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    Avatar von gesein
    gesein ist offline "Absolvent" (80-149 Beiträge)
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    Sorhelm Hessles Einstellung zur Kunst

    Der Text ist eigendlich keine experimentelle Prosa, aber es handelt sich um ein Fragment einer Geschichte die ich schreiben möchte. Sie handelt von einem Schriftsteller mit dem eigenartigen Namen Sorhelm Hessle, soviel sei gesagt.

    Sorhelm Hessles Einstellung zur Kunst

    In dem wir Kunst schaffen, versuchen wir die Unvollkommenheit der Welt zu kompensieren, oder versuchen unsere Unfähigkeit die Unvollkommenheit der Welt zu akzeptieren zu kompensieren, denn nichts ist vollkommen, weder die Natur, noch die Liebe und weil nichts vollkommen ist, versuchen wir Vollkommenes zu schaffen, doch statt die Unvollkommenheit der Welt zu akzeptieren, schaffen wir eine zweite Welt, die noch viel unvollkommener ist als die wirkliche und zwischen diesen Welten sind wir gefangen und müssen wir endgültig zu Grunde gehen; richten uns selbst zu Grunde in dem Versuch Auswege zu finden indem wir weiter machen und immer weiter machen, bis wir schließlich daran sterben und sterben müssen, weil wir doch nichts erreicht haben, außer die Welt noch furchtbarer und das Leben noch lebensfeindlicher gemacht zu haben.

    Und deshalb ist die Kunst überhaupt das aller Menschenfeindlichste, weil wir nicht anders können, als uns immer wieder in die Kunst zu flüchten, alles zu Kunst zu vererklären, so lange, bis am Ende nichts mehr Kunst ist, sondern alles scheußlich wird und alles noch viel unerträglicher ist als es ohnehin schon war, denn alles wird auf Dauer unerträglich und wird noch unerträglicher indem wir alles vergeistigen, sodass alles relativ wird und wir uns am Ende selbst ad absurdum geführt haben, damit wir endlich sterben können und nicht mehr denken, nicht mehr existieren müssen, uns ausexistiert haben und alles zu nichts wird.

    Und ist es nicht auch diese Frage, mit der sich all die Existenzialisten beschäftigt haben, wenn sie fragten: Was ist der Sinn des Lebens? Ist nicht dies die Ursache für den so genannten faustischen Drang? Und war nicht auch diese Tatsache der Grund dafür, dass er in die Schriftstellerei eingetreten war, sich ihr verpflichtet hat, seine Seele ihr verkaufte? Die Tatsache, dass der intelligente Mensch, jener der sich des Lebens bewusst ist und sich des Lebens bewusst sein muss, es sich bewusst machen muss in einem immer fort dauernden im Grunde genommen selbstzerstörerischen Prozess des Kunstschaffens? Denn tatsächlich ist auch die Philosophie Kunst, auch sie erfordert in höchstem Maße Kreativität, so wie auch das Schaffen von Kunst ein andauerndes Insichgehen erfordert; den Geist zur Selbstbeobachtung zwingt und ihn am Ende zerstören muss? Ist nicht dies die Ursache für alles, was wir tun? Nicht die Frage nach dem Sinn unserer Leben, sondern vielmehr die Frage, wie wir diese unsere Leben überhaupt ertragen können?

    Denn unerträglich ist das Leben, schließlich sind beide Wege, die der Mensch zu gehen im Stande ist, unerträgliche: Selbstzerstörung oder Selbstzerstreuung, unbedingt und in ihrer absoluten Konsequenz ebenso unbedingt tödlich.
    Geändert von gesein (04-08-2004 um 17:34 Uhr)

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