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  1. #1
    Kumo Gast

    Fünf auf dem Weg in die Ewigkeit (Kettengeschichte)

    Hier soll eine Kettengeschichte entstehen - bitte nur Beiträge zu dieser Geschichte! Diskussionen um und über die Geschichte sowie sonstiges Offtopic bitte hier. Nur so kann ein flüssiges Lesen der Geschichte gewährleistet werden. Danke.

    Die Sache funktioniert prinzipiell so, dass man die Geschichte, so wie sie bisher von den Vorgängern geschrieben wurde, fortführt (tätäää!). Mit einem Kniff: wer eine Passage geschrieben hat, gibt am Ende 5 Wörter an. Der Nachfolger muss diese 5 Wörter in seinen Abschnitt irgendwie mit einbauen. Das soll zum einen dazu dienen, die Kreativität anzuregen (ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich aus vorgebenen Wörtern eine Geschichte machen kann, während ich mit einem weißen Blatt Papier gar nichts hinbekomme), zum anderen, diese etwas zu beschneiden (man kann nicht einfach so drauf los sprudeln, sondern muss ein bisschen überlegen, wie man die Bausteine des Vorgängers verwendet).

    Jeder sollte sich im Klaren sein, dass dies ein Gemeinschaftswerk wird und keiner die volle Kontrolle über irgendwas hat. Wenn ich in einem Abschnitt einen neuen Charakter einführe, kann ich nicht kontrollieren, was in den weiteren Abschnitten aus diesem wird. Wenn ich mir den Charakter blond vorstelle, das aber nicht schreibe, und ein Nachfolger macht ihn brünett, muss ich damit leben. Keiner hat das Copyright an irgend etwas.
    Dennoch sollte aber auch gelten, dass man bereits geschriebene Dinge/Fakten nicht ignoriert oder gar revidiert. Was steht, steht, steht aber nicht nur, sondern soll auch aufgegriffen werden. Sicherlich prallen hier verschiedene Phantasiewelten aufeinander (hoffe ich zumindest), aber diese sollten nicht hermetisch gegeneinander abgeriegelt sein, sondern miteinander interagieren.

    Aspekte der Geschichte, Vorschläge und Kommentare etc können und sollen hier diskutiert werden. Das gleiche gilt für Hinweise auf Rechtschreibfehler oder sonstige Unstimmigkeiten. Die eigentlich Geschichte in diesem Thread soll nicht in seitenlangem Unkraut ersticken.

    Also dann, auf frohes Schaffen und: gebt Kette!

    Ich hoffe, der Anfang ist nach Eurem Geschmack...

    Geändert von Kuschelmonster (31-05-2005 um 18:41 Uhr)

  2. #2
    Kumo Gast

    1

    Der Regen tropft wie flüssig Blei auf die Windschutzscheibe und das Scheinwerferlicht verdampft im aufsteigenden Abendnebel. Seit Göllenstein hatte diese Landstraße keinen Abzweig mehr, und das war vor einer kleinen Ewigkeit. Göllenstein. Bäh! Einen mieseren Kaffee habe ich noch nie getrunken.
    Hinter den Scheibenwischern zieht eine Tanne nach der anderen vorbei. Oder sind es Fichten? Datteln? Mit Grünzeug habe ich mich noch nie ausgekannt, es sei denn es geht um das was man rauchen kann. Aber das zieht normalerweise nicht in solchen Mengen an einem vorbei. Verdammte Kacke. Meine letzte Kippe habe ich schon vor einer halben Stunde aus dem Fenster geworfen, das Radio hat hier unten im Tal keinen Empfang und das einzige Lied, das ich kenne, singe ich nur im Duett mit meiner 9mm. Schöne Scheiße. Aber ich kann einfach keinen Fall ablehnen, der mir von einer Blondine auf den Schreibtisch gelegt wird - die haben meist überzeugende Argumente. Besonders wenn es meine Vorgesetzte ist. Die zwei Wochen Zwangsversetzung zum Referat 313 vorletzten Monat haben mir erst mal gereicht. Kleinen Kindern die Finger brechen, die ihre Nase zu tief in Staatsangelegenheiten gesteckt haben, ist weniger mein Fall. Das überlasse ich gerne den Jungs, die auf der Akademie beim Rorschachtest den höheren Punktwert hatten.
    Das Schöne am Außendienst ist, dass man eng in kleinen Teams arbeiten kann: ich habe immer zwei Kollegen dabei, Walther fürs Grobe und Johnnie für die Denkarbeit. Der eine steckt im Halfter auf meinem Rücken, den anderen ziehe ich für eine erste Beratung gerade aus der Manteltasche. Während ich noch die Kappe abschraube, taucht schon das Ortsschild hinter einer Kurve auf. „Lewenscheid. 413 Einwohner.“ Einen könnt ihr schon mal abziehen. Und dann schauen wir weiter.


    Die fünf Wörter, die vom Nachfolger verwendet werden müssen:
    >Telephon, nass, lässig, drei, Schaden<
    Geändert von Kuschelmonster (31-05-2005 um 20:03 Uhr)

  3. #3
    Avatar von Lenichen
    Lenichen ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
    Registriert seit
    20.08.2004
    Beiträge
    1.384
    Zitat Zitat von Kuschelmonster
    Der Regen tropft wie flüssig Blei auf die Windschutzscheibe und das Scheinwerferlicht verdampft im aufsteigenden Abendnebel. Seit Göllenstein hatte diese Landstraße keinen Abzweig mehr, und das war vor einer kleinen Ewigkeit. Göllenstein. Bäh! Einen mieseren Kaffee habe ich noch nie getrunken.
    Hinter den Scheibenwischern zieht eine Tanne nach der anderen vorbei. Oder sind es Fichten? Datteln? Mit Grünzeug habe ich mich noch nie ausgekannt, es sei denn es geht um das was man rauchen kann. Aber das zieht normalerweise nicht in solchen Mengen an einem vorbei. Verdammte Kacke. Meine letzte Kippe habe ich schon vor einer halben Stunde aus dem Fenster geworfen, das Radio hat hier unten im Tal keinen Empfang und das einzige Lied, das ich kenne, singe ich nur im Duett mit meiner 9mm. Schöne Scheiße. Aber ich kann einfach keinen Fall ablehnen, der mir von einer Blondine auf den Schreibtisch gelegt wird - die haben meist überzeugende Argumente. Besonders wenn es meine Vorgesetzte ist. Die zwei Wochen Zwangsversetzung zum Referat 313 vorletzten Monat haben mir erst mal gereicht. Kleinen Kindern die Finger brechen, die ihre Nase zu tief in Staatsangelegenheiten gesteckt haben, ist weniger mein Fall. Das überlasse ich gerne den Jungs, die auf der Akademie beim Rorschachtest den höheren Punktwert hatten.
    Das Schöne am Außendienst ist, dass man eng in kleinen Teams arbeiten kann: ich habe immer zwei Kollegen dabei, Walther fürs Grobe und Johnnie für die Denkarbeit. Der eine steckt im Halfter auf meinem Rücken, den anderen ziehe ich für eine erste Beratung gerade aus der Jackentasche. Während ich noch die Kappe abschraube, taucht schon das Ortsschild hinter einer Kurve auf. „Lewenscheid. 413 Einwohner.“ Einen könnt ihr schon mal abziehen. Und dann schauen wir weiter.


    Die fünf Wörter, die vom Nachfolger verwendet werden müssen:
    >Telephon, nass, lässig, drei, Schaden<
    Was für ein runtergekommenes Kaff! Wenn hier nicht jeder die Geheimnisse des anderen kennt, fress ich meine 9mm. Ich verstehe ja sowieso nicht, was für ein Interesse die Anzugträger aus der Chefetage an so einem unwichtigen toten Bauern haben. Aber immerhin stand der auf unserer Gehaltsliste. Das mag schon ein Grund sein. Viel haben sie mir über diesen Hampton nicht erzählt. Eigentlich nur, dass er tot in der Kirche gefunden wurde und dass er in irgendeiner Weise für diesen Mistladen wichtig war.
    Am liebsten hätte ich ja schon vor Jahren meine Kündigung ganz lässig meinem Chef auf den Tisch geknallt. Schon damals wollte ich das. Nach der Geschichte mit McKenzie, meine ich.
    So völlig in Gedanken versunken, wie ich bin, hätte ich doch fast drei Hühner überfahren. Dumme Viehcher, die! Auf der nassen Straße kam der Waagen natürlich ins schleudern und landet natürlich direkt an der Laterne. Na toll, jetzt muss ich auch noch in diesem Niemandsland bleiben, bis irgendwer mir den Schaden repariert hat. Hoffentlich gibts hier jemanden, der von Autos Ahnung hat. Aber auf den Schock erstmal einen Drink. Also auf ins Pub. Wenn nur wenigstens der scheiß Regen aufhören würde. So bin ich ja schon bis auf die Haut durchgeweicht, bevor ich auch nur ein paar Schritte gemacht habe.
    Der ganze ort scheint irgendwie menschenleer. Jedenfalls hab ich noch niemanden gesehen. Aber die sind wahrscheinlich alle schon im Pub. Was sonst könnte man in so einer Gegend auch anderes tun?
    So, da bin ich also. Mitten in der Einöde, kein Mensch auf den Straßen und natürlich ist auch im Pub niemand. Nur das Telephon klingelt.

    (Die nächsten 5 Wörter sind: Taschenlampe, Eierwärmer, tollpatschig, Pfarrer, Freunde)
    Geändert von Lenichen (31-05-2005 um 19:29 Uhr)
    Die Welt dreht sich schneller als wir laufen können...

    Ein Tank braucht nicht mal innere Werte. Es reicht, wenn er eine gute Rüstung hat.

  4. #4
    n/a Gast

    teil 3

    Kein Schwein da, aber das Telefon klingelt. Wenn da jetzt nicht irgendwer aus dem Dorf hier dran ist und mir mit einer tiefen Stimme eindringlich rät, ich solle von hier verschwinden, oder ich würde nur noch tot weiterleben, dann fress ich meine 9mm. Aber lass die sich doch die Ohren am Tuten blutig hören...wenn die gesehen haben, dass ich hier reingegangen bin, können die nicht weit sein.
    Ok, Walther, suchen wir mal wen zum befragen!

    Na sieh mal an, kaum geh ich wieder aus der Tür raus, hört das Klingeln auf. Ok, wo könnten die sein? (wahrscheinlich steht gerade das ganze Dorf um das Telefon, dem wahrscheinlich einzigen neben dem im Pub...)
    Da! Da ist gerade der Lichtkegel einer Taschenlampe in einem Zimmer aus dem Fenster gehüpft.
    Hey, da rennt doch wer aus der Tür. Also hinterher.
    "Stehenbleiben!" Ich habe das noch nie zweimal sagen müssen. Denn entweder sind die Leute bisher intelligent genug gewesen, auf mich zu hören, oder, naja...ab dann einbeinig.
    Oder sie sind tollpatschig. Noch bevor Walther etwas sagen kann, rutscht der Flüchtige geschickter auf der matschigen Straße aus als Chaplin es gekonnt hätte.
    Beim Aufstehen schaut das Matschmännchen in meine breit grinsende Mündung.

    Er ist der Pfarrer. Ein Pfarrer mit nicht einmal 400 Schäfchen und keiner eigenen Kapelle.
    Ich frage mich, in welcher "Kirche" Hampton gefunden worden sein soll.
    Er habe gerade eine Predigt gehalten, in dem Haus, aus dem er gekommen sei. Und er sei nur gerannt, weil es doch so stark geregnet habe. Was es im übrigen immer noch tut, während der Pfarrer, mittlerweile in einer trockenen, blauen Jeans, einem Pullover mit "Jesus und ich sind Freunde" und schwarzen Hausschuhen, vor einem Kamin sitzt, mir seine Lebensgeschichte erzählt und ich nicht hinhöre.
    Er gehört zu den Menschen, die nicht einmal aufhören zu reden, wenn sie in der Küche sind, während man selbst im Wohnzimmer sitzt (und versucht, einen total durchnässten Trenchcoat am Kaminfeuer trocken zu bekommen). Als er dann mit einem Tablett aus der Küche kommt (zusammen mit weiteren Teilen seiner Lebensgechichte), die Brotschale, die zwei Tassen, zwei Teller und zwei Messer auf dem Tisch aufbaut und mir zu guter letzt einen Eierbecher mit einem Eierwärmer aus Stoff drauf, der ein Huhn mit einem Lachanfall darstellt, hinstellt, lasse ich meinen nassen Trenchcoat nass sein, lasse schlußendlich doch Walther wieder sinken und frage, so un-entnervt wie ich kann, ob er etwas über Hampton wisse. Und warum die Stadt so ausgestorben scheint (sogar noch ausgestorbener, als Städte mit 400 Einwohnern sowieso natürgemäß wirken).
    Er rückt die Messer zurecht, legt sich ein Brot auf den Teller, hört mit seiner Lebensgeschichte auf, sagt tonlos"nein" und bleibt dann still. Hey, das Kaminholz prasselt ja doch!
    Und plötzlich: "Doch!" Und im gleichen Ton, in dem er seine Lebensgeschichte erzählt hat, erzählt er mir, wie er Hampton vor ein paar Wochen zwischen den Stühlen in seinem Kapell-Raum gefunden habe. Er war erschossen worden, dass habe er sofort gesehen. Auch, dass er nicht in dem "heiligen Zimmerchen" erschossen worden sei, habe er sofort erkannt, weil da nur wenig Blut auf dem Boden war. Aber es soll wohl Schleifspuren hinein in den Raum gegeben haben.
    Eine Woche lang sei die Spurensicherung da gewesen. Aber mehr, als er mir gerade gesagt habe, sei nicht dabei herausgekommen. Und dann sei nach einer Woche wieder der Raum für Gottesdienste freigegeben worden und blablabla (hier knüpft er sehr geschickt wieder an seine Lebensgeschichte an).
    Ich gucke mit geschlossenen Ohren auf das Brot. Ich habe den ganzen Tag noch nichts gegessen.

    Die fünf Begriffe: Klopfen, Kapell-Raum, Pfarrer, Leiche, gefährlich
    Geändert von Scheinweltname (01-06-2005 um 10:31 Uhr)

  5. #5
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
    Registriert seit
    13.01.2003
    Beiträge
    4.692

    (Vorsicht, Perspektivwechsel!)

    Milosevic, der alte Kiffer, ist gefährlich. Besonders dann, wenn er bewaffnet ist. Er hat seit seiner Jugend schon so viel geraucht, das sein Gehirn völlig aufgeweicht ist. Er fährt ein schmieriges, alterschwaches Ford Mustang Cabrio. Ich habe es schon zweimal untersuchen müssen. Es ist eine Müllhalde. Der ganze Typ ist schmierig, eklig. Er trägt Sommers wie Winters eine verschlissene Daunenjacke, unter der er natürlich müffelt. Wenn wir ihn wieder einmal verhaftet haben, dann versuche ich mich davor zu drücken, daß ich es bin, der ihm Handschellen anlegen und deswegen nahe kommen muß. Zur Zeit liegt aber nichts gegen ihn vor. Er ist aber inzwischen so heruntergekommen, daß er sich für Drecksarbeiten für die Firma einspannen läßt.
    Als meine Partnerin und ich die Gespräche der Firma abhörten, haben wir herausgefunden, daß Milosevic einen Auftrag bekommen hat. Er soll nach Lewenscheid fahren. das allein wäre noch nicht Besorgnis erregend. Doch in Lewenscheid gibt es einen ungelösten Fall. Am 15. des Vormonates fand der Pfarrer im Kapellraum die Leiche von Peter Hampton, einem ortsansässigen Landwirt. Und Hampton war einer derjenige Bauern, die FieldFortune eingesetzt haben.
    Gerade hat mich Claudia, meine Partnerin angerufen, daß sie in der Szene auf den Busch geklopft hätte, wie sie sich ausdrückt. Milosevic hat angeblich vor ein paar Tagen mit einer Waffe herumgefuchtelt und mit ihr geprotzt. Wahrscheinlich eine Glock, Kaliber 9mm.
    Nun bin ich im Dienstwagen nach Lewenscheid unterwegs, werde aber voraussichtlich noch eine ganze Weile brauchen, bis ich dort bin, so abgelegen, wie der Ort liegt.
    Es regnet in Strömen. Ich fürchte, wenn ich Milosevic wiedersehe, wird er stinken wie ein nasser Hund.

    Die nächsten fünf Begriffe sind: Polizei, widerlich, Firma, Insektizid, grau.
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
    Dem Narren ein Denkmal.
    Dem Reimliebhaber ein Gedicht.

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