Schon heftig alt. Aber sonst schlaft ihr noch ein, hier.
Thema: Kauzig glotzt die Nacht
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27-12-2005 17:20 #1
Kauzig glotzt die Nacht
Heute entsage ich dem Wort. Gestern noch: bemühte Fastnotizen, sagte ihnen: irgendwann werdet ihr Konstruktfaschisten sein und latente Hirnfalten bedrucken, aber nicht meine. Nie meine, das verschwieg ich, wollte gut zu ihnen sein. Den ganzen Abend flüsterte ich: priwjet, Nastinka, priwjet! und kam nicht weiter. Jeden luftleeren Raum wortet sie mir zu, jede Sehnsucht nach Hier entwindet sie mir, ja - nimmt mir jeden Wind, nimmt mir jedes Wort, nimmt mir jedes Du, weil nur Nastinka mein Du ist, mein Du sein kann. Nastinka, ich liebe diesen Namen. Kurze Notiz zu "Wind": beliebtes Stilmittel angehender Poeten - ich widme es ihr.
Eine alte Hütte im Wald, nenne sie "Blair Witch Hütte", nenne sie "Blair Witch Stasia", nenne mich den "Abgetriebenen", ihr und ihr und vielleicht noch meiner Nacht. Oder Tag. Oder Nacht oder Tag oder Nacht oder Liebe. Liebe. Dieses eine, dieses große, dieses unzerstörbare Wort. L i e b e. Liebe. Nastinka.
Und schroff bin ich und sage: Kauzig glotzt die Nacht. Und nenne sie "Abwendbar". Abendbar. Nachtrunken. Vielleicht habe ich erst heut begriffen, was sterben lernen heisst und will euch gern davon berichten. Ich rede im Hier, weil unser Gestern mein Hier ist, mein Hier und ich bin wehrlos.
Nastinka liegt wie tot neben mir. Ich sitze wie gestern gestorben neben mir. Wir lieben uns. Mon coeur. Mi corazon. Mio cuore. Meu coracao. Nastinka. Nur auf russisch darf ich es nicht sagen, da zernachtet es mir das Herz. Kauzig glotzt sie, du hast recht, kauzig glotzt sie ihr Licht auf mein Aschehaar, auf mein totes, entsterntes Kreidehaar. Aber was sagen wir ihnen nur.
Sie singt. Für mich, bewegt ihre Lippen, ihre Lider, bemüht ihre Stimme, für mich, den Abgetriebenen. Singt und erinnert mich an eine Zeit, die schon damals nicht existierte. Erinnert mich an eine Zeit, die nur in meinem Kopf einen Raum fand, die Gefühle auslöst, die weltverlorenen Imaginationen entsprangen. "Heute Nacht werde ich sterben", sagt sie, "wie jede Nacht". "Ist niemand da, der morgens deine Tränen zählt, der morgens deine Tränen isst?" frage ich leblosen Blickes. "Ich selbst esse sie", erwidert sie nicht minder leblos, "um daran zu ersticken." Sie trinkt von meinem Durst.
Damals, als ich sie nach Jahren der Stille und des Mordens wiedersah, sagte ich: "Du bist groß geworden." und weinte mich aus ihren Armen, als sie sprach: "An mir vorbeigewachsen." Und da war sie wieder, kauzig glotzend, kauzig mich blutleer glotzend. Die Nacht. Die Nacht, die nur ihre war, nur ihre sein konnte.
zu ihr gehen
an ihr gehen
in ihr gehen
von ihr gehen
zu mir kommen
Dass ich dich nicht vergessen kann. Nachtsucht. Dass ich dich noch benenne, dass ich dich noch auszutragen habe, unsere Nacht, dich noch sterben sehe. Du. Du. Die du mein Nachtschwarz noch heute mit geburtfeuchten Sternblüten bestreichst, die du heute noch mein Morgen bist und Dort, mein Wort aus Immerjetzt, die du heute noch die Frage bist, wer ich bin. Ein Dämmerungslaut. Unwissend, ob mein Heute mein Hier ist und Jetzt. Und ich erinnere mich an nichts, weiß nicht deinen Namen mehr, nicht deinen Duft rieche ich noch und auch deine Stimme ist nur noch Damals. Nichts bist du mir mehr, und doch benenne ich noch jede Falte in meinem Herzen mit Du. Nastinka, mit Du.
"Du lebst an dir vorbei, doch nur imaginär. Du denkst dich anders als du bist." "Ich denke mich gar nicht und doch bin ich noch." "Mit Verlaub, Nastinka, von nichts anderem sprichst du als von deinem Dich-Denken." "Was machst du, wenn du morgen früh aufhörst, tot zu sein?"
Ich frage sie nichts mehr. "Warum kommst du zu mir?" Ich erwarte keine Antwort. "Weil du in meinen Augen das meiste Niveau hast." Ich will sie töten, oder mich. So ein Irrsinn. Niemand hat Niveau, und ich noch am wenigsten, und sie deutet mich (deutet mich und tötet), (dankbar sollte ich sein; Frevel bin ich) und ich möchte mich von ihr legen, allein sterben. "Hast du Angst?" Jetzt werde ich fickrig vor Wut, geh sterben, will ich ihr sagen und sage nichts. (Hatte nur einmal Angst, einmal nur hatte ich Angst. So sehr, dass nie wieder danach irgendwas die Berechtigung hatte, Angst genannt zu werden.) Ich sage ihr gar nichts mehr. Meinen Schwanz soll sie lutschen, Bitch auf der Meta-Ebene. Ich sage: "Nennst du mir deinen Namen? Nur, damit ich weiß, wen ich fast gekannt hätte." "Mir liegen drei Worte auf dem Herzen." "Sag sie mir." sage ich, ahnend, dass ich nichts mehr von ihr wissen will. "Sie wellen in deine Richtung, krallen sich fest .. dass mein Herz mir blutet." "Nun also sag sie mir, dass vielleicht auch meines blutet." "Ich weiß nicht, wovor ich Angst habe." "Ich weiß nicht, ob du nicht weißt, wovor du Angst hast." "Komisch." Ich hasse dieses Wort. In jedem Kontext. Geh ficken. Sage ich zum letzten Mal, nicht hier. "Komisch. Komisch. Kommzusich." "Komm zu dir. Komm zu .. oder mir." "Wo ist dein Himmel?" soll dann aber doch das letzte sein, was ich sie fragen will.
Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe entschwinden lassen. Beginn und Ende. Weiß nicht mehr das Erste, weiß nicht mehr das Letzte, weiß mich nicht mehr, oder sie. Oder Hier.
zu ihr gehen (Fragen ein)
in ihr gehen (Leben ein)
an ihr gehen (Wände lang)
von ihr gehen (Träume ab)
zu mir kommen (Nächte tot)
Ich höre ihre Stimme atmen. Küsse ihr lebensgefährliches Lächeln. Priwjet, Nastinka, priwjet! singt es in mir und tanzt es und zerlichtet mich von innen. Wehrlos, ich und immer. "Wohl bei dir im Moment." Wieder will ich sterben, warum sagst du das. "Du liegst mir bleiern-sanft im Herz." Ich musste es sagen, vielleicht nicht ihr, doch aber der Nacht, der kauzig glotzenden Nacht, dieser verdammten Nacht. "Zu schwer .. dann lass mich fallen." "Nichts ist zu schwer", sage ich dann doch, "wenn es gemein getragen wird. Öffne meinen Mund und leg mir Wolle ein und Moos. Und es wächst auf meinem Rücken. So ist das Uns, so deutet es (auf) uns." "Du willst, dass ich bleibe." Ich hasse dich, Nastinka, ich hasse dich ohnegleichen. "Ich will, dass du bleibst." Ich habe mich längst entwertet, sonst hasste ich mich ebenso. Ich, der aufopfernde Ritter einer Komplexfotze.
Ausgetragen: ich bin Skeptiker. "Wohin gehst du?" Soll ich ihr darauf antworten? "Sterben." "Sterben?" "Scherz." "Scherzsterben." "Fick dich." Und nach all dieser Zeit, nach all der Stille und des Mordens, kam ich wieder zu mir. Kam ich zu mir, ohne von ihr zu gehen und das war der Beginn einer wunderbaren Liebe. Scherz. Poka, Nastinka, poka. Und ging hinfort. Und als ich endlich bei mir war, fern aller nastinkaesken Liebe, da sprach sie sie, die drei Worte.
Und heute entsage ich dem Wort. Gehe noch einmal in diese alte, vermodert-seelenlose Hütte und knie nieder. Demut und Tod auf meinem Haar, Demut und Tod auf meiner Brust, Demut und Tod darunter. Nastinka.
"Bitte hilf mir."Frage an Cendrars:
"Sind Sie wirklich mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren?"
Cendrars:
"Was geht Dich das an? Ich habe Dich mit ihr fahren lassen."
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27-12-2005 17:22 #2
Anmerkung
Frage an Cendrars:
"Sind Sie wirklich mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren?"
Cendrars:
"Was geht Dich das an? Ich habe Dich mit ihr fahren lassen."
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27-12-2005 20:16 #3Hypnos Gast
Nicht mal ein Forum ohne einen einzigen Eintrag könnte so einschläfernd sein wie dieses geschwätzige, willenlose Monumental-Nichts.
Du hättest nach dem ersten Satz abbrechen und deinen Vorsatz halten sollen.
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27-12-2005 22:31 #4
Gast
Selten so plakativ-polemisches Gepupse gerochen. Für gesichtslose Zweckwidrige - Schisser - ist mir meine Zeit zu schade. Hier: beliebte Smileyarmada.
Frage an Cendrars:
"Sind Sie wirklich mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren?"
Cendrars:
"Was geht Dich das an? Ich habe Dich mit ihr fahren lassen."
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27-12-2005 23:30 #5Hypnos GastSelten einen dermaßen von sich eingenommenen und arroganten - dabei erzählerisch jedoch bedauernswert limitierten - Zeilenschinder wie dich getroffen. Mich störte übrigens auch weniger dein amorpher Wort-Brei da oben - den hätte ich normalerweise einfach kommentarlos links liegenlassen - als vielmehr die gönnerhafte Bemerkung hintendran. Nach einer solchen Leistung dann auch noch so ein selbstgefälliger Kommentar, das ist schon aller Ehren wert. Wenn du den Büchner-, den Kleist- und den Ingeborg Bachmann-Preis doch schon hast und den Nobelpreis nur deswegen nicht, weil ihn immer irgendwelche inferioren Quoten-Dampfplauderer bekommen, deren Zenit - wenn sie je einen hatten - mindestens ein halbes Jahrhundert hinter ihnen liegt: was befriedigt es dich dann noch, hier deine Prosa aus der Strampelhosenzeit abzulassen, nur damit niemand einschläft? Laß sie doch (übrigens spielst du mir mit dem, was du schreibst, sowieso in die Hände
Zitat von Unter-Wasser
)!
Es zeugt nicht von großem Respekt gegenüber den Lesern, ihnen lieber etwas Altes, halb Verfaultes hinzuwerfen als etwas Neues, das man, scheint's, zur Zeit nicht auf Lager hat - nur um sich in Erinnerung zu rufen und wichtig zu machen. Dein Narzißmus übersteigt jedes menschliche Maß, das liest man auch aus jedem deiner Beiträge im Lyrik-Forum. Aber mach', mach' du nur...
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