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  1. #1
    Avatar von Unter-Wasser
    Unter-Wasser ist offline "Doktorand" (150-299 Beiträge)
    Registriert seit
    02.03.2005
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    187

    Atmen. Irgendwie.

    Atmen ist so eine Sache. Also, ich liege unter ihr, aber ich habe viel gesoffen. Ich merke nicht viel, nur dass sie langsam ist. Sehr langsam. Ich hätte noch zwei Bourbons mehr kippen können; ich bekäme ihre Titten trotzdem zu fassen. Also, sie reitet mich scheißlangsam. Wäre ich verliebt in sie oder so, ginge mir sicher schnell einer ab, da könnte sie so langsam sein wie .. aber ich bin es eben nicht. Und was s i e ist, keine Ahnung, auf jeden Fall ist sie nicht so zu wie ich. Sie gebärdet sich wie ne Professionelle. Ich kann das nicht haben. Zumindest, wenn ich nicht verliebt bin. Also, ich liege unter ihr und kichere seltsam. Sie hält inne und sieht mich verstört an. Ich sage: weiter, Baby. Sie beginnt, langsamer als sie aufgehört hat, was mich wieder kichern lässt. Jetzt will sie absteigen. Also stoße ich ihn nach oben. Keiner kichert mehr und sie wird endlich schneller. Ich liege da und atme. Es ist immer das Selbe.

    C17 H21 NO4. Bedien dich, sage ich. Sie schlägt angewidert die Tiefkühltruhe zu. Sie scheint das Zeug nicht zu mögen. Auch gut, denke ich, ich hatte ohnehin nicht vor, den Scheiß zu teilen. Aus den Boxen tönt das Lied, mein Herz splittert, sie sieht mich verstört an. Weiter, Baby, sage ich. Sie weiß nichts von dem Lied, findet es aber schön. Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Ich meine, dass es mir wirklich gefällt und so. Das Splittern meines Herzens ist immer lauter gewesen als jeder Gedanke, den ich hätte denken können. Sie lutscht also weiter, während ich mir die letzte Linie für heute Abend ziehe. Es ist ein gutes Gefühl, es kribbelt zwar etwas heftiger als sonst in der Nase, aber das ist mir scheißperipher. Jedenfalls kann ich bei dem Lied nicht kommen, bevor ich es aber ausschalte, schalte ich die Kleine an meinem Schwanz aus. Es kommt eben doch keine an sie ran. An sie. So eine Scheiße.

    Wie heißt du eigentlich. Das Lied läuft nicht mehr. Also packe ich ihn wieder aus und lasse sie fertig bringen, was sie halbgut begonnen hat. Solche Scheißfragen. Sie heißt Jess. Ich hatte irgendwo gelesen, man solle seinen Namen verschweigen bis das Objekt der Zucht den ihren nannte, daran hielt ich mich. Danach hatte ich einfach vergessen, wie ich heiße. Und ich will es nicht mehr wissen. Ich komme nur dank des Kokas; mir hätte auch ein verdammter grüner Heizungskörper einen abkauen können - ich wäre gekommen. Für den Abend jedenfalls scheint sie keine Fragen mehr stellen zu wollen und ich bin sicher, sie nicht wiedersehen zu müssen.

    Ich meine, ich muss sie verstehen. Sie hat sich mir entlastert, ich brenne mir eine Kippe in den Unterarm, sie hat sich mir entlastert und will sich frei fühlen. Klare Sache, das ist okay. Ni gawari! Fuck you. Selbstgespräche erregen mich. Schon lang nicht mehr. Eskobar featuring Heather Nova. Someone new. Ich kriege noch die Kotze. Diesmal vom Koka. Arh. Ich pfeife mir doch noch eine Ladung rein, es ist unerträglich. Jess liegt zusammengemüdet auf meinen Schenkeln, es ist eigentlich ganz angenehm. Sie zu fühlen oder überhaupt etwas Atmendes auf mir zu fühlen. Es steckt mich an.
    Wenn ich ein Aquarium in dieser Wohnung hätte, würde ich eine dreiviertel Stunde darauf starren, danach würde ich es mit einer Thunfischpizza versuchen und feststellen: scheiße, sie ist widerlich. Da kann man Fische noch so attraktiv finden. Früher dachte ich, Thunfische wären ein kapitalistisches Wunder. Ja, doch - ich dachte, die hätten sie auf den Markt gebracht, um Antifischesser den Fischessern näher zu bringen. Als ich das Zeug probierte und merkte: scheiße, das ist ja noch widerlicher; gab ich den Gedanken auf. Seitdem schreibe ich. Als Mittler zwischen den Welten. Hahahahaha.

    Worüber lachst du? Die Kleine, ich hatte sie beinahe vergessen. Reden wir über kleine Mädchen, die nicht nach Hause wollen, sage ich. Reden wir über große Jungs, denen die Freundin weggelaufen ist, sagt sie. Diese Nutte. Ich unterschätze diese Trolle immer wieder. Reden wir über kleine Mädchen, die nicht Acht geben und leicht was auf die Schnauze kriegen. Reden wir über große Jungs, die nur dabei einen hochkriegen. Ich lächle sie liebevoll an. Ich küsse sie, und sie küsst mich, und sie küsst wirklich gut, und ich entziehe mich ihr und schlage ihr aufs Maul. Nutte! Sie lächelt mich liebevoll an, und sie nimmt mein Gesicht in ihre zarte Hand und mimt eine mitleidige Fresse. Ich schlage sie noch mal. Dann schalte ich das Lied wieder an und hole mir einen runter. Ich komme zwar nicht, aber die Kleine packt ihre Sachen und verschwindet. Es ist immer das Selbe.

    Ich falte meine Hände, als wolle ich beten, gehe in Gedanken Jessie´s Gesicht noch einmal durch und bete mich an. Dann kommt der Regen. Yes, we gave it a try, but maybe for too long, out of every sorrow, another day will dawn. Ich stehe auf dem Balkon und drehe mir eine Tüte, pur. Der Mond opfert sich in die Nacht; ich nenne ihn Salomé.

    Das Lied läuft schon so lange auf Repeat, es müsste sich eigentlich selbst ankotzen. Ich ärgere es noch ein bisschen. Ich gehe ins Bad, trinke die letzten Reste meines Vorrats an Pisse und stecke mir die Tüte an, während ich wieder an die Luft gehe. Es ist ein gutes Gefühl. Ich meine, die scheiß Tüte in meiner Hand, der scheiß Wind auf meinem Gesicht, das scheiß Lied in meinem Ohr und dieses scheiß Weib in meinem Herz - irgendwie ist das ne ganz gute Mischung, denke ich und lächle ein bisschen gegen den Wind.
    Frage an Cendrars:
    "Sind Sie wirklich mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren?"

    Cendrars:
    "Was geht Dich das an? Ich habe Dich mit ihr fahren lassen."

  2. #2
    Avatar von Unter-Wasser
    Unter-Wasser ist offline "Doktorand" (150-299 Beiträge)
    Registriert seit
    02.03.2005
    Beiträge
    187
    Ich weiß auch nicht, warum es im exper. Prosaforum steht. Ich gravierte es aus Vorsicht hierein. Irgendwas wird sich schon finden, was zu artgerechten Prosaversuchen sicherlich nicht kongruent verläuft. Ich meine, ich bin da sehr rücksichtsvoll und so. Klare Sache.
    Frage an Cendrars:
    "Sind Sie wirklich mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren?"

    Cendrars:
    "Was geht Dich das an? Ich habe Dich mit ihr fahren lassen."

  3. #3
    Unregistriert Gast
    Wow, weißt du was mich begeistert: ich hab es gelesen und...naja, einfach gelesen. Einfach so runtergelesen. Und ich wurde richtig reingezogen. Gefällt mir wirklich gut, vielleicht auch weil viele deiner Texte so- naja- so kompliziert sind (spricht der absolute Laie, aber hey, auch Laien haben doch Mitspracherecht, oder?)

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