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  1. #1
    Akiva ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
    Registriert seit
    09.11.2002
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    1.085

    Quergeschissen

    Die Fliegen summten um ihr Gesicht herum. Es war zart und klebrig wie Vollmilchschokolade aber nicht mehr ganz frisch, denn die Kühlfunktionen ihrer Zellen hatten vor einiger Zeit ihren Geist aufgegeben. Nicht dass sie je einen Geist gehabt hätten, aber wenn sie etwas aufgeben mussten, muss man es auch mit einem Namen benennen können. Namen palavern. Das ist so, weil der Mensch und die Menschin sonst nicht leben können oder wollen, denn sie sind dick und reich und wollen schwebend über Wellen schwimmen. Schwebdden. Über.
    Die Schokogelade wurde allmählich zäh, und die Fliegen mussten sich beeilen. Doch. Wie bringst du einer Fliege Eile bei? Fliegen sind immer in Eile, wenn sie fliegen. Oder sie sitzen dumm rum. An der Wand vorzugsweise, wo sie horizontal kacken.
    Nicht?
    Doch.
    Die Fliegen machen es auch quer. Das kannst du nicht, auch wenn du es versuchst. Womit bewiesen wäre, dass sie über Fähigkeiten verfügen, die sie weit über den Menschen hinausheben. Hinausflügelnd heben. Diesi. Diesi Fliegi!
    Braune Schokoko geladene Gesichter sind in der Menschennatur nicht vorgesehen. Sie halten sich eher unter dem Begriff Kako au au auf, welcher jedoch wenig bekannt und daher kaum gebräuchlich ein Leben in seltener Vergeblichkeit führt. Fühlt. Fühlt die Fliege die Größe dieser Vergeblichkeit? Es ist ihr gleich.
    Sie setzt sich auf das kackbraune Gesicht und rüsselt sich ein bissel zurecht. Recht so. Rein mit dem Zeug, und ruck zuck gibt es den nächsten Fliegendreck an der Wand. Quergeschissen.

  2. #2
    Toto ist offline "Doktorand" (150-299 Beiträge)
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    10.11.2004
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    287
    Würde mir wünschen, davon gäbe es mehr.
    Kinder an die Macht... bevor es die Frauen schaffen.

  3. #3
    jodoca ist offline Moderator
    Registriert seit
    01.01.2003
    Beiträge
    3.140
    irgendwie finde ich diese geschichte politisch, das bairischanmutende und das braune gesicht ... hmpf ... aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das so gemeint war. deine gedicht sind ja eher "saftig" aber hier ist mal eine andere konsistenz ausprobiert worden, eher klebrig und mir graust es zu wissen, wo der fliegendreck herkommt, oh aufgeklärte informationsgesellschaft! ich bleib bei der politischen lesart, nicht im detail, aber im gesamteindruck.
    Ein Gedicht, was es sonst auch immer noch sein mag, ist zuerst ein Text.

  4. #4
    Akiva ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
    Registriert seit
    09.11.2002
    Beiträge
    1.085
    Es ist für mich immer wieder frappierend, wie unterschiedlich Texte verstanden werden (können). Ich bin von deiner Interpretation wirklich verblüfft, nicht zuletzt deshalb, weil ich sie vollkommen nachvollziehen kann, obwohl ich beim Schreiben keine Sekunde lang an so einen Inhalt gedacht habe. Absolut faszinierend!

  5. #5
    jodoca ist offline Moderator
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    Beiträge
    3.140
    ich habe mir die letzten wochen mal den spass gemacht, alte gedichte von mir selbst zu interpretieren. ich bin auf komplett andere sachen gekommen, als die, welche intendiert waren (nennt mich freud, nennt mich rorschach, nennt mich jung). da frage ich mich, ob ich alle varianten beim schreiben bedenken muss oder wie oder was, darf das denn sein oder muss es der text zumindest tragen können?

    sehr interessant finde ich am text übrigens diese zerstückelungen, ich bin sehr verblüfft, dass sie in keinster weise stören, ich finde sie geben dem text einen halt.

    jodo
    Ein Gedicht, was es sonst auch immer noch sein mag, ist zuerst ein Text.

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