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Buchempfehlungen
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Dieser Faden greift das schon mehrfach zutage getretene Interesse mancher Unicate auf, sich von den Lektüreerfahrungen anderer für Bücher, die bisher außerhalb ihres Gesichtsfelds lagen, begeistern zu lassen.
Um künftige Beiträge dieser Art zu strukturieren & eine leichte Wiedererkennung des Aufbaus einer Kurzrezension zu ermöglichen, bitte ich Euch, einfach den nachfolgenden "Dummy" immer in seiner Formatierung zu übernehmen ("Zitieren"-Button) - zumindest aber seine Gliederung! - und schlicht Euren Text an die Stelle der Xe zu setzen.
In die "Betreff"-Zeile setzt Ihr einfach Autor und Buchtitel.
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Wenn Euch das Formatieren zu umständlich
ist, macht Euch keinen Wasserkopf, stellt die
Rezension einfach "nackt" rein, ich erledige
dann nachträglich das Layout für Euch . . .
(s. a. POSTSCRIPT.2)
OM! Sammelt Euch, streift Eure Bücherregale entlang & macht eifrig mit!
Länge der Beiträge = Jacke wie Hose, d.h. Wurst.
Es freut sich auf anregende "Einsätze"
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I. Unersättliche Leseratten seien noch auf einen älteren (ungeordneten) Sammelfaden ähnlichen Anliegens hingewiesen, in dem auch schon - in aller Kürze - Werke unterschiedlichster Couleur empfohlen wurden.
II. Ausgesprochenen Science Fiction Fans sei außerdem dieser Thread ans Herz gelegt.
III. Kinderbuch-Liebhaber mögen hier mal vorbeischauen.
IV. Vor manchen Büchern kann man nur warnen.
V. Auch Erotomanen werden bei uns bedient.
VI. Wer's gern ausführlicher und polyphon hätte, wird vielleicht in der aktuellen Runde des von unserem Thomas Bernhard ins Leben gerufenen Buchlesekreises fündig.
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Kümmert Euch gar nicht um die Buchcover; die füge ich, nachdem Ihr Euren Text reingestellt habt, ein. So wird die Wiedererkennung, sollte mal jemand zufällig und mit genügend Geld in der Hose auf eines der hier vorgestellten Bücher stoßen, erleichtert.
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Natürlich könnt Ihr in diesem Thread auch die vorgestellten Bücher diskutieren und nachträglich die Besprechungen anderer mit Anmerkungen versehen! Ich kennzeichne diese Eure Beiträge später mit dem nachfolgenden Emblem; schreibt aber bitte in die Betreff-Zeile so etwas wie "Zu: Johann Wolfgang v. Goethe - Faust III", dann weiß jeder gleich, wo der Hase hin will, z.B.:
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Bisher wurde uns an's Herz oder direkt auf den Kompost gelegt:
01. SÁNDOR MÁRAI: "Die Glut" - von S. Anders
02. DANIEL CLOWES: "Wie ein samtener Handschuh in eisernen Fesseln" - von Thomas Bernhard
03. MAXIE WANDER: "Leben wär' eine prima Alternative" - von Thomas Bernhard
04. DAN SIMMONS: "Die Hyperion-Gesänge" - von S. Anders
05. GEORGE ORWELL: "1984" & ALDOUS HUXLEY: "Brave New World" - von Iron(ic)man
06. BILL BROADY: "Schwimmerin" - von wassersucht
07. JOHANNES K. SOYENER: "Der Schatten des Kaisers" - von jochen6s
08. RAINER WEKWERTH: "Traumschlange" - von Dandole (Gast)
09. JASPER FFORDE: Div. (Thursday Next) - von KansasGirl
10. MICHEL HOELLEBECQ: "Elementarteilchen" - von Pi34
11. A. TH. SONNLEITNER: "Die Höhlenkinder" - von Alessandra
12. LEON DE WINTER: "Hoffmans Hunger" - vom Buchlesekreis (Kollektiv)
13. JAN GRAF POTOCKI: "Die Handschrift von Saragossa (...)" - von Thomas Bernhard
14. KÖNIGIN NOOR VON JORDANIEN: "Im Geist der Versöhnung" - von Schaumkrone
15. MICHEL HOELLEBECQ: "Die Möglichkeit einer Insel" - von Pi34
16. JOHN IRVING: "Witwe für ein Jahr" - vom Buchlesekreis (Kollektiv)
17. BRET EASTON ELLIS: "Glanorama" - von Thomas Bernhard
17. MÖTLEY CRÜE: "The Dirt" - von Kuschelmonster
18. KLAUS KINSKI: "Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund" - von Thomas Bernhard
19. IRVIN D. YALOM: "Die Schopenhauer-Kur" - von Pi34
20. WILHELM GENAZINO: "Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz" - von Thomas Bernhard
21. JOHN FANTE: "Westlich von Rom" - von Thomas Bernhard
22. MURIEL SPARK: "Mädchen mit begrenzten Möglichkeiten" - von MissMarple
23. YANN MARTEL: "Schiffbruch mit Tiger" - von china
24. HERMAN MELVILLE: "Moby-Dick" - von Thomas Bernhard
25. THOMAS BERNHARD: "Wittgensteins Neffe" von HumanTouch
26. PETER HOEG: "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" von miss smilla
27. SUE WILLIAM SILVERMANN: "Liebessucht – eine Frau überwindet ihre Abhängigkeit vom Sex" von motion
28. PAUL NIZON: "Das Fell der Forelle" von Wintermerz
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Autor: Buchtitel
(1) Der AUTOR in einem Satz
(2) Der INHALT in einem Satz
(3) Mein FAZIT in einem Satz
(4) "Besprechung"
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Sándor Márai: Die Glut
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Sandor Márai, 1900 in Kaschau (heutige Slowakei) geboren, hatte einen langen politischen durch das ganze damalige Europa führenden Irr(lebens)weg hinter sich, bis er - einigermaßen erfolglos als Schriftsteller - 1989 in den USA seinem Dasein ein Ende setzte.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Nach 40 Jahren des Wartens kommt es für den General Henrik endlich zum schicksalhaften Wiedersehen mit seinem Freund Konrád, den er seit dessen überstürzter Flucht damals, nach einem ominösen Jagdausflug und einer heimlichtuerischen Aussprache mit Henriks Frau, nicht mehr zu Gesicht bekommen hat.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Ein großer romanesker Monolog als ein fabelhaftes, neu zu entdeckendes Stück Weltliteratur!
(4) "Besprechung"
- Dieses Buch entspinnt einen ganz eigenen Zauber. Die schlichte schnörkellose Sprache bildet den dunklen Glanz der späten k.u.k.-Zeit, in der die "Handlung" spielt, die Dekadenz, mehr noch, hintergründige Fäule von Landsitz und Leben des Generals, derart unmittelbar ab (sein ganzes Leben, sein ganzes Umfeld ist ihm nur noch Bühne, um das Zusammentreffen, die finale Auseinandersetzung mit Konrád inszenieren zu können), dass sie den Leser einerseits ungeheuer modern & direkt angeht, andererseits an Stellen voll von Zeitkolorit oder Gedankenparaphrasierungen desto bestürzender Wirkung entfalten kann.
Den Hauptanteil des Buches macht die Rede Henriks aus, in welcher er, in der Nacht des "Showdowns", die vierzig Jahre zurückliegenden Ereignisse wieder aufrollt; sein militärgeprägtes Leben; ihrer beider Freundschaft; die Liebe zu Krisztina, die, man ahnt es, ein nicht unproblematisches Eigengewicht in das fragile Spannungsfeld dieser beiden so ungleichen Männer bringen wird.
Die Erzählweise ist gewöhnungsbedürftig. Was in der dritten Person beginnt ("Am Vormittag hielt sich der General lange in seinen Kellereien auf."), wird kaum merklich zur Erzählung eines alten Mannes in der ersten Person. Die Erwiderungen Konráds lassen sich an einer Hand abzählen. Er ist nicht gekommen, um zu reden, sondern um zuzuhören, um dem anderen die Gelegenheit zu geben, sich und ihn selbst von der Last von vierzig Jahren der Ungewissheit und von der Last der eigenen Schuld zu befreien.
Das Buch entwickelt urplötzlich einen ungeheuren Sog. Man kann kaum die Hände vom Vorblättern zurückhalten. Was ist auf der Jagd passiert? Was hatte Konráds Flucht zu bedeuten? Welche Rolle spielte Krisztina, die bald darauf starb?
Nichts ist so einfach, wie es anfangs den Anschein hat. Mit einer unerhörten Leichtigkeit führt dieses Buch den Beweis, dass nichts so kompliziert ist, wie eine (scheinbar?) unverbrüchliche tief empfundene Freundschaft, selbst die Liebe nicht.
Thomas Wirtz (F.A.Z.): "Sándor Márai hat einen grandiosen, einen quälenden Gespensterroman geschrieben, einen Totengesang der Überlebenden, denen die Wahrheit zum Fegefeuer geworden ist. Die Glut hat ihnen das Leben zur Asche ausgebrannt."
Wunderbar!
(Piper. 2003 [7]. 8,90 €)
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Daniel Clowes: Wie ein samtener Handschuh in eisernen Fesseln
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Zitat: "I'm trying to step into my own subconscious and trying to see what kind of images and ideas excite me and scare me and effect me emotionally."
(2) Der INHALT in einem Satz
- Den Inhalt von "Like a velvet glove cast in iron" (so der Originaltitel) in einem Satz zu sagen ist so unmöglich, wie jemand zu finden, der erschöpfend und plausibel erzählen könnte, was in David Lynchs "Lost Highway" oder in "Mullholland Drive" geschehen ist. Man könnte auch sagen, das Buch hat keinen Inhalt, es ist eine Aneinandereihung von bizarren Alpträumen.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Widerlich, faszinierend, angsteinflößend.
(4) "Besprechung"
- "Wie ein samtener Handschuh in eisernen Fesseln" ist zarten Gemütern nicht zumutbar. Natürlich muß man sich darauf einlassen können, wollen, sicherlich gibt es Menschen, die das Werk als ausschließlich eklig empfinden oder einfach nur verwirrend, denn jedesmal, wenn man glaubt, wenn die Hauptfigur glaubt, etwas endeckt zu haben, an der sie sich festhalten kann, an das man sich orientieren kann, zerfällt dieserr Faden zu Staub und man ist verstörter als zuvor. Wer es mit dem Autor etwas ruhiger angehen lassen will, kann es zunächstmal mit "Ghost World" versuchen, ein Buch, das vor einigen Jahren auch sehr gut mit Steve Buscemi, Thora Birch und Scarlett Johannsson in den Hauptrollen in einem gleichnamigen Film umgesetzt wurde.
Nachtrag auf Anfrage: "Wie ein samtener Handschuh in eisernen Fesseln" ist der Titel der deutschen Ausgabe. Bei Amazon kriegt man es tatsächlich nicht, das habe ich auch schon versucht, aber so viel ich weiß, direkt über Reprodukt.
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Maxie Wander: "Leben wär' eine prima Alternative" (dtv)
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Maxie Wander, österreichische Schriftstellerin, *1933 in Wien, gest.1977 in Kleinmachow (bei Berlin)
(2) Der INHALT in einem Satz
- Non-fiktive Prosa, das Buch enthält Briefe und Tagebucheintragungen der Autorin.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Auf eine im Gegensatz zu den im Buch geschilderten Ereignissen widersprüchliche Art lebendig und unterhaltsam.
(4) "Besprechung"
- Wenn mir jemand von dem Buch erzählt hätte und mir gesagt hätte, es sei von einer "West-"Schriftstellerin, die freiwillig und zusammen mit ihrem Ehemann 1958 in die DDR gezogen sei und dann auch noch relativ jung an Krebs gestorben ist und das dies in dem Buch thematisiert sei, dann hätte ich gesagt: Igitt, so eine idealistische Schicksalsschmonzette rühr' ich nicht mit der Beißzange an. Aber so war es nicht. Ich habe das Buch eher zufällig in der Stadtbibliothek in die Hand bekommen und da ich grundsätzlich keine Klappentexte lese, wußte ich erstmal von nichts. Und was ich bekommen habe, waren die Briefe und Aufzeichnungen einer äußerst interessanten Frau, lebendige Aufzeichnungen, schnörkellose, keinesfalls jammerhafte Aufzeichnungen. Zum ersten Mal habe ich sogar ein ganz klein wenig eine Ahnung davon bekommen, wie Frauen denken, auch wenn mir natürlich bewußt ist, daß das nur EINE Frau ist, war, und was ich damit sagen will ist folgendes: In erster Linie sind das Tagebücher und Briefe einer FRAU, einer Schriftstellerin, die formulieren kann, was sie reflektiert, und das macht das Buch interessant, nicht die DDR und nicht der Krebs.
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Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge [SF]
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Simmons wurde 1948 in Illinois, USA, geboren, hatte er bisher nur Werke geringeren Umfangs veröffentlicht, so gelang ihm mit Veröffentlichung seines Hyperion-Zyklus' (1989) ein völlig unverhoffter Rundumschlag im Bereich der Science Fiction, der ihn sofort berühmt machte und andere Autoren das Zittern lehrte.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Auf dem weit von anderen Welten entfernt liegenden Planeten Hyperion wächst sich ein (nur) scheinbarer Aberglaube zu einer ernsthaften Bedrohung der gesamten Menschheit aus: Das "Shrike", der Herr der Schmerzen, ist nicht länger an die "Zeitgräber", die eigentliche (Kult)Stätte seines Wirkens, gebunden.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Ungeheuer originelle Science Fiction.
(4) "Besprechung"
- Die Erde ist zerstört, die Menschheit in die Weiten des Raums zerstreut und auf Gedeih und Verderb dem "Core", einer selbständig gewordenen fast universell zu nennenden Maschinenintelligenz ausgeliefert, weil ohne deren "Farcaster-Portale" die gigantischen Räume zwischen den besiedelten Welten nicht ohne immensen Zeitverlust überbrückbar wären. So ist es reichen Netz-Bürgern möglich, ein Haus zu unterhalten, dessen Wohnzimmertür in einen Medienraum im 150. Stockwerk auf Lusus führt, dessen Badezimmertür hingegen auf eine luxuriös ausgestattete Barke auf Hebron oder anderswo. Ein Schritt und man ist dort.
Der Core ist überdies in der Lage annähernd 100%ig zuverlässige Zukunftsprognosen zu stellen, mit der Einschränkung, dass der dem Roman seinen Titel gebende Planet Hyperion in allen Prognosen einen nicht zu unterschätzenden Unsicherheitsfaktor darstellt; die Vorgänge dort, die Artefakte der Zeitgräber, das Wesen des "Shrike" - alles bleibt obskur, unverständlich und beängstigend fremd. Jeder Seite.
Als es zum lange erwarteten Krieg zwischen "alter" Menschheit und Oustern (mutierten, neuen Lebensbedingungen angepassten Menschen-Rassen) kommt, wird ein letzter Pilgerzug zu den Zeitgräbern, um deren Bewohner, das Shrike, ein eigenständiger religiöser Kult zelebriert wird, genehmigt. Keiner der Pilger ist sich über die ihm zugedachte Rolle im großen schicksalhaften Showdown zwischen Core, Menschen, Oustern und Shrike im Klaren.
Dies zu ergründen ist Zweck der Erfahrungsberichte, die jeder der sieben Pilger im ersten Buch, "Hyperion", den anderen liefert, als sie unterwegs sind zum Shrike; jeder der sieben steht in einer ganz eigenen - am Ende vielleicht alles entscheidenden - Beziehung zu dem Planeten und seinem Geheimnis.
Todsünde für einen Autor, möchte man meinen, den Leser mit (scheinbar) zusammenhanglosen Lebensbeichten zu quälen... weit gefehlt! Simmons gelingt das Kunststück, jeder dieser Episoden einen eigenen fesselnden Anstrich zu verleihen, eine individuelle, die erzählende Figur und ihr Leben charakterisierende Stimme. Jede Geschichte entwickelt auf ganz eigene Weise ihren Sog. Spionage, Liebe, Mord, Sex, Familie, Krieg - alles da. Und wie! Das wird nie langweilig, obwohl, oder gerade weil man andauernd nach alles verbindenden Fäden und Gemeinsamkeiten sucht.
Diese liefert das zweite (in diesen Sammelband von HEYNE integrierte) Buch "Hyperions Sturz". Der Krieg bricht aus. Die Action greift um sich. Der Erzählton ist plötzlich ein ganz anderer; er springt zwischen den Figuren und Schauplätzen, als gälte es ein unverändert abdrehbares Filmdrehbuch zu entwerfen. Hyperion, die Zeitgräber öffnen sich. Cut. Tau Ceti Center, Regierungssitz der Hegemonie, dramatische Lagebesprechung zwischen Meina Gladstone und ihren Generälen. Cut. Severn, Cybrid des prä-hegemonialen Dichters John Keats, klinkt sich in die Datensphäre des Core ein, um Ummon, eine kryptische Maschinenintelligenz usw. usf.
Simmons herausragende Stärke, das was ihn vor anderen Autoren der SF auszeichnet, speziell vor grandiosen Ideenkonstrukteuren wie Lem und Asimov, ist seine Visualität. Schon sein erster Satz explodiert nahezu vor visuellen Einfällen:
"Der Hegemoniekonsul saß auf dem Balkon seines Ebenholzraumschiffs und spielte Rachmaninoffs Prelude in cis-Moll auf einem uralten, aber gut erhaltenen Steinway, während sich große grüne Saurierwesen unten in den Sümpfen drängten und heulten."
Das Faszinierende:
Er hält diese Originalität durch bis zum Schluss!
Auch wenn man vielleicht einmal zu oft von vor Angst/Schreck sich in den Körper flüchtenden Hoden lesen musste - das will ich aber der HEYNE-typischen überhasteten Übersetzung zuschreiben (wie einige Rechtschreibfehler auch) - bleibt dieser Wälzer (1450 Seiten) und seine bunten Charaktere, der desillusionierte Ex-Konsul Hyperions, die kraftgeladene lusische Privatdetektivin Lamia Brawne, der schwindsüchtige Priester Hoyt, der schweinische alte Dichter Martin Silenus, die sympathische Reinkarnation John Keats' u. alle anderen, lange lange lange haften.
Die Baumschiffe der Tempelritter. Der Traurige König Billy. Der Ouster-Schwarm. Die schwimmenden Inseln Maui-Covenants. Alles ist so plastisch und kräftig koloriert, dass einem die Augen übergehen möchten in dieser Detail-Fülle.
STEPHEN KING: "Dan Simmons schreibt wie ein Gott. Ich kann kaum sagen, wie sehr ich ihn beneide."
(Simmons, Dan. Die Hyperion Gesänge [mit einem Vorwort von Alastair Reynolds].
Heyne, München. 2003. 15 Euro. ISBN 3-453-21528-1)
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Das mit der Formatierung ist mir jetzt zu aufwendig, aber:
George Orwell:
"1984"
http://images-eu.amazon.com/images/P...3.MZZZZZZZ.jpg- Überwachung bis man den großen Bruder liebt, man kann nicht entkommen und man kann nicht mehrr unterscheiden was wahr oder falsch ist.
Aldous Huxley:
"Brave New World" (Schöne Neue Welt)
http://images-eu.amazon.com/images/P...3.MZZZZZZZ.jpg- Man wird als Fötus schon für seine Lebensaufgabe konditioniert und in ein nicht zu veränderndes Kastensystem eingebaut, das nur einem Zweck dient... (hab's noch nicht zu Ende gelesen)
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Bill Broady: "Schwimmerin"
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(1) Der AUTOR in einem Satz
(2) Der INHALT in einem Satz
- Aufschwung und Fall einer englischen Schwimmerin
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- außergewöhnlich, in "du"-Form geschrieben und sehr ansprechend
(4) "Besprechung"
- Ein junges Mädchen aus Nord-London liebt Schmetterlinge über alles. Ihre Eltern sind ziemlich eigenartig. Ihre Mutter ist alkohol-abhängig und ihr Vater weiß zwar "alles" ist aber arbeitslos. Sie selbst sieht richtig gut aus und ist Einzelgängerin, sehr verschlossen.
Sie kommt zum Schwimmen, weil der Schwebezustand im Wasser dem Gefühl des Fliegens ähnelt. Sie ist richtig gut, kommt auf ein Sport-Internat und wird Delphin-/Schmetterlingsschwimmerin. Auch dort ist sie wieder Einzelgängerin, bekommt mehrere Spitznamen, u.a. "Psycho". Sie gewinnt mehrere entscheidene Meisterschaften, z.B. den "Commonwealth". Mit 19 allerdings muss sie feststellen, dass andere jüngere Schwimmerinnen schneller werden als sie. Sie hört mit dem Schwimmen auf und macht aufgrund ihres Aussehens "PR". Das Verhältnis zu ihren Eltern wird immer schlechter.
Der innere Verfall wird immer größer. Sie träumt noch, aber ihre Träume sind unrealistisch und ihre Wahrnehmung sehr verschwommen.
Es ist eine interessante Geschichte, gut geschrieben, nicht zu weit ausholend und sehr fesselnd. Unbedingt lesenswert!
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Johannes K. Soyener: Der Schatten des Kaisers
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Johannes K. Soyener ist bekannt für seine historischen Romane aus der europäischen Geschichte. Sein erstes Werk erschien 1994, seither hat er vier Romane und ein Fachbuch geschrieben.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Der historische Roman beschäftigt sich mir dem Leben des französischen Chriurgen Jean-Dominique Larrey der viele Jahre unter Napoleon diente und ihn auf seinen zahlreichen Feldzügen begleitet hat.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Trotz leichter Schwächen kann ich das Buch als gute Lektüre empfehlen, es wird den einen oder anderen Abend unterhalten können. Ausserdem hat der Autor ausgezeichnet recherchiert.
(4) "Besprechung"
- Eine komplette Besprechung habe ich unter http://webcritics.de/criticism/book.php?isbn=3785721757 veröffentlicht:
Zitat:
Zitat von jochen6s auf webcritics.de
Johannes K. Soyener ist bekannt dafür, sich „außergewöhnliche historische Gestalten in dramatischen Epochen der europäischen Geschichte“ als Protagonisten für seine historischen Romane auszusuchen. Für sein aktuelles Werk bleibt er dieser Linie absolut treu:
In „Der Schatten des Kaisers“ begleiten wir Jean-Dominique Larrey bei seinem Rückblick in die Vergangenheit, von seiner kurz geschilderten Kindheit in den französischen Pyrenäen über seinem Weg nach Paris und der Ausbildung, die er mit brennendem Ehrgeiz und in relativer Armut verfolgt.
In Paris erlebt er die blutige Französische Revolution und die Erstürmung der Bastille aus nächster Nähe. Sehr früh begegnet Larrey dem jungen Napoléon Bonaparte, der damals noch ein einfacher Offizier ist. Seit dieser ersten schicksalhaften Begegnung begleitet er Napoléon während seiner gesamten Karriere als Feldherr und Staatsmann auf über 20 Feldzügen vom heißen Ägypten bis zum kalten Russland und historischen Gefechten wie der Völkerschlacht bei Leipzig oder Waterloo. Er ist jedoch kein Soldat, Spion oder Berater sondern als Chirurg und gegen Ende auch als Chefchirurg der kaiserlichen Garde tätig. Getrieben von einer Schuld aus jungen Jahren, kämpft seine persönliche Schlacht gegen die schrecklichen Zustände der verletzten Soldaten während und nach der Schlacht und macht dabei auch viele wertvolle Entdeckungen für die Medizin.
Im Nachhinein betrachtet, hat die Geschichte des Chirurgen Jean-Dominique Larrey viel Spaß gemacht, ich habe das Buch trotz seiner 600 Seiten ganz schön schell verschlungen. Die Geschichte ist spannend, wenn auch etwas vorhersehbarer als in „Der Meister des siebten Siegels“ (eine Besprechung von mir findet sich auch auf webcritics). Zur Spannung trägt auch die gute Erzählweise des Autors bei, gerade bei den detaillierten Beschreibungen der Verletzungen und Behandlungen durch Larray beflügelt er die Phantasie doch sehr stark, was empfindsameren Lesern doch auf das Gemüt schlagen könnte. Einige Bemerkungen bleiben jedoch:
Der Held war mir am Anfang der Geschichte doch sehr unsympathisch, ich kann jedoch nicht sagen, ob das durch den Autor gewollt war. Dafür, dass er gerade „vom platten Land“ in die Stadt gekommen ist, kommen seine Meinungen schon sehr arrogant daher. Könnte aber auch an der Perspektive des Erzählers liegen und ändert sich auch mit der Entwicklung von Larray.
Ein Zentrales Motiv, das Schlachtengetümmel und die Versorgung der Versehrten wiederholt sich im Verlauf des Buches erstaunlich oft, da Larray sein halbes Leben auf dem Schachtfeld verbringt. Auch wenn der Autor sehr viel Kreativität an den Tag legt, jedes mal eine neue erstaunliche Verletzung zu erwähnen und das Streben von Larray, den Soldaten zu helfen, schon fast mitreißend ist, wird es manchmal doch etwas eintönig. Die Geschichte bleibt jedoch durch die gut erzählten persönlichen Verstrickungen und Machtkämpfe sehr unterhaltsam, die auch auf den Feldzügen ausgetragen werden.
Für einen historischen Roman ungemein wichtig ist auch, dass er authentisch und gut recherchiert ist. Hier hat Johannes K. Soyener mal wieder eine Meisterleistung abgeliefert, ein Blick in die ausführliche Literaturliste und in die Danksagungen sollte an dieser Stelle genügen.
Als Fazit bleibt zu sagen, dass der Roman trotz der vorhandenen, leichten Schwächen immer noch absolut empfehlenswert ist, da er gut recherchiert und spannend erzählt is. Wer also eine gute Lektüre für Winterabende sucht, ist mit diesem Buch sehr gut beraten, durch den gut gestalteten Einband macht es sich auch wunderbar im Bücherregal.
Viele Grüße
Jochen
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Rainer Wekwerth "Traumschlange"
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Hallo, bin neu hier und blicke noch nicht ganz durch. Als Einstieg in dieses Forum möchte ich eine Buchkritik zu Rainer Wekwerths "Traumschlange" schreiben:
(1) Der AUTOR
(2) Der INHALT
- Phantastischer Thriller, Fischer Verlag. (Inh. s. u.)
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Für mich ist "Traumschlange" nicht nur der packendste Roman des Jahres, es war zugleich das spannendste Buch, das ich je gelesen habe.
(4) "Besprechung"
- Traumschlange spielt an dem derzeit wohl ungewöhnlichsten und exotischsten Schauplatz der Welt - Haiti. Abby Summers, die Heldin des Buches, will den Leichnam ihrer auf Haiti verstorbenen Schwester zurück nach London holen. Sie erwartet eine Insel voller Karibikromantik findet aber die Hölle auf Erden vor. Die Leiche ihrer Schwester ist verschwunden, Behörden betrügen und belügen sie und da taucht ein fremder Mann auf, der alles zu sein scheint, was sich eine Frau nur wünschen kann. Aber auf Haiti ist nichts so wie es sein sollte und Abby kommt geheimen Voodoopraktiken auf die Spur, die ihre Schwester in eine lebende Untote verwandelt haben. Abby Summers nimmt den Kampf auf und der Horror beginnt.
Wekwerth zieht alle Register: Voodoo, lebende Untote, Gifte, Mörder und vieles mehr. Für alles entwirft er einen realen Hintergrund, so dass die Handlung glaubwürdig bleibt. Unerklärlichen Phänomenen gibt er eine wissenschaftliche Erklärung und er beweist sogar, dass es auf Haiti tatsächlich "Zombies" gibt, die auf Plantagen als Arbeitssklaven gehalten werden.
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Jasper FFORDE - div.
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mal was ungewöhnliches, was sehr lesenswert ist
(1) Der AUTOR in einem Satz
- Jasper FFORDE (ja mit zwei FF) - lebt in Wales und schreibt da Bücher - mehr weiss ich nicht; das Buch - besser die Bücher: mittlerweile vier Romane in einer Reihe über die und mit der Heldin Thursday Next "The Eyre Affair"; "Lost in a Good Book"; "The Well of Lost Plots"; "Something Rotten"
(2) Der INHALT in einem Satz
- (...oder vielen Stichwörtern): Bücher, das Leben in den Büchern, Zeitreisen, Gut gegen Böse, Vampire und Monster, klassische Englische Literatur; Dodos, Mammuts und Neanderthaler
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Süchtigmachend im höchsten Maße, allerdings haben sie die tendenz, entweder man mag sie oder man hasst sie, dazwischen gibt es kaum etwas.
(4) "Besprechung"
- Ausgangssituation: England 1984 - eine Art Parallelwelt, in der Bücher sehr ernstgenommen werden, Zeitreisen möglich sind, ein Großunternehmen mehr oder weniger díe Welt beherrscht, der Krimkrieg immer noch andauert und die Leute sehr sonderbare (sprechende Namen haben).Die Heldin, Thursday Next, hat das Talent in Bücher zu gehen. Dort erfährt sie nicht nur, dass Bücher nicht wirklich geschrieben werden, sondern dass eine eigene Welt, die Buchwelt, existiert - FOUCAULT und BARTES lassen Grüßen. Sie ist dort und in ihrer eigenen Welt in alle möglichen Abenteuer verwickelt. Es ist sehr schwer zu beschreiben, da es mit völlig neuen Ideen spielt - die ersten zwei Bände sind schon ins Deutsche übersetzt, aber ich denke, wegen zahlreicher Wortspiele sind sie im Original besser.
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Michel Hoellebecq - Elementarteilchen
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Michel Houellebecq ist ein geistreicher Autor, der mit seinen unterkühlten Romanen und seiner provokativen Ausdrucksweise seine Leser polarisiert.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Das Buch berichtet von zwei ungleichen Brüder, die wegen ihrer verdorbenen Kindheit Zeit ihres Lebens Sonderlinge bleiben.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Als ich das Buch zum ersten Mal las, war ich schockiert und verärgert; erst bei mehrfachem Lesen bekam ich ein Verständnis für die Komplexität und Tiefe des Romans.
(4) "Besprechung"
- Die Eltern von Michel und Bruno sehen in den beiden Kindern nur Hindernisse für ihre egoistischen Ziele. Kurz nach ihrer Geburt werden beide zu einem anderen Großelternteil gegeben, so dass sie erst viele Jahre später von der Existenz des anderen erfahren.
Während Michel in der Schule erfolgreich ist, aber immer still und zurückgezogen bleibt, wird Bruno ab einem Alter von zwölf von seinen Mitschülern mißhandelt. Von seiner Großmutter durchgefüttert, ist er unsportlich und bei den Mädchen unbeliebt.
Im Laufe des Romans spitzen sich die frühen Probleme zu. Michel wird ein autistischer Wissenschaftler, der sein Leben einzig zwischen seinem Labor, dem Minimarkt und seiner Wohnung verlebt. Bruno verdrängt sein unerfülltest Leben durch Sex.
Aber sowohl Michels als auch Brunos Leben nehmen überraschende Wendungen...
Das Buch bespricht mit (zuerst nicht auszumachendem) Mitgefühl die Probleme der Protagonisten (nicht zuletzt trägt das Buch autobiographische Züge); dabei gelingt es ihm, aktuelle gesellschaftliche Phänomene präzise darzustellen. Ein gutes Beispiel ist dafür die Darstellung der gesellschaftlichen Differenzierung nach Geld und Aussehen.
Ich hoffe, ich habe euch neugierig gemacht!
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A. Th. Sonnleitner: Die Höhlenkinder
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[Dieser Beitrag vom 15.11.2004 ist Alessandras
Posting in diesem Thread entnommen.]
(1) Der AUTOR in einem Satz
- Sein bürgerlicher Name war Alois Tluchor, er wurde am 25.04.1869 in
Daschitz (Böhmen) geboren, starb am 02. 06. 1939 in Perchtoldsdorf (NÖ) und wirkte - nach schwerer Jugend - sein Leben lang als Lehrer; zuletzt als Bezirksschulrat in Wien.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Die Geschichte zweier Kinder, die nach einer Flucht in ein verlassenes Hochgebirgstal, von der Außenwelt abgeschnitten, um ihr Überleben kämpfen und dabei die Entwicklung der Menschen nachvollziehen.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Interessant und lehrreich.
(4) "Besprechung"
- Verglichen mit dem gängigen Schreibstil moderner Kinder- und Jugendbücher, mutet Sonnleitners Schreibstil wortprächtig und veraltet an, jedoch liest man sich schnell ein und dann wächst Sonnleitners Sprache mit dem Inhalt zusammen. Deshalb sind die Höhlenkinder "zeitlos" zu lesen.
Nach Evas und Peters Flucht in ein Hochgebirgstal in den Dolomiten, suchen sie Unterschlupf in einer Höhle, jagen, sammeln Nahrung und lernen, wie man Feuer und Kleidung macht, und sich vor Raubtieren schützt. Sie lernen, eine Pfahlhütte und später ein Steinhaus zu bauen.
Die Geschichte umweht einen Hauch von Robinson Crusoes Abenteuer mit einem Spritzer "Blaue Lagune".
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Leon de Winter: Hoffmans Hunger
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[Alle Beiträge dieses Artikels sind
der ersten Runde des UNICUM-
Buchlesekreises entnommen]
(1) Der AUTOR in einem Satz
- Leon de Winter hat vom Prag des Jahres 1989 vermutlich weniger Ahnung als ich vom Warschau des Jahres 1988[, außerdem läßt er Hoffman] Dinge über die Deutschen sagen bzw. beschreibt sie mit Worten, die vielleicht geeignet sind, den Absatz des Buches in den Niederlanden zu fördern; ich hätte mich jedoch geweigert, dieses Buch ins Deutsche zu übersetzen.
Astir
(2) Der INHALT in [beinahe] einem Satz
- Seite 65: Wann passiert endlich was
Seite 130: Es passiert immer noch nix.
... 2 Wochen Lesepause ...
Seite 365: Es ist eigentlich nix passiert.
Astir
- Es beginnt eigentlich recht spannend: Der dicke Freddy Mancini in Prag, der im wahrsten Sinne fleischgewordene Kapitalismus in einer tristen-sozialistischen osteuropäischen Stadt. Er beobachtet durch Zufall ein Entführung und seine manische Fressgier hat durchaus humorvolle Züge. Im zweiten Kapitel jedoch wendet sich de Winter einer anderen Figur, Felix Hoffmann, zu und im Folgenden, den ganzen Rest des Buches weiß man nicht, ob „Hoffmanns Hunger“ ein Spionagethriller oder ein Familien- / Beziehungsmelodram sein soll, so schlingert das Buch einen Zickzackkurs.
Thomas Bernhard
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- das buch liest sich sehr zusammenrecherchiert, na ein glück kann man nicht die kaffeepausen vom leon rauslesen (obwohl ich an manchens tellen schon böse verdachtsmomente hatte).
jodoca
- Schon damals [vor anderthalb Jahren] kam mir das ganze Buch ziemlich belanglos vor, ich habe es gelesen und fertig und dann auch wieder vergessen.
MissMarple
- Ein fahriger Roman, gerade noch akzeptable Unterhaltungsprosa, aber nicht mehr.
Thomas Bernhard
- Dieses war mit weitem Abstand das mieseste Buch, das ich jemals gelesen habe[;] (und das, beim Großen Gasförmigen, will echt was heißen).
Astir
(4) "Besprechung"
- interessant finde ich die kapitelüberschriften und, dass es keine stupiden ablaufbeschreibungen gibt (er ging um die Ecke, da traf er auf sie und dann gingen beide nen kaffee trinken, hatten daann im hotel sex, erst gleich hinter der tür, dann noch aufm bett, dass es nicht so unbenutzt aussieht und dann nach ner erfrischung aus der schlechtbestückten minibar nochmal im wandschrank und gingen dann nochmal kaffee trinken, aber diesmal nur in der schäbigen hotelbar.) stichwort sex, mir isses ein bißchen zuviel im buch. aber man kann es lesen, es verursacht keine magenkrämpfe und keinen abnormalkonsistenten stuhlgang (haha), ich finde die behandlung der figuren gut, aber ob ich mir ein zweites buch von diesem knilch (er hatte schon wieder ne kolumne in der brigitte ...) antue ist noch schwerstens zu überlegen.
jodoca
- Kaum 10 % der Worte sind den Ereignissen gewidmet. Die Figuren nehmen hingegen den weitaus größten Raum ein. Da sollte man doch erwarten, dass ein Schriftsteller, der seinen Figuren so viel Platz einräumt, ihnen auch einen ähnlich hohen Anteil an Aufmerksamkeit und Liebe schenkt. Wir finden aber keines jener liebevollen Worte mit denen zum Beispiel Karl May seine oft schrulligen Figuren wie Halef Omar, Edeward Franke oder Jakob Pfefferkorn beschreibt.
Stattdessen entdecken wir einen Mangel an Präzision. Ein Sauberkeitsfanatiker raucht nicht, und ein Mensch der länger als 14 Tage ohne anständigen Schlaf auskommen muss, ist nicht mehr in der Lage, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen.
So schleppen sich die Seiten dahin, auf denen wir ständig mit kaputten Typen konfrontiert werden, bei denen wir uns im Verlauf des ganzen Romans nicht entscheiden können, ob wir sie bemitleiden oder verachten sollen; nach 200 Seiten kotzen sie einen nur noch an.
Astir
- Man erfährt viel über den Hintergrund und die Geschichte der Hauptpersonen: Felix Aaron Hoffmann, Mancini, John Marks. Leider macht de Winter den Fehler, diese Personen (größtenteils jedenfalls) zu beschreiben, anstatt sie handeln zu lassen und damit dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Bild zu machen, eine Meinung zu bilden. Das führt zu der etwas grotesken Situation, daß einem die Nebenfiguren im ersten Teil des Buches weit vertrauter und glaubwürdiger erscheinen als die Hauptpersonen. Was dabei de Winter m.E. gut gelungen ist, ist darzustellen, daß Menschen de facto keinen wirklich freien Willen haben, sondern innerhalb ihr Verpflichtungen, Ängste, Träume und Sehnsüchte nur einen geringen Spielraum haben. Freddy Mancini und Hoffmann scheitern an ihrer körperlichen Gelüsten (Hoffmann gleich in zwei Aspekten) und John Marks hat sich in eine Art selbstgebautes Gefängnis zurück gezogen. Dieser Marks ist, finde ich, die interessanteste Person in „Hoffmanns Hunger“, wird aber vom Autor recht stiefmütterlich behandelt. Trotz seiner leicht bizarren Schrullen empfinde ich durchaus Mitgefühl und Sympathie für ihn und da beschleicht mich der Gedanke, daß das so vom Verfasser nicht gedacht war. Im Grunde hat er - im Gegensatz zu Mancini und Hoffmann - den Kampf nicht aufgegeben, auch wenn er sich nun in einem lebenslangen Belagerungszustand befindet.
Thomas Bernhard
- Die banalen Rückblenden sind für den Fortgang der eigentlichen Handlung größtenteils irrelevant. Was interessiert es mich und wo ist es wichtig für die Handlung, ob der niederländische Fresssack mal im Suff in Khartoum die Hütte einer Negerhure abgefackelt hat?
Astir
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Jan Graf Potocki:Die Handschrift von Saragossa od. Die Abenteuer in der Sierra Morena
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Jan Graf Potocki, 1761-1815, deutsch-polnisch-französischer, eigentlich europäischer Offizier und vor allem Geschichtswissenschaftler, ein Freigeist und Idealist, wahrscheinlich im Alter ziemlich schrullig, aber wohl ein hervoragender Historiker und talentierter Romancier...
(2) Der INHALT in einem Satz
- Eine Kompilation vieler verschiedener Erzählungen, "gothic novels" und Abenteuerschilderungen, die überwiegend im Spanien des 18.Jahrhunderts spielen, eingebettet in eine spannende Rahmenhandlung um den wallonischen Offizier Allfons von Worden, der 66 Tage in der Sierra Morena, einer unwirtlichen Gegend südlich von Madrid, aufgehalten wurde.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Ein Werk, fesselnder als das abnutzte "1001 Nacht", besser als "Don Quichotte", meiner Meinung nach ein Muss für jeden, der die phantastische Literatur schätzt.
(4) "Besprechung"
- Das Buch ist komplex. Die Geschichten sind zwar äußerst unterhaltsam, aber auch oft so ineinander verschachtelt, daß man "Die Handschrift von Saragossa oder die Abenteuer in der Sierra Morena" am besten in einem Zug lesen, oder zumindest nicht allzu viel Lesepausen machen sollte. Es erfordert ein wenig Konzentration und belohnt dadurch mit einer den meisten von uns wohl unbekannten Welt des Spaniens und der Spanier des 18.Jhdts - geprägt vom Katholizismus, noch beeinflußt von der langen, arabischen Besetzung und voll von kuriosen Gestalten, die auf- und abtreten. Etwas Blümchen-Erotik ist auch dabei und ich bin geneigt zu sagen, daß die "Die Handschrift von Saragossa oder die Abenteuer in der Sierra Morena" annähernd so gut ist wie E.T.A. Hoffmanns "Die Elexiere des Teufels".
Übrigens ist der Anhang und die Editionsgeschichte des Werkes fast so spannend wie das Werk selbst!
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Königin Noor von Jordanien: Im Geist der Versöhnung
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Königin Noor ist nicht nur die ehemalige Königin Jordaniens, sondern eine intelligente, faszinierende und sich für Menschlichkeit engagierende Frau.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Mit großer Eloquenz und Offenheit erzählt Königin Noor von Jordanien die faszinierende Geschichte ihres ungewöhnlichen Lebens und davon, wie sie das Herz König Husseins und seines Volkes eroberte. Ihre Erinnerungen offenbaren zugleich die hellsichtige politische Vision einer Frau, die sich dem Engagement ihres Mannes für den Frieden verpflichtet fühlt.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Das Buch hat mir Königin Noor noch sympathischer gemacht, als ich sie ohnehin in Erinnerung hatte. Interessante persönliche, poltitsche und geschichtliche Details überraschen zudem den vielleicht weniger geschichts- und/oder politikversierten Leser. Man sollte allerdings beachten, dass Jordanien sowie die Königsfamilie entsprechend Königin Noors Verbindung und Stellung in Jordanien nur positiv ohne Kritik dargestellt werden, so dass das Buch in dieser Hinsicht durchaus einseitig ist.
(4) "Besprechung"
- "Das Buch lebt von der Mischung aus Weltpolitik und Familiengeschichte." (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG)
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Michel Houellebecq: Die Möglichkeit einer Insel
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Michel Houellebecq ist ein geistreicher Autor, der mit seinen unterkühlten Romanen und seiner provokativen Ausdrucksweise seine Leser polarisiert.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Daniel1, ein wohlhabender Entertainer im Ruhestand geht an seiner schwindenen sexuellen Attraktivität zu Grunde; sein in der Zukunft lebender "Klon" Daniel24 versucht das Gefühlsleben seines Vorfahren nachzuvollziehen, aber das ist ihm aufgrund seiner Entfremdung von der menschlichen Spezies nicht mehr möglich.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Ein lyrisches Buch über die Suche nach Glück, das nicht dynamitgeladen ist wie die vorigen Bücher des Autors, sondern eher einen Tendenz zum Romantischen besitzt.
(4) "Besprechung"
- Auf einen Schlag verliert Daniel das Interesse an seinem Beruf, er beginnt sogar, seinen Zynismus zu verabscheuen, ist seiner aufgesetzten Kritik an der westlichen Gesellschaft über. Das Alter rückt an. Doch vorerst besitzt er noch Zuwendung durch das weibliche Geschlecht:
zwei Frauen finden sich in Daniels Leben; Isabelle ist (s)eine große Liebe, aber als das sexuelle Feuer erlischt, und Daniel sich nur richtig glücklich fühlt, wenn er "in einer Frau drin ist", beendet das die Beziehung.
Die zweite, Esther, ist zu jung, als dass sein Geld und Ruhm sie halten könnten; mit ihr geht seine letzte Freude am Leben:
"Esther hatte mich buchstäblich ausgelaugt, meine Kräfte verbraucht, und jetzt war ich ganz einfach am Ende; [...]"
Aber mit dem Freitod endet nur Daniels erste Existenz: als Anhänger der Sekte der Elohim wird er, und mit ihm sein Hund Fox, über Zweitausend Jahre hinweg "geklont". Bei den "Klonen" handelt es sich nicht mehr um Menschen: die neuen Wesen benötigen zur Ernährung lediglich einige Mineralsalze, ihre Energie beziehen sie über Photosynthese. Sie besitzen von Natur aus nur rudimentäre Emotionen, die sie weiter unterdrücken, und fristen ihr Dasein in Isolation. Vereinzelt kommunizieren sie über eine Art kodierten Chat; sonst widmen sie sich der Lektüre der Lebensberichte ihrer Vorfahren.
Dieses Leben ist nicht mehr lebenswert: Daniel24 beschliesst, sein Heim zu verlassen und damit seine Ahnenfolge zu beenden.
Das große Thema des Buches ist die Suche nach Erfüllung und Glück. Mit dem Ende seines beruflichen Erfolgs rückt Daniel die Leere seiner Existenz ins Blickfeld. Erfüllung findet er ausschliesslich in Liebe und Geschlechtsakt. Diese Anschauung findet sich im dem Buch seinem Namen gebenden Gedicht wieder:
[...]
Mit Sehnsucht wollte ich das kennenlernen,
Was das Leben an Schönstem birgt,
Wenn zwei Körper das höchste Glück erfahren,
Sich vereinigen und stets neu geboren werden.
[...]
Und die Liebe, die alles so leicht macht,
Dir alles schenkt, und zwar sogleich;
Es gibt in der Mitte der Zeit
Die Möglichkeit einer Insel.
Meine persönliche Meinung zu dem Buch: ich war eher enttäuscht. Inhaltlich bringt der Roman wenig Neues zu den Vorgängern. Die Anschauung des Autors zur menschlichen Existenz erschien mir einseitig; meiner Überzeugung nach besitzt die menschliche Existenz Dimensionen über das Geschlechtliche hinaus, familiärer und spiritueller Natur. Die "Klonthematik" ist ein Rahmenaspekt und bietet kein wesentliches Diskussionsmaterial; sie erscheint außerdem naturwissenschaftlich unsolide, weitgehend fiktional.
Das Buch ist der Lektüre nur bedingt wert; für den Buchlesekreis möchte ich es nicht empfehlen.
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John Irving: Witwe für ein Jahr
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[Alle Beiträge dieses Artikels sind
der zweiten Runde des UNICUM-
Buchlesekreises entnommen]
(1) Der AUTOR in einem Satz
- Der Amerikaner John Irving ist ein seit vielen Jahren bekannter sog. Bestsellerautor, der inzwischen auf ein ganz beachtliches Oeuvre zurückblicken kann; auch in Deutschland hat er viele Fans, sonst wäre eines seiner Werke letztes Jahr nicht in der ZDF-Sendung, die der Deutschen liebstes Buch kürten, auf eines der vorderen Plätze gekommen.
(Thomas Bernhard)
(2) Der INHALT in [mehr als] einem Satz
- [Das Buch] zeigt auf einfühlsame Weise die zerstörerische Kraft einer Familie und die Unfähigkeit, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Andererseits zeigt es auch Liebe, in vielen Facetten - besonders interessant hier Eddie mit seiner unbeugsamen Liebe zu einer weitaus älteren, aber faszinierenden Frau. Und natürlich Ruth, die oft Liebe sucht, wo sonst keiner sie suchen würde.
(krischan)
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- „Witwe für ein Jahr“ ist hervorragend gut gemachte Trivialliteratur
(Thomas Bernhard)
- Das Buch ist weniger skurril als die Erstlingswerke, aber aus meiner Sicht nicht von geringerer erzählerischer Kraft.
(krischan)
- Alles in allem, kein schlechtes Buch, doch hätte es ein anderer Autor geschrieben, hätte es mir sicher besser gefallen.
(Lenichen)
- Im Großen und Ganzen fand ich das Buch nicht schlecht, im Vergleich zu sonstigen Themen (Bären im Wiener Zoo, von Löwen gefressene Hände, voneinander getrennte Zwillinge in Indien) von John Irving überraschend wenig exotisch und ausgefallen.
(miss smilla)
(4) "Besprechung"
- Viel mehr als ein paar interessant zusammengestellte Szenen und Geschichten kann ich an dem Buch nicht finden. Vielleicht wollte Irving hier die Bilder zu sehr als Leitmotiv aufgreifen, aber dadurch sind für mich die Charaktäre unglaubwürdig und nicht greifbar geworden. Einzig Ruth, die der Leser ja durch ihr ganzes Leben begleitet, ist für mich greifbar geworden. Ihre Entwicklung auf Grund ihrer familären Situation bleibt nachvollziehbar und die Person, die dabei rauskommt, ist eine interessante Mischung aus einer zerstörerischen Frau, die versucht Erlebtes zu verarbeiten, und der hingebungsvollen Mutter und Ehefrau.
(Lenichen)
- Irving [schickt] das wesentliche in ein, zwei Sätzen immer voraus, wendet sich dann eine Weile einem anderem Thema zu, um dann wieder ausführlich zu schildern, wie es soweit kam, wie er anfangs unumstößlich formuliert hat. Der allwissende Erzähler ist nicht nur allwissend, er steht auch moralisch über allen Protagonisten des Buches. Das hat den Effekt, das es einen gewissen literarischen Fatalismus auslöst: Irving lässt keine Zweifel, keine Fragen offen, seine Figuren handeln nie überraschend und diese Art zu schrieben lullt den Leser geschickt ein: Man beginnt zu glauben, alle und alles hätte ein Bestimmung, die auf jeden Fall, so oder so, in Erfüllung geht, egal was die Protagonisten anstellen. Und da es bei Irving immer ein Happy-End gibt, macht er sich so bei den Lesern natürlich auf sehr geschickte Art beliebt. Er ist ein guter Erzähler, der präzise Erzählpassagen mit direkter Rede abwechselt, ältere Geschehnisse kurz wiederholt und einen (zumindest in der deutschen Übersetzung) sehr flüssigen Stil hat. Ich will nicht leugnen, daß auch ich ihn sehr gern gelesen habe, aber nach ein paar Jahren entwächst man ihm, man emanzipiert sich. Es ist zwar, meiner Meinung nach, weiterhin handwerklich eine wahre Freude, ihn zu lesen, aber inhaltlich erwartet man dann mehr. Man könnte auch sagen: Irving ist gut für die literarische Pubertät.
(Thomas Bernhard)
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Bret Easton Ellis: Glanorama
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Bret Easton Ellis wurde am 7.März 1964 in Los Angeles geboren, aufgewachsen ist er aber in Sherman Oaks. Seit 1987 lebt er in New York. In deutsc her Sprache wurden veröffentlicht: (in Klammern die Veröffentlichungsjahre): Below Zero (1985), deutsc h Unter Null, The Rules Of Attraction (1987), deutsch Einfach unwiderstehlich, American Psycho (1991), Die Informanten (1994), Glanorama (1995) und Lunar Park (2005).
(2) Der INHALT in einem Satz
- Die Welt der Reichen und Schönen, der Supermodels und der Parties.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Verstörend, zerstörend, vernichtend, negierend.
(4) "Besprechung"
- In Glanorama erleben wir die Welt durch die Augen des Supermodels Victor Ward. Was nicht heißen soll, daß Ellis dieses Charakter in den Mittelpunkt seines Romans gestellt hat. Formal gesehen hat er das natürlich getan. Tatsächlich ist es in Glanorama so, daß die Figur des Victor Ward beliebig austauschbar wäre mit den anderen Personen des Buches. Ward ist nur eine besonders wiilfährige Figur, mit der Ellis die Welt zeigen kann, die er beschreibt. Victor Ward wird außerdem in seinen Handlungen zunehmend passiv und ist zum Schluß nur noch willenloser Spielball der Geschehnisse. Praktisch von Anfang an hat er die Rolle eines Beobachters. Die Rolle eines äußerst armseligen und verabscheuungswürdigen Beobachters. Weder er noch irgendeine der anderen Figuren eignen sich dafür, daß der Leser sich mit ihnen identifiziert. Sie sind allesamt widerwärtig und abstoßend und bewegen sich in einer völlig unmoralischen und ethisch niederschmetternden Welt. Das macht das Buch sehr lesenswert, denn: Ellis ist dankenswerterweise kein Moralist. Seine Beschreibungen, die er durch den „Helden“ Ward erzeugt, urteilen nicht. Er überläßt, wie es sich für einen guten Autor gehört, alles dem Leser.
Erstmals greift der Autor das Thema Terrorismus auf. Vor dem 11.September 2001 geschrieben, greift Ellis einigen Ereignisse vor, insgesamt beweist er jedoch mit diesem Thema eine eher unglückliche Hand. Das ist der einzige Schwachpunkt, den man Glanorama vorwerfen könnte. Trotzdem bleibt Ellis einer der wichtigsten und besten Autoren und Gesellschaftsbeoobachter der Gegenwart. Glanorama ist vielleicht sein schwächstes Buch, trotzdem bleibt es noch immer eines der besten der Gegenwartsliteratur überhaupt.
Glanorama ist ein Buch für den fortgeschrittenen Leser. Ein Buch für den fortgeschrittenen Bret-Easton-Ellis-Leser.
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Mötley Crüe - The Dirt
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Mötley Crüe (Nikki Sixx, Tommy Lee, Vince Neil, Mick Mars) haben sich 1981 in Kalifornien formiert und wurden als erste Hair-Metal-Band der Inbegriff von Sex, Drugs & Rock'n'Roll. (Neil Strauss ist Journalist bei der New York Times und war auch Co-Autor bei Marilyn Mansons (Auto-)Biographie The Long Hard Road Out of Hell.)
(2) Der INHALT in einem Satz
- Vier Loser aus völlig kaputten Familienverhältnissen treffen Anfang der 80er aufeinander, um als Mötley Crüe eine beispiellose Erfolgsgeschichte im Rock-Business hinzulegen, die jedoch bald von unfassbaren Drogenexzessen, Instant-Ehen und -Scheidungen und diversen Gefängnisaufenhalten auf die Probe gestellt wird.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Einmal angefixt, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen, bis man nach dem Inhalieren der letzten Seite erschöpft zusammenbricht und unerbittlich der kalte Entzug einsetzt – geil.
(4) "Besprechung"
- Dieses Buch ist unglaublich schmutzig. Mindestens zur Hälfte erlogen. Und einfach nur geil.
Spätestens ab Seite 5 macht es einem als Leser schon nichts mehr aus, ständig als „Dude“ oder „Bro“ bezeichnet zu werden, weil man merkt, hier will sich niemand anbiedern, sondern hier erzählen 4 altgediente Rockstars begeistert von ihrem Leben. Und diese Begeisterung steckt an.
Das Buch setzt bei dem Zeitpunkt an, wo die frisch aus der Taufe gehobenen Mötley Crüe ihre ersten Auftritte haben, und hält von da an erfolgreich die Balance zwischen Rückblenden in die kaputte Kindheit der einzelnen Musiker bis zur Gründung der Band und der glamourösen Sex-Drugs-and-Rock’n’Roll-Karriere bis zu den überfüllten Fußballstadien dieser Welt – und dem großen Absturz.
Häufig traut man sich nur mit Hilfe einer Pinzette umzublättern, so sehr ekelt man sich vor den Substanzen die die diversen Protagonisten in ihre Körper einführen oder absondern, oder was sie mit den unzähligen Frauen anstellen, aber der Voyeurismus siegt jedes mal.
Eigentlich handelt es sich bei diesem Buch um vier Bildungsromane, um vier Künstlerromane, deren autobiographisches Seemannsgarn nahtlos zu einer einzigen, berauschenden Geschichte verwoben wurde.
Wer sich an die 80er erinnern kann, hat sie nicht erlebt. Und wer sich an die 80er nicht mehr erinnern kann, der hält mit diesem Buch ein großartiges Nachschlagewerk in den Händen.
Geil.
(ReganBooks. 2002 [1]. $15,95)
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Zu: Sandor Marai "Die Glut"
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Auf Anregung einer hungarophilen Freundin las ich Mitte diesen Jahres Sandor Marais "Die Glut".
Mein erster Eindruck war, noch bevor ich eine Zeile gelesen habe, kein guter: Offenbar hatte der Verlag diesen Autor vor ein paar Jahren aus seiner Backlist geholt und erfolgreich bei deutschen Publikum "relauncht", wie man heute so sagt. Das Werk stand damals einige Wochen in den Bestsellerlisten. Heute will es aber offenbar keiner mehr lesen: Sowohl in meiner ansonsten schlecht sortierten (Kölner) Stadtbibliothek, als auch bei der Buchtauschbörse buchticket.de war das Werk in gleich mehreren Exemplaren vorhanden.
Die ersten fünf Kapitel habe ich als etwas seitenschinderhaft empfunden. Marai entwirft einen sehr großen historischen Bogen, obwohl das zentrale Thema "nur" die Freundschaft zwischem dem General und Konrad ist. Die literarischen Exkurse, die Marai sich zwischendurch leistet, insbesondere der über die Tropen, der mir sehr Joseph-Conrad-mäßig vorkommt (was nicht heißen soll, er hätte dort abgeschrieben), sind gelungen. Eigentlich bringt der Autor was ganz großes in Schwung, bleibt aber irgendwie auf halber Strecke liegen. Man möchte ihm sagen: Super, Sandor, ganz große Klasse, wann krieg' ich den Rest zu lesen?
Das soll aber nicht heißen, daß mir "Die Glut" nicht gefallen hat. Mit der genannten kleinen Einschränkung kann auch ich das Buch weiterempfehlen.
Im Gegensatz zu Samuel fand ich die Monologe nicht gewöhnungsbedürftig und hatte keine Anpassungschwierigkeiten.
Was Thomas Wirtz von der FAZ veranlasst hat, das Buch einen "Gespensterroman" zu nennen, kann ich nicht nachvollziehen. Ein Werk der phantastischen Literatur ist "Die Glut" sicherlich nicht. Wenn er allerdings mit "Gespenster" die Gespenster, Geister einer untergegangenen Ära (nämlich der K.u.K.-Zeit) gemeint hat, so stimme ich ihm zu...
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Zu Sándor Márai: Die Glut
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Ich kann Dir, Thomas, wen wundert's, nicht ganz zustimmen. Meiner Ansicht nach spart der Autor nichts von Bedeutung ("Rest") aus; der Wunsch nach mehr mag höchstens in der literarischen Qualität und dem bloß novellenhaften Umfang des Buches begründet liegen.
Auch finde ich nicht, dass der "historische Bogen" zu weit geraten ist, er fängt lediglich das für diese Geschichte notwendige, weil alle Figuren und ihre Vergangenheit mit einer spezifischen Patina bestreichende Kolorit ein. Zum "Gespensterroman" taugt "Die Glut" gerade deshalb, weil die beiden alten Herren eben nicht allein in seinem Zentrum stehen, sondern auch alle durch die Jahrzehnte geschleppten Geister der Vergangenheit darum kreisen (eine Frau, eine Schuld, eine zentrale Frage, eine zerbrochene Freundschaft, etc.). Ohne diese bis in die Gegenwart der Erzählung hineinreichende Vergangenheit funktionierte der Roman gar nicht, deshalb vermag ich nirgendwo "Seitenschinderei" zu entdecken.
Sam
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Klaus Kinski: Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Klaus Kinski, deutscher Film- und Theaterschauspieler, 1926-1991. Kinski hat in über 130 Filmen mitgespielt, darunter Hanussen(1955), Winnetou II (1964), Doktor Schiwago (1965), Aguirre, der Zorn Gottes (1972), Nosferatu: Phantom der Nacht (1979), Woyzek (1979), Fitzcarraldo (1982) und Cobra Verde (1987). Bekannt wurde er auch durch seine Tourneen, bei den er unter anderem Gedichte von Rimbaud und Villion (Ich bin so wild nach deinem Erbeermund) und Shakespeare-Monologe vortrug.
(2) Der INHALT in einem Satz
(3) Mein FAZIT in einem Satz
(4) "Besprechung"
- Ich bin so wild nach deinem Erbeermund hat den Anspruch, eine Biographie zu sein. Nichtsdestotrotz interessiert sich Kinski nicht für eine gewisse Vollständigkeit und Stringenz und setzt im Buch eine klare Fokussierung auf Auszüge aus seinem Liebesleben.
“Mich selbst hängen diese idiotischen Edgar-Wallace-Filme zum Hals heraus. Nicht nur, weil sie so dilettantisch gedreht sind, daß der Abspruchsloseste Zahnschmerzen bekommen muß, sondern auch weil es immer derselbe Salm ist.“ Das ist noch eine der harmlosesten Stellen und eine der wenigen, die mit seiner Arbeit zu tun haben. Der Rest des Buches strotzt nur so vor Obszönitäten, von den manche sich zu hanebüchenen Ungeheuerlichkeiten versteigen. Polternd und vulgär trägt Kinski in einer schnörkellosen und direkten Sprache die Ereignisse vor. Der Klappentext des Buches spricht hilflos davon, daß Ich bin so wild nach deinem Erbeermund „eines der bedeutsamsten erotischen Bücher unserer Zeit“ sei.
Aber gerade dieser Text, der kein Blatt für den Mund nimmt, übt eine gewisse Faszination auf den Leser aus: So genervt und vielleicht auch manchmal angewidert man ist, man greift doch immer wieder zu diesem Buch und liest es auf jeden Fall zu Ende... Zu den Stärken von Ich bin so wild nach deinem Erbeermund gehört, daß er neben all den Hasstiraden auch Gefühl zeigt. Nämlich dann, wenn der Autor über seine Eltern spricht, über seine Geschwister und seine beiden Töchter. Eine leicht bizarre, aber sicherlich unterhaltsame Lektüre.
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Irvin D. Yalom: Die Schopenhauer - Kur
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Irvin D. Yalom ist einer der bekanntesten Psychoanalytiker der USA, der außer Lehrbüchern noch drei sehr erfolgreiche Romane veröffentlicht hat.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Ein tödlich erkrankter Therapeut, ein durch Schopenhauer "geheilter" Sexsüchtiger und eine Therapiegruppe: Rahmen für eine Reise in die Psychoanalyse und in die Gedankenwelt Schopenhauers.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Ein überdurchschnittlich gutes Buch, lehrreich, spannend von der ersten bis zur letzten Seite: nicht nur für Hobbypsychologen!
(4) "Besprechung"
- Therapeut Julius erfährt, dass er an einem tödlichen Melanom erkrankt ist. Dies ist der Anlass für eine Reflektion über sein Leben und Wirken. Aus einer unbestimmbaren Laune heraus nimmt er Kontakt zu Philip auf, einem ehemaligen Patienten, den er nicht von seiner Sexsucht heilen konnte. Der sehr wesenskalte Philip behauptet, sich durch die Lektüre Schopenhauers selbstständig geheilt zu haben; um nun selbst Therapeut zu werden, bittet er Julius, ihn in Supervision zu nehmen. Der knüpft die Supervision an eine Bedingung: Philip soll zuerst ein halbes Jahr an seiner Therapiegruppe teilnehmen...
"Die Schopenhauer- Kur" ist ein ungewöhnlich vielschichtiges Buch, das neben der Auseinandersetzung mit Schopenhauers Werk zahlreiche andere psychologische Themen behandelt: Umgang mit dem Sterben, Minderwertigkeitskomplexen, Eifersucht und schliesslich der Wirksamkeit psychoanalytischer Therapie.
Es gelingt Yalom hervorragend, authentische Charaktere zu entwerfen, deren Wesenszüge und Emotionen bis ins letzte Detail ausgeleuchtet werden. Nach "Zwiebelschema" treten immer neue Konflikte zu Tage; andererseits unterliegen die Charaktere des Buchs einer starken Dynamik; durch ihre eigene Veränderung interpretieren sie ihre Beziehung zu den Anderen plötzlich völlig neu. Das Buch bleibt so ständig in Bewegung; definitiv ein "Nachtdurchleser"!
Der folgende Abschnitt enthält Spoiler (in grau):
Von Schopenhauer zeichnet der Autor ein ausgewogenes Bild, indem er sowohl dessen Erkenntnisse analysiert, andererseits seine misanthropes und depressives Wesen widergibt.
Der Charakter Philip ist im Grunde genommen eine detailgetreue Kopie Schopenhauers, angefangen bei dessen Sexsucht und Misanthropie hin zu seinem Hund. Dadurch erlaubt sich Yalom die These, oder vielleicht den Scherz, Schopenhauer sei durch moderne Psychoanalyse zu heilen gewesen.
Abschliessend: dieses Buch ist schlicht und einfach ein Muß.
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Wilhelm Genazino: Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz.
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Wilhelm Genazino, deutscher Schriftsteller, geboren am 22.Januar 1943 in Mannheim.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Ein Mann und eine Frau auf der Reise: Wien, Paris, Amsterdam.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Ein von sehr präzisen Beobachtungen geprägtes Buch, ehr- und eindringlich.
(4) "Besprechung"
- Vorne drauf, unter dem Titel, steht "Roman". Das ist eigentlich gelogen. Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz. ist kein klassischer Roman, sondern ein aus vielen Fragmenten bestehendes Werk, in dem jedes allein für sich stehen kann. Das heißt aber mitnichten, daß Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz. kryptisch oder schwer zugänglich wärte.
Der Humor kommt auch nicht zu kurz. Die Beobachtungen des Ich-Erzählers sind oft lakonisch-komisch, aber nie auf die Kosten der anderen.
Insgesamt ergeben sie, die Einzelteile, ein ganzes Bild, wenn der Leser das möchte, wenn er er zuläßt. Jedes Teilchen für sich ist jedoch schon eine Perle. Äußerst angenehm ist, daß in Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz. im Grunde nichts weltbewegendes passiert - trotzdem ist es ein äußerst spannendes Buch. Die Fragmentierung hat noch einen weiteren, schönen Effekt: Es lädt dazu ein, nach jedem Ende zu verweilen und nachzudenken. Die Pausen, die man selbst beim Lesen macht, sind eigentlich das Schönste bei diesem Buch. Und welches zeitgenössische Werk kann das von sich heutzutage schon behaupten? Dabei ist es so herrlich unaufdringlich und zurückhaltend, daß man es schon vermisst, wenn man es gerade erst fertig gelesen hat.
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John Fante: Westlich von Rom
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- John Fante, amerikanischer Autor, 1909-1983.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Ein in die Jahre gekommener Drehbuchautor und Vater in Hollywood wird von seinen drei flügge gewordenen Kinder und fast von seiner Frau verlassen - es ist im Grunde die Geschichte seiner Emanzipation vom Elterndasein, verbunden mit einer Art Allegorie seines Verhältnisses zu einem zugelaufenen Straßenköter.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
(4) "Besprechung"
- Westlich von Rom, so der etwas verwirrende Titel, spielt während der ganzen Zeit (ein paar Wochen) in Los Angeles, hauptsächlich im Haus des Protagonisten Henry M. Molise und wird aus dessen Perspektive erzählt. Es geht darum, daß seine Kinder ausziehen und seine Frau nicht will, daß er die schmutzige Töle, die er ihm zugelaufen ist, behält. Die Sprache von Westlich von Rom ist direkt und leicht schnoddrig. Maniriertheiten sind dem Autor fremd und das tut dem Werk gut, passt es doch genau zum Inhalt. Westlich von Rom ist dann gut, wenn es das Verhältnis von Molise zu seinen Kindern und vor allem zu seiner Frau ausleuchtet. Im Gegensatz dazu sind die beschriebenen Schrullen des Hundes ziemlich nervend-albern und redundant.
So unterhaltsam das Buch auch ist, es bleibt Trivialliteratur. Recht gute Trivialliteratur, ja, aber da ist nichts, was Westlich von Rom in den Olymp bedeutender amerikanischer Werke emporheben würde, kein doppelter Boden, kein Subtext.
Ein Buch zum mitnehmen für den Strandurlaub. Und wenn man es fertig gelesen hat ist man versucht, es im Hotelzimmer liegen zu lassen. Nicht mehr und nicht weniger.
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Muriel Spark: Mädchen mit begrenzten Möglichkeiten
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Muriel Spark, britische Schriftstelllerin, 1918 geboren, kürzlich gestorben.
Viele ihrer Werke sind in Deutsch veröffentlicht; wüßte jetzt aber nicht, welches ich als besonders gut bekannt hervorheben müßte.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Bei den "Mädchen mit begrenzten Möglichkeiten" handelt es sich um die Einwohner eines Pensionats für unverheiratete Frauen, dem May Teck Club im London im letzten Kriegsjahr, 1945. Spark pickt sich einige von ihnen heraus und zeigt deren Wünsche, Hoffnungen und eben Möglichkeiten auf: echte Fräuleins auf dem halben Weg zur inneren Reife.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Schleichend ironischer, leicht altmodischer Entwicklungsroman mit nicht nur einer, sondern mehreren Protagonistinnen.
(4) "Besprechung"
- Am Anfang ist "Mädchen mit begrenzten Möglichkeiten" etwas umständlich. Ich wußte eine ganze Weile nicht, um was es in dem Buch gehen soll. Doch wenn man die ersten 20 Seiten durch hat, offenbart sich das Universum der halberwachsenen Frauen auf wunderbar humorvolle Weise. Die Konventionen, die Sitten, die Umstände und er Stil von Mauriel Spark, das ist alles leicht altmodisch. "Mädchen mit begrenzten Möglichkeiten" ist keine Popliteratur, sondern gute alte, englische Erzählkunst. Je weiter ich im Buch vorankam, desto mehr merkte ich , das die "Mädchen mit begrenzten Möglichkeiten" doch einige Möglichkeiten haben und soooo begrenzt eben gar nicht sind! Der Orginaltitel "Girls with slender means" (etwa: "Mädchen von dürftiger Bedeutung") trifft der Kern der Sache besser. Muriel Sparks zeigt mit leiser Ironie, das sie doch von Bedeutung sind... Toller "Showdown" mit viel Action!
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Yann Martel, "Schiffbruch mit Tiger"
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- 1963 in Spanien geboren, das Buch ist sein zweiter Roman, 2002 gewann er den Booker Prize.
(2) Der Inhalt in einem Satz:
- Pi Patel, der einzige (menschliche) Überlebende eines Schiffunglücks im pazifischen Ozean, muss sich sieben Monate lang sein Rettungsboot mit einem bengalischen Tiger teilen.
(3) Mein Fazit in einem Satz:
- Ich finde die Geschichte der beiden Schiffbrüchigen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und trotzdem so lange Zeit gemeinsam auf engstem Raum überleben, faszinierend, spannend und einfach wunderbar.
(4) Besprechung:
- Das ist eines der schönsten Bücher, die ich je gelesen habe!
Der Inhalt geht weit über die Geschichte des Jungen und des Tigers hinaus; man landet mitten in einer Erzählung über Gott, den Glauben aber auch Gedanken über die Welt und unser Dasein. Philosophisch soooo schön ;) und erzählerisch einfach atemberaubend.
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Herman Melville: Moby-Dick
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Für diese Aufforderung könnte ich Samuel Anders heute noch hassen. Wie kann man einen Menschen in einen einzigen Satz quetschen?! Noch dazu so ein Tausendsassa wie Melville. Nun gut, ich zitiere einfach mal ein wenig Wikipedia: „Herman Melville (* 1. August 1819 in New York; † 28. September 1891 in New York) war ein US-amerikanischer Schriftsteller, Dichter und Essayist.“
(2) Der INHALT in einem Satz- Vermutlich das wichtigste Werk anglo-amerikanischer phantastischer Literatur; der ausufernde, fast monströs zu nennende Bericht eines einfachen Matrosen des Walfängers „Pequod“, die unter ihrem Kapitän Ahab ausgelaufen ist , um „Moby Dick“ zu erlegen, einen legendären, riesigen weissen Potwal...
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Wie schon gesagt, monströs, und zwar in zweifacher Hinsicht, erstens was den zentralen Gegenstand des Romanes, zweitens was die Länge des Werkes betrifft. Mit einigen Abstrichen ein lesenwertes Buch, finde ich.
(4) "Besprechung"
- Wer bin ich, daß ich mir anmaße, über Moby-Dick eine Besprechung zu schreiben? Was habe ich denn vergleichbares schon gelesen? Nun gut, da wäre viel von Joseph Conrad, zumindest sein Herz der Finsternis kann man der phantastischen Literatur zurechnen, da wäre natürlich das bekannte Rip van Winkle von Washington Irving und außerdem Stevensons Die Schatzinsel. Mehr nicht. Aber die, die eigentlich dazu geeignet sind, unsere Literaturwissenschaftler und zukünftigen Deutschlehrerinnen, sind so von ihrem Studium genervt und damit beschäftigt, das ewige Licht in ihren JWvG-Schrein am Brennen zu halten, daß es bei so Autodidakten an mir hängen bleibt, eine Rezension über Moby-Dick für dieses Forum zu schreiben. Man möge mir jetzt schon verzeihen, denn Moby-Dick ist ein schwer zu (ein)fassendes Buch, finde ich.
Die Ausgabe, die ich gelesen habe, trägt den Zusatz „Neu übersetzt von Matthias Jendis“. Ob sie eine bessere Übersetzung als die alte ist, kann ich nicht sagen, da ich eine ältere nicht kenne. Bleibt die Frage, ob sie eine moderne Übersetzung ist, also ob sie eher dem Erzählverständnis unserer Tage entspricht. Ich finde nicht. Die Sätze sind lang, meines Erachtens manchmal zu lang und Herr Jendis verwendet mehrmals so altmodische Begriffe wie „zu diesem Behufe“, wo „zu diesem Zwecke“ ebenso gut hätte verwendet werden können. Aber der Anhang von Matthias Jendis, der Anhang ist großartig. Nicht nur im Inhalt, sondern auch im Stil, der eine gewisse kritische Distanz als auch Demut vor dem Werk spüren läßt. Leider hat man auf Indizes vollständig verzichtet, so daß immer nur auf gut Glück hinten nachschlagen kann. Warum das so ist, kann ich nicht nachvollziehen.
Überrascht hat mich, daß Moby-Dick nonchalant nebenbei eine Lanze für Toleranz und Völkerverständigung bricht - einzig die Deutschen kommen dabei etwas schlecht weg...
Walfang ist heute eine Tätigkeit, die als verwerflich und unmoralisch gilt. Erst jüngst wurde das kleine Island unisono angefeindet, weil es wieder angefangen hat, ein paar Wale zu erlegen. Die Menschen, die das tun (also die Walfänger) gelten heutzutage als Verbrecher an der Natur, gelten als fast genauso unmenschlich wie die, die die putzigen kleinen Seerobben erschlagen. Melville weiß von alldem natürlich nichts und entführt den Leser in eine völlig andere, vergangene Welt des Walfanges, sein Buch ist fast schon eher ein Epos als ein Roman, sein Stil bisweilen pathetisch. Seine Helden sind die harten Männer in den kleinen Walfangbooten (nicht zu vergleichen mit dem heutigen Walfang), sein Gegenspieler ist der teuflische Moby Dick, den er nicht ohne Grund des öfteren Leviathan nennt.
Der Leviathan unserer Tage ist nicht mehr ein großer Wal, sondern sind andere Sachen: Das Ozonloch, das viele Kohlendioxid, der alles erstickende Verkehr. Man mag diesen Bezug zur Moderne herstellen wollen oder nicht, ich habe Moby-Dick so gelesen. Die Natur läßt sich ebenso wenig besiegen wie Moby Dick. Ein Leviathan wird es für die Menschheit immer geben.
Das große Manko von Moby-Dick ist sein Umfang. Ein guter Lektor hätte 20, vielleicht sogar 30% rausgestrichen und trotzdem wäre Moby-Dick immer noch ein guter Roman geblieben. Vor allem die vielen Exkurse hemmen, ja stoppen geradezu den Erzählfluß. Unzählige Kapitel befassen sich wie ein Sachbuch mit der Technik des Fanges oder mit der Biologie dieses großen Meeressäugers. Nicht, daß dies alle überflüssig zu erzählen wäre, nein, aber ich finde, hier wäre weniger mehr gewesen.
Moby-Dick ist ein Buch, das die perfekte Leselektüre für eine Schiffsreise ist, am besten auf einem Segelboot. Moby-Dick ist unterhaltsam, aber keine Unterhaltungsliteratur. Was man aber auf jeden Fall für Moby-Dick braucht, ist eine Menge Geduld.
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Thomas Bernhard - Wittgensteins Neffe
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Thomas Bernhard (1931 - 1989), Einzelgänger, Österreichkritiker, "Nestbeschmutzer".
(2) Der INHALT in einem Satz
Thomas Bernhard erinnert sich an seinen Freund Paul Wittgenstein, der Neffe des berühmten Philosophen und ein rastloser Geist, welcher sowohl Gast in den Opernhäusern und Rennstrecken der Welt, als auch in den Nervenheilanstalten der Alpenrepublik ist.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Satire auf das konservativ katholische Österreich der Nachkriegszeit, eine wahre Freundschaft von zwei Seelenverwandten.
(4) "Besprechung"
Der Sanatoriumsaufenthalt des lungenkranken Thomas Bernhard und des "schwachsinnigen" Paul Wittgenstein, der eine im Pavillion für Lungenkranke, der andere im Pavillion für Geisteskranke, ist der Anknüpfungspunkt für die Betrachtung einer besonderen Freundschaft. Paul, das schwarze Schaf der Familie Wittgenstein, ein Freigeist und Lebemann, elegant, eigen und verrückt, und Thomas Bernhard, der bissige Betrachter des Nachkriegsösterreich, selbstzweifelnd und provozierend. Trotz Pauls Nervenkrakheit und seinen späteren körperlichen Verfall, gibt es doch auch erheiternde und köstlich ironische Momente, wie die Fahrt durch halb Österreich und das angrenzende Bayern um eine Neue Zürcher Zeitung zu bekommen, mit der Erkenntnis, alle Orte in denen man die Neue Zürcher Zeitung nicht bekäme, wären einfach Drecksorte. Gerade aber auch die eigenen Gefühle Bernhards, die dieser detailliert offenlegt, machen dieses Buch zu einer menschlichen Lektüre. Dennoch wirkt die Erzählung nie wirklich düster, trotz der Thematisierung von Selbstzweifel, Krankheit, der Endlichkeit des Lebens. Der Grund hierfür ist die Zuhilfenahme der Ironie, mit der Bernhard gegen diese Ängste ankämpft, was einem Liebhaber des schwarzen Humors sicherlich entgegen kommt.
Ein Kritikpunkt ist meiner Meinung nach, dass die Betrachtung der Freundschaft an einigen Stellen durch eine der vielen Dosen an Gesellschaftskritik auseinandergerissen wird, es entsteht kein roter Faden, was aber vielleicht auch gewollt ist und hinsichtlich des geringen Buchumfangs nicht weiter stört.
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Peter Hoeg: Fräulein Smillas Gespür für Schnee
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(0) Der Auslöser für diesen Beitrag
Zitat:
Zitat von TB im Kohl-Thread
Äh..., nein. Eine Absolution meinerseits gäbe es aber beispielsweis für eine Buchbesprechung von deinem Gespür für Schnee im Buchempfehlungs-Thread. :)
Also gut, TB, Du hast es nicht anders gewollt:
(1) Der AUTOR in drei Sätzen
- Peter Hoeg ist Däne, 49 Jahre alt, Ex-Schauspieler und Autor. Um genau zu sein, "der bekannteste dänische Gegenwartsautor". Zumindest ist er dies laut Klappentext der Ausgabe der SZ-Bibliothek des hier zu empfehlenden Romans. Ich glaube das einfach mal, ist er doch zumindest der einzige mir bekannte dänische Gegenwartsautor.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Ein Junge fällt von einem Stockholmer Dach, und seine misanthropische Nachbarin, die nicht an einen Unfall glaubt, macht sich auf die Suche nach dem Täter.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Muss man eigentlich mindestens zweimal lesen: einmal atemlos vor Spannung, bis man vor Müdigkeit nicht mehr auf die Zeilen fokussieren kann. Beim zweiten Mal lernt man Smillas resignierte Reflektiertheit und ihren zynischen Humor schätzen und ihre seltsamen Umgangsweisen mit Menschen und Beziehungen verstehen. Spätestens ab dem dritten Mal (okay, ich gebe zu, hier spricht ein Fan) wird sie ein bisschen zu einem realen Menschen.
(4) "Besprechung"
Ich glaube, irgendwo gelesen zu haben (ich meine, es war in der Süddeutschen, als der Roman als Band 47 der SZ-Bibliothek vorgestellt wurde), dass Smilla Jaspersen einer der einprägsamsten Charaktere der Literatur des 20. Jahrhunderts ist (oder so ähnlich). Dies ist zweifelsohne der Fall.
Fräulein Smillas Gespür für Schnee lebt von zwei Elementen: einerseits dem Plot, einem komplexen und eleganten Puzzle, das langsam vor den Augen des Lesers entsteht, während die Ich-Erzählerin sich von Begegnung zu Begegnung, Erkenntnis zu Erkenntnis, Bedrohung zu Bedrohung hangelt. Andererseits von der "Persönlichkeit" dieser Ich-Erzählerin. Smilla Jaspersen, Ende 30, aufgewachsen in Grönland, die Mutter Inuit und bei einem Jagdunfall verstorben, als die Tochter noch ein Kind war, der Vater Däne, am Leben und stinkend reich. Was an dieser Erzählerin so beeindruckend ist, ist die Mischung aus Zynismus, Mut und Verletzlichkeit, mit der sie ihrer Umwelt gegenübersteht. Eine Frau, die über ihre schwierige Kindheit ohne Trauer oder Verzweiflung, eher mit einer Art lakonischen Grolls reflektiert, die sich unter Zuhilfenahme von Intellekt und Selbstironie von ihrem Leben, ihren Gefühlen und ihrer Geschichte zu distanzieren sucht. Und trotzdem darunter leidet. Die bei anderen immer sofort die Wunde erkennt, in die sie den Finger legen kann, die auch ihre eigenen verletzlichen Stellen kennt und sich trotzdem nicht schützen kann. Und die aller Verwöhntheit, aller Damenhaftigkeit, aller Reflektiertheit, aller mathematischen Bildung zum Trotz zu einer für den Leser unerwarteten instinktiven physischen Gewalttätigkeit fähig ist.
Ich fürchte, ich habe nur sehr dürftig die Faszination ausdrücken können, die dieses Buch für mich besitzt. Ich lese es immer wieder, in Auszügen oder ganz, und das jetzt schon seit über 10 Jahren, als mir meine Omi das Buch in den Weihnachtsferien mit den Worten "ja, das ist gut" in die Hand drückte. Ich habe zwei Nächte und den dazwischenliegenden Tag gebraucht. Ich weiß nicht mehr, wie alt ich damals war, vermutlich irgendwo zwischen 12 und 14, jedenfalls wie mein späterer Deutschlehrer (der das Buch in der 11. mit meiner Klasse las) schimpfte, "viel zu jung". Es hat mir nicht geschadet.
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Paul Nizon: Das Fell der Forelle
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(1) Der AUTOR in einem Satz
- Paul Nizon, 1929 geboren in Bern und Sohn eines russischen Chemikers. Gewann zahlreiche Preise. Unter anderem 1996 den Erich Fried Preis. Veröffentlichte neben dem "Fell der Forelle" unter anderem "Das Drehbuch der Liebe" 2004.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Der Protagonist Stolp, der einer Luftakrobatenfamilie entstammt, verliert sich in Paris. Einsam durchkämmt er die Stadt der vermeintlichen Liebe, seine tote Tante ist dabei sein einziger Gesprächspartner. Verzweifelt versucht er die ausgelutschten Puzzleteile seiner Person wieder zusammenzusetzen. Alles gipfelt in einer unausweichlichen, schrecklichen-schönen Katharsis.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Wunderbar. Paris war noch nie so grausam.
(4) "Besprechung"
- „Ich ging in einem ewigen widerlichen Sonntag durch die Werktagswelt der anderen und trug die Scham meiner Überflüssigkeit wie einen Trauermantel.“ Paul Nizons Roman erzählt von einem Gefühl, dass sicher jeder schon einmal erfahren hat: Das Gefühl der Verlorenheit, allein in einer großen, fremden Stadt zu sein. Der Autor, der 1929 in Bern geboren ist und schon zahlreiche, teilweise auch preisgekrönte, Romane veröffentlicht hat, weiß wovon er spricht. Er lebt selbst in Paris, dort wo auch sein Roman spielt.
Stolp, der Hauptdarsteller, strandet eher unfreiwillig, aufgrund einer Erbschaft in der Stadt der Liebe. Seine Tante hat ihm ein kleines Apartment in einem Vorort vererbt, und Stolp will die neue Umgebung nutzen, um seine gescheiterte Ehe zu verarbeiten. Doch je länger er in der Stadt ist, desto mehr fühlt er sich wie ein „aus der Zeit gefallener, verlorener Hund“. In seiner Einsamkeit ist die tote Tante sein einziger Gesprächspartner. Mit ihr führt er lange Zwiegespräche, in denen ihm die Tante ziemlich unsanft klar macht, dass er selber Schuld an seinem Elend ist.
Auf der Suche nach dem „Fell der Forelle“ besucht er immer wieder bestimmte Orte: Eine Fußballbar, einen Waschsalon und die Kneipe mit dem pullovertragenden Wirt, der gar nicht wie ein Wirt aussieht. Auf diesen Streifzügen durch die Pariser Vororte, lernt der Hauptdarsteller die junge Frau Carmen und eine ehemalige Freundin seiner toten Tante kennen, mit denen Stolp, der aus einer Luftakrobatenfamilie stammt, einen Seiltanz ohne Netz und doppelten Boden aufführt. Am Ende dieser wagmutigen Odyssee, die aus bizarren Liebeszenen, tiefgehenden Gesprächen und einem folgenschweren Zoobesuch besteht, bleibt Stolp nach wie vor allein zurück. Doch als er sich darüber klar wird, dass er, der Luftakrobat, gar nicht aufgefangen werden möchte, verlässt er Paris in völliger geistiger Freiheit.
Paris erscheint in diesem Roman nicht als Stadt der Liebe und der Liebenden, sondern als Ort der Anonymität, aber auch der Bürgerlichkeit. Dieser Eindruck wird durch die wenigen Orte, die Stolp besucht, hervorgerufen. Dadurch dass die Geschichte nicht im Zentrum, sondern in den Vororten spielt, bekommt der Leser nur am Rande mit, dass es sich um Paris handelt. Dabei könnte der Roman auch in jeder beliebigen anderen Stadt spielen, sei sie nun eine Großstadt oder eine überschaubare Wohnstadt. Und dadurch kann man sich so gut in Stolps Lage versetzen, auch wenn man nicht das „Glück“ hat, in einer Stadt wie Paris zu leben.
Nizon schafft es, aus dem Stoff, aus dem die Einsamkeit, die Melancholie und die Wehmut gemacht ist, einen Roman zu weben, in dem sich der Leser unweigerlich verfängt und sich nicht mehr befreien möchte. Mit einer großen Portion skurrilem Humor und ohne jemals kitschig zu werden, erzählt er Stolps Geschichte, die sowohl den Städter, wie auch den Landmenschen rühren kann.
Ein Buch für all die verlorenen Herzen da draußen, die auch noch ihren Platz in der Welt suchen. Aber auch für all jene, die vermeintlich schon mit beiden Beinen im Leben stehen.
Verliert Euch, rennt gegen die Wand, reibt Euch das Blut von der aufgeplatzten Schläfe und geht weiter, wenn ihr den Aufprall überlebt habt.
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Stan Chrepin / Nathan Pegiblis: PROJEKT STARTANIC - DIE REISE BEGINNT
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(1) Die AUTOREN in einem Satz
- Stan Chrepren und Nathen Pegibils - Mystisch... Allerdings sind das Pseudonyme - 100%. Wollen sich in Texas kennen gelernt haben. Ist aber ein deutsches Buch.
(2) Der INHALT in einem Satz
- Ein Raumschiff wird ins All geschickt, um die verglühende und zerstörte Erde durch einen neuen Planeten zu ersetzen.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Abgefahren, ultrakomisch, bescheuert, regt aber trotzdem an manchen Stellen zum Nachdenken an.
(4) "Besprechung"
- Knut ist tot!!!
Okay, noch nicht, aber zu der Zeit, in der dieses Buch spielt, ist Knut tot! Wie auch seine Artgenossen.
Egal. Das gerade erschienene Buch Projekt Startanic - Die Reise beginnt startet die Beantwortung der Frage: „Was passiert, wenn die Klimakatastrophe, George W. Bush und die ‚Bild’ die nächsten Jahrzehnte zu ihrer Zeit der totalen Selbstverwirklichung erklären?“ Und die Antwort der Autoren geht ungefähr so: „Keine Ahnung, aber besser als jetzt wird’s nicht und irgendwann muß sich etwas ändern!“
Das Buch macht sich Gedanken darüber, wie lange wir Menschen unsere intellektuellen Fähigkeiten noch ignorieren können, indem wir Talkshows gucken, CNN Glauben schenken und neue Braunkohlekraftwerke bauen wollen. Das wird irgendwann bei ner neutralen Diskussion wohl ziemlich deprimierend und deswegen gibt's noch ein wenig Belletristik dazu:
- Ein Raumschiff wird ins All geschickt, um einen neuen Planeten für die Menschheit zu finden, und wie beim normalen Gebrauchtwagen sind auch bei diesem Raumschiff der TÜV überfällig, der Keilriemen kurz vorm Explodieren und die Bordkanonen im Arsch!
- Chef des Raumschiffs ist Herbert Fooley, ein Allerweltsmann mit einem gewöhnlichen Alkoholproblem, dem Intellekt eineeines Toastbrots und einer Ehefrau, deren Oberschenkelumfang schon so weit ist, wie der Bauchumfang einer dicken Frau!
- Lieutenant Nada macht die Funkerin und hat wie die Otto-Normal-Ende-Zwanzigerin stets zu lange Fingernägel, eine gescheiterte Model-Karriere hinter sich, und absolut keine Ähnlichkeit mit Uhura.
- Gesteuert wird das Gefährt von Commander Jackson, ein normaler zukünftiger Nobelpreisträger der Physik, gewissenhaft und stets wißbegierig und verklemmt wie ein altes Scheunentor.
Tja, ob und wie die drei sich zusammenraufen, um die Menschheit zu retten, erfahrt Ihr dann im Buch. Und ihr erfahrt auch, wie Harri, der sprechende Hamburger und passionierte Burger-Rechtler einem Meuchelmord zum Opfer fällt!
Total abgefahren und wohl auch nicht ganz ohne Alkoholeinfluß entstanden! Ist aber absolut das Lesen wert!!! Paar viele Druckfehler aber die fallen beim Lesen schon ab Ende des Prologs nicht mehr auf!! Guckt mal auf www.startanic.de nach.
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William Wharton - Birdy
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(1) Die AUTOREN in einem Satz
William Wharton - scheins ein Pseudonym.
(2) Der INHALT in einem Satz
Birdy mag es, seinen Kanarienvögeln zuzugucken
(3) Mein FAZIT in einem Satz
Ich mag es, birdy beim Zugucken zuzugucken.
(4) "Besprechung"
Wer hat nicht schon mal davon geträumt ein Vogel zu sein?
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Blog Mich!
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(1) Der AUTOR in einem Satz
Pegibils und Chrepren - weiß bis heute nicht wie man das aussprechen soll. Die Bio auf deren Homepage klingt lustig aber nicht sonderlich glaubwürdig - andererseits bendeidenswert, vielleicht ist ja doch was dran?!
(2) Der INHALT in einem Satz
Die Autoren haben Einträge aus ihrem Weblog in Buchform gepresst und diese anschliessend selbst (teilweise höchst unterhaltsam) kommentiert.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
Kurz aber günstig und wirklich unterhaltsam, nicht zuletzt einige gute Hinweise, was man bei Weblogs tunlichst unterlassen sollte ...
(4) "Besprechung"
Was soll man dazu sagen? Ein Weblog in Buchform eben - Erscheinungsdatum der Einträge inklusive. Die ausgewählten Einträge sind dafür auch wirklich gut. Ob diese tatsächlich nicht mehr im Online-Weblog existieren weiss ich nicht, hab mir die Mühe nicht gemacht ... Die sich anschließenden Kommentare sind jedenfalls komisch geschrieben und enthalten auch jedes Mal einige Körnchen Wahrheit. Daher auch der Werbespruch, dass einem dieses Buch Tipps fürs Schreiben des eigenen Weblogs liefert. Letzteres kann ich durchaus bestätigen :birdie:
Die Autoren beweisen jedenfalls Kreativität, etwas in der Form war mir bisher nicht untergekommen. Manko ist dafür definitiv die Kürze (100 Seiten). Dafür ist der Spaß auch verhältnissmässig günstig und die Autoren kommentieren die Seitenzahl sogar noch - in diesem Sinne: fröhliches bloggen!
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Dirk Müller - Crashkurs
[img][img=http://img163.imageshack.us/img163/7249/crashnt.th.jpg][/img]
(0) Der Auslöser für diesen Beitrag- "Der Philosoph und der Wolf" war nur gebunden und in englischer Sprache lieferbar. :motz:
(1) Der AUTOR in drei Sätzen
- Dirk Müller ist ein Klassenkamerad von mir. Er ist der Letzte, von dem man vor 20 Jahren gesagt hätte, dass er mal als Autor zu Ruhm, Ehre und Reichtum kommen würde; am allerwenigsten wohl er selbst. Schreibstiel, Wortwahl und der etwas brüchige Aufbau des Buches machen dem Leser deutlich, dass Mr. Dax nicht zum Poeten geboren wurde; möglicherweise aber zum Propheten. :worship:
(2) Der INHALT in einem Satz
- Die Börse, die Wirtschaft und der ganze Rest.
(3) Mein FAZIT in einem Satz
- Wer Spaß an humorvollen und markigen Worten über Verschwörungstheorien hat, und den Begriffen und Phänomenen der aktuellen Wirtschaftskrise bisher verständnislos gegenüber stand, für den sind die 18 € möglicherweise eine gute Investition.
(4) "Besprechung"
- Dirk Müller schildert als insider Erfahrungen, Beobachtungen und Überlegungen, wie man sie ganz zwangsläufig während zweier Jahrzehnte in der Finanzbranche bzw. auf dem Börsenparkett machen muss. Er spart dabei nicht an Kritik am eigenen Berufsstand, (z.B. an Kollegen, die Grundnahrungsmittel zum Gegenstand der Spekulation machen) vor allem aber erklärt er den interessierten Laien mit allgemeinverständlichen, teilweise flapsigen Worten (so ist er halt) die Zusammenhänge und Mechanismen der internationalen Finanzwelt und wie sie mit der Politik verwoben, ja verstrickt ist. So erfährt der Leser die Wahrheit (Dirk Müllers Wahrheit, das muss man immer dazu sagen!) über Inflation, Arbeitslosenzahlen, die Federal Reserve und die rund um den Globus zirkulierenden Milliarden US $, denen überhaupt kein Angebot an Waren und Dienstleistungen gegenüber steht. Selbst wenn man nicht alles für bare Münze nimmt, was Dirk Müller schreibt, so muss einem Angst und Bange werden, und die Szenarien, die er am Ende des Buches über die Zukunft entwirft, sind durchaus geeignet, um einen BWL- Studenten zum Studienabbrecher werden zu lassen.
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Das Blut der Götter
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1) Der AUTOR
Kristina Gehrmann - studiert in Florenz Malerei, Autorin und lebt in Meerbusch / Düsseldorf.
(2) Der INHALT
Thaidos Maglione, der junge Gelehrte will kein Pirat wie sein Vater werden, da er Schreiber ist. Er entschließt sich mit Saphatino einem Gefolgspiraten, nach einem tragischen Fall zu fliehen und gegen die Machtkämpfe der Giftmischer Familie Borgia entgegen zu treten.
(3) Mein FAZIT
Ein sehr lesenswertes Buch, über eine Jungen Beziehung die sehr detailreich geschildert wird. Zugleich erfährt man einen gut recherchierten Ablauf und verfolgt mit Spannung das Geschehen. Ein Buch für Liebhaber der Homoszene und historisch Interessierten.
(4) "Besprechung"
Rom, 1494: Der junge Thaidos Maglione muss mit ansehen, wie sein Vater verhaftet wird. Der römische Kardinal Cesare Borgia will seinem Vater Informationen über ein universales Gegengift entlocken, das als verschollen gilt – das Blut der Götter. Doch Thaidos' Vater will verhindern, dass der Kardinal die Substanz in die Hände bekommt und beauftragt Thaidos, sie zu finden und zu vernichten. Zusammen mit Saphatino, einem Piraten aus der Gefolgschaft seines Vaters, macht sich Thaidos auf die Suche nach dem Gegengift. Doch er verliebt sich auf seiner Reise nicht nur in Saphatino, zu allem Überfluss ist ihm und seinem Begleiter auch noch ein vom Kardinal beauftragter Assassine auf den Fersen...
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Lichtkreise - Provokationen christlichen Denkens v. E. Bamberger
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Autor:
Eckehard Bamberger, studierte in Innsbruck Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie.
Der Inhalt:
Ein außergewöhnliches Orientierungsbuch, das den Leser dazu anregen möchte, den christlichen Glauben sowie seine persönliche Gottesbeziehung näher und vielleicht einmal auf ganz andere Art zu betrachten. Themen wie Supermacht Gott, was hält die Neurobiologie von der menschlichen Seele, ist Religiosität vielleicht eine Sache der Begabung oder das Alte Testament und der christliche Glaube werfen Fragen auf, die uns nachdenklich machen, aber auch zu neuen Sichtweisen der Begegnung von Mensch und Gott im Lichte des Evangeliums führen können.
Fazit:
Alles in allem ein lesenswertes Buch!
Besprechung:
Eigentlich habe ich mich vom Titel „Provokationen Christlichen Denkens“ provozieren lassen, dieses Buch zu kaufen und war neugierig, worauf es hinauslaufen würde. Ich habs sonst nicht so mit der Theologie, aber über die menschliche Existenz und ob es ein Leben nach dem Tod gibt, mache ich mir schon Gedanken.
Ich muss sagen, nachdem ich dieses Buch gelesen habe, ist mir klar geworden, dass die Psyche und die Seele des Menschen zwei grundlegend verschiedene Dinge sind … So ganz nebenbei hab ich eine Menge über christliche Bräuche und Traditionen erfahren und wie sich das christliche Selbstverständnis im Laufe der Jahrhunderte verändert hat.
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Auch sehr interessant, wenn man sich denn mit der Materie beschäftigt. D.h. sie studiert o. ä.: Die Gold Verschwörung. Ein Blick hinter die Kulissen der Macht von einem Privatbankier aus der Schweiz..
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An Education von Nick Hornby. Hornby ist eh klasse..