tje, deine chefin wird dich auch mit einem engen budget bezahlen, das pro omi oder opi halt nur zwei minuten erlaubt. aber eine pissnelke ist sie trotzdem, für soviel humanität muss nun wirklich noch platz sein. wenn sie dir noch mal so kommt, frag sie doch mal ganz freundlich, was für sie eigentlich das wort hilfsorganisation bedeutet.
:-)
stipe![]()
Thema: Essen auf Rädern
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Ergebnis 1 bis 5 von 8
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14-11-2003 15:19 #1
"Student" (20-79 Beiträge)
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- 71
Essen auf Rädern
Ich arbeite am Wochenende bei "Essen auf Rädern", bringe also alten Omis und Opis warme Mahlzeiten.
Ich hab da ja schon so einige Knüller erlebt, aber DAS schlägt so einiges um Längen:
Auf meiner Tour gibt es eine süße kleine Omi, schon weit über 90, schon etwas senil, aber ansonsten noch ganz fit im Kopf. Ich bring ihr so um zehn rum ihr Essen, bißchen Smalltalk, dann muß ich auch schon weiter.
Allerdings hat die gute Frau vormittags ab und zu Kreislaufprobleme, ihr ist dann total übel, manchmal weint sie auch, weil sie sich so hilflos vorkommt. Ja, was soll man da machen? Natürlich hilft man der Frau auf und bringt sie ins Bett, stellt ihr noch´n Glas Wasser hin, tätschelt ihr die Hand und wünscht ihr noch gute Besserung, bevor man dann aber auch wirklich wieder los muß (denn unter den 30 anderen alten Leuten, die noch auf ihr Essen warten, sind mindestens 10, die Terz machen, wenn ihr Futter fünf Minuten zu spät kommt.).
Letzte Woche war ich also wieder bei besagter kleinen Omi, und wieder ging´s ihr schlecht. Diesmal weinte sie aber richtig bitterlich und flehte mich regelrecht an, dass ich doch bloß nicht erzählen sollte, dass ich ihr wieder ins Bett geholfen habe. Und warum? Weil meine tolle Chefin bei ihr angerufen hat und meinte, dass sie die Fahrer nicht BELÄSTIGEN soll!
..................also, mir fiel da echt nichts mehr ein. Die Frau ist über 90 und kann sich nur noch mit ihrer Gehhilfe vorwärts bewegen, und selbst das mehr schlecht als recht. Soll ich etwa, wenn sie wieder elend und schluchzend in ihrem Sessel sitzt, einfach weggehen, als wäre nichts? Himmelarschundzwirn, da opfere ich doch lieber fünf Minuten meiner knappen Zeit, als dass die Dame von selbst versucht ins Bett zu gehen, hinfällt, sich sonstwas bricht und dann in ihrer Wohnung liegt, bis am nächsten Morgen der nächste Fahrer kommt!
Und selbst wenn meine Chefin mit dem Argument kommt, dass alte Menschen gerne mal makieren, um ein wenig Aufmerksamkeit zu bekommen... ja und? Die Frau hat kaum noch Kontakt zur Aussenwelt, sie sitzt den ganzen Tag allein in ihrer großen Wohnung und freut sich über jede Abwechslung, und wenn´s nur die zwei Minuten am Tag sind, wenn ein Essen auf Rädern-Fahrer vorbei kommt und mal "Moin" sagt.
Ich bin entsetzt, dass selbst bei einer scheinbar sozialen Einrichtung die Nächstenliebe (wenn man bei so nem kleinen Akt, wie jemanden ins Bett bringen überhaupt schon von Nächstenliebe sprechen kann und nicht einfach nur von Anstand) derart auf der Strecke bleibt!
Oder hab ich da jetzt was falsch verstanden? Kann einer von euch meine Chefin verstehen?~We have such sights to show you...~
~In heaven everything is fine, you got your good things and I got mine~
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14-11-2003 17:06 #2
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14-11-2003 19:04 #3Gast
Muß nicht gerade in so einer Organisation wie dem DRK, der Volkssolidarität, der Caritas oder wie auch immer die bei Euch heißen und die sich vorwiegend um das Wohlergehen älterer Menschen kümmern Platz für soziale Kontakte sein?
Wird das Essen der anderen kalt, wenn Du mal ein paar Worte mit der Oma wechselst?
Nein, das wird doch in Warmhaltebehältern ausgeliefert. Neuerdings sogar auch mikrowellengeeignet. Irgendwo gibts da sogar eine "idiotensichere" Mikrowelle dazu, wo die Standardspeisen schon einprogrammiert sind, damit sie schnell warm werden.
Ich würde das Verhalten nicht unbedingt als besonderen Akt der Nächstenliebe verstehen und selbst dazu wärst Du verpflichtet, wenn man sich anguckt, in welcher Tradition diese Vereine stehen, nein, das ist ganz einfach Höflichkeit und Freundlichkeit. Leider geht so ein Verhalten in der heutigen Welt immer mehr verloren.
Deine Chefin sollte mal überlegen, wie sie die Touren plant. Sie ist nicht bei der Post, wo man die Pakete an der Haustür abgibt und das war es. Sie sollte sich schon bewußt sein, bei welcher Einrichtung sie arbeitet.
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14-11-2003 20:31 #4
Der typische Interessenkonflikt zwischen sozialem und kaufmännischem Handeln. Deine Chefin scheint der Manager-Typ zu sein. Und in ihrem Zahlen, Effizienz und Produktivitätssystem mit begrenztem Budget hat sie da schon Recht. Ich meine allerdings das man ein Mindestmaß von sozialem Verhalten auch von Managern abverlangen kann und bei einer sozialen Organisation sollte man das sogar vorraussetzen können.
Formal hat sie sicher recht: Pflegerische Leistungen gehören nicht zum Essen auf Rädern, oder? Dafür sind andere zuständig. Soweit die theoretischen Regeln, das wahre Leben tickt eben anders. Und ich stimme zu, dass es geradezu unmenschlich wäre wenn Du nur das machst was Deine Chefin von Dir verlangt. Für was schafft man im sozialen Bereich, wenn man sich nicht mehr sozial verhalten darf? Es geht nicht, dass man mit dem Kostendruck auch gleich noch die Hilfsbedürftigen mit zerquetscht.
Ich schätze aber, dass das Deine Chefin nicht sonderlich juckt wenn sie sogar bereit ist eine alte Oma zusammenzuscheissen. Ich würde ihr also mit nüchternen Fakten kommen:
Du machst Deine Tour mit 30 Leuten so gut Du es kannst und mit dem von Dir als nötig angesehenem sozialen Enagement. Wenn es an Deiner Arbeitsleistung oder Ausführung etwas zu kritisieren gibt, dann soll sie das mit Dir klären und mit niemand anderem. Das ist nämlich auch eine Beleidigung an Dich, wenn sie Dich so behandelt als ob Du nicht selbst in der Lage wärst mit deiner Arbeit und dem dazu nötigen Zeitmanagement zurechtzukommen.
Und wenn sie wirklich will, das die Leute in ihrer Scheisse verrecken nur damit man nochmal zwei Minuten einspart, dann soll sie sich einen anderen suchen, bzw. besser eine Stelle in der Waffenindustrie bemühen. Nun gut, den letzten Teil kann man etwas diplomatischer formulieren (andeutungsweise) bzw. wenn nicht nötig weglassen.
Vielleicht braucht sie mal so einen Hinweis. Auch Chefs müssen erzogen werden. Vielleicht ist sie auch nur in ihrem Denksystem verhaftet,so dass sie ihr Verhalten (etwas) ändert wenn man ihr die andere Perspektive zeigt.
Und wenn´s gar nicht anders geht hast Du eben jedesmal (offiziell) zwei rote Ampeln mehr und zähfliesenden Verker auf den Straßen. Manchmal muss man die Realität so zurechtbiegen, dass sie in ein starres Formular reinpasst. Ich war in meiner Zeit im Zivi auch immer wieder mal freundlicher (im Bezug auf Hilfeleistungen/ Wartezeiten ect.) als erlaubt/vorgeschrieben. Und wenn die Gesamtleistung trotzdem stimmt kann einem da keiner was.
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16-11-2003 17:44 #5
Re: Essen auf Rädern
Hi Rajadie,
so wie ich die Statistiken sehe, hat Deine Chefin gute Chancen die Auszeichnung "Kotzbrocken der Woche" endlich zu erhalten.
Wer lässt solche Menschen Führungspostionen in sozialen Einrichtungen einnehmen? Den Spagat zwischen sozialer Arbeit und Unternehmensführung kann man doch besser meistern?
ZoneV (betroffen von der Unmenschlichkeit)
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