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30-10-2005 02:28 #1
Studenten: Lernt von euren Professoren
Gerade kommen wir von der Hamburger Nacht des Wissens wieder. Eine sehr empfehlenswerte Veranstaltung, bei der zahlreiche Forschungseinrichtungen für einen Abend und eine Nacht ihre Tore öffnen und sich dem interessierten Publikum präsentieren.
Die Nacht des Wissens wurde in den Medien groß angekündigt, das Programm las sich vielversprechend. Die Karten waren günstig. So zogen wir am Nachmittag voller Erwartung zu den Hamburger Landungsbrücken, von wo mehrere Barkassen nach Hamburg-Harburg übersetzen sollten. Vom dortigen Bootsanleger sollten dann Shuttle-Busse die zahlreichen Besucher zum Campus der Technischen Uni Harburg bringen.
Während der Barkassen-Fahrten wollten Professoren der TU Vorträge über den Hamburger Hafen halten. Daraus wurde leider nichts. Wie uns an Bord Studenten der TU erzählten, hatten sich die Professoren kurzfristig entschieden, lieber auf dem VIP-Schiff mitzufahren, das extra für den Bildungssenator gechartet worden war. Die Vorträge fielen ersatzlos aus.
Am Bootsanleger im Harburger Industriehafen dann die nächste Überraschung. Die angekündigten Busse kamen nicht. Am Anleger stand nur ein einziger Bus. Der aber war für den Bildungssenator reserviert. An Bord bereiteten zwei Hostessen gerade einen kleinen Sekt-Imbiss für die viertelstündige Fahrt zur TU vor. Der Pöbel musste derweil sehen, wie er aus dem menschenverlassenen Industriegebiet zur Uni kam. Einige Passagiere von anderen Barkassen erzählten uns, dass sie bereits seit einer Stunde auf die angekündigten Shuttle-Busse warteten. Das war uns dann doch zu lang. Und so brachen wir und viele andere, die jung und gut zu Fuß waren, Richtung Zivilisation auf, wo wir dann irgendwann eine Bushaltestelle erreichten. Von dort gings mit einem Linienbus in die Harburger City und dann per pedes weiter zur TU.
Leider kamen wir dadurch später als erwartet an und konnten zwei besonders interessante Vorträge nicht mehr hören. Als kleine Entschuldigung der TU gab's dafür im Hauptgebäude ein oppulentes Buffet (leider nicht für uns, sondern - ihr erratet es schon - nur für den Bildungssenator).
Derweil betätigte sich draußen vor dem Haupteingang der TU eine eifrige Lehrkraft der Hochschule als Parkwächter und verscheuchte alle Fußgänger, damit der Fahrer des Bildungssenators vorfahren und den Ehrengast nach seinem Kurzbesuch möglichst fußbequem (3m von Tür bis Auto) wieder abholen konnte.
Der Hamburger Bildungssenator ist übrigens für sein rigides Sparprogramm bekannt und gefürchtet. Den Hochschulen hat er "schmerzhafte und unangenehme" Einsparungen angekündigt. Geisteswissenschaften und andere Fächer, die kein Geld einbringen, sollen so lange zusammen gelegt werden, bis diese freiwillig aus Hamburg abwandern. Studiengebühren von 2500 Euro ab dem ersten Semester sind anvisiert.
Vor diesem Hintergrund kann man natürlich verstehen, dass die TU ihrem Ehrengast besondere Aufmerksamkeit widmet und andere Besucher am Tag der offenen Tür dann nicht ganz so willkommen sind. Jedenfalls war der Senator zufrieden. In einem Grußwort dankte er für "Einsatz, Ideen und Kreativität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beteiligten Einrichtungen". Und das Buffet war sicher auch lecker.
Also, ihr demonstrierenden Studenten: Versucht nicht länger, das Ohr eures Senators mit Pfeifkonzerten zu erreichen. Denn das ist eindeutig die falsche Körperöffnung, um einem Politiker ein persönliches Anliegen vorzubringen. Und bei Sekt und Schnittchen diskutiert sich's ja auch viel besser.
Gruß,
Karendric
Übrigens sind wir nachher noch zu den Nanotechnikern und zum Deutschen Elektronensynchroton gefahren, wo allen (!) Gästen ein erstklassiges und sehr informatives Programm geboten wurde. Vielen Dank an alle Wissenschaftler und Studenten, die sich bis in die Nacht Zeit für unsere Fragen genommen haben und ihre Arbeit so interessant vorgestellt haben. Nächstes Jahr kommen wir wieder.Geändert von Karendric (30-10-2005 um 02:50 Uhr)
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