Thema: Million Dollar Baby
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16-03-2005 13:38 #1Kumo Gast
Million Dollar Cowboy
O Mann, war ich enttäuscht.
Als großer Fan des Spaghetti-Westerns im allgemeinen und von Clint-Eastwood-Filmen im besonderen habe ich dem Meisterstück Unforgiven, für das Eastwood seinen ersten Regie-Oscar erhielt, selbstverständlich einen Ehrenplatz in meinem DVD-Regal eingeräumt. Und auch im Rennen um die diesjährigen Acadamy-Awards habe ich dem Blonden die Daumen gedrückt - da hatte ich noch keinen der Filme gesehen...²
Million Dollar Baby ist sicherlich der Grottenolm im OEuvre Eastwoods.
Bis zum Wendepunkt der Handlung bekommt man zwar passable Unterhaltung, danach schnarcht man nur noch weg. Geweckt wird man nur noch durch einige Holzhammer-Kalauer, holprige Szenenwechsel und der Injektion des Euthanasie-Themas gen Ende.
Einige Hervorhebungen von zu Versenkendem:
Achtung, "Spoiler" (inkl. Sidepipes und Keilfahrwerk, Böser Blick vorrausgesetzt).- "Fly there, drive back": dieser Kalauer wird erst in einer Extra-Szene ungeschickt vorbereitet, um dann 20 Minuten später in einer weiteren Extra-Szene total plump zu Ende geführt zu werden. Völlig überflüssiges Hemmnis des Erzählflusses.
- Häufig quatscht der Erzähler mitten in der Handlung dazwischen, um einen mit überflüssigen Zusatzinformationen zuzuspammen. ("It was enough adrenaline to do the job three times over." - Na und?)
- besonders in Rage versetzt haben mich die völlig deplatzierten Western-Elemente am Ende: Eastwood, der nach "getaner Arbeit" (dem Mord an seinem Schützling) wie der einsame Cowboy gen Sonnenuntergang (dem Ausgang des Krankenhauses) geht; und vor allem dieser üble, leicht kitschig-verschwommene Blick durch ein Gasthausfenster, wo Eastwood an der Theke ein Stück Apfelkuchen verspeist, während der Erzähler fragt, wo er wohl hin ist, wie er die Sache verkraftet, etc. Absolut zum kotzen!
- Die rauhe Südstaaten-Erzählerstimme aus dem off ist in The Big Lebowski klasse. In Million Dollar Baby hat sie mich in den Wahnsinn getrieben. Sie ist einfach völlig überflüssig und unterstreicht hier nur, dass Eastwood die Geschichte, die er erzählen will, nicht in Bilder zu fassen vermag.
Der Film ist eine ganz große Enttäuschung. Der zweite Oscar mag der Karriere des Regisseurs eine würdevolles Ende verleihen, dieser Film tut es nicht.
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²Inzwischen habe ich alle drei, Million Dollar Baby, Aviator und Ray, gesehen und frage mich ernsthaft, warum nicht der letztere in allen Hauptkategorien abgeräumt hat...Geändert von Kuschelmonster (31-03-2005 um 12:24 Uhr)
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31-03-2005 11:27 #2
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Clint Eastwood: The Million Dollar Baby (USA 2004)
Clint Eastwood: Million Dollar Baby (USA 2004)
Daß Hilary Swank zwar keine Schönheit im Sinne von Julia Roberts oder Charlize Theron ist, aber schauspielerisch zu den allerbesten gehört, wissen wir seit Boys don‘t cry. Und daß sie in so Mega-Flops wie The Core zu versauern drohte. Doch dann kam Herr Eastwood und hat ihr eine der Hauptrollen in Million Dollar Baby gegeben. Herr Eastwood hat inzwischen schon eine Menge Regiearbeiten gemacht und man konnte mit ansehen, wie er sich steigerte. Space Cowboys war noch eher eine Auftragsarbeit, aber z.B. mit The Bridges at Madison County und True Crime hat er sich weiterentwickelt. Und nun hat er mit Million Dollar Baby ein tadelloses Meisterwerk abgeliefert. Zugegeben, es gibt andere Filme, die genauso traurig und ergreifend, genauso stark und mitreißend sind wie Million Dollar Baby, die aber nicht mit Auszeichnungen überschüttet wurden (in diesem Zusammenhang sei auf das thematisch ähnlich angelegte, brillante Girlsfight verwiesen), aber wenn einmal der „richtigen“ Film die Preise abräumt, dann sei ihm das gegönnt.
Marcel Reich-Ranicki hat in einem seiner letzten Sonntags-FAZ-Kolumnen den Sport und die Literatur als „ungleiche Brüder“ beschrieben. Ähnlich verhält es sich mit Sport und Film. Es ist nicht einfach und Deutsche und Franzosen können solche Filme, bei dem der Sport eine wichtige Rolle spielt, nicht machen (sieht man mal von Dokumentarfilmen ab). Dieses Können bleibt den Amerikanern vorbehalten, die ein ungleich entspannteres Verhältnis zum Sport haben. Dabei spielt es in Million Dollar Baby gar keine Rolle, WELCHER Sport dort gemacht wird, wiewohl das Boxen eine geeignete Allegorie auf das Leben ist. Aber in Eastwoods Film geht es in erster Linie um Freundschaft, die, wie er zeigt, manchmal doch dicker als Blut sein kann und solcherart Freundschaft, die nur der Sport hervorbringen kann. Und es geht darum, ob man die einzige Chance, die man vielleicht in seinem Leben hat, wahrnimmt oder nicht und dabei kommt es nicht einmal darauf an, ob man dabei gewinnt oder verliert, wichtig ist, die Chance genutzt zu haben, die Chance zum Million Dollar Baby zu werden, auch wenn Geld in dem Film nur eine konvertierbare Währung für Anerkennung ist.
Der Film ist von einer beeindruckenden Zeitlosigkeit (Eastwood vermied ausdrücklich jeden Schnickschnack, die den Film einem genauer definierten Zeitraum zuordnen ließe) und damit auch von beeindruckender Universalität der Aussagen.
Million Dollar Baby hat nach ca. Zweidritteln des Umfangs einen Bruch, der die Handlung auf den Kern der Sache zwischen Dunn, dem Trainer (Eastwood) und Maggie Fitzgerald (Swank) und damit auf die essentiellen Sachen fokussiert. Der Film hätte nach diesen ersten Zweidritteln schon vorbei sein können und wäre trotzdem ein großartiger Film geblieben, was nicht heißen soll, daß das letzte Drittel überflüssig ist. Das ist es nicht.
Handwerklich ist Million Dollar Baby gekonnt gemacht, viele dunkle Szenen mit harten Kontrast und mit einem unaufdringlichen, zurückhaltenden Soundtrack und Score versehen (auch von Eastwood). Fast ist man versucht zu glauben, Million Dollar Baby sei ein sog. „Autorenfilm“ - aber an dieses hohe erzählerische und emotionale Niveau sind Fassbinder, Schöndorf und Co. niemals herangekommen...
Fazit: Wer sich Million Dollar Baby nicht im Kino ansieht, ist selbst Schuld.Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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