Ich habe "Sommer vorm Balkon" letzte Woche im dritten Anlauf gesehen (zweimal war das Kino bereits einen bzw. zwei Tage vor der Vorstellung ausverkauft) und muss sagen, dass ich doch etwas enttäuscht war.
Nach lobpreisenden Kritiken und ausgebuchten Kinosälen hatte ich irgendwie mehr erwartet.
Die Charaktere bleiben durchweg ziemlich blass, und insgesamt war der Film (jedenfalls für mich) nicht mehr als seichte Unterhaltung.
Ich war mir volle 105 Minuten lang bewusst, dass ich gerade im Kino sitze - ein Umstand, der eigentlich für sich spricht. :grübel:
Sicherlich gab es den einen oder anderen situationsbedingten Grinser (ungünstig hängende Spiegel, Bewerbungsgesprächsimulation oder Geburtstagswünsche an den Ex), aber das wars dann auch schon wieder.
Auch ging mir der allseits gesprochene extrem übertriebene Berliner Dialekt irgendwann gehörig auf den Senkel - es lebe das Klischee... Ich jedenfalls bin in 27 Jahren nicht so vielen Berliner Schnauzen begegnet wie in diesen knapp zwei Stunden auf der Leinwand.
Fazit: Ein leichter Film ohne sonderlichen Tiefgang, den man sich mal aus der Videothek ausleihen kann, den man aber definitiv nicht im Kino gesehen haben muss.![]()
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24-01-2006 13:10 #1
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Sommer vorm Balkon (Andreas Dresen, D 2005)
Sommer vorm Balkon (Andreas Dresen, D 2005)
Wenn es einen deutschen Regisseur gibt, der die deutsche Befindlichkeit am besten auf Zelluloid bannen kann, ohne daß dabei bedeutungsschwanger-manirierte (Roehler), bizarr-abgründige (Graf) oder Münchner Schickeria-(Wedl, Dietl) Werke dabei herauskommen, so ist das Andreas Dresen. Obwohl seine Welten immer im östlichen Teil des Landes spielen, ist er doch zu einem Künstler geworden, der gesamtdeutsche Geschichten erzählt, weil er sich auf die Menschen und nicht auf die Politik konzentriert oder versucht, schulmeisterliche Gesellschaftsportraits zu machen, die keiner braucht. Dresens Figuren sind immer ehrlich gezeichnet und ganz aus dem wahren Leben gegriffen.
Im Mittelpunkt von Sommer vorm Balkon stehen zwei Frauen, Katrin (Inka Friedrich) und Nike (Nadja Uhl), die eine arbeitslos und alleinerziehend, die andere Altenpflegerin. Da könnte man problemlos eine melancholisch-tröge Geschichte erzählen, aber so ist Sommer vorm Balkon nicht. Der Film kommt und geht leichtfüßig und zeigt auf, was sich während einer Jahreszeit im Kosmos der beiden Freundinnen ereignen kann. Der Trailer verspricht zwar eine Sommerkomödie, und das ist Sommer vorm Balkon auch, aber ganz so leicht läßt Dresen den Zuschauer dann doch nicht davonkommen. Es werden nonchalant nebenbei auch ernste Themen angesprochen, aber der Regisseur überläßt es dem Kinogänger, darüber zu urteilen. In Dresens Filmen ist man Beobachter, nicht Teilnehmer einer Predigt. Wenn der Film eine Botschaft hat, dann könnte sie lauten: Das Leben hat Höhen und Tiefen, aber es liegt an uns, wie wir es sehen und nutzen. Und wenn es ein Pendant zu einer „Männerfreundschaft“ gibt, also eine „Frauenfreundschaft“, so kann man auch diesen in Sommer vorm Balkon sehen.
Der Film hat zwar nicht die Tiefe und Dichte wie frühere Andreas-Dresen-Filme, z.B. Halbe Treppe, oder Willenbrock, ist aber dennoch äußerst sehenswert.
Fazit: Humorvolle und gelungene Alltagskomödie.
Gesehen am Donnerstag, den 19.Januar 2006 um17:30 Uhr im UCI in Hürth.Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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24-01-2006 15:22 #2

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22-02-2006 14:00 #3
ich habe den film am sonntag gesehen und mich recht gut amüsiert.
wobei ich sagen muss, dass meine freundin und ich den film aus spaß eher in die sparte "horrofilm" gepackt haben aufgrund der widerlichen erscheinung ronalds (sowohl innerlich als auch äußerlich)

es war eine angenehme stimmung in dem film, ich habe mich sofort in den sommer versetzt gefühlt (wirkt aber wahrscheinlich eher, wenn man wirklich berliner ist) und den berliner dialekt der nike fand ich sehr erfrischend, ich höre das ab und zu ganz gerne.
und ein paar gute lache waren dabei, sehr nett war die szene, als helene (die patientin der nike) vor dem spiegel sitzt und meint "schade, dass mein gesicht nicht mehr so glatt ist wie mein hintern" und nike dann antwortet "dann haste dein´n hintan aba lange nich mehr jesehn, helene"
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22-02-2006 14:12 #4Boah, ja - der war wirklich sowas von untragbar... Ich musste auch jedesmal mein Popcorn wegstellen, wenn er auf der Leinwand erschien.
Zitat von Platy84

Tja, ich bin "wirklich Berlinerin", und auf mich hat es leider absolut nicht gewirkt. Irgendwie kam die Stimmung einfach nicht so rüber. :grübel:
Zitat von Platy84
Aber ist ja schön, dass es Dir da anders ging.
Stimmt, die war nicht schlecht - nur eben eine der Szenen, die man auch schon aus dem Trailer kannte. :grübel:
Zitat von Platy84

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23-02-2006 14:19 #5den habe ich ja zum glück vorher nicht gesehen....
Zitat von Zaunwipfel
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