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  1. #1
    Avatar von Faust
    Faust ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    "For love and glory"

    Interview mit Gunnar Heinsohn, Chef des "Rafael-Lemkin-Instituts für Völkermord und Xenophobieforschung" in Bremen.

    Frage: Warum führen die Amerikaner diesen Krieg?
    Heinsohn: Die Amerikaner rechnen damit, daß ungefähr 750 Millionen junge Männer in der Dritten Welt, die heute noch Knaben sind, in den kommenden 15 Jahren ins Kampfalter treten. 250 Millionen von ihnen werden zu Hause gesellschaftliche Positionen finden, mit denen sie zufrieden sind. 150 Millionen weitere wird man im Westen unterbringen müssen, weil man hier Geburtenraten hat, die gegen ein Kind pro Frau tendieren. Das läßt 350 Millionen Männer übrig, die keine Position finden.

    Frage: Mit welchen Folgen?
    Heinsohn: Die werden ihre Heimatländer destabilisieren. Das heißt, sie werden sich aufteilen in "Kämpfer für die Gerechtigkeit" hier und "Kämpfer für Gesetz und Ordnung" dort und Bürgerkriege führen. Von den 70 Ländern mit überschüssigen jungen Männern führen schon heute 60 Bürgerkriege. Das ist entsetzlich, aber das Töten in diesen Ländern betrifft die Bürger des Westens nicht.

    Frage: Was geht das die Amerikaner an?
    Heinsohn: Ungefähr zehn Prozent der Länder werden versuchen, über ihre Grenzen hinauszugehen und kleine Reiche zu bilden. Die Bildung von Imperien durch Krieg ist völkerrechtswidirg - das wissen die alle - , deswegen werden sie versuchen, das mit Hilfe von Massenvernichtungswaffen zu erreichen. Die Amerikaner bereiten sich auf fünf bis sechs solch kleiner Reichsbildungen vor. Dabei fürchten sie nichts mehr, als daß sie gegen zwei Möchtegern-Imperien gleichzeitig kämpfen müssen.

    Frage: Warum aber wird jetzt der Irak zum Ziel?
    Heinsohn: Weil er der klassische Fall einer versuchten Reichsbildung ist. Seine Bevölkerung hat sich seit dem Machtantritt Husseins von 12 auf 24 Millionen Menschen verdoppelt. Jetzt ist die Stunde gekommen, diesen Reichseroberer zu stoppen, bevor er Atomwaffen hat. Das müssen die Amerikaner so überzeugend tun, daß die nächsten fünf oder sechs Kriege gar nicht stattfinden.

    Frage. Was aber, wenn diese Kriege doch stattfinden?
    Heinsohn: Die Amerikaner haben 30 Millionen Jungen. Da draußen sind 300 Millionen, die keine Positionen finden. Die Amerikaner können ihren einzelnen Sohn nicht unaufhörlich nach draußen schicken, um dort zehn junge Männer vom Kämpfen abzuhalten. Deshalb hoffen sie, daß sie gegen die zehn dort draußen niemals gleichzeitig Krieg führen müssen -daß sie sich einen nach dem anderen vornehmen können. Der Plan ist also, einen Kandidaten auszuschalten ("win"), daß man dann drei oder vier Jahre Ruhe hat ("hold"), und daß dann erst der nächste Krieg kommt. Damit stünde man immer nur einer gegen einen. Der Irak ist in dieser win-hold-win-Kette der erste.

    Frage: Gegen wen werden sich die nächsten Kriege richten?
    Heinsohn: Syrien hat einen alten Reichsbildungsplan, der Israel, Palästina, Jordanien und Stücke des Irak einschließt. Iran hat einen schiitischen Reichsbildungsplan: Er will Teile des Irak und von Afghanistan haben. Pakistan würde sich gerne Teile Afghanistans und Indiens herausschneiden. Auch in Afrika gibt es ein halbes Dutzend potentieller Bürgerkriegsgebiete, bei denen aber viel weniger die Gefahr besteht, daß sie nach außen überschwappen.

    Frage: Ist dies ein einziger großer Kampf gegen den Islam?
    Heinsohn: Islamische Länder haben zur Zeit den höchsten Überschuß an jungen Männern. Diese Moslems stecken schon jetzt mitten im Blutvergießen durch Bürgerkriege. Dabei kämpfen Moslems, die gesellschaftliche Positionen haben, gegen andere, die keine Positionen haben und sagen: "Wir sind aber viel bessere Moslems". In dem Moment, wo sie diesen Kampf nach außen tragen, sind sie mit der demokratischen Führungsmacht konfrontiert.

    Frage: Gibt es eine unblutige Lösung?
    Heinsohn: Bisher kennt die Geschichte keine. Jedenfalls nicht bei einem Überschuß zweiter, dritter und vierter Söhne, die keine Stellung finden. Wohlgemerkt, das Problem ist nicht, daß diese Söhne hungern, sondern daß sie gesellschaftliches Ansehen wollen. Es geht um Wichtigkeit - "It's still the same old story, a fight for love and glory". Wir haben es mit zornigen jungen Männern zu tun. Da gibt es nur eine Alternative: entweder Bürgerkrieg oder transnationaler Krieg. Erst wenn wieder einigermaßen akzeptable gesellschaftliche Positionen da sind, tritt Frieden ein. Die Alliierten bekommen gerade jetzt zu spüren, daß Saddam eine Million junger Männer ins Feuer schicken kann, die zu Hause niemand braucht und die sich durch Heroismus beweisen wollen. Ob hingegen Amerika auch nur 1000 Gefallene aushalten kann, muß sich erst erweisen.

    Frage: Geht es den Amerikanern nicht um etwas viel Einfacheres, nämlich um Öl?
    Heinsohn: Von 100 Tonnen Öl, die die Amerikaner verbrauchen, kommen nur noch zehn aus dem Nahen Osten. Aus dem Irak keine einzige. Die Amerikaner planen, sich bis 2007 auch vom saudi-arabischen Öl zu trennen, um sich künftig aus dem atlantischen Becken und aus Rußland zu versorgen.

    Frage: Warum sind amerikanische Soldaten dann damit beschäftigt, die Ölfelder im Irak zu sichern?
    Heinsohn: Die Amerikaner sind daran interessiert, daß ein befreiter Irak eine Wirtschaft hat, damit er seine Bevökerung selbst ernähren kann.

    Frage: Wird dieser Krieg nur geführt, um den zionistischen Staat Israel und seine Politik zu schützen?
    Heinsohn: In dieser Frage haben die Amerikaner eine ganz andere Sichtweise als die Europäer. Sie haben erkannt, daß gar nicht die Juden das Problem sind. Das Problem liegt vielmehr in Palästina selbst, das über dreißig Jahre lang die höchste Geburtenrate der Welt hatte. Die vorgeschobene Rechtfertigung ist also nicht der wahre Grund für den Haß der Palästinenser. Wenn es keine Juden gäbe, wäre Palästina heute so etwas wie Algerien, wo Araber sich gegenseitig umbringen; dort sterben 50 Mal so viele Araber wie im Palästinakonflikt.

    Frage: Ist der Irak-Krieg völkerrechtswidrig?
    Heinsohn: 1948 verabschiedete die UNO ihre Konvention gegen den Völkermord, die 140 Nationen einschließlich Deutschland unterschrieben haben. Sie verpflichtet dazu, jeden Völkermord entweder im Vorfeld zu unterbinden oder ihn wenigstens zu stoppen oder im nachhinein die Täter zu bestrafen. Allein der Artikel 1 dieser Konvention reicht als Legitimation für eine militärische Intervention vollkommen aus.

    Frage: Warum sagt das George W. Bush nicht?
    Heinsohn: Er sagt es verdeckt. Jede seiner Reden enthält eine Liste der genozidalen Verbrechen Saddam Husseins mit einer Million Opfern.

    Frage: Wieso beruft er sich nicht offen auf die Konvention gegen den Völkermord?
    Heinsohn: Dann würde er Amerika in Zugzwang bringen. Sie müßten anschließend bei jedem Völkermord einmarschieren (da der Rest der Welt bevorzugt tatenlos zusieht), was sie schlicht nicht können - ich erinnere nochmal an die 30 Millionen gegen die 300 Millionen dort draußen.

    Frage: Warum steht Deutschland in diesem Konflikt gegen Amerika?
    Heinsohn: Deutschland ist militärisch unfähig und verkauft nun seine Impotenz als Keuschheit. Regierung und Opposition sind einander in dieser Frage sehr nahe, weil ja beide auf der real existierenden Wehrlosigkeit agieren müssen. Deshalb bauen sie auf die UNO und Kofi Annan, der 1994 in verantwortlicher Stellung den Völkermord in Ruanda möglich gemacht hat. Das zeigt, wie verzweifelt Regierung und Opposition im Grunde sind.
    Geändert von Faust (05-04-2003 um 09:43 Uhr)
    Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden.

    Psalm 48,11

  2. #2
    Pour ist offline "Habilitand" (500-749 Beiträge)
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    Ach dann sind die legitimen Gründe nicht mehr die Massenvernichtungswaffen, die Repression und virtuelle Verbindungen mit dem wahabitischen Terrorismus, sondern Überbevölkerung, Versagen der kapitalistischen Weltwirtschaft, die Expansion einzelner Staaten, sobald sie sich nicht mehr einspannen lassen (oder wurde hier jetzt Saudi-Arabien thematisiert). Wie schön, dass allen Kriegsbefürwortern soeben alle Argumente um die Ohren geflogen sind. Man sollte sich schon nicht selber widerlegen. Aber warum sagen uns das nicht unsere Freunde? Immerhin ist auch unser Lususleben in Gefahr.

    "Kofi Annan, der 1994 in verantwortlicher Stellung den Völkermord in Ruanda möglich gemacht hat"
    --> und Mobutu war vollkommen unschuldig, oder die Banyamulenge, Uganda und Burundi? Und wie hieß noch gleich mal der Verbündete Mobutus? Hab wohl den Namen vergessen, aber der war immer versessen darauf, dass Zaire als afrikanischer Anti-kommunistischer Block alle umgebenden Staaten destabilisiert.
    Aber warum stellt dieser hervorragende Wissenschaftler nicht die Bemühungen der USA zur Vermeidung von Völkermord heraus? Weil man mit gezielter Weglassung auch Stimmung machen und Meinungsbildung betreiben kann.

    Sicher will die US-Gov. nicht das Öl für sich. Sondern für den bald größten Abnehmer, nämlich China. Ein hervorragendes Druckmittel.

  3. #3
    nebel ist offline "Doktor" (300-499 Beiträge)
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    Wird nicht gerade durch den Krieg gegen den Irak und dessen problematische Legitimation der Hass auf die USA noch geschürt? So wird doch die "Generation der jungen Kämpfer" nur noch angefeuert in ihrem Bestreben, sich gegen "den Westen" zu wehren. Erst recht, wenn man sich wie ein Elefant im Porzellanladen verhält und von der "Achse des Bösen" und "Kreuzzügen" spricht. Auch dürfte es provokant sein, wenn der US-Präsident tatsächlich im Fernsehen der iraksischen Bevölkerung verkündet: "Ihr habt euer Schicksal in der eigenen Hand." Das ist doch lächerlich.

  4. #4
    Avatar von Faust
    Faust ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    So wird doch die "Generation der jungen Kämpfer" nur noch angefeuert in ihrem Bestreben, sich gegen "den Westen" zu wehren.
    Tatsächlich? Da wäre ich mir nicht so sicher. Immerhin wurden die Anschläge auf das WTC unter Clinton geplant, einem Präsidenten, der sich nun wirklich nirgendwo eingemischt hat. Und viel schlimmer als am 11.09. kann es nun wirklich kaum noch kommen.
    Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden.

    Psalm 48,11

  5. #5
    Avatar von Faust
    Faust ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Erst recht, wenn man sich wie ein Elefant im Porzellanladen verhält und von der "Achse des Bösen" und "Kreuzzügen" spricht.
    Natürlich ist die Sprache martialisch, aber es ist dieselbe Sprache, die auch der Gegner spricht. Und nach dem Anschlag auf das WTC ist es kein Wunder, wenn der Elefant aufgeschreckt ist und sich nicht mehr ganz so nett verhält.
    Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden.

    Psalm 48,11

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