Die Schmerzen, mein Liebster, die Schmerzen sind zu groß. Drinnen ist alles verrottet. Aber draußen scheint die Sonne. Im Spiegel lache ich mich an und betrüge mich selbst. Mit schönen Kleidern schmücke ich mich, bunt und froh.
Drinnen ist alles verrottet. Wie kann man denn das Glück von außen nach innen stülpen? Hilf mir, die Lösung zu finden, mein Liebster. Ein Wasserguss vielleicht aus Schönheit und feiner Schale, der die Schrunden und abgestorbenen Löcher im Bodensatz meines Inneren glättet und neu herrichtet. Meinst du, das würde gehen?
Ich sehe deinen zweifelnden Blick. Du hast ja so Recht. Die Schollen lassen sich nicht mehr zum Leben erwecken. Selbst die Wüste hat mehr Kraft als ich und schöpft die nötigen Säfte aus jedem Wasserkorn, das die Luft vorbeiziehen lässt, damit sie wieder atmen kann.
Wenigstens manchmal. Ja. Manchmal, mein Liebster. Nur einmal noch einen Atemzug der Frische spüren, einmal noch die Illusion am Horizont fühlen, die Hoffnung heißt und sich nie umarmen lässt. Aber wer würde den erlösenden Hauch zu mir tragen, der mich retten kann?
Ich bin schön, sagst du. Ich lächle dich dafür an, denn ich weiß, dass meine Schönheit dich blendet, und auf diese Weise verberge ich mich vor dir und vor mir.
Liebster, du würdest es nicht ertragen können. Wenn mein Schmutz nach außen dringt, ist unsere Zeit vorbei. Du wirst dein Entsetzen für dich bewahren, aber ich werde daran zugrunde gehen. Behalte mich in strahlender Erinnerung. Die Illusion trägt dich vielleicht weiter als mich.