALT in [beinahe] einem Satz
- Seite 65: Wann passiert endlich was
Seite 130: Es passiert immer noch nix.
... 2 Wochen Lesepause ...
Seite 365: Es ist eigentlich nix passiert.
Astir
- Es beginnt eigentlich recht spannend: Der dicke Freddy Mancini in Prag, der im wahrsten Sinne fleischgewordene Kapitalismus in einer tristen-sozialistischen osteuropäischen Stadt. Er beobachtet durch Zufall ein Entführung und seine manische Fressgier hat durchaus humorvolle Züge. Im zweiten Kapitel jedoch wendet sich de Winter einer anderen Figur, Felix Hoffmann, zu und im Folgenden, den ganzen Rest des Buches weiß man nicht, ob „Hoffmanns Hunger“ ein Spionagethriller oder ein Familien- / Beziehungsmelodram sein soll, so schlingert das Buch einen Zickzackkurs.
Thomas Bernhard
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- das buch liest sich sehr zusammenrecherchiert, na ein glück kann man nicht die kaffeepausen vom leon rauslesen (obwohl ich an manchens tellen schon böse verdachtsmomente hatte).
jodoca
- Schon damals [vor anderthalb Jahren] kam mir das ganze Buch ziemlich belanglos vor, ich habe es gelesen und fertig und dann auch wieder vergessen.
MissMarple
- Ein fahriger Roman, gerade noch akzeptable Unterhaltungsprosa, aber nicht mehr.
Thomas Bernhard
- Dieses war mit weitem Abstand das mieseste Buch, das ich jemals gelesen habe[;] (und das, beim Großen Gasförmigen, will echt was heißen).
Astir
(4) "Besprechung"
- interessant finde ich die kapitelüberschriften und, dass es keine stupiden ablaufbeschreibungen gibt (er ging um die Ecke, da traf er auf sie und dann gingen beide nen kaffee trinken, hatten daann im hotel sex, erst gleich hinter der tür, dann noch aufm bett, dass es nicht so unbenutzt aussieht und dann nach ner erfrischung aus der schlechtbestückten minibar nochmal im wandschrank und gingen dann nochmal kaffee trinken, aber diesmal nur in der schäbigen hotelbar.) stichwort sex, mir isses ein bißchen zuviel im buch. aber man kann es lesen, es verursacht keine magenkrämpfe und keinen abnormalkonsistenten stuhlgang (haha), ich finde die behandlung der figuren gut, aber ob ich mir ein zweites buch von diesem knilch (er hatte schon wieder ne kolumne in der brigitte ...) antue ist noch schwerstens zu überlegen.
jodoca
- Kaum 10 % der Worte sind den Ereignissen gewidmet. Die Figuren nehmen hingegen den weitaus größten Raum ein. Da sollte man doch erwarten, dass ein Schriftsteller, der seinen Figuren so viel Platz einräumt, ihnen auch einen ähnlich hohen Anteil an Aufmerksamkeit und Liebe schenkt. Wir finden aber keines jener liebevollen Worte mit denen zum Beispiel Karl May seine oft schrulligen Figuren wie Halef Omar, Edeward Franke oder Jakob Pfefferkorn beschreibt.
Stattdessen entdecken wir einen Mangel an Präzision. Ein Sauberkeitsfanatiker raucht nicht, und ein Mensch der länger als 14 Tage ohne anständigen Schlaf auskommen muss, ist nicht mehr in der Lage, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen.
So schleppen sich die Seiten dahin, auf denen wir ständig mit kaputten Typen konfrontiert werden, bei denen wir uns im Verlauf des ganzen Romans nicht entscheiden können, ob wir sie bemitleiden oder verachten sollen; nach 200 Seiten kotzen sie einen nur noch an.
Astir
- Man erfährt viel über den Hintergrund und die Geschichte der Hauptpersonen: Felix Aaron Hoffmann, Mancini, John Marks. Leider macht de Winter den Fehler, diese Personen (größtenteils jedenfalls) zu beschreiben, anstatt sie handeln zu lassen und damit dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Bild zu machen, eine Meinung zu bilden. Das führt zu der etwas grotesken Situation, daß einem die Nebenfiguren im ersten Teil des Buches weit vertrauter und glaubwürdiger erscheinen als die Hauptpersonen. Was dabei de Winter m.E. gut gelungen ist, ist darzustellen, daß Menschen de facto keinen wirklich freien Willen haben, sondern innerhalb ihr Verpflichtungen, Ängste, Träume und Sehnsüchte nur einen geringen Spielraum haben. Freddy Mancini und Hoffmann scheitern an ihrer körperlichen Gelüsten (Hoffmann gleich in zwei Aspekten) und John Marks hat sich in eine Art selbstgebautes Gefängnis zurück gezogen. Dieser Marks ist, finde ich, die interessanteste Person in „Hoffmanns Hunger“, wird aber vom Autor recht stiefmütterlich behandelt. Trotz seiner leicht bizarren Schrullen empfinde ich durchaus Mitgefühl und Sympathie für ihn und da beschleicht mich der Gedanke, daß das so vom Verfasser nicht gedacht war. Im Grunde hat er - im Gegensatz zu Mancini und Hoffmann - den Kampf nicht aufgegeben, auch wenn er sich nun in einem lebenslangen Belagerungszustand befindet.
Thomas Bernhard
- Die banalen Rückblenden sind für den Fortgang der eigentlichen Handlung größtenteils irrelevant. Was interessiert es mich und wo ist es wichtig für die Handlung, ob der niederländische Fresssack mal im Suff in Khartoum die Hütte einer Negerhure abgefackelt hat?
Astir
Jan Graf Potocki:Die Handschrift von Saragossa od. Die Abenteuer in der Sierra Morena
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Jan Graf Potocki, 1761-1815, deutsch-polnisch-französischer, eigentlich europäischer Offizier und vor allem Geschichtswissenschaftler, ein Freigeist und Idealist, wahrscheinlich im Alter ziemlich schrullig, aber wohl ein hervoragender Historiker und talentierter Romancier...
(2) Der INHALT in einem Satz
- Eine Kompilation vieler verschiedener Erzählungen, "gothic novels" und Abenteuerschilderungen, die überwiegend im Spanien des 18.Jahrhunderts spielen, eingebettet in eine spannende Rahmenhandlung um den wallonischen Offizier Allfons von Worden, der 66 Tage in der Sierra Morena, einer unwirtlichen Gegend südlich von Madrid, aufgehalten wurde.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Ein Werk, fesselnder als das abnutzte "1001 Nacht", besser als "Don Quichotte", meiner Meinung nach ein Muss für jeden, der die phantastische Literatur schätzt.
(4) "Besprechung"
- Das Buch ist komplex. Die Geschichten sind zwar äußerst unterhaltsam, aber auch oft so ineinander verschachtelt, daß man "Die Handschrift von Saragossa oder die Abenteuer in der Sierra Morena" am besten in einem Zug lesen, oder zumindest nicht allzu viel Lesepausen machen sollte. Es erfordert ein wenig Konzentration und belohnt dadurch mit einer den meisten von uns wohl unbekannten Welt des Spaniens und der Spanier des 18.Jhdts - geprägt vom Katholizismus, noch beeinflußt von der langen, arabischen Besetzung und voll von kuriosen Gestalten, die auf- und abtreten. Etwas Blümchen-Erotik ist auch dabei und ich bin geneigt zu sagen, daß die "Die Handschrift von Saragossa oder die Abenteuer in der Sierra Morena" annähernd so gut ist wie E.T.A. Hoffmanns "Die Elexiere des Teufels".
Übrigens ist der Anhang und die Editionsgeschichte des Werkes fast so spannend wie das Werk selbst!