UNI-Forum

+ Antworten
Ergebnis 1 bis 3 von 3
  1. #1
    mazzeri ist offline "Absolvent" (80-149 Beiträge)
    Registriert seit
    31.08.2004
    Beiträge
    140

    Vom Innerlichen

    Vom Innerlichen

    Der Mensch stinkt nicht permanent nach Kot, obgleich er meist ein großes Stück davon, in sich, mit herumträgt. Von Zwängen geleitet, entledigt er sich von ihm, in Abständen, mit befreiendem Gefühl und Ausdruck. Siegreich thront er über seinem Resultat, bar der Erinnerung, an dessen ursprünglichen Wesens. Mit verhaltenem Abschiedsschmerz, übergibt er es alsdann, auf altbewährtem Wege, einer Welt, die nicht darum gebeten hat. Als Mensch, getrieben von seiner Natur, beginnt er schnell darauf, und ohne Reue, ein neues Werk zu begründen, entschuldigt, durch sein Schicksal, dem Verlauf der Sterne folgend, eingebunden in ein Universum, voll seiner unerträglichen Schönheit, getrieben, sich entgegenzustellen, nicht wissend das, oder gar warum. Ich denke, sagt er also, bin ich nicht auch nur ein Tier von Vielen, ohne Not, mich zu erheben, über alles und über alle die ich geschaffen habe, mich geschaffen zu haben? Zeitlos, sinnleer und scheinbar, überbrückt er, im Augenblick sitzend, den Weg vom Gewesenen zum Werdenden, voll der Neugier auf das, was seien wird, ohne zu merken, dass er dort, schon immer gefangen gewesen war. Wer will das diesem Mensch für übel nehmen, und weshalb hätte er, also dann, kein Mitleid mehr für ihn und den, der ihn gefangen hält?


    mazzeri
    Geändert von mazzeri (29-09-2004 um 14:20 Uhr)

  2. #2
    rapunzeline Gast
    hallo mazzeri

    erstmal ein lob, der text ist insgesamt gut gelungen!

    ich möchte das aber doch noch differenzieren:

    Der Mensch stinkt nicht permanent nach Kot, obgleich er meist ein großes Stück davon, in sich, mit herumträgt. Von Zwängen geleitet, entledigt er sich von ihm, in Abständen, mit befreiendem Gefühl und Ausdruck. Siegreich thront er über seinem Resultat, bar der Erinnerung, an dessen ursprünglichen Wesens. Mit verhaltenem Abschiedsschmerz, übergibt er es alsdann, auf altbewährtem Wege, einer Welt, die nicht darum gebeten hat. Als Mensch, getrieben von seiner Natur, beginnt er schnell darauf, und ohne Reue, ein neues Werk zu begründen, entschuldigt, durch sein Schicksal
    also der anfang gefällt mir, die sprachwahl ist perfekt, er ist schlüssig und klar.

    dem Verlauf der Sterne folgend, eingebunden in ein Universum, voll seiner unerträglichen Schönheit, getrieben, sich entgegenzustellen, nicht wissend das, oder gar warum.
    Dieser Teil ist mir zu pathetisch. Wem oder was soll man sich denn entgegenstellen bei oben beschriebener Handlung und warum? kann man das überhaupt? Das ist auf die Dauer ziemlich ungesund Ich denke eher das Gegenteil ist der Fall, der Mensch hat keine Handlungsfreiheit, er muss es tun!Weiterhin kann ich das mit dem ersten Teil nicht in Zusammenhang bringen, diese Zeilen für sich allein haben jedoch durchaus auch Aussagekraft, aber eher für ein Gedicht mit anderer Thematik.

    Ich denke, sagt er also, bin ich nicht auch nur ein Tier von Vielen, ohne Not, mich zu erheben, über alles und über alle die ich geschaffen habe, mich geschaffen zu haben?
    Dieser Teil gefällt mir wieder sehr gut. Es ist naheliegend und treffend den Menschen bei diesen banalen essentiellen Notwendigkeiten auf die Ebene der Tiere zu reduzieren, denn es sind ja in der Tat andere Dinge, die den Menschen über das Tier erhaben sein lassen.

    Zeitlos, sinnleer und scheinbar, überbrückt er, im Augenblick sitzend, den Weg vom Gewesenen zum Werdenden, voll der Neugier auf das, was seien wird, ohne zu merken, dass er dort, schon immer gefangen gewesen war.
    Der Begriff "zeitlos" erscheint mir hier überflüssig, die beiden anderen sind treffend. Aber ich kann daran nichts zeitloses feststellen. Langwierig wäre vielleicht treffender (manchmal zumindest)

    Wer will das diesem Mensch für Übelnehmen, und weshalb hätte er, also dann, kein Mitleid mehr für ihn und den, der ihn gefangen hält?
    1. Guter Schluss!
    2. Wer hält ihn denn gefangen? Ist es nicht eher "etwas" oder mehreres das ihn gefangen hält?
    3. Mit deinem "für Übelnehmen" kann ich mich nicht anfreunden, das "für" ist überflüssig und das "Übelnehmen" bitte kleinschreiben! (Ich hoffe das ist nicht ein Problem der regionalen Dialektunterschiede, will dir ja nicht zu nahe treten.... )


    gruß
    rapunzeline

  3. #3
    mazzeri ist offline "Absolvent" (80-149 Beiträge)
    Registriert seit
    31.08.2004
    Beiträge
    140
    Hallo Rapunzeline,

    danke für Deine Kritik. Ich finde es interessant, dass Dir die markanten Teile des Textes aufgefallen sind. Der Text soll nicht modern, sondern eher antiquiert wirken, trotzdem steht er für mich, als ein Beispiel für experimentelle Literatur, so wie sie seien sollte. Der Text kippt genau in dem Satz, den Du nicht mehr in Zusammenhang mit dem Vorangegangenen bringen kannst. Der erste Teil repräsentiert die "These", in dem Satz, der Dir zu pathetisch klingt, ist die "Antithese" versteckt. Insgesamt soll der Text schon die "Synthese" von "These" und "Antithese" bedeuten. Da die Aussage mehr einer Anklage entspricht, ist die "Antithese" auch mit einem gewissen Maß an Zynismus getränkt und gefällt darum nur demjenigen, dem auch die Gesamtaussage des Textes gefällt. Der Mensch ist ja das einzige Tier, dass sich gegen sein Schicksal stellt. Er weiß das, und er ist stolz darauf, sehr stolz sogar. Leider geht dieser Stolz immer schnell über in Überheblichkeit, und darum fällt der Mensch immer wieder zurück in seine Bedeutungslosigkeit, was einem 'Hängenbleiben in der Zeit' entspricht, da er sich nicht weiterentwickelt.
    Die gesamte Allegorie der "These" soll übrigens, den Leser mit seinem naturhaft-ursprünglichen Sein konfrontieren, dies vor allem durch den ersten Satz.
    Im gesamten Text spielt nur ein Person mit, nämlich der Mensch als Einheit (Menschheit). Er alleine ist es, der sich gefangen hält, gefangen in der Zeit. Der letzte Satz soll zum Ausdruck bringen, dass der Text nicht beabsichtigt die Menschheit zu spalten: Hier redet einer mit sich selber!

    Inspiratoren:
    Hölderlin
    Kleist
    Zarathustra ("Vom Lesen und Schreiben"!)

    Das Ganze sollte aber nicht überbewertet werden, ich wollte nur nach "A" eben auch noch "B" sagen.


    PS: Ich denke also bin ich, aber ich denke gar nicht, also bin ich gar nicht, oder?


    lg
    mazzeri

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein