Ich finde Zulassungstests sowieso eine gute Idee... dann wären nämlich in meinem Studiengang von den ursprünglich 22 Anfängern wohl noch mehr da, als jetzt die zehn Leutchen im 5. Semester! Darunter auch jemand, für den das Studium völlig umsonst ist (typischer Fall von "geistiger Querfinanzierung", danke für das Wort) und noch jemanden, der von vorneherein sagte, er wolle es nur mal ausprobieren. Andererseits sind die Studenten, die nebenbei arbeiten mussten, noch alle dabei.
Ich denke aber, dass wir um die Studiengebühren nicht drumherum kommen werden; auch unabhängig vom jetzigen Stand der Politik hätten wir spätestens in 10 Jahren Studiengebühren.
Edit: Stipendienvergaben laufen ja auch über Gespräche (Motivation, vorhandenes Wissen etc.) ab, wieso sollte man das nicht auch an den Unis machen?
Umfrageergebnis anzeigen: Gebührenfreiheit des Studiums, dafür aber Zulassungstests durch die Unis?
- Teilnehmer
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Ja, das würde ich unterstützen!
11 78,57% -
Nein, das geht gar nicht!
1 7,14% -
Das kann ich so nicht sagen - ich schreib gleich was dazu!
2 14,29% -
Ist mir wurscht!
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Ergebnis 1 bis 5 von 11
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08-02-2005 11:28 #1
Zulassungstests - eine Alternative?
Einig dürften sich alle Anwesenden in folgendem Punkt einig sein: Studiengebühren ohne flankierende Maßnahmen (Stipendien etc.) führen dazu, dass der Zugang zu Bildung vom Inhalt des Geldbeutels und nicht - wie es sein sollte - von dem des Kopfes abhängt.
Ist es mehrheitsfähig, diesen Zustand umzukehren, indem die Unis selbst Zugangsprüfungen durchführen, um die für den jeweiligen Studiengang geeignetsten auszuwählen und sich vor dem Ansturm des geistigen Mittelmaßes zu schützen?
Das Abitur, das diese Aufgabe einst hatte, leistet Vergleichbares nicht mehr: Nicht nur, dass heute praktisch jeder ein solches Zeugnis bekommen kann, egal, wie klug oder dumm er ist - es ist auch "geistige Querfinanzierung" möglich: Wer in Sport mit 14 Punkten reüssiert, kann seinen Notendurchschnitt evtl. auf einen Level anheben, der den Zugang zum heißbegehrten Jura- oder Medizinstudium sichert, obwohl der Kandidat für ein solches evtl. überhaupt nicht geeignet ist und sich infolgedessen nach ein paar Semestern in das Heer der Abbrecher einreiht.
Wärt Ihr bereit, ein Bildungssystem zu unterstützen, das - wie bisher - gebührenfrei bleibt, aber zu Beginn des Studiums Zugangsprüfungen vorsieht, die nur die besten Anwärter bestehen?
Addendum:
Vor wessen geistigem Auge jetzt Bilder riesiger Hörsäle, gefüllt mit angstschweißüberströmten Studienplatzanwärtern entstehen, welche mit hochrotem Kopf und zitternder Hand den Zulassungstest bearbeiten (Tramontana - die sprachliche Antwort des Unicum-Forums auf Hieronymus Bosch - könnte das sicher wesentlich epischer, schwülstiger und ausdrucksstärker formulieren...
), dem sei gesagt, dass die Unis natürlich eine gewisse Routine darin haben, wie man Kompetenzen prüft: Der Geist hat ja weiter unten schon dargelegt, wie man das sinnvoll machen kann.
Ich schlage vor, sich hierbei ein wenig an den Auswahlprozeduren zu orientieren, die die einschlägigen Förderstiftungen durchführen, wenn sie ihre Stipendiaten aussuchen. Wichtig ist, dass die Besten ermittelt werden können: Ob dafür eine Klausur, ein Prüfungsgespräch oder Kombinationen der beiden untereinander (bzw. mit weiteren Auswahlmechanismen) am geeignetsten sind, werden die Unis beizeiten herausfinden - denn immerhin sind sie es, die die finanziellen Lasten einer falschen Beurteilung zu tragen haben.Geändert von Düsentrieb_610 (08-02-2005 um 13:50 Uhr)
"Es ist mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben, als gelegentlich ihre Bewunderung."
(Jean-Jacques Rousseau)
"Science flies you to the moon.
Religion flies you into buildings."
(Victor Stenger)
Am Ende wird alles gut.
Und falls nicht, ist es nicht das Ende.
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08-02-2005 11:46 #2hanuta Gast
Geändert von hanuta (08-02-2005 um 12:20 Uhr)
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08-02-2005 12:12 #3
Oh ja, Zulassungstests finde ich auch gut. Die wuerden einigen Leuten ein paar verschwendete Semester ersparen. Ich finde die Selektion durch den N.C. viel zu undifferenziert, Stichwort 'geistige Querfinanzierung'
, aber es gibt auch genug Berufe, wo die benoetigten Faehigkeiten nicht ueber den N.C. erfasst werden koennen. Gerade z.B. bei angehenden Paedagogen finde ich die emotionalen Qualitaeten wichtiger als die intellektuellen Qualitaeten. Natuerlich muss ein Lehrer auch fachlich was auf dem Kasten haben, das streite ich gar nicht ab, aber ich glaube, dass gerade in der heutigen Zeit mehr Lehrer daran scheitern, dass sie die Schueler nicht bei der Stange gehalten kriegen, als an zuwenig Fachwissen ... Okay, so etwas muesste so ein Test dann erfassen koennen ... Aber da waere ich dann auch dafuer, eine Art Vorstellungsgespraech in den Zulassungstest zu integrieren. Das fand ich bei der Aufnahmepruefung fuer Lehramtsstudenten fuer Musik in Oldenburg gut. Die Pruefung bestand nur zur Haelfte aus der eigentlichen Musik und die andere Haelfte war ein Gespraech ueber die Motivation.
"Wir sind durch Feuer und Wasser gegangen, aber du, Gott, hast uns herausgeführt ins Weite." (Psalm 66,12)
Copyright
Hier provisorisch die Quellenangabe: alles, was einen Bezug zu Otfried Preußlers kleinem Gespenst hat, ist aus: Preußler, Otfried: "Das kleine Gespenst", Thienemann-Verlag, 1984. Ab sofort distanziere ich mich jedenfalls vollständig von Otfried Preußlers kleinem Gespenst und bin ein beliebiges kleines Gespenst.
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08-02-2005 13:28 #4
Das kann man pauschal nicht beantworten, kommt ganz darauf an, ob der Test valide ist. Wenn's ein sinnvoller Test ist, wäre ich dafür. Ich wäre allerdings eher für Auswahlgespräche als für Leistungstests. Denn bei manchen Studiengängen kommt es weniger aus den Stand des Vorwissens an, sondern einfach darauf, ob man sich den Belastungen des Berufs überhaupt gewachsen fühlt und wirklich diesen Weg einschlagen kann (Lehramtsstudium, z.B.). Wenn man um einen Lehramtsstudenten/in zuzulassen, einfach einen Englisch-Test durchführen würde, fände ich das nicht okay. Es gibt genug Leute, die sehr gut Englisch sprechen, es aber ganz und gar nicht vermitteln können.
Die Methoden müssten also auf den Studiengang abgestimmt werden.Der Wolf ist ein großer Übeltäter, doch er lehrt die Hirten, auf der Hut zu sein.
Chinesisches Sprichwort
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09-02-2005 14:25 #5
Was den Angstschweis der Klausurierten Prüflinge angeht, kann ich nur einen zitieren, der es besser ausgedrückt hat.
bin ich aus
gefegt
be er getrunken
auch & alle mal
geleehrt
zerr geh
ver brochen
viel leicht
eher(n)
hölzer(n)
schwanken strammer
gaffer gischt
schummel schweiß bei
schritt hand rummeln
finger gelenke
hebel symphonik
über papierenen tiefen
knarzt der körper
sehnen haut wie
taue segel im süden
wenn schirokko torkelnd
kommt
niemand (so) halt los
wie du selbst
mächten spielball
göttern schabe
wie geht noch mal
schmutz ab jesus
(Von Arawn)
Selbstverständlich fände ich Klausuren und Auswahlgespräche eine der wenigen praktikablen Lösungen.
Jedoch: Was glaubt ihr, wie vielen weiteren Verwaltungsaufwand das erst produzieren würde? Es müßten extra Prüfer angestellt (oder womöglich noch verbeamtet )werden, die alles durchführen.Die Klausuren müßten ähnlich wie das Abi von zwei unabhängigen Korrektoren bewertet werden (und nicht wie in Bayern, wo der Erstkorrektor mit dem Zweitkorrektor ein Bier trinken geht und sich beratschlagt, ob man den renitenten Schüler X lieber durchfallen lassen sollte...)
In Eichstätt gibt es im übrigen für das Fach Latein ein besonderes Auswahlverfahren:
1. Während der ersten Einführungsveranstaltung im Semester malt ein gewisser Prof alle Schrecken und Fährnisse des Studiums in den grauenerregendsten Farben aus. -> die Latein-Anwärter gehen heim und können vor Angst nicht mehr schlafen.
2. Der Griechischdozent kündigt ungerührt an, in einem dreiviertel Jahr den Stoff von fünf Schuljahren den Lateinstudenten einzupauken. -> Entsetzen macht sich breit. Ist das Studium zu schwer für mich. Bin ich zu blöd?
3. In der zweiten Studienwoche des ersten Semesters muß jeder Lateinstudent eine sogenannte Einstufungsklausur schreiben. Ein Text im LK-Abi-Niveau aber in der Hälfte der Abi-Zeit und ohne Lexikon. Der Dozent sagt bei der Herausgabe, daß jeder, der weniger als zwanzig Fehler habe, voraussichtlich Latein studieren könne. ->man kippt aus den Latschen und fürchtet weiterhin das Schlimmste.
Von 30 Erstsemestern im Winter 2002 sind nach einem Jahr genau noch drei übriggeblieben.In conspectu angelorum psallam tibi, deus meus.
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