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01-09-2006 18:42 #1
Running on Karma [ Johnnie To, Wai Ka-Fai; HK 2003 ]

Hongkong 2003
Regie: Johnnie To, Wai Ka-Fai
Darsteller: Andy Lau, Cecilia Cheung, Eddie Cheung Siu Fai, Karen Tong, Chun Wong, Yuen Bun, Hou Lian Sheng, He Sheng Wei, Zhang Meng, Yu Wen Zhong, Wong Wa Wo
Während einer Razzia kann der monströs gestählte Stripper Big [ Andy Lau im Musclesuit ] fliehen; die junge Polizistin Lee Fong Yee [ Cecilia Cheung ] verfolgt ihn. Parallel dazu flüchtet ein tatverdächtiger Inder von einem Mordtatort; als beide zusammentreffen hat Big Visionen von dem Tod Lee’s und rettet sie; dabei kann er auch den Inder stellen.
Er eröffnet Lee, dass sie bald sterben wird; diese will sich daraufhin als Lockvogel opfern und gleichzeitig den Mörder von Big’s früherer Freundin finden.
Eher sehr seltsamer Film bar jeder wirklich greifbarer Genrekonventionen. Wobei der mangelnde Realitätsbezug zuerst ein gutes Stück Überraschungen und Aha – Effekte miteinbringt; aber spätestens ab der Hälfte die „anything goes“ Formel zu weit dehnt und überspannt und das Undefinierbare auch in ein moralisches Zeugnis umwandelt.
Dabei ist die abstruse Geschichte zuerst wirklich überraschend und deswegen auch richtig effizient, da man die Unwahrscheinlichkeiten in dem Tempo und der Verrücktheit der Erzählung sehr schnell vergisst. Man einfach zum nächsten Punkt der Handlung gelangen und den Fortgang wissen will.
Allein die Einführung am Tatort hat schon mehr Ideen und Wendungen als manche Filme in der ganzen Zeit bieten können: Der Inder versteckt sich in einer sehr kleinen Kiste und windet sich zum Erstaunen der Polizisten und der Zuschauer da raus, um dann erst richtig los- und die bewaffneten Cops mit seinen blossen Händen zu erledigen und sich dann aus dem Staub zu machen. Die dabei eingesetzte Action ist übrigens sehr auf Wirework und CGI bedacht, macht bis hierhin aber noch nichts, die filmische Kombination aus grimmiger Realität und überbordender Kinophantasie ist zu mitreissend.
Die Hetzjagd geht dann eine Weile, wobei auch erste Anzeichen einer tieferen Beziehung von Lee und ihrem ungewöhnlichen Begleiter gezeigt werden. Dieser wirkt trotz oder gerade wegen seiner beeindruckenden Körpermaße seltsam verletzlich und sentimental; auch und gerade da er regelmässig wie eine Zirkusattraktion posiert.
Dabei erfährt man auch seine Vorgeschichte; nach dem Mord vor 5 Jahren trat er aus dem Kloster aus und besitzt seitdem auch die Fähigkeit, das Karma der Menschen vorauszusehen. Die Ursache ihrer Tode und den bevorstehenden Tod selber.
Nachdem der Inder von Big in einem Luftschacht des Bahnhofs eingewickelt wird, ist diese Episode auch schon vorbei und erledigt, und jetzt fängt der Film an zu schludern und sich in ein ganz anderes Werk umzukehren. Die vorhergehende stimmige Atmosphäre wird einfach gestrichen. Was bis hierhin noch funktionierte, klappt in der nächsten Szene schon gar nicht mehr, sondern wirkt teilweise wie verpatzte Aufnahmen aus einem schlechten Superheldenfilm.
Der restliche Part spielt am Herkunftsort das Mönches, ganz uneinheitlich und nun auch bar jeder vorher eingespielten Komik. Wobei eine etwas verwirrende, aber nicht schlecht gelöste Erzählart gehandhabt wird, in der man vom Ende ausgehend an den Anfang zurückspringt und den Weg zum Ende anders löst.
Nunmehr ist der Film einerseits viel düsterer und auch eigentlich nichts mehr für zarte Nerven, verwischt das Ganze aber durch eine zutiefst philosophische Bedeutung, die den Vorkommnissen eine parabelhafte Natur beigibt: Das heutige Handeln führt morgen zu Konsequenzen. Das Leben als Kausalkette.
Hierbei ist die Lösung aber eindeutig zu simpel und zu einfach gehalten, die Aussage ist zu naiv, das Drama zu zwiespältig.
Der Film ist sicherlich nicht jedermanns Sache, zu extravagant die einzelnen Elemente, zu unkonventionell die Erzählweise. Am besten als einen fremden Traum sehen und einfach begleiten.

[ Film wurde auf der Berlinale 2004 gezeigt. Eine dt. DVD folgt November diesen Jahres.]Geändert von Contrai (01-09-2006 um 18:45 Uhr)
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02-09-2006 10:36 #2
immer wieder super zu lesen wie du filme beschreibst
There are two important things for full success in life:
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