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21-10-2004 12:06 #1
the door in the floor - tür der versuchung (drama 2004)
The Door in the Floor - Tür der Versuchung
"The Door in the Floor" oder noch schlimmer "Die Tür der Versuchung", das klingt nach großer Gefühlsduselei im Nicholas-Sparks-Format, verziert mit Rosamunde Pilcher. Tod Williams verfilmt jedoch einen John-Irving-Roman und traut sich, einen komplett anderen Blickwinkel als die Lektüre einzunehmen.
Wenn sich wie hier ein präzises Drehbuch auf schwelgerischen Bildern ausruhen darf, dann gelingt ein eigenständiges Werk, das zwar wenig mit dem Buch "Witwe für ein Jahr" zu tun hat, aber großes Erzählkino ist - mit einem hervorragenden Gespür für das, worauf es ankommt: Balance.
Williams zeigt nicht nur Mut, tief in die Seelen zu blicken. Er scheint auch Weitblick zu haben, was die Besetzung seiner Figuren angeht und lässt die Geschwister der Stars aus der zweiten Reihe heraustreten. So engagierte er Jon Foster (den jüngeren Bruder des in Amerika bekannten Ben Foster), der für die Rolle des 16-jährigen Eddie zehn Kilo abnahm. Elle Fanning, die Schwester der beliebten Dakota Fanning (beide spielten bei "I am Sam") ist Marions (Kim Basinger) und Teds (Jeff Bridges) kleine Tochter Ruth, ein lautlos durch die Gänge schleichender Engel, der sich in Fotowände träumt und voller intelligenter Intuition steckt. Sie hat einen schwierigen Part, müsste das verwöhnte Nesthäkchen sein, das behütet aufwächst in diesem traumhaften Anwesen am Meer, in der gepflegten Gegend von Long Island, wo der erfolgreiche Kinderbuchautor und seine Gattin leben. Doch im Grunde läuft Ruth nebenher. Sie wird von ihrer Mutter nicht beachtet, die um ihre beiden Söhne trauert, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen.
Der Tod der Jungs hängt wie eine dunkelgraue Wolke über dieser Geschichte, so dramatisch sie ist, so dezent hat Tod Williams als Drehbuchautor die Erinnerung an sie gestreut. Er filetierte die komplexe Story, die sich bei Irving um Ruth und ihr späteres Leben dreht, bleibt in ihrer Kindheit, stellt das Familiendrama unters Mikroskop.
Nicht die Auflösung irgendeines Geheimnisses steht im Vordergrund. Als Zuschauer ist man genug damit beschäftigt, die vielschichtigen Charaktere zu beobachten und die unzähligen Metaphern zu verarbeiten. Alleine Jeff Bridges' Topform würde diesen Film überall hin tragen. Doch auch Kim Basinger und der Rest des Ensembles beeindrucken mit Stärke und Gebrochenheit. Diese Menschen sind tiefsinnig und rätselhaft, stehen über den Dingen, verletzen einander, um sich danach wieder zu beschützen.
Es wird eine rasante Fahrt. Der Sommer ist eine harte Probe für diese Ehe, deren Liebe verblasst wie die Farben auf der Leinwand. So unaufhaltsam dieser Prozess, so sicher beginnt eine neue Geschichte. Eine über sonderbare Gefühle, die passieren, wenn eine trauernde Mutter eine nicht erklärte Affäre beginnt. Eine Affäre mit einem 16-Jährigen, der unschuldiger nicht sein könnte. Dies ist natürlich die erstaunlichste Wendung in diesem Drama, das intensiv, leise und ironisch ist, zwischen Stimmungen wechselt wie das Leben selbst. Es wird kein Finger erhoben, im Grunde noch nicht mal durch das Schlüsselloch geschaut.
Im Leben fängt vieles an und es hört auch wieder auf. So sicher man sich manchmal ist, das nun das Ende da sei, so gnadenlos irrt man. Davon erzählt "The Door in the Floor", ohne in den Gewässern eines "großen TV-Dramas" zu stranden. Die Trauer - um Menschen oder um verlorene Liebe - ist ein großes Gefühl. Williams zeigt, dass man sie besser ohne Paukenschläge inszeniert, lässt immer diese unangenehme Brise über das Haus wehen, hält das Geschehen in verwaschenen Farben und den Betrachter auf Distanz.
Die Menschen reagieren nicht auf die Katastrophen, zumindest nicht cholerisch und laut, wie man das erwarten würde. Diese eigenwillige Beherrschtheit, die stoische Ruhe ... das macht alles noch schlimmer. Die endlosen Sekunden, die die Kamera auf Kim Basingers starrem Gesicht verharrt, beeindrucken mehr als jeder Wutanfall. Denn Dynamik bekommt das Ganze erst zum Schluss. So subtil, wie hier Tragisches in manchmal bittere Komik gebettet wird, bleibt einem nichts anderes übrig, als diesen Film mit dem Bauch zu verstehen - ähnlich wie damals "Magnolia".
The Door in the Floor - Tür der VersuchungGenre: Drama
Starttermin: 21.10.2004
Verleih: Tobis
Entstehungsland/ -jahr: USA, 2004
Spieldauer: 111 Minuten
Regie: Tod Williams
Hauptdarsteller: Jeff Bridges, Kim Basinger, Jon Foster u.a
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09-11-2004 08:28 #2
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Gerry, hast du das wieder irgendwo herkopiert?
Naja, auf den Verdacht hin, daß ich mal wieder der einzige hier bin, der den Film gesehen hat, weil The Door In The Floor eben eben keine marktschreierisch große Blockbuster-Produktion ist, möchte ich doch ein, zwei Sätze darüber verlieren.
Seit ich den Film vor ca. zwei Wochen gesehen habe, wollte ich eine Rezension schreiben, aber es ist mir nicht gelungen. Ich bekomme den Film einfach nicht richtig zu fassen, weiß nicht so recht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Der oben abgedruckkte Text erscheint mir stellenweise auch recht hilflos. Möglicherweise gehört The Door In The Floor zu den Filmen, zu denen man nichts mehr sagen kann, zu denen man nichts mehr sagen muß, weil der Film selbst schon alles gesagt hat.
Richtig sicher die Entscheidung, "nur" den ersten Teil des Buches als Drehbuchvorlage zu verwenden - es ist von allen drei Iriving-Verfilmungen (nach Hotel New Hampshire und The Cider House Rules) die beste. Tolll die Bildersprache, die Willams einsetzt, vor allem die Fenster- und Türrahmen, die er wie Formatrahmen verwendet und dem Zuschauer so mehr als die üblichen Perspektiven bietet, ganz unaufdringlich und toll auch die im Hintergrund unauffällig wechselnden Wetterlagen während des Sommers, in dem der Film spielt. Etwas exzentrisch mögen die Figuren sein, die Jeff Bridges und Kim Basinger verköpern, etwas schüchterner vielleicht Foster als man das aus dem Buch Irivings erwartet hätte, trotzdem ist The Door In The Floor einer der besten Filme, die ich dieses Jahr gesehen habe...
P.S.: "m.E." = meines Erachtens (etwas altmodisch, ja, heute wohl eher IMO - In My Opinion)
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