Ohne Gewissen - Quergeschissen)
Das reimt sich so prächtig - wir sollten eine Geschichte draus machen.
Richard geht. Richard läuft. Ich nehme mal an, dass das nicht entstanden ist, weil du im südlicheren Teil Deutschlands wohnst, wo gehen gleich laufen ist.
Wenn es Absicht ist, hat es seine Wirkung auf mich erzielt: das schnelle Laufen in der irgendwie auch atemlosen Erzählung, und das schnurgerade (korrekte) Gehen am Anfang und Ende. Dazwischen passiert was. Nix Großes. Eine Augenblicksaufnahme. So schnell, dass man die kleine Szene in Wirklichkeit wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen würde. Ein schlurriges Wortgewirbel, das den Leser zwingt, zweimal nachzulesen, ob er was verpasst hat. Aber es bleibt nur die Irritation, die von der ruhigen Normalität am Anfang und am Ende umschlungen wird. Vielleicht so, als wenn du stehen bleibst und guckst einer blitzschnell vorbeischießenden Libelle nach.
( P.S:: Den Du Champ krieg ich nicht ganz unter. Ist das der Maler? Wenn ja, wo ist die Querverbindung? Ebenso wie er: neue und ungewohnte Sichtweisen der Realität? Oder meinst du ganz was anderes?)
Thema: Ohne Gewissen
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Ergebnis 1 bis 3 von 3
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03-12-2004 11:08 #1
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Ohne Gewissen
Richard geht, die Straße schnurgerade, so gerade wie eine Schnur nur sein kann, da geht er die duchampschen Meter der Straße, schnurgerade. Im Obstladen bei Halil gibt es heute Zitronen als Angebot und Halil, das sieht Richard durch die Fensterfront sortiert gerade Äpfel auf die Stiege aus der Kiste und diesen und jenen in einen Eimer. Halil sortiert flink für Richards Augen, Halil sortiert für Halils Erfahrung langsam, weil Halil schlecht geschlafen hat, weil sein Kind die ganze Nacht geschrieen hat und er nicht wusste wie ein Kind zu beruhigen ist, das weiß nur Halils Frau und die ist auf Weiterbildung in Dortmund, aber das weiß Richard alles nicht, auch nicht, dass Halil Halil heißt. Richard wird auch keine Zitrone aus dem Angebot kaufen. Richard ist nur stehen geblieben, weil er eine Pause brauchte, weil er schon ganz lange läuft, weil er schon ganz lange ganz schnell läuft, deshalb ist er stehen geblieben, vor Halils Obstladen, vielleicht auch, weil er die Zitronen so schön gelb findet und im Angebot sind sie noch dazu. Allerdings wird Richard keine Zitrone kaufen, trotzdessen er Gelb, insbesondere Zitronengelb, gern anschaut und so schön findet, denn Richard hat kein Geld dabei, aber das weiß Halil nicht. Halil hat aufgeschaut aus seiner Sortiererei und Richard nur weiterlaufen sehen, weiterlaufen, als hätte er nie Pause gemacht, Halil hat Richard nicht einmal weiterlaufen gesehen, weil er nicht gesehen hat, dass Richard stehen geblieben war und weil Halil auch nicht weiß, dass der Laufende Richard heißt, hat Halil jemanden laufen sehen. Und weil er nur jemanden hat laufen sehen, konnte er nicht sehen, dass Richard ein Birne geklaut hat, eine ganz kleine Birne. Richard geht die duchampsche Straße schnurgerade, aber das kann Richard nicht sehen, weil er die Straße begeht, aber die Birne, die kann Richard anschauen, weil die hat er geklaut.
Ein Gedicht, was es sonst auch immer noch sein mag, ist zuerst ein Text.
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05-12-2004 16:14 #2
"Professor" (750-1499 Beiträge)
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05-12-2004 18:17 #3
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wir sollten eine art lyrik aus den titeln machen, ich hätte als nächstes "pizza rucola" zu bieten, was hast du? ich bin noch variabel im titel. laufen hat was von saufen und ansonsten wohne ich im osten, im südlichen osten zwar, aber gehen gehört nicht direkt in meinen privaten sprachgebrauch. die figur "richard" muss gehen, hieße sie volker, dann würde sie laufen, aber volker mag bestimmt auch eher orangen und haferflocken, aber das weiß ich noch nicht so genau, und im moment interessiert mich die figur eines volkers auch gar nicht. der HERR DUCHAMP, MARCEL (den muss man groß schreiben) das war ein objektkünstler, das readymade (fahrrad auf schemel) haste bestimmt im moma gesehen. der hätte die frage, ob es lyrik ist, wenn man worte aus einem text herausfiletiert, garantiert mit ja beantwortet. er hat sich damals mal mit dem meter auseinandersetzt und ein paar neue "erschaffen", es ist eine art hommage und wenn man diese kennt, erkennt man den feinen unterschied in richards art zu "laufen", es definiert für mich den raum, ein kleines wort, lalala ...
Zitat von Akiva
Ein Gedicht, was es sonst auch immer noch sein mag, ist zuerst ein Text.
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